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Veröffentlicht am 03.12.2021

Lässt mich zwiegespalten zurück

Ein Baum wächst in Brooklyn
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Der Einstieg fiel mir sehr schwer. Hätte ich nicht gemeinsam mit Livia gelesen, hätte ich das Buch wieder zur Seite gelegt, so wie Jamie. Ich hatte das Gefühl auf der Stelle zu treten, denn Betty Smith ...

Der Einstieg fiel mir sehr schwer. Hätte ich nicht gemeinsam mit Livia gelesen, hätte ich das Buch wieder zur Seite gelegt, so wie Jamie. Ich hatte das Gefühl auf der Stelle zu treten, denn Betty Smith schreibt sehr detailverliebt und ausschweifend. Doch so schnell gab ich nicht auf und das war gut so!
Wir lernen die elfjährige Francie kennen, die in ärmlichen Verhältnissen in Brooklyn aufwächst. Nach diesen ersten 72 Seiten hatte ich trotzdem das Gefühl nicht wirklich mehr über das Mädchen erfahren zu haben.
Im zweiten Abschnitt fand ich dann endlich in die Geschichte. In einem Rückblick erfahren wir mehr über Katies deutschstämmige Einwandererfamilie und wie sich Francies Eltern Katie Rommely und Johnny Nolan kennenlernen. Die bildhaft erzählten Hintergründe und die sehr gute Beschreibung der beiden Charaktere haben mich in ihre Geschichte abtauchen lassen und ich hatte ein perfektes Bild der Figuren vor meinen Augen. Das Leben holt die beiden Turteltäubchen nach der Hochzeit sehr rasch ein. Katie wird schwanger und Johnny arbeitet als singender Kellner. Als Francie zur Welt kommt, ist Johnny nicht aufzufinden. Sein unregelmäßiges Einkommen und sein eher unruhiger Geist helfen nicht dazu bei regelmäßig Essen auf den Tisch zu bekommen. Johnny ist einen Tag himmelhoch jauchzend und am nächsten zu Tode betrübt. Die fehlende Perspektive und die unterschiedlichen Charaktere lassen schnell erkennen, dass sich die große Liebe bald abnützen wird. Katie weiß, dass sie zwar einen hübschen und liebenswerten Mann geheiratet hat, der aber charakterschwach ist und zum Trinker wird. Knapp ein Jahr nach Francie kommt Cornelius, genannt Neeley, zur Welt und es bleibt an Katie für die Beiden zu sorgen....

Betty Smith wurde 1944 mit diesem Roman für den Pulitzer Preis nominiert. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es der Autorin gelungen ist, ein hervorragendes Zeitbild der damaligen Lebensumstände zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Brooklyn darzustellen. Dazu hilft sicher auch, dass sie selbst zu dieser Zeit in diesem Teil New Yorks aufgewachsen ist. Sie versteht es aber auch hervorragend die Träume und Wünsche, Gedanken und Gefühle der Nolans wiederzugeben. Aus Francie wird ein Bücherwurm, der es an Freunden fehlt. Sie ist eine Außenseiterin, die bald die fixe Idee hat, einmal eine große Schriftstellerin zu werden. Neeley ähnelt äußerlich seinem Vater und hat keinerlei Schwierigkeiten Anschluss zu finden. Er hat den Charme von Johnny geerbt und ihm fliegt auch das Herz seiner Mutter zu. Katie ist streng und oftmals auch etwas unfair ihrer Erstgeborenen gegenüber. Sie will aus ihren Kindern anständige Menschen machen und legt dabei sehr viel Wert auf Bildung. Sie erkennt, dass diese der Schlüssel für ein besseres Leben ist. Doch Bildung kostet Geld.

Während Francie eine sehr gute Schülerin ist, erledigt Neeley nur das Notwendigste. Francie erfährt jedoch keinerlei Rückhalt und oftmals hatte ich das Gefühl sie aufmuntern und in die Arme nehmen zu müssen. Von ihr wird erwartet, dass sie auf viele Dinge verzichtet, denn sie sei stark genug. Die Stimmung des Buches fand ich häufig als erdrückend und wehmütig. Dann aber gab es auch wieder einge skurille Situationen, bei denen ich den Kopf schütteln, aber auch lauthals auflachen musste. Besonders Sissy, die Tante von Francie, die nie Lesen und Schreiben gelernt hat, und dennoch die Emanzipierteste von allen Rommelys ist, sorgt für Lacher. Trotzdem versucht auch sie für Francie und Neeley die Wichtigkeit von Büchern und Bildung zu vermitteln.

Die Charaktere sind sehr lebendig und äußert gelungen dargestellt. Ich finde, dass diese sehr anschauliche Darstellung der Figuren genau den Charme des Romanes ausmachen. Man fühlt sich inmitten der Nolans und erlebt alle guten und schlechten Zeiten hautnah mit.
Doch dann kam der letzte Abschnitt und dieser hat mich, genauso wie der Anfang, enttäuscht. Das Ende ist ein klein bisschen offen gelassen und das bei über 600 Seiten. Einiges wird nicht auserzählt, was ich sehr schade fand. Und wer mich kennt, der weiß auch, dass ein halb offenes Ende mich rasend macht und deshalb auch meine Bewertung herabschraubt. Sorry!


Fazit:
Ein Roman, den ich unbedingt lieben wollte, der mich aber etwas zwiespältig zurück lässt. Die Geschichte wird mir sicherlich in Erinnerung bleiben, denn die Autorin hat das Leben der Nolans sehr eindringlich und lebendig erzählt. Vorallem der Anfang war mir aber zu ausschweifend und das Ende hat michetwas enttäuscht zurück gelassen. Dazwischen fand ich eine oftmals zu Herzen gehende Geschichte, die mir trotzallem gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 29.11.2021

Für mich der bisher beste Band der Reihe

Das kleine Chalet in der Schweiz
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Nachdem der eigentliche fünfte Band der "Romantic Escape Reihe", der in Kroatioen spielt, leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde (ich frage mich noch immer WARUM?), sind wir nun von Japan direkt in ...

Nachdem der eigentliche fünfte Band der "Romantic Escape Reihe", der in Kroatioen spielt, leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde (ich frage mich noch immer WARUM?), sind wir nun von Japan direkt in der Schweiz gelandet. Auf diesen neuen Roman war ich schon sehr gespannt, denn in vielen Dingen ähnelt die Schweiz auch meinem Heimatland Österreich - auf jeden Fall was das Schifahren und die Berge betrifft. Diese beiden Themen sind in dieser Geschichte reichlich vorhanden. Doch woran denkt man noch, wenn das Wort Schweiz fällt? Schokolade und Käse.

Ich muss zugeben, dass ich etwas skeptisch war und befürchtet habe, dass Julie Caplin genauso wenig Ahnung vom Schifahren hat, wie Karen Swan, die in ihrem Buch "Winterküsse im Schnee" so viel Unsinn geschrieben hat, dass ich wirklich entsetzt war! Noch heute kann ich nur den Kopf darüber schütteln! (vorallem auch betreffend des Lektorates) Vorweg kann ich aber sagen, dass Julie Caplin alles richtig gemacht hat und sich auskennt bzw. richtig recherchiert hat. Einzig bei der Übersetzung habe ich mich über den Ausdruck "Abfahrtski laufen" gewundert. Das sagt bei uns niemand....man geht einfach Schilaufen. Sonst ist der neue Roman von Julie Caplin aber äußert gelungen.

Mina ist eine quirlige und lebenlustige junge Frau, der es auch an Spontanität nicht mangelt. Sie liebt es, wenn sie ihre Freunde einladen und bekochen kann. Bei einer dieser Einladungen macht sie ihrem Freund Simon einen Heiratsantrag. Dies endet allerdings in einem Fiakso. Mina nimmt sich daraufhin im Job eine kleine Auszeit und flüchtet. Sie besucht endlich ihre Patentante Amelie in der Schweiz, die sie schon so oft eingeladen hat. Diese besitzt eine kuschelige Pension, in der sie nur ausgesuchte Gäste hat. Einer davon ist Luke, den Mina schon im Zug kennengelernt hat und der ihr sofort sympathisch ist. Doch der junge Mann ist ähnlich spontan wie sie und Mina hat sich geschworen, endlich erwachsen zu werden und das Leben ernster anzugehen. Außerdem hat sie gerade eine Beziehung hinter sich.... Doch Luke gibt nicht so schnell auf, lernt ihr das Langlaufen und erzählt ihr viel über die Schweiz, was die Beiden näher bringt.
Mina fühlt sich bei ihrer Tante wohl und stellt schon bald neue Kuchen- und Tortenkreationen her. Dabei entdeckt sie, dass sie nicht nur ihre Liebe zu Simon in England gelassen hat, sondern auch die zu ihrem Beruf als Testköchin.....

Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt leicht und locker. Vorallem punktet Caplin durch die sehr bildhaften Beschreibungen des jeweiligen Landes ihrer Romantic Escape Reihe. Die Innenseite des Buches ist liebevoll gestaltet. Darin befindet sich eine Karte der Schweiz mit den verschiedenen Stationen, die Mina besucht. Am Ende befindet sich ein Rezept für eine Basler Kirsch-Torte.

Die Charaktere sind individuell und lebendig, wie auch sympathisch. Die heimelige Atmosphäre im Chalet strahlt einfach nur Gemütlichkeit aus und bei den Köstlichkeiten, die den Besuchern kredenzt werden, lief mir das Wasser im Mund zusammen. Julie Caplin schafft es aber auch die wunderschöne Landschaft und das winterlieche Ambiente in den Bergen wundervoll darzustellen. Ich bin ja ein Winterkind und beim Lesen wäre ich selbst am liebsten sofort in meine Schiausrüstung geschlüpft und hätte den nächsten Schilift/Gondel den Berg rauf genommen.
Die Ausflüge in die Welt der Käseproduktion oder in die Schokoladenfabrik sind noch weitere Zuckerl, die mich begeistern konnten.
Aber auch eine Spur Nachdenklichkeit mixt die Autorin in ihr Geheimrezept, das der Geschichte noch einen Hauch Tiefgang beschert. Auch die Dramatik kam nicht zu kurz und das Ende war dann wieder richtig was fürs Herz.
"Das kleine Chalet in der Schweiz" ist vorallem ein Wohlfühlroman, der mich diesmal auf eine wunderbare Reise in unser Nachbarland, die Schweiz, mitgenommen hat. Besonders jetzt in der Winter- und Weihnachtszeit kann ich das Buch empfehlen.


Fazit:
Für mich der bisher beste Band der "Romantic Escape Reihe" von Julie Caplin, der mit viel Atmosphäre und winterlichem Ambiente glänzt. Auch die lokalen Köstlichkeiten werden sehr anschaulich beschrieben. Einziger Nachteil: Ich hatte beim Lesen laufend Lust auf Schokolade und Torten.
Nun freue ich mich auf den weiteren Band, der in Irland spielen und im Juni 2022 erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 27.11.2021

Temporeich, aber auch nichts wirklich Neues

Blutzahl
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Die beiden norwegischen Thriller-Autoren Thomas Enger und Jørn Lier Horst haben sich zusammengetan und gemeinsam eine Reihe geschrieben, die sowohl Spannung, Tempo und eine düstere Atmosphäre mitbringen. ...

Die beiden norwegischen Thriller-Autoren Thomas Enger und Jørn Lier Horst haben sich zusammengetan und gemeinsam eine Reihe geschrieben, die sowohl Spannung, Tempo und eine düstere Atmosphäre mitbringen. Das Duo finde ich gelungen! Von Thomas Egel habe ich bisher noch nichts gelesen, Jørn Lier Horst "Wisting" Reihe habe ich nach dem ersten Band nicht weiter verfolgt. Der Cold Case war mir etwas zu ruhig und zu schnell durchschaubar.

Sonja Nordström ist Autorin und hat soeben ihr neues Buch veröffentlicht. Als sie nicht zum TV Interview erscheint und auch ihre anderen Tagestermine nicht wahrnimmt, macht dies Promi-Reporterin Emma Ramm stutzig. Wer lässt sich so eine Chance entgehen für sein neues Werk keine Werbung zu machen? Emma fährt zur Villa der Autorin und findet Sonja tot im Wohnzimmer. Auf ihrem TV-Gerät klebt eine Notiz mit der Nummer 1. Kurze Zeit später findet man eine männliche Leiche in Sonjas Sommerhaus mit der Zahl 7. Der Osloer Kommissar Alexander Blix vom Dezernat für Gewaltverbrechen ist irritiert. Als eine weitere Leiche mit einer Nummer auftaucht, weiß er, dass es sich um einen Serienmörder handelt, der einem Countdown gleich mordet....

Thomas Enger und Jørn Lier Horst haben mit "Blutzahl" einen tollen Reihenauftakt geliefert, dem es nicht an Spannung fehlt. Ihre beiden Protagonisten Alexander und Emma ergänzen sich perfekt. Die Journalistin, die sich im Promibereich tummelt, ist ehrgeizig und tough, während Alexander lieber im Hintergrund agiert. Emma leidet außerdem an der Erbkrankheit Alopezie (Haarausfall), die bei ihr besonders ausgeprägt ist. Alexander hat, wie leider fast aller Ermittler in Thriller, eine schwere Vergangenheit, die er gegenüber seinem Team verschweigt. Allerdings übermittelt er Emma einige sensible Informationen über den aktuellen Stand der Ermittlungen und bekommt durch sie neue Gedankenanstöße, die ihm oftmals die Sachlage aus einer anderen Perspektive sehen lassen. Die teilweise grausamen Morde und die detaillierte Schilderung der Tatorte lassen einen Blick hinter die Kulissen der prominenten Opfer zu. Was oftmals von außen glänzt, ist innen drinnen ganz schön schmutzig.....

Erzählt wird in zwei Erzählsträngen und jeweils aus der Sicht von Alexander und Emma. Die Kapitel sind kurz und enden mit einem Cliffhanger, was die Spannung forciert. Es gibt jede Menge überraschende Wendungen und falsche Fährten, die den Leser in die Irre führen. Auch das Privatleben wird gut in die Handlung miteingewoben und lässt einen kleinen privaten Blick hinter die Fassaden zu. Die Opferauswahl fand ich nicht ganz logisch und einige Vorfälle wirken schon etwas konstruiert, wie auch der Anlass der Mordserie. Aber auch im wahren Leben ist oftmals ein nichtiger Bewegrund Ursache für einen Mord....

Ich werde mir den zweiten Band sicher noch aus meiner Bücherei mitnehmen und schauen, ob mir die Reihe weiter zusagt. Der Auftaktband reiht sich problemlos in die Riege deutscher und skandinavischer Thrillerautoren ein....spannend und temporeich, aber nicht wirklich etwas Neues.

Fazit:
Ein temporeicher Thriller des Autorenduos, die mich mit ihrem Auftaktband fesseln konnten. Jedoch weist auch dieser Thriller die altbekannten "Fehler" auf: ein Ermittler mit dunkler Vergangenheit oder einem Suchtproblem, sowie einem etwas zu konstruierter Plot. Trotzdem spannend und gut zu lesen.

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Veröffentlicht am 25.11.2021

Jedes Jahr ein Weihnachtsroman von Sarah Morgan muss sein

Das Fest der Weihnachtsschwestern
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Wie der Weihnachtshunderoman von Petra Schier gehört auch der alljährliche Winter-/Weihnachtsroman von Sarah Morgan zu meinen Pflichtlektüren in der Vorweihnachtszeit. Diesmal sind wir - wie im Jahre 2019 ...

Wie der Weihnachtshunderoman von Petra Schier gehört auch der alljährliche Winter-/Weihnachtsroman von Sarah Morgan zu meinen Pflichtlektüren in der Vorweihnachtszeit. Diesmal sind wir - wie im Jahre 2019 - in Schottland und wiederum versetzt mich die Autorin in eine wunderbar verschneite Kulisse, die zum Träumen einlädt.

Gayle Mitchell lebt als sehr erfolgreiche Geschäftsfrau und Autorin in New York. Ihr Alltag besteht einzig aus ihrem Job. Die Vorweihnachtszeit ist angebrochen und Gayle promotet ihren neuen Selbshilfe Roman "Dein neues Ich". Das Fernseh-Team ist anwesend, als sie einen Unfall erleidet und sich kurze Zeit später im Krankenhaus wiederfindet. Keiner ihrer Angestellten weiß, dass sie zwei Kinder hat, als sie darum bittet ihre Tochter Samantha zu benachrichtigen. Vor fünf Jahren hatten Gayle und ihre Töchter einen großen Streit und haben seitdem keinerlei Kontakt mehr. Als Gayle Samantha und Ella im Krankenhaus mitteilt, dass sie diesmal Weihnachten mit ihnen zusammen feiern möchte, sind die Frauen entsetzt. Ihre Mutter ist nämlich nicht nur ein Weihnachtsmuffel, sondern sie hasst diese Zeit regelrecht. Weder Samantha, noch Ella haben je ein richtiges Weihnachtsfest mit Baum und Geschenken erlebt. Dabei lieben die beiden Schwestern Weihnachten und verbringen es die letzten Jahre immer gemeinsam. Und nun sollen sie es mit ihrer Mutter feiern? Beider versuchen Gayle diese Idee auszureden, doch leider erfolglos.

Samantha führt ein Reisebüro, das sich auf Winterreisen zur Weihnachtszeit spezialisiert hat. Sie bietet individuelle Reisen im höherem Preissegment an und hat im Moment ein sehr interessantes Anwesen in Schottland im Auge. Samantha ist immer auf der Suche nach geeigneten Unterkünften für ihre Kundschaft. Blöderweise führte sie vor der Reise ein peinliches Telefonat mit dem Besitzer der Lodge und möchte ihn deshalb nicht persönlich kennenlernen. Dieser zeigt aber nur Interesse an einer Vermittlung, wenn er Samantha und ihre Arbeitsweise persönlich kennenlernen kann. Ella, ihr Mann Michael und ihre Tochter Tabitha, genannt Tab, sind begeistert von der Idee gemeinsam nach Schottland zu reisen, doch Gayle weiß weder von ihrer Enkeltochter, noch davon, dass Ella verheiratet ist.
Schneller als gedacht verbringen Sie die Weihnachtstage zusammen in Schottland in der Kinleven Lodge der Familie McIntyre....

Dass diese Tage turbulent werden, ist wohl jedem Leser klar, der die Fakten rund um Gayle und ihre Töchter kennt. Doch Gayle steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben und möchte ihren Töchtern wieder näher kommen. Sie wirkt nur auf den ersten Blick hartherzig und kühl, doch unter der Oberfläche verbergen sich schlimme Erfahrungen, weswegen sie sich einen harten Panzer zugelegt hat. Bis Samatha und Ella ihrer "fremden" Mutter näher kommen, dauert es lange. Die fünfjährige Tab hat hingegen keinerlei Hemmungen und erobert zuerst das Herz von Gayle.
Das Herz von Samantha schlägt dafür beim Anblick des Hausherren Brodie McIntyre höher. Der Mathematiker, der seiner Schwester Kirstie und seiner Mutter helfen will, das verschuldete Anwesen zu behalten, ist ein sehr sympathischer Mann. Auf seinen Schultern lastet eine große Verantwortung.
Seine Mutter Mary ist eine der ganz besonderen Charaktere in diesem Roman, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Und natürlich die kleine Tab, die ausspricht, was sie denkt und mit ihrem Charme alle um den Finger wickelt. Die Figuren sind lebendig und sehr liebevoll beschrieben.

Die wunderbare verschneite Landschaft, die Rentiere und die weihnachtliche Idylle im Haus der McIntyres wird sehr atmosphärisch dargestellt. Am liebsten hätte ich mir selbst meinen Schianzug angezogen und wäre mit Tab im Schnee gestapft, hätte einen Schneemann gebaut oder mit ihr Kistie's Rentiere besucht.

Sarah Morgan hat auch diesmal ihrer Geschichte wieder Tiefgang verliehen und tief verschüttete Probleme angesprochen. Im Vordergrund dieses Romans steht eindeutig die Beziehung der Mutter zu den Töchtern und die Chance einer Versöhnung. Es gibt zwar auch eine kleine Liebesgeschichte, aber die ist diesmal eher nebensächlich, was für mich perfekt ist.

Der Roman hat alles was eine gute Wintergeschichte braucht: tolle Charaktere, eine interessante Familiengeschichte, ein bisschen Liebe, Schnee, Rentiere, viel Gefühl und Tiefgang.

Fazit:
Auch wenn ich mich nun wiederhole: "Das Fest der Weihnachtsschwestern" ist eine wunderschöne und atmosphärische Weihnachtsgeschichte, in der es um Verzeihen geht. Sie beinhaltet alles, was man für einen Roman, wie diesen braucht: sympathische Figuren, Winteridylle, Weihnachtsflair und trotzdem viel Tiefgang. Eine Geschichte zum Abtauchen und perfekt für die Vorweihnachtszeit.

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Veröffentlicht am 23.11.2021

Girl from Space

Mixtape 86
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Bücher, die in den Achziger Jahren spielen, mag ich besonders gerne. Das versetzt mich immer wieder zurück in meine eigene Jugendzeit, die zwar nicht immer einfach, aber richtig aufregend war. Zusätzlich ...

Bücher, die in den Achziger Jahren spielen, mag ich besonders gerne. Das versetzt mich immer wieder zurück in meine eigene Jugendzeit, die zwar nicht immer einfach, aber richtig aufregend war. Zusätzlich liebe ich auch die Musik der 1980iger und deshalb habe ich mich für den Debütroman von Katrin Friedrich "Mixtape 86" sofort beworben.

Hannover im Frühjahr 1986. Die fünfzehnjährige Franka fühlt sich ziemlich einsam, vorallem nachdem sich ihre beiden Freundinnen Cat und Jenny nach den Osterferien ohne Grund von ihr zurückziehen. Für Jenny steht nun ihr Freund Markus im Mittelpunkt, während Cat sich generell immer mehr absondert. Von ihrer Familie bekommt Franka keinen Halt. Ihre Mutter ist eine Frau, der Demonstrationen gegen Atommüll oder eine offene Beziehung wichtiger sind, als ihre Tochter. Franka spielt in ihrem Leben keinerlei Rolle. Franka's Vater ist Universitätsprofessor und viel im Ausland unterwegs.
Von Beginn an habe ich mit Franka mitgelitten, die in in dieser schwierigen Zeit voller Selbstzweifel und ohne Selbstbewusstsein vollkommen auf sich gestellt ist. Ziemlich verstört hat mich, dass Frankas Mutter den Möchtegernkünstler Peter Punker in ihr Zimmer einquartiert.
Welche Mutter käme auf die Idee ihrer Teenagertochter einen erwachsenen Mann ins Zimmer zu legen?? Ehrlich gesagt war ich schockiert! In einem kleinen Nebensatz erfährt man auch noch, dass dieser Peter Franka als Zwöljährige betatscht hat! Die Autorin hat es vollkommen unterlassen hier näher darauf einzugehen und hat die Situation als völlig normal hingestellt. So etwas geht überhaupt nicht!!!! In einem Coming-of-Age Roman mit einer Zielgruppe, die selbst in Frankas Alter ist, hat so etwas nichts verloren! Das ist auch mit ein Grund, warum ich einen ganzen Stern abgezogen habe.
Generell hat mich Frankas Familiensituation ziemlich aufgeregt und auch sehr betroffen gemacht. In diesem Alter braucht man mehr als sonst Unterstützung von seinen Eltern, auch wenn es der Zeitpunkt ist, wo sich die Kinder abzunabeln beginnen.
Diese teilweise drückende Stimmung hat mich zu Beginn mit dem Roman nicht wirklich Freund werden lassen. Doch mit der Reise in die USA beginnt Hoffnung aufzukommen und die Atmosphäre in der Geschichte verändert sich.

Den ersten kleinen Hoffnungsschimmer erfährt Frankas Leben, als sie an Stelle von Cat, die erkrankt, an einem Schüleraustausch in den USA teilnehmen darf. Obwohl ihre Mutter strikt dagegen ist und auch kein Geld für die Reise hat, fliegt Franka an Stelle ihrer Freundin nach Amerika. In der Austauschfamilie erfährt sie das erste Mal, wie sich eine Mutter normaler Weise ihrem Kind gegenüber verhält und sie lernt Adam kennen. Beide verlieben sich ineinander und ab diesem Zeitpunkt hat der Roman endlich die gewünschte Lockerheit erreicht, die ich mir gewünscht hatte. Es geht dabei nicht nur um die Liebe, sondern um Geborgenheit, sich selbst anzunehmen und zu akzeptieren.

Das Thema Erwachsen werden wird von der Autorin sehr gut umgesetzt. Ich konnte mich jederzeit in Franka hineinversetzen und habe mit ihr mitgelitten. Sie wird sehr authentisch dargestellt und hat mich in manchen Situationen öfters auch an mich in diesem Alter erinnert.
Allerdings fand ich manche Charaktere, sowohl in Deutschland, als auch in den USA, ziemlich überzeichnet. Der Schreibstil ist einfach und die Sätze sind relativ kurz gehalten.
Das Ende kam mir etwas zu plötzlich bzw. hätte ich mir noch ein paar Seiten mehr gewünscht.

Das titelgebende Mixtape bekommt Franka von Cat als eine Art Abschiedgeschenk zum Ende ihrer Freundschaft. Es bleibt Frankas ständiger Begleiter und David Bowie ihr Held.

Fazit:
Ein teilweise wunderbar erzählter Coming-of-Roman, der allerdings einige Ansätze hat, die mir nicht gefallen haben. Dies setzt auch meine Bewertung etwas herab. Die Figur Franka ist jedoch sehr authentisch dargestellt worden mit all ihren Zweifeln und der Unsicherheit in dieser Lebensphase.

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