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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2021

auf ganzer Linie überzeugend

Tote schweigen nie
1

"Tote schweigen nie" von A.K. Turner ist für mich DIE Entdeckung, ein Thriller bei dem das Gesamtkonzept absolut stimmig ist und überzeugt.

Im Mittelpunkt steht die 25jährige Cassie Raven, die als Sektionsassistentin ...

"Tote schweigen nie" von A.K. Turner ist für mich DIE Entdeckung, ein Thriller bei dem das Gesamtkonzept absolut stimmig ist und überzeugt.

Im Mittelpunkt steht die 25jährige Cassie Raven, die als Sektionsassistentin in der Rechtsmedizin arbeitet. Cassie ist nicht nur durch ihr Äußeres auffällig, sie trägt einen Undercut und diverse Piercings. Auch durch ihre Arbeit, in der sie mir den ihr anvertrauten Toten spricht, hebt sie sich ab. Sie behandelt die Toten im Prinzip nicht anders, als Lebende. Spricht mit ihnen, behandelt sie respektvoll.

Cassie hat ihre Eltern früh durch einen Unfall verloren, sie ist bei ihrer polnischen Großmutter aufgewachsen, zu der sie ein herzliches Verhältnis hat. Allerdings geriet sie nach der Schule auf die schiefe Bahn, schloss sich der Hausbesetzerszene an. Mrs. Evens holte sie von der Straße, wurde ihre Mentorin, nur durch sie hat sie den Absprung geschafft und ihren Abschluss nachgeholt.

Durch einen dummen Streit ist die Verbindung zu Mrs. E. abgebrochen, Cassie ist geschockt, als sie einen Leichensack öffnet, und in das Gesicht von Mrs. E blickt. Sie macht es sich zur Aufgabe, ihren Tod, der als Unfall deklariert ist, aufzuklären. DS Phyllida Flyte ist ihr dabei eine unerwartete Hilfe.

Ein wunderbar lockerer, teils flapsiger Schreibstil macht das Lesen zum Genuss. Cassie ist sympathisch, sie kann man nur sofort ins Herz schließen. DS Phyllida Flyte macht es einem etwas schwerer, hier dauerte es länger, bis ich mit ihr warm geworden bin. Ein Highlight ist Cassies Großmutter, eine liebenswerte alte Dame.

Die Einblicke in die Routine in der Rechtsmedizin fand ich spannend, die Story ist fesselnd und stimmig.

Fazit: Ich habe jede Seite genossen, ein Thriller der sich von der Masse abhebt, spannend ist und mit seiner ungewöhnlichen Protagonistin überzeugt. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 10.08.2021

ein Leben ohne Internet?

Systemfehler
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Ein Leben ohne Internet? Wer jetzt glaubt, das wäre nicht schlimm, wird in "Systemfehler" eines besseren belehrt. Im Mittelpunkt der Story steht der IT-Experte Daniel mit seiner Familie. Daniel hat drei ...

Ein Leben ohne Internet? Wer jetzt glaubt, das wäre nicht schlimm, wird in "Systemfehler" eines besseren belehrt. Im Mittelpunkt der Story steht der IT-Experte Daniel mit seiner Familie. Daniel hat drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, der seine gesamte Freizeit mit Onlinespielen verbringt. Daniels Schwester lebt in Hamburg, sie ist als Ärztin unmittelbar von den Auswirkungen des Internetcrashs betroffen.

Als sich Daniels Sohn die Zugangsdaten für die Firma seines Vaters mopst und sich einloggt, um das neueste Spiel vorweg zu spielen, crasht die Software. Um nicht ertappt zu werden, lädt sich der Junior Software aus dem Darknet, um damit das Spiel zu reparieren. Doch hinter dem Download verbirgt sich Schadsoftware. Als das Internet ausfällt, führen die Ermittlungen aus genau diesem Grund erst mal zu Daniel. Nelson Carius vom BND lenkt die Ermittlungen aber in eine andere Richtung, er verdächtigt eine Organisation, hinter dem Angriff zu stecken.

"Systemfehler" ist nach "42 Grad" für mich der zweite Thriller des Autors Wolf Harnlader. Der Autor beschreibt die drastischen Auswirkungen des Angriffs auf das Netz: In Krankenhäusern kommt es durch den Ausfall von vernetzter Medizintechnik zu Todesfällen, Flugzeuge stürzen ab, die Kommunikation bricht zusammen. Lebensmittel werden knapp, da die Lieferketten zusammenbrechen, selbst das Wasser fließt nicht mehr. Ein chaotischer Zustand, der nicht nur Deutschland, sondern inzwischen auch ganz Europa bedroht. Es kommt zu Plünderungen und Gewalt, der Tauschhandel blüht. Es wird klar, wie bedrohlich ein Ausfall des Internets sein kann, wie fragil unsere hochtechnisierte Welt inzwischen ist. Ein Szenario, das man sich nicht vorstellen mag und das doch so realistisch wirkt.

Leider sind die Charaktere viel zu blass und klischeehaft beschrieben. Nach dem gelungenen Einstieg hat mich die Story mehr und mehr verloren. Es wirkt, als hätte der Autor zu viel in diese Story packen wollen, weniger wäre hier mehr gewesen.

Fazit: Das Potential wurde nicht ausgereizt, hier wäre mehr drin gewesen.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Mord in den Kentucky Hills

Unbarmherziges Land
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"Unbarmherziges Land" ist ein außergewöhnlicher Krimi, ein Krimi, der von Land und Leuten lebt, in dem es nicht nur um die Aufklärung eines Mordfalls geht. In der kleinen Gemeinde Rocksalt, in einem Tal ...

"Unbarmherziges Land" ist ein außergewöhnlicher Krimi, ein Krimi, der von Land und Leuten lebt, in dem es nicht nur um die Aufklärung eines Mordfalls geht. In der kleinen Gemeinde Rocksalt, in einem Tal zwischen den Bergen Kentuckys, wird die Leiche einer Frau gefunden. Mick Hardin, ein Ermittler der US-Army ist auf Heimaturlaub und hilft seiner Schwester Linda bei der Aufklärung des Mordes. Linda ist der erste weibliche Sheriff und hat einen schweren Stand. Bei ihrem ersten Mordfall kann sie Micks Unterstützung gut brauchen.

Mir hat der Krimi sehr gut gefallen, er hebt sich vom Durchschnittskrimi ab, beschreibt sowohl die wunderbar wilde Natur als auch den besonderen Menschenschlag, der die Wälder der Kentucky Hills bevölkert. Hier wird gerne noch Selbstjustiz geübt, Familienfehden überdauern Generationen, nichts wird vergessen.

Jeder kennt jeden in diesem kleinen Nest, für Mick ist es von Vorteil, dass er hier aufgewachsen ist und auch jeden kennt. Mick ist ein schwieriger Typ, er hat es im Leben nicht leicht gehabt, die Kindheit bei seinem einsiedlerischen Großvater abgeschieden im Wald verbracht. Er ist naturverbunden, man begleitet ihn bei seinen Ermittlungen durch die Wälder, trifft auf Vögel, ein Maultier und andere Wildtiere, ich hatte die Szenerie bildlich vor Augen. Man bekommt ein Feeling für die Mountain People, wie sie ticken und wie die Dinge auf ihre eigene Art geregelt werden.

Die Ermittlungen werden unaufgeregt beschrieben, es ist ein eher ruhiger Krimi der authentisch rüberkommt.

Fazit: Ein wunderbarer Krimi mit viel Atmosphäre, den ich uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 27.07.2021

so geht Thriller!

Ausweglos
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Schauplatz Hamburg: Die Leiche einer Frau wird gefunden, sie ist übel zugerichtet, ihr Ringfinger fehlt. Alles deutet darauf hin, dass der Ringfingermörder wieder ein Opfer gefunden hat. Aber diesmal gibt ...

Schauplatz Hamburg: Die Leiche einer Frau wird gefunden, sie ist übel zugerichtet, ihr Ringfinger fehlt. Alles deutet darauf hin, dass der Ringfingermörder wieder ein Opfer gefunden hat. Aber diesmal gibt es einen überlebenden Zeugen. Wird Kommissar Blom, der vor Jahren mit den Ermittlungen im Fall des Ringfingermörders betraut war, den Killer fassen?


Wow, was für ein grandioses Thriller-Debüt. Hier stimmt einfach alles, angefangen beim lockeren, zeitgemäßen Schreibstil, bei dem auch ab und an der Humor durchblitzt. Authentische Charaktere mit Wiedererkennungswert, gekonnt gezeichnet, so dass ich von wirklich jedem ein Bild vor Augen hatte. Ich hatte das Gefühl Blom bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen, war bei der Story mittendrin.


Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven aufgerollt, die Spannung ist durchweg auf hohem Niveau, durch die kurzen Kapitel entsteht eine eigene Dynamik. Der Plot ist undurchsichtig, gut durchdacht und stimmig. Immer wieder gibt es unerwartete Wendungen, ich hatte bis zum Schluss keine Ahnung, wer der Täter ist. So muss es sein.


Fazit: Fesselnder Thriller, sprachlich auf hohem Niveau. Spannend von Anfang bis Ende, ein Lesehighlight 2021.

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Veröffentlicht am 21.07.2021

Unterhaltsamer Krimi mit Luft nach oben

Eskalation
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Die Mitinhaberin eines Nagelstudios, Dina, ist nachts alleine im Auto unterwegs. Das Treffen mit ihrer Freundin und Ex-Kollegin Linda dauerte länger als geplant. Als sich ein Auto auf der nächtlichen Autobahn ...

Die Mitinhaberin eines Nagelstudios, Dina, ist nachts alleine im Auto unterwegs. Das Treffen mit ihrer Freundin und Ex-Kollegin Linda dauerte länger als geplant. Als sich ein Auto auf der nächtlichen Autobahn hinter sie klemmt und sie der Fahrer auf dem Handy anruft und bedroht, ist sie geschockt, gerät in Panik, folgt seinen Anweisungen. Denn er kennt nicht nur ihren Namen, sondern auch den ihrer Tochter.

Hmmm, nicht so beängstigend wenn man weiß dass Dina mit ihrem Auto Werbung für ihr Nagelstudio fährt, ihre Handynummer gut sichtbar auf der Karosserie prangt und sie in den sozialen Medien sowohl Fotos ihrer Tochter als auch deren Namen postet. Also wieso bitteschön beendet sie das Gespräch nicht einfach, ruft ihren Ehemann an und fährt nach Hause? Hätte so einige Kollateralschäden verhindert.

Szenenwechsel: Dinas Mann, ein Dermatologe, wartet zu Hause vergeblich auf seine Frau, sie geht nicht ans Handy. Also legt er sich ins Bett um zu schlafen, lässt aber die Haustür einen Spalt offen, damit sie ohne zu klingeln ins Haus kann. Ernsthaft? Im Jahr 2021 ist das nicht nur dämlich, sondern grob fahrlässig, wenn sich ein kleines Kind im Haus befindet. Eine Einladung an jede finstere Gestalt. Ich hätte den Typen schütteln können!

Nach diesem Einstieg geht es dann ganz unterhaltsam weiter, in einem eher schlichten Schreibstil. Die Ermittlungen laufen an, es gibt weitere Leichen. Dann kommt auch Spannung auf, allerdings nicht die Hochspannung, die ich bei einem Thriller erwarte.

Die Figuren sind Stereotype, wirken eher blass, auch die Ermittler. Von beiden hatte ich nicht wirklich ein Bild vor Augen. Ein Lichtblick ist Dinas gute Freundin Linda, die cool agiert. Davon bitte mehr!

Das Ende mit seiner Auflösung konnte mich nicht ganz überzeugen, wirkt konstruiert und nicht wirklich glaubhaft.

Fazit: Unterhaltsamer Krimi mit kleinen Schwächen und Luft nach oben. 3 Sterne.

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