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Veröffentlicht am 24.05.2019

Lena und die Panama-Papers

Lena Halberg: Der Cellist
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Klappentext: Die Journalistin Lena Halberg stößt bei Recherchen in den Unterlagen der Panama-Papers auf die undurchsichtigen Transaktionen des Bankers Martin Kurkov. Hinter der biederen Fassade des Kunstliebhabers ...

Klappentext: Die Journalistin Lena Halberg stößt bei Recherchen in den Unterlagen der Panama-Papers auf die undurchsichtigen Transaktionen des Bankers Martin Kurkov. Hinter der biederen Fassade des Kunstliebhabers und Förderers eines jungen Cellisten, verbirgt sich ein eiskalter Finanzhai. Das wahre Gesicht kennen nur die Opfer seiner Gier. Für seinen Vorteil bricht Kurkov Gesetzte, manipuliert Währungen und kauft die Schulden bankrotter Staaten, um sich Einfluss auf deren Regierungen zu verschaffen. Fast zu spät beginnt Lena zu ahnen, dass auch der Cellist eine Rolle bei den dubiosen Geschäften spielen muss. In einer atemlosen Jagd zwischen Mailand und Triest versucht sie die Beweise sicherzustellen, obwohl sie selbst bereits auf der Abschussliste des korrupten Bankers steht.

Ein neuer Fall für Lena Halberg, und wieder liegt ihm ein sehr aktuelles Thema zugrunde: die Panama-Papers. Der Autor verwebt reale Themen mit fiktiver Handlung, man merkt dass hier sehr gut recherchiert wurde.

Lena, die inzwischen in Südtirol lebt, setzt ihr journalistisches Gespür ein. Der Selbstmord eines Bankers macht sie stutzig, sie glaubt nicht daran, recherchiert und stößt mit ihrer Recherche in ein Wespennest. Aus verschiedenen Perspektiven erlebt man die Handlung, es geht nach Bolivien und an diverse Schauplätze in Europa. Während Lena noch die Zusammenhänge sucht, weiß man als Leser mehr und fiebert darauf hin, wie Lena diesen Fall lösen wird. Tatkräftige Unterstützung erhält sie von Tom und ihrem guten Freund Hawk.

Die Handlung wirkt authentisch und macht nachdenklich, gerade den Einblick, wie Finanzmanipulationen funktionieren, finde ich äußerst erschreckend. Ernest Nybørg hat wieder einmal einen brisanten Fall entwickelt und seine Figuren sehr gut charakterisiert. Lenas Part hätte für meinen Geschmack noch etwas mehr Raum einnehmen dürfen und vom wirklich spannenden Showdown abgesehen, hätte ich mir ein kleines bisschen mehr Spannung durchweg gewünscht.

Fazit: Sehr gut recherchierter Thriller mit einem brisanten Thema. Ich bin auf Lenas nächsten Fall schon gespannt.

Veröffentlicht am 16.05.2019

Maras zweiter Fall

Lautlose Schreie
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"Lautlose Schreie" ist der zweite Fall für die unkonventionelle Frankfurter Ermittlerin Mara Billinsky. Nachdem ich vom ersten Teil mit dieser so außergewöhnlichen Ermittlerin begeistert war, lag die Messlatte ...

"Lautlose Schreie" ist der zweite Fall für die unkonventionelle Frankfurter Ermittlerin Mara Billinsky. Nachdem ich vom ersten Teil mit dieser so außergewöhnlichen Ermittlerin begeistert war, lag die Messlatte hoch. Doch auch mit diesem Fall konnte mich der Autor voll und ganz überzeugen. Auch wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat, sollte man problemlos in die Story starten können. Doch worum geht's?

Nahe Frankfurt werden in einem Feld die verbuddelten Leichen von sieben Kindern und Jugendlichen gefunden. Mara ermittelt in dem Fall, wird jedoch kurzfristig wieder abgezogen, das Verhältnis zu ihrem Chef Klimmt ist immer noch angespannt. So ist sie wenig begeistert, dass sie nun in einem anderen Mordfall ermitteln soll. Doch Mara lässt nicht locker und was sie herausfindet, ist der Alptraum schlechthin.

Leo Born hat hier einen spannungsgeladen, atmosphärischen Thriller geschrieben, der mit der Thematik betroffen und nachdenklich macht. Die Stimmung ist meist düster, so passend zu Mara, der "Krähe". Eine Protagonistin, die einzigartig, schwierig, unangepasst und doch äußerst sympathisch ist. Eine Type, die aus der breiten Schar an Ermittlern heraussticht, die interessant ist, über die man mehr erfahren möchte. Gerade die schwierigen, unangepassten Ermittler finde ich persönlich am interessantesten, denn für mich sind die Figuren mit ihrem Background mindestens genauso wichtig wie die Story an sich. Hier haben die Protagonisten Tiefgang, sind sehr gut charakterisiert und wirken lebendig. Sie sind glaubhaft, was ich besonders wichtig finde. Spannend war für mich auch die Beziehung zu Klimmt, zu sehen, wie Mara und Klimmt interagieren. Mit dem neuen Staatsanwalt kommt eine interessante Persönlichkeit zum Team. Sehr gut skizziert ist auch Ariane, eine undurchsichtige Frau mit Überraschungen.

Der Fall ist super spannend, ein ganz aktuelles Thema. Auch wenn sich recht schnell erahnen lässt, worum genau es geht, verliert die Story nicht an Spannung. Aus unterschiedlichen Perspektiven bekommt man verschiedene Sichtweisen und verfügt somit über mehr Informationen, als das Ermittlerteam. Kann Schlüsse ziehen, Spekulationen anstellen. Es gibt einige gefährliche Situationen, bei denen mir der Atem stockte, Situationen, in denen Mara in großer Gefahr ist. Am Ende laufen alle Fäden zusammen und alles wird schlüssig geklärt, so dass keine Fragen offen bleiben.

Fazit: Spannungsgeladener Thriller mit einer außergewöhnlichen Protagonistin. Achtung: Suchtgefahr!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Spannung
  • Geschichte
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 14.05.2019

Cem im Flitter-Weekend

Die Tote vom Titlis
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"Die Tote vom Titlis" ist der fünfte Fall für den smarten Ermittler Cem Cengiz, der frisch vermählt ist. Er hat sich getraut und verbringt mit seiner Frau, der Staatsanwältin Eva Roos ein lauschiges Flitter-Weekend ...

"Die Tote vom Titlis" ist der fünfte Fall für den smarten Ermittler Cem Cengiz, der frisch vermählt ist. Er hat sich getraut und verbringt mit seiner Frau, der Staatsanwältin Eva Roos ein lauschiges Flitter-Weekend auf dem Titlis. Doch so lauschig wie gedacht wird es nicht, das Wetter ist stürmisch und auf dem Berg stolpern sie förmlich über eine Leiche. Ausgerechnet während der Trauungszeremonie in der Berggrotte wurde die Braut von einem Unbekannten erschossen. Was bleibt den beiden übrig, als zu ermitteln? Sie sind nun mal direkt vor Ort und müssen sich mit den exzentrischen Teilnehmern der Hochzeitsgesellschaft aus der High Society rumschlagen. Das Wetter spielt verrückt, die Gondeln stehen still und Cem und Eva sitzen auf dem Berg mit einem Mörder fest. Als wäre dies nicht genug Trubel für ein Flitter-Weekend, gibt es eine nächste Leiche....

Ich bin ein großer Fan der Reihe, bisher war jeder Fall einzigartig, so auch dieser. Wobei das Setting wirklich genial ist. Die verschneite, stürmische Wetterlage, eingeschlossen hoch oben auf dem Titlis und dazu noch jede Menge undurchsichtiger Gestalten. Doch wer von ihnen ist der Mörder? Cem und Eva haben alle Hände voll zu tun, die Hochzeitsgäste zu beruhigen, doch einen Sack Flöhe zu hüten scheint einfacher, als die Gäste in einem Raum zu halten. Unterstützung bekommen die beiden von den verbleibenden Angestellten, die nicht mehr rechtzeitig vom Berg kamen.

In gewohnt lockerem Schreibstil baut sich die Story auf, durchmischt mit schweizerischen Vokabeln, so dass das Feeling für Land und Leute gleich vorhanden ist. Die Autorin zaubert viel Atmosphäre, hat sich bei den illustren Gästen des Empfangs dabei selbst übertroffen. Mit spitzer Feder sind die Menschen charakterisiert, es gibt eine skurrile ältere Dame mit jungem Lover, die kein Blatt vor den Mund nimmt, sozusagen das schwarze Schaf der Familie. Zwei junge Männer, Zwillinge, sorgen für allerhand Verwirrung, ein Schauspieler, ein Politiker und eine äußerst religiöse Dame spielen eine Rolle, um nur einige zu nennen. Der Krimi ist wunderbar zum miträtseln, immer wieder gibt es unvorhersehbare Wendungen, so dass die Story bis zum Ende fesselnd bleibt.

Fazit: Beste Krimiunterhaltung mit Spannung und einer turbulenten Story. Verzwickt und nicht vorhersehbar.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Brotbacken lernen - mit diesem Buch gelingt es

Der Brotbackkurs
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Ich backe seit ca. einem Jahr mein Brot selbst, allerdings verwende ich immer nur ein Rezept, weil ich weiß dass dieses Brot gelingt. Ich habe schon viele Rezepte ausprobiert, war mit dem Ergebnis aber ...

Ich backe seit ca. einem Jahr mein Brot selbst, allerdings verwende ich immer nur ein Rezept, weil ich weiß dass dieses Brot gelingt. Ich habe schon viele Rezepte ausprobiert, war mit dem Ergebnis aber nie so richtig zufrieden, weswegen ich auf "Der Brotbackkurs" von Valesa Schell sehr gespannt war. Brotbacken lernen für Anfänger mit wenig Hefe, das war der Punkt der mich besonders reizte.

Das Buch beginnt mit einer Einführung zum nötigen Handwerkszeug und Know How, das man kennen sollte. Ein informativer Einstieg, einiges war mit bekannt, aber auch vieles neu, so z. B. der Schwadomat. Besonders hilfreich sind die Step-by-Step Fotos z. B. für das Rund- oder Langwirken des Teigs. Man lernt bei der Lektüre auch einiges über Hefe, so war mir neu dass Hefe sogar eingefroren werden kann. Endlich muss ich nicht mehr die Reste des Hefewürfels wegwerfen, sondern friere die Hefe in kleinen Portionen ein.

Der Rezeptteil ist gegliedert in Rezepte mit Hefe, Backen mit Sauerteig, mit Lievito Madre und Wildhefe. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Vollkornbroten, Brötchen und Baguette sowie mit besonderen Getreidearten. Auch das Backen mit Koch-, Quell- und Brühstück wird ausführlich erläutert. Die Rezepte sind gut aufgebaut und beschrieben, so dass ich keine Probleme bei der Zubereitung hatte. Hilfreich ist, dass die jeweiligen Zeiten angegeben werden, die Gesamtzeit der Zubereitung und auch die Gare. So kann man im voraus planen und weiß, wie viel Zeit man einkalkulieren muss.

Man merkt, dass Brot backen ein äußerst komplexes Thema ist, das Wissen erfordert und nicht einfach ein Mischen von Zutaten. Besonders interessant war für mich das Kapitel über Wildhefe, der Ansatz ist gemacht und ich freue mich darauf, das erste Rezept ausprobieren zu können. Klar ist auch, dass man die nötige Zeit braucht und geduldig warten muss, bis die Ansätze für Sauerteig oder Wildhefewasser erst mal fertig sind.

Es gibt eine Vielzahl an Rezepten, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ich habe einige Rezepte ausprobiert, werde mich aber noch weiter durch das Buch backen, sobald meine Ansätze fertig sind. Vom Ergebnis der Hefebrote bin ich bis jetzt begeistert, die Brote sind sehr gut gelungen. Durch die lange Gare schmeckt das Brot aromatischer und hat nicht den oft so typischen Hefegeschmack. Mein Favorit ist bisher die Focaccia vom Blech, die ich um Kümmel ergänzt habe. Den Rezeptteil mit besonderen Mehlen werde ich hinten anstellen, da ich in meiner Nähe keine Chance habe, die Mehlsorten zu bekommen.

Ich bin vom Buch begeistert, so viel geballtes Wissen, so dass ich inzwischen ein besseres Verständnis für das Brotbacken habe. Wer Brotbacken lernen möchte und auch die nötige Zeit dafür hat, ist mit dem Buch sehr gut beraten. Neben der Freude am Backen weiß man so auch genau, was ein Brot enthält.

Veröffentlicht am 02.05.2019

ein neuer Fall für Viktor Puppe

Die Todesbotin
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Klappentext: "Berlin-Neukölln: Ein Deutschtürke liegt erschossen in seinem Handyladen. Kurz darauf findet man nach einer Explosion in einer verlassenen Kinderklinik die Leiche eines jungen Flüchtlings. ...

Klappentext: "Berlin-Neukölln: Ein Deutschtürke liegt erschossen in seinem Handyladen. Kurz darauf findet man nach einer Explosion in einer verlassenen Kinderklinik die Leiche eines jungen Flüchtlings. Spuren legen eine Verbindung zu dem Mord in Neukölln nahe. Der Staatsschutz vermutet einen terroristischen Hintergrund und reißt beide Fälle an sich. Viktor Puppe und seine Kollegen vom Berliner LKA verfolgen eine ganz andere Spur, die sie zu einer zwielichtigen »völkischen Siedlung« vor den Toren der Stadt führt. Viktor schleust sich in die Gemeinschaft ein und ist bei den Ermittlungen von nun an auf sich allein gestellt …"

"Die Todesbotin" ist der zweite Teil um den smarten Ermittler Viktor von Puppe, seine Kollegen Kenji Tokugawa und Begüm Duran und spielt natürlich wieder in Berlin. Ken, Viktor und Begüm ermitteln, wobei der Fall für Begüm sehr privat ist. Wieder einmal macht sie einen Alleingang, bekleckert sich dabei nicht gerade mit Ruhm. Während Viktor, eingeschleust in der völkischen Siedlung ermittelt und dabei in Lebensgefahr gerät, hält Ken die Stellung.

Der Thriller lebt von diesen einzigartigen Protagonisten, wobei Ken mit seinen flapsigen Sprüchen weiterhin mein Favorit ist. Viktor, das wandelnde Lexikon macht seinem Ruf wieder alle Ehre, aber so langsam wird er etwas lockerer. Man trifft auf alte Bekannte, die Gerichtsmedizinerin Stella Samson und Viktors Großvater, aber auch viele neue, sehr gut skizzierte Figuren. Sie sind vielschichtig und facettenreich, die Handlung wirkt durch sie authentisch.

Ich habe die Ermittlungen gespannt verfolgt und eigene Überlegungen angestellt, Begüm am liebsten hin und wieder geschüttelt, denn ihre Handlungsweise ist teils schwer nachvollziehbar. Der Plot ist dicht, nicht zu durchschauen und bietet ein geniales Ende mit Viktors Großvater, die Steilvorlage für den nächsten Teil?

Fazit: Wieder ist es Thomas Elbel gelungen, mich mit seinem Thriller und der fesselnden Handlung zu überzeugen. Man darf gespannt sein, welcher Fall im nächsten Teil auf die Ermittler wartet. 5 Sterne.