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Veröffentlicht am 21.11.2021

Familiengeschichte über mehrere Generationen

Mitgift
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Ausweislich der Beschreibung auf dem Buchrücken handelt es sich um einen Familienroman über sieben Generationen. Grob trifft das auch zu. Denn es geht um die niedersächsische Bauernfamilie Leeb in der ...

Ausweislich der Beschreibung auf dem Buchrücken handelt es sich um einen Familienroman über sieben Generationen. Grob trifft das auch zu. Denn es geht um die niedersächsische Bauernfamilie Leeb in der Zeit zwischen Mitte des 18. Jahrhunderts und 1962. Um die frühen Vorfahren geht es aber nur in Fragmenten. Im Mittelpunkt stehen der 1902 geborene Wilhelm Leeb senior und sein Sohn Willem und vor allem die 1940er Jahre bis hin zu 1962. Der Senior verkörpert den tyrannischen Herrscher über seinen Hof, dem sich Willem als Erstgeborener und Hoferbe unterzuordnen hat, obwohl Willem während Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft den Hof als Kind allein mit der Mutter geschmissen hat. Das führt zu einer Verzweiflungstat.
Das Landleben und die Familienstrukturen der niedersächsischen Landbevölkerung werden interessant dargestellt ebenso, welche Rolle der Nationalsozialismus einnahm. Insgesamt liegt aber der Fokus zu sehr auf dem immer wiederkehrenden Konflikt zwischen den letzten beiden Wilhelms, während andere Personen nur eine Nebenrolle einnehmen und bei ihnen auch Fragen offen bleiben. Das Lesen empfinde ich teilweise als schwer, weil die Zeitabschnitte nicht chronologisch abgehandelt werden und man die vielen Wilhelms erst richtig einzuordnen lernen muss.

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Veröffentlicht am 14.11.2021

Rassismus gegenüber den Indigenen in Kanada

Der gefrorene Himmel
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Das Buch zeigt sehr gelungen auf, wie tief Rassismus in der kanadischen Gesellschaft noch vor etwa 50 Jahren verwurzelt war. Der Protagonist und Indigene Saul wird als Kind von seinen Eltern verlassen ...

Das Buch zeigt sehr gelungen auf, wie tief Rassismus in der kanadischen Gesellschaft noch vor etwa 50 Jahren verwurzelt war. Der Protagonist und Indigene Saul wird als Kind von seinen Eltern verlassen und in ein katholisches Heim gesteckt, wo ihm alles Indianische ausgetrieben werden soll. Er erlebt dort die Hölle auf Erden. Sein besonderes Talent für Eishockey hilft ihm schließlich, die Stätte verlassen zu können und in den Profisport aufgenommen zu werden, wo er aber erneut rassistischen Erniedrigungen ausgesetzt ist. Daran zerbricht er und wird zum Alkoholiker.
Die Behandlung der Indigenen durch die weißen Kanadier war mir so gar nicht bewusst. Sie ist einfach nur empörend und traurig. Das Buch trägt dazu bei, dem Rassismus Einhalt zu gebieten. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, wenngleich mir als nicht Sportbegeisterter der Eishockeysport als Nationalsport Kanadas zu viel Raum einnahm (deshalb ein Stern Abzug).

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Veröffentlicht am 14.11.2021

Ein moderner Robin Hood

Die Rebellin und der Dieb
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Es ist einfach nur wunderbar, was hier der Feder von Jan-Philipp Sendler entsprungen ist. In gewisser Weise erinnert das Buch an Robin Hood sowie Bonnie und Clyde, deren Rollen hier von den 18jährigen ...

Es ist einfach nur wunderbar, was hier der Feder von Jan-Philipp Sendler entsprungen ist. In gewisser Weise erinnert das Buch an Robin Hood sowie Bonnie und Clyde, deren Rollen hier von den 18jährigen Niri und Mary eingenommen werden. Er hat mit seiner Familie bis vor kurzem wenngleich als „Illegale“, so doch auch einigermaßen auskömmlich als Hausangestellte bei ihrer reichen Familie in irgendeinem Land in Südostasien gelebt. Doch mit dem Ausbruch der Pandemie landen sie wie so viele ihresgleichen in einem Slum. Anfangs ist es der Hunger seiner kleinen Schwester, der Niri nächtliche Raubzüge in den Vorratskeller seiner einstigen Arbeitgeber machen lässt. Daraus werden dann schnell mit Hilfe von Mary immer größere Diebesserien in die Tresore der Reichen. Die Beute verteilen sie geschickt unter den Armen, womit sie bewusst den streng buddhistischen Glaubensansichten seines Vaters und der sozialen Stellung ihrer Familie zuwider handeln.
Die Geschichte liest sich äußerst spannend und die beiden Protagonisten mit ihrem Kampf um eine gerechtere Welt haben die volle Sympathie des Lesers. Die Sozialkritik an den diktatorischen Verhältnissen in den Ländern Südostasiens, die ihr innewohnt, trifft leider voll zu.
Dieser Roman verdient es, gelesen zu werden.

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Veröffentlicht am 10.11.2021

Blick hinter die Kulissen der Blaublütigen

Wir sind schließlich wer
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Der erste Roman der Autorin „Wir sind doch Schwestern“ hat mich vor einigen Jahren nachhaltig beeindruckt. Ihr Roman „Mädelsabend“ hat mich dann später enttäuscht. Dennoch habe ich es jetzt noch einmal ...

Der erste Roman der Autorin „Wir sind doch Schwestern“ hat mich vor einigen Jahren nachhaltig beeindruckt. Ihr Roman „Mädelsabend“ hat mich dann später enttäuscht. Dennoch habe ich es jetzt noch einmal mit der Autorin versucht und muss sagen, dass das Buch doch ehr auf dem seichten Roman von „Mädelsabend“ verharrt, dem sogar Romanfiguren entlehnt wurden (Großtante Ottilie aus dem Seniorenstift). Die Geschichte ist erneut in der Heimat der Autorin am Niederrhein angesiedelt, so dass sie für dort Ansässige ein gewisses Interesse wecken könnte. Thematisch erscheint mir alles künstlich aufgesetzt. Die nicht dem Familienbild entsprechende Protagonistin Anna tritt eine erste Pastorenstelle in ihrer Heimat an und hat sich gegen die Vorurteile der Dorfbewohner zu behaupten sowie familiäre Probleme ihrer dünkelhaften Schwester zu lösen. An Klischees die Personen betreffend wird nicht gespart. Zu viel dreht sich um den vermeintlichen Standesdünkel der Adligen, was ich als aus der Zeit gefallen empfinde. Viele durchaus ernsthafte Themen werden angerissen, aber letztendlich nicht vertieft behandelt.
Als leichte Unterhaltung geeignet, anspruchsvolle Lektüre darf nicht erwartet werden.

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Veröffentlicht am 06.11.2021

Leichte Unterhaltung über die Liebe zwischen einem amerikanischen GI und einer Deutschen

Wenn die Hoffnung erwacht
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Unterhaltungswert kommt diesem Roman durchaus zu für jemanden, der eine seichte Lektüre zur Entspannung sucht, es nicht allzu anspruchsvoll will und historische Romane mag, die in der deutschen Nachkriegszeit ...

Unterhaltungswert kommt diesem Roman durchaus zu für jemanden, der eine seichte Lektüre zur Entspannung sucht, es nicht allzu anspruchsvoll will und historische Romane mag, die in der deutschen Nachkriegszeit spielen. Doch wie ich es immer wieder bei ähnlichen Büchern erlebe, störe ich mich auch hier daran, dass für die Protagonistin alles zu glatt läuft und sich ihre Probleme binnen kürzester Zeit im Nichts auflösen. Das ist mir zu realitätsfremd.
Doch worum geht es? Die junge Nora lernt in ihrer noch kriegszerstörten und unter den Folgen des Krieges leidenden Heimatstadt Regensburg einen amerikanischen Besatzungssoldaten kennen und lieben. Rasch wird sie schwanger und er verspricht ihr die Ehe. Noch ehe es dazu kommt, wird er zu einer geheimen Mission abkommandiert. Noras erzkonservativer Vater will die Schande auf seine Art lösen und Nora nebst Baby an einen Geschäftspartner verheiraten. Nora kommt dem zuvor und flieht nach München, wo sie Aufnahme bei einer wohlhabenden Familie findet, die allerdings aufgrund eines Missverständnisses das Baby für das ihrer Tochter hält und es als geliebten Enkel großzieht mit Nora als seinem Kindermädchen. Nora macht Karriere in dem Zeitungsverlag ihres Arbeitgebers und verliebt sich in dessen Neffen. Bis sie aber Klarheit in die wahren Verhältnisse bringt, dauert es geraume Zeit.
Wenn man verschiedene Sachen nicht hinterfragt, für die die Autorin letztlich immer eine plausible Lösung entwickelt, wird man sich gut unterhalten fühlen. Für mich interessant war, dass einige historische Aspekte sehr interessant dargestellt werden, wie etwa die Tatsache, dass mehrere hunderttausend Babys während der Zeit der amerikanischen Besatzung in Deutschland geboren wurden mit einer deutschen Mutter (die als „Ami-Liebchen“ verschrien war) und einem amerikanischen Vater, der sich ganz gesetzeskonform seiner Verantwortung für sein Kind entziehen konnte.
Alles in allem dreieinhalb Sterne.

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