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Veröffentlicht am 17.10.2021

Aufstieg und Fall eines Unternehmers

Rückwind
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Das Buch erzählt vom hohen Aufstieg und tiefen Fall eines Unternehmers für Windkraft. Eigentlich sperrt sich der Protagonist Hartmut Trössner, die mittelständische Firma für Sondermaschinen seines Vaters ...

Das Buch erzählt vom hohen Aufstieg und tiefen Fall eines Unternehmers für Windkraft. Eigentlich sperrt sich der Protagonist Hartmut Trössner, die mittelständische Firma für Sondermaschinen seines Vaters fortzuführen, besinnt sich nach dessen Tod aber unvermutet eines anderen und macht aus dem Erbe ein Weltunternehmen für Windräder. Privat ist er ebenfalls auf der Sonnenseite des Lebens mit einer bekannten Schauspielerin als Ehefrau, einem kleinen Sohn und Eigenheim. Doch an nur einem einzigen Tag verliert Trössner dann alles und verbringt einige Monate in der Psychiatrie. Nach seiner Entlassung begibt er sich mit dem Zug nach Berlin und erzählt seine Lebensgeschichte einer mitreisenden jungen Frau. In Berlin landet er einen Coup.
Interessant ist der Roman allemal, enthält er doch viele satirische Elemente betreffend Unternehmertum, Medien, Windenergie. Zum Nachdenken regt er hinsichtlich der immer wieder von Trössner aufgeworfenen Frage nach dem Warum für so viel kumuliertes Leid in seiner Person an. Leicht zu lesen ist er aber nicht. Denn Vieles wird von einem den Protagonisten umgebenden unsichtbaren Ich geschildert und kommentiert. Der Sinn des fulminanten Endes hat sich mir dann leider nicht erschlossen.

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Veröffentlicht am 05.10.2021

Rückblick auf eine alte Ehe

Solange sie tanzen
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Wer gerne Liebesromane mit dem gewissen Etwas liest, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Sowohl die beiden Liebenden selbst als auch ihre ureigene Liebesgeschichte sind etwas ganz Besonderes. Ihren ...

Wer gerne Liebesromane mit dem gewissen Etwas liest, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Sowohl die beiden Liebenden selbst als auch ihre ureigene Liebesgeschichte sind etwas ganz Besonderes. Ihren Beginn nimmt die Geschichte 1957, als die beiden – Ada und Hans – bei einem Kinobesuch durch Freunde verkuppelt werden sollen und sich tatsächlich ineinander verlieben. Da die Eltern gegen die Beziehung sind, besuchen sie über Jahre hinweg gemeinsam Tanzkurse, um sich wenigstens dort treffen zu können. Schließlich kann eine Heirat doch stattfinden und die Ehe hält mehr als 50 Jahre bis zum Tod von Hans. Im Alter blickt Ada auf diese Jahrzehnte zurück, die auch ihre Schattenseiten hatten. Doch auch ihre Zeit neigt sich dem Ende zu und wird von fortschreitender Demenz geprägt.
Über eine solche alte Ehe, die durchaus ihre Probleme hatte, zu lesen, war sehr unterhaltsam. Sich mit Senioren zu befassen, macht sich die Autorin wohl zur Aufgabe, denn auch „Fritz und Emma“ hatte Senioren als Protagonisten. Hier kommt als zusätzlicher schöner Aspekt hinzu, dass Ada einen ebenfalls in die Jahre gekommenen Boxerhund um sich hat, um den sie sich rührende kümmert (und auch umgekehrt).
Das Buch bekommt von mir eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 30.09.2021

Ein einziges Lamentieren

Eine Frau am Telefon
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Erst kürzlich habe ich den neuesten Roman der Autorin „Kleine Fluchten“ gelesen, der mich sehr beeindruckt hat. Er war der Grund, zu dem vorliegenden früheren Buch zu greifen. Doch ich war sehr enttäuscht. ...

Erst kürzlich habe ich den neuesten Roman der Autorin „Kleine Fluchten“ gelesen, der mich sehr beeindruckt hat. Er war der Grund, zu dem vorliegenden früheren Buch zu greifen. Doch ich war sehr enttäuscht. In unendlich langen Monologen telefoniert eine Frau um die 60 mit ihrer erwachsenen Tochter bzw. bespricht deren Anrufbeantworter. Sie lamentiert unentwegt über ihren Ex-Ehemann, Krankheiten, Partnersuche auf Datingportalen. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie eine psychische Störung hat, was im Text auch angedeutet wird. Mir fehlt jeglicher Tiefsinn und ich war froh, das kurze Büchlein rasch ausgelesen zu haben.

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Veröffentlicht am 25.09.2021

Wunderbare Erzählung über eine osteuropäische Pflegekraft

Wenn ich wiederkomme
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Bei uns in Deutschland werden osteuropäische Pflegekräfte in Privathaushalten schon seit geraumer Zeit beschäftigt, um Senioren im Alter einen Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. In diesem ...

Bei uns in Deutschland werden osteuropäische Pflegekräfte in Privathaushalten schon seit geraumer Zeit beschäftigt, um Senioren im Alter einen Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist dann aber meistens nur von den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und der Erleichterung für die Angehörigen die Rede. In diesem Roman nun widmet sich der Autor einmal der anderen Seite, nämlich der Pflegekraft und deren eigener Familie. Am Beispiel der Rumänin Daniela und ihrer beiden Kinder Angelica und Manuel schildert er, wie allein und verlassen sich die zurückgelassene Familie ohne die Mutter fühlt, die die überwiegende Zeit im Jahr im Ausland (hier: Italien) tätig ist, um die Familie mit dem hart, zumeist schwarz verdienten Geld zu Hause über die Runden kriegen und ihr vor allem ein besseres Leben ermöglichen zu können. Dabei teilt er die Geschichte in drei Teile und lässt in jedem einen der drei Beteiligten seine Situation und Sicht der Dinge schildern. Die Probleme und Belastungen der Frauen und ihrer Familie werden gut herausgearbeitet. Sie waren mir in dieser Tragweite gar nicht bewusst. Vor allem kannte ich das sog. „Italiensyndrom“ bislang nicht, also die depressive Erkrankung der Pflegerinnen. Der Autor hat gute Recherche geleistet. Mich als Zugehörige zu einer Wohlstandsgesellschaft hat sie betroffen zurückgelassen.
Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 21.09.2021

Eine faszinierende Familiengeschichte

Wenn wir heimkehren
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Ein wirklich imposantes Buch, sowohl dem Äußeren nach mit seinen immerhin knapp 600 Seiten als auch dem Inhalt nach. Schon wieder eine Familiengeschichte, die zurzeit üppig auf dem Buchmarkt zu finden ...

Ein wirklich imposantes Buch, sowohl dem Äußeren nach mit seinen immerhin knapp 600 Seiten als auch dem Inhalt nach. Schon wieder eine Familiengeschichte, die zurzeit üppig auf dem Buchmarkt zu finden sind, mag manch einer denken, zumal auch noch autofiktional, wie es ebenfalls derzeit sehr beliebt ist. Aber es ist eine Familiengeschichte, die von anderen positiven hervorsticht und die es wirklich verdient, gelesen zu werden.
Der Einstieg beginnt im Nachkriegs-Köln, als sich der Maurer Willi und die Luxemburgerin Margot mit ihrem Sohn Fred bei der Durchführung eines Auftrags kennenlernen, was der Auftakt für eine jahrzehntelange Liebe ist, die jedoch zunächst mit Hindernissen belegt ist. In Rückblenden und gedanklichen Betrachtungen in der jeweiligen Gegenwart auf verschiedenen Zeitebenen zwischen den 1930er und 1990er Jahren aus Margots, Willis und Freds Perspektive wird die Geschichte ihrer Familie, auch der weiteren, ausgebreitet. Der Casus knactus, der Margots ganzes Leben geprägt und den sie nie verwunden hat, liegt darin, dass sie in ihrer Heimat Luxemburg während des Zweiten Weltkriegs von einem deutschen Soldaten geschwängert und deshalb von ihren wohlhabenden Eltern verstoßen wurde, die es als Schande empfanden, eine Kollaborateurin zur Tochter zu haben. Ebenfalls auf elterlichen Druck zur Legitimierung ihres Kindes ehelichte Margot einen deutschen Soldaten niederen Ranges, der sich nach dem Krieg als gewalttätiger Ehemann und vor allem Vater gegenüber dem Kuckuckskind Fred entpuppte, den sie deshalb heimlich verließ. Ein holländischer Geschäftsmann half ihr auf die Beine, dem sie meinte, Dankbarkeit zu schulden. Willi wiederum war kriegstraumatisiert und hat ein unbekümmertes Gemüt nie verloren.
Damit ist die Geschichte nur kurz angerissen. Die Details muss jeder selbst lesen. Erst einmal drin in ihr, liest sie sich flugs. Sehr gefallen hat mir, wie die Autorin es versteht, Abwechslung in ihre Abhandlung zu bringen, z.B. durch das häufige Einstreuen von Liedfragmenten, luxemburgischer Sprechart und französischen Wendungen und die Verwendung von Metaphern, z.B. dem Licht, das immer wieder eine Rolle spielt.


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