Cover-Bild Der gefrorene Himmel
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Blessing
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 01.03.2021
  • ISBN: 9783896676672
Richard Wagamese

Der gefrorene Himmel

Roman
Ingo Herzke (Übersetzer)

»Richard Wagamese ist der geborene Geschichtenerzähler.« Louise Erdrich

Erstmals in deutscher Übersetzung - Richard Wagameses wegweisender Roman über das Schicksal eines kleinen Jungen, in dem die Geschichte eines ganzen Landes widerhallt.

Saul wächst in einem staatlichen Heim auf – wie so viele Kinder indigener Herkunft. Dem Zwang und der Kälte der Einrichtung kann Saul in den kostbaren Momenten entfliehen, wenn er auf Schlittschuhen über das Eishockeyfeld fliegt. Sein magisches Talent für das Spiel öffnet ihm einen Weg in die Freiheit. Und begleitet Saul auf der Suche nach der Geborgenheit einer Familie, dem kulturellen Erbe der Ojibwe-Indianer und der Versöhnung mit einer Welt, die keinen Platz für ihn vorgesehen hatte.

»Ein Roman der seltensten Art - sowohl bedeutend als auch ein Lesevergnügen, das einem das Herz bis zum Hals schlagen lässt.« Edmonton Journal

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.12.2021

Saul Indian Horse

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Der gefrorene Himmel – Richard Wagamese
Der Autor Richard Wagamese ist selbst indigener Abstammung. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Heimen und Pflegefamilien und durfte seine Ursprungsfamilie ...

Der gefrorene Himmel – Richard Wagamese
Der Autor Richard Wagamese ist selbst indigener Abstammung. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Heimen und Pflegefamilien und durfte seine Ursprungsfamilie erst im frühen Erwachsenenalter kontaktieren.
Dieses Werk beinhaltet ganz eindeutig biographische Bezüge. Wenn es auch klare Unterschiede gibt, sind die Themen dieses Romans auch solche, die Wagamese zeitlebens beschäftigt haben dürften.
Saul Indian Horse darf nur die ersten Lebensjahre inmitten seiner Familie, Ojibwe-Indianern, verbringen. Später landet er in einem der staatlichen Heime, der sogenannten Residential schools. Dort sollen die Kinder keinerlei Kontakt mehr mit ihren Familien oder ihrer Herkunft haben. Ihre Kultur und ihre Bräuche werden ihnen gewaltsam aberzogen. Die Geschichten, die Wagamese hier erzählt sind grausam, durchdrungen von Verlassenheit und Demütigungen. Trotz der nüchternen Erzählweise einfach nur erschreckend. Saul findet Zugang zu einer neuen Leidenschaft – Eishockey. Er hat großes Talent in diesem Sport und schafft es, durch ihn, etwas Ablenkung vom traurigen Alltag zu finden. Saul wird so gut und zieht die Aufmerksamkeit von außen auf sich, so dass er schließlich das Heim sogar verlassen darf.
Sogar im Eishockey-Sport muss Saul erkennen, dass es unsichtbare Grenzen gibt. Grenzen, die Indigene nicht überschreiten sollten. Auch wird ihm klar, dass kein Mensch den Verlust der eigenen Kultur so einfach verdrängen kann. Die Erfahrungen, die Saul machen musste, die Verletzungen, die er davongetragen hat, sie werden ihn ein Leben lang begleiten.
Es ist ein großes, ein wichtiges Thema und es ist auch das Thema seines Lebens. Wagamese erzählt diese Geschichte so unglaublich eindringlich und authentisch, dass es beinahe schon schmerzt. Er hat einen Erzählstil, der fesselt und seine Leser direkt mitten ins Herz trifft. Das ist grandios. Auch die Eishockey-Szenen sind mit einer atemlosen Begeisterung erzählt, dass man auch als Nicht-Sportler mitfiebert.
Insgesamt ein Roman, der mich betroffen zurücklässt. Das Thema, die Geschichte von Saul Indian Horse ist bedrückend, aber auch von großem Kampfgeist geprägt. Dies ist bereits das zweite Werk von Wagamese, das mich absolut begeistern konnte! 5 Sterne und eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.12.2021

Kein Licht des Lebens

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Noch ein Kanadier, den es zu entdecken gilt, denn Richard Wagamese ist einer DER bekanntesten Schriftsteller Kanadas mit indigenen Wurzeln. Er verstarb leider bereits 2017, in dem Jahr in dem „Der gefrorene ...

Noch ein Kanadier, den es zu entdecken gilt, denn Richard Wagamese ist einer DER bekanntesten Schriftsteller Kanadas mit indigenen Wurzeln. Er verstarb leider bereits 2017, in dem Jahr in dem „Der gefrorene Himmel“ in Canada in die Kinos kam, nachdem das Buch 2013 den Burt Award for First Nations, Inuit and Métis Literature bekam. Es erschien 2012 im Original.
„Der gefrorene Himmel“ ist ein zutiefst erschütterndes Buch das beispielhaft die sogenannten Residential Schools in Kanada des letzten Jahrhunderts beleuchtet. In 139 solcher Einrichtungen wurden indigene Kinder gesteckt und durchlitten dort ihre Schulzeit. In diesem Roman verarbeitet Wagamese echte Geschichten, nicht seine eigenen, aber aus seinem näheren Umfeld und die eines berühmten NHL Profis mit indigenen kanadischen Wurzeln: Fred Sasakamoose.
Das Buch ist die Geschichte eines indigenen Jungens, Saul Indian Horse, der zunächst bei der Großmutter lebt, dann aber in der St. Jerome’s Residential School in Ontario landet. Hier erlebt er erschütterndes und verliebt sich zugleich in das Eishockey spielen. Durch den Sport schafft er es raus in die Freiheit, aber diese eine Flucht endet mit einem anderen Mittel des Vergessens: Alkohol.
Dieser Roman lässt einen Verzweifeln und es tut weh, wahrlich kein Buch was uns Freude bringt, aber so unglaublich wichtig für die Aufarbeitung der kanadischen Vergangenheit, wie sie mit ihren indigenen Völkern umgegangen sind. Und doch zugleich eine Liebeserklärung an das Eishockey! Dieser Spagat ist eine Meisterleistung. Der Schreibstil ist nüchtern, aber trotz allem schön.
Fazit: Traut euch es zu lesen und lernt daraus!

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Veröffentlicht am 21.04.2021

berührend und informativ

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Der gefrorene Himmel ist ein wunderbarer Roman. Ein Roman gegen das Vergessen der Verbrechen, die den indianischen Ureinwohnern angetan wurden.

Vor dem Hintergrund der sogenannten Residential Schools ...

Der gefrorene Himmel ist ein wunderbarer Roman. Ein Roman gegen das Vergessen der Verbrechen, die den indianischen Ureinwohnern angetan wurden.

Vor dem Hintergrund der sogenannten Residential Schools in Kanada, in denen noch bis 1996 indigene Kinder gequält wurden, spielt die Geschichte von Saul Indian Horse. Ich hatte bis zu diesem Buch noch nie davon gehört, wie viele andere sicherlich auch nicht. Deshalb ist dieses Buch auch so wichtig, um aufzuklären und nicht zu vergessen!
Saul, der nach dem Tod der geliebten Großmutter, von der kanadschen Regierung in eines dieser katholische Heime kam, erlebte am eigenen Leib, die Züchtigungen, Schikanen und Quälereien mit. Alleine durch sein Talent für Eishockey schaffte er es, auszubrechen und einen anderen Weg zu gehen. Aber seine Vergangenheit lässt ihn nicht zur Ruhe kommen...

Der Roman ist nicht sehr lang, aber vollgepackt mit Informationen, Emotionen und poetischen Beschreibungen.
Richard Wagamese, selbst indigener Herkunft, versteht es seine Geschichte zu erzählen, die Leser zu fesseln und zum Nachdenken anzuregen. Ein sehr berührendes Buch!

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Veröffentlicht am 11.04.2021

Aufarbeitung der Geschichte

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Saul Indian Horse ist alkoholabhängig. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist es, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, die eigene Geschichte zu erzählen, die Antworten in sich selbst zu suchen. Um so ...

Saul Indian Horse ist alkoholabhängig. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist es, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, die eigene Geschichte zu erzählen, die Antworten in sich selbst zu suchen. Um so schnell wie möglich aus der Anstalt raus zu kommen erzählt Saul also seine Geschichte, vielmehr schreibt er sie auf, denn das Sprechen im Redekreis fällt ihm schwer. Der Leser erfährt von dem kleinen Saul und seiner Familie, Angehörige der Ojibwe Indianer aus der Gegend des Winnipeg River Mitte der fünfziger Jahre. Die Kinder der Familie leben in ständiger Angst, Angst vor Fremden, vor Weißen, die kommen um die Kinder ihren Müttern zu entreißen um sie in die "Schule" zu bringen. Schulen, die diesen Namen nicht im Entferntesten verdienen, sind sie doch Orte an denen Entbehrung, Missbrauch, Gewalt und Tod den Alltag der Kinder bestimmen.

Richard Wagamese, der Autor, hat selbst indigene Wurzeln. Ihm blieb das Schicksal der Umerziehung an einer solchen Schule zwar erspart, aber auch er wurde aus seiner Familie herausgerissen und wuchs in Heimen und Pflegefamilien auf, ohne Zugang zu seiner Kultur. Seine Hauptfigur Saul zeigt starke autobiografische Züge, geht aber noch weit darüber hinaus und gestattet so einen verstörenden Blick auf den Umgang Kanadas mit seiner indigenen Bevölkerung.

Zu Beginn des Buches hatte ich kurz Probleme richtig in die Geschichte hineinzufinden. Ich fand die Sätze etwas holprig und wusste nicht, ob der Autor das absichtlich so angelegt hat. Im Weiteren zeigt sich dann aber das erzählerische Talent des Autors, er lässt wundervolle Landschaften vorbeiziehen und Legenden der Ojibwe auferstehen. Ganz virtuos beschreibt er Sauls Talent beim Eishockey, seine Beinarbeit, seine Spielzüge. Mein Gehirn konnte gar nicht so schnell Bilder zu den rasanten Beschreibungen formen. Meisterhaft.

Mit genau der gleichen Präsenz beschreibt der Autor aber auch die dunkle Seite der Geschichte, die Gewalt, den Missbrauch, Hass, Diskriminierung, Rassismus. Er legt die unglaubliche Arroganz offen, mit der die Weißen, den in ihren Augen minderwertigen Ureinwohnern begegnen. All dies nicht irgendwann im 18. Jahrhundert, sondern in nicht allzu weit zurückliegender Vergangenheit, noch in der Generation meiner Eltern. Unvorstellbar.

Für mich ist das Buch eine Offenlegung historischen Unrechts in einem Land, das ich mit solchen Geschehnissen bisher gar nicht in Verbindung gebracht habe. Irgendwie kommt einem ja eher die USA bei diesem dunklen Kapitel der Geschichte in den Sinn. Das diese Form des Rassismus, dieser Umgang mit der indigenen Bevölkerung kein rein amerikanisches Problem ist konnte man ja leider auch in der Vergangenheit Australiens sehen, um so hoffnungsvoller ist das Umdenken und Aufarbeiten der Vergangenheit zu sehen.

Richard Wagamese hat ein sehr politisches Buch verfasst, eine Gesellschaftskritik eingebettet in die fiktive Lebensgeschichte seines Helden, stellvertretend für ganze Generationen. Er tut dies schonungslos, emotional und mit großer erzählerischer Dichte. Bei mir hat das Buch noch lange nachgehallt, der Autor hat erreicht, dass ich mich im Nachgang noch weiter mit dem Thema auseinander gesetzt habe. Von den fünfzehn Büchern des verstorbenen Autors sind leider bisher nur dieses und "Das weite Herz des Landes" ins Deutsche übersetzt, ich werde es auf jeden Fall lesen.

Kanada wäre in diesem Jahr Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse, dieser Autor zählt definitiv zu seinen bedeutendsten Schriftstellern.

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Veröffentlicht am 07.04.2021

Bewegend und erschütternd - die Geschichte von Saul Indian-Horse

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"Der gefrorene Himmel" von Richard Wagamese ist im März 2021 als Hardcover mit 256 Seiten beim Blessing Verlag erschienen.
Der Roman des 2017 verstorbenen Schriftstellers indigener Herkunft hat teils autobiografische ...

"Der gefrorene Himmel" von Richard Wagamese ist im März 2021 als Hardcover mit 256 Seiten beim Blessing Verlag erschienen.
Der Roman des 2017 verstorbenen Schriftstellers indigener Herkunft hat teils autobiografische Elemente.

Wagamese lässt in diesem beeindruckenden und erschütternden Werk den Hauptprotagonisten Saul Indian-Horse, einen Indianer aus dem Stamm der Ojibwe, seine Lebensgeschichte im Rahmen einer Alkohol-Entziehungskur erzählen.
Saul wurde schon als kleiner Junge nach dem Tod seiner Großmutter in eine Residential School gesteckt - die waren dafür gemacht, Kindern indigener Herkunft ihre Wurzeln hart und erbarmungslos auszutreiben. Kalt und gefühllos werden die Kinder dort behandelt, die Nonnen und Priester lassen die Kinder hungern, frieren und misshandeln und mißbrauchen ihre Schutzbefohlenen.
Irgendwann flüchtet sich Saul in den Eishockey, dort kann er die Realität vergessen, wenn er über das Eis gleitet und den Puck fliegen lässt. Er erfährt so ein bisschen Freiheitund das Team wird so etwas wie seine Pflegefamilie, wo er das erste Mal seit dem Tod seiner Großmutter Wärme und Zuneigung erfährt.
Er wird richtig gut in diesem Eissport, ein echter Star, aber mit zunehmendem Alter und Bekanntheitsgrad steigern sich auch der Rassismus und die Angriffslust der Weißen und mit der Zeit schafft Saul es nicht mehr, dagegen zu kämpfen, sondern verfällt dem Alkohol und damit genau dem typischen Klischee...
Auf wirklich erschütternde und bewegende Weise, die mich beim Lesen immer wieder hat innehalten lassen, schildert Wagamese Sauls Geschichte und beispielhaft die Geschichte eines ganzen Volkes.
Wenn Saul Eishockey spielt, kann er alles vergessen und so wird der Sport auf eine poetische und beeindruckende Weise dargestellt, dass man auch als Leser alles um sich herum vergisst, das Knirschen der Schlittschuhe auf dem Eis hört und die Kälte, aber auch den Triumph spüren kann...
Das Erzählen seines Werdeganges während der Therapie hilft Saul, den Absprung vom Alkohol zu schaffen und sich selbst wiederzufinden.
Ein erschütterndes und zugleich wunderbares Werk, das noch lange nachdenklich macht...!

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