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Veröffentlicht am 09.12.2019

Einsam im Wald

Eisige Weihnachten
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In der Adventszeit muss ich mir immer einen Weihnachtskrimi aussuchen. Was passt besser zu schlechtem Wetter und heißem Tee mit Plätzchen.

Eisige Weihnachten von Ella Danz führt mich in das tief verschneite ...

In der Adventszeit muss ich mir immer einen Weihnachtskrimi aussuchen. Was passt besser zu schlechtem Wetter und heißem Tee mit Plätzchen.

Eisige Weihnachten von Ella Danz führt mich in das tief verschneite Thüringen. Anke, die komplizierte Schwester der Hauptperson Kerstin, will die ganze Familie unter’m Tannenbaum versammeln und hat sich dafür ein einsames Berghotel nahe des Thüringer Rennsteigs ausgesucht. Dort sollen alle Geschwister, samt Kindern und alten und neuen Ehepartnern zusammenkommen. Kerstin ist alles andere als begeistert von dieser Idee, aber um ihren Vater zu treffen, sagt sie zu. Auch wenn sie dann die Kröte in Form ihrer neuen Schwiegermutter und neuer Stiefmutter schlucken muss. Außerdem möchte sie die ruhige Zeit nutzen, um mit ihrem Mann Andre über eine Trennung zu sprechen.

Angekommen ist das Hotel verwaist. Seit kurzem für immer geschlossen und niemand hat die Familie benachrichtig. Was für ein Glück, dass zufällig (!) die Besitzerin vorbeikommt und der Gruppe das Hotel zum Übernachten anbietet, inklusive Selbstversorgung mit den Dingen die noch in Keller und Vorratsräumen zu finden sind. Das hätte ja ganz nett werden können, wenn da nicht ständig Kerstin unerklärliche Unfälle zustoßen würden.

Das verschneite Hotel ohne Telefon und Handyempfang ist ja ein klassischer Schauplatz für einen Winterkrimi. Das ist wirklich sehr hübsch beschrieben und die Reibereien der Familienmitglieder sind außerdem ganz witzig. Wer Geschwister hat, weiß wohl wie sich das anfühlt. Amüsiert haben mich die Bemerkungen zwischen Ossis und Wessis. Kerstins Mann und ihre neue Schwiegermutter sind in Thüringen aufgewachsen und reagieren auf jede, ganz allgemeine Kritik recht verschnupft. Gut, dass wenigstens die Soljanka allen schmeckt.

Zwar ist schon nach kurzer Zeit ziemlich klar, was wirklich hinter Kerstins Pech und Ungeschicklichkeiten steckt, aber trotzdem hätte der Geschichte ein mehr Pep und Spannung gut getan. Als Kurzgeschichte hätte das wohl gut funktioniert, aber als 260 Seiten Buch wirkt es langatmig und so ganz ohne Raffinesse.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.12.2019

Die Wurzeln der Familie

Die Tränen von Triest
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Nach einem Schwächeanfall liegt der hochbetagte Großvater von Johanna Silcredi im Krankenhaus. Bernhard Silcredi hat eine Bitte an seine Enkelin, er will endlich erfahren, wer sein Vater war. Die Mutter ...

Nach einem Schwächeanfall liegt der hochbetagte Großvater von Johanna Silcredi im Krankenhaus. Bernhard Silcredi hat eine Bitte an seine Enkelin, er will endlich erfahren, wer sein Vater war. Die Mutter hat sich immer ausgeschwiegen. Die Wurzeln der Famile Silcredi liegen in Triest. So reist Johanna nach Italien, der einstige Familienbesitz ist längst in eine Frühstückspension umgewandelt worden und Johanna unternimmt diese Reise auch, weil sie just an ihrem Geburtstag von ihrem Freund verlassen wurde.

In dieser Pension trifft sie Charlotte von Uhlrich, eine alte Dame, die zu einer Beerdigung angereist ist. Auch die Uhlrichs haben alte Verbindungen nach Triest und es scheint, als ob auch Charlotte Vergangenes ergründen will.

Zwei Zeitebenen verbindet Beate Maxian in ihrem wunderschönen Familienroman. Die Geschichte der Familien Silcredi und Uhlrich Anfang des 20. Jahrhunderts und die Gegenwart, in der Johanna nach der Trennung einen Neuanfang will.

Ich bin immer wieder begeistert, wie farbig die Autorin die Geschichte lebendig werden lässt. Triest, die große Handelsmetropole in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg ersteht vor meinen Augen. Mit Johanna kann ich durch die Straßen der Stadt streifen, die Atmosphäre der Kaffeehäuser schnuppern und die vergangene Größe der Stadt ahnen. Stimmungsvolle Beschreibungen sind die Stärke von Beate Maxian. Das spürt man ganz besonders, wenn sie über die Umbrüche während und nach dem ersten Weltkrieg beschreibt. Eine neue Zeit bricht an, die besonders für Afra von Silcredi, Bernhards Mutter bedeutsam sind. Johanna erfährt viel über ihre Ahnin und dadurch auch ein wenig über sich selbst. Damit wird auch die Handlung der Gegenwart zu einer spannenden Lektüre und ich habe auch Johannas „Neustart“ sehr genossen.

Beate Maxian schafft es mit jedem ihrer Romane mich zu fesseln. Ich mag ihren Schreibstil, der viel Esprit hat und immer auch Wiener Charme aufblitzen lässt. Wenn sie ihre Protagonistin einmal ganz spontan „bist deppert“ ausrufen lässt, muss ich schmunzeln. Sehr feinsinnig verwebt sie Familiengeschichten mit Historie. Ihre Figuren gestaltet sie so lebensecht, dass ich sie wie echte Personen vor Augen habe, sie sind immer absolut stimmig in ihrer Zeit. Ihr gelingt es wirklich mich von Anfang an zu fesseln. Das hat sich bei jedem ihrer Romane für mich bestätigt.

Wer sich mit Anspruch unterhalten will, für den sind Beate Maxians Büchern immer die erste Wahl.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2019

Pastorentochter

Unter uns Pastorentöchtern
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Claudia Hagge wuchs in einem Pastorenhaushalt auf. Ein spezielles Umfeld um die Welt zu entdecken, denn in einem Pfarrhaus war man niemals allein, niemals privat. Dies ist die erste Erfahrung, die Claudia ...

Claudia Hagge wuchs in einem Pastorenhaushalt auf. Ein spezielles Umfeld um die Welt zu entdecken, denn in einem Pfarrhaus war man niemals allein, niemals privat. Dies ist die erste Erfahrung, die Claudia macht. Das wird sich durch die ganze Kindheit und Jugend ziehen. Schon bald wird Claudia klar, Pfarrers Töchter müssen immer ein Vorbild sein. Was andere Kinder dürfen, gilt noch lange nicht für sie und sie merkt, dass sie immer unter der Beobachtung des ganzen Dorfes steht.

Aber das sind nur die Erinnerungen der kleinen Claudia, später erkennt sie, was ihr das Elternhaus mitgegeben hat. Eine liebevolle Zuwendung, einen empathischen Blick auf die Welt – der ihr manchmal zu viel wird – denn öfters wünschte sie, dass das Verständnis ihrer Eltern für jeden erwünschten oder unerwünschten Besucher, auch für sie gälte.

Das Buch beginnt in den 50iger Jahren, als die jung verheirateten Eltern die erste Pfarrstelle im hohen Norden bezogen. Die Zeiten waren hart, das Haus dringend renovierungsbedürftig und es fehlte an Vielem. Aber voller Elan und gutem Glauben meisterten sie die Herausforderungen. Es war selbstverständlich, dass die junge Ehefrau einen unbezahlten Vollzeitjob als Kirchensekretärin, Frauen- Kinder- und Bibelkreise leitete und nebenbei natürlich noch ihre Kinder groß zog. Dieser Part wird aus Erinnerungen und Briefen der Eltern rekonstruiert. Dann setzen ihre eigenen Erinnerungen an, zuerst noch auf dem Land, später im Pfarramt in Kiel.

Der im besten Sinne konservative, aber nie reaktionäre Vater und ihre freigeistige Mutter gaben ihr ein Rüstzeug für das Leben mit, sie blickt oft kritisch, aber immer liebevoll auf ihr Elternhaus zurück.

Claudia Hagge erzählt das sehr persönlich und nahe und lässt die Leser an ihrer Jugend teilnehmen. Vieles war mir ganz vertraut, bin ich doch in der gleichen Zeit groß geworden. Mich hat ihre Sprache überzeugt und ich bin ganz in die Welt eines evangelischen Pfarrhauses eingetaucht.

Was mich allerdings immer wieder mal verwirrte, waren die Zeitsprünge. Mal ist Claudia kurz vor ihrer Konfirmation, mal Schülerin in den Anfangsklassen, dann auf der nächsten Seite wieder die 17jährige Abiturientin.

Veröffentlicht am 03.12.2019

Enttäuschend

Das kleine Glück am Weihnachtsabend
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Ein entzückendes Titelbild weckt sofort weihnachtliche Gefühle und Lust auf das Buch von Sheila O’Flanagan „Das kleine Glück am Weihnachtsabend“. Die Autorin entführt ihre Leser in die Sugar Loaf Lodge ...

Ein entzückendes Titelbild weckt sofort weihnachtliche Gefühle und Lust auf das Buch von Sheila O’Flanagan „Das kleine Glück am Weihnachtsabend“. Die Autorin entführt ihre Leser in die Sugar Loaf Lodge im irischen County Wicklow. Die Lodge – eigentlich ein altes Herrenhaus hatte ein trauriges Schicksal: einst im Besitz wohlhabender Adliger, starb das kleine Mädchen Louise während eines Sommeraufenthalts. Danach haben die Eltern das Haus nicht mehr betreten und es verfiel in den nächsten Jahrzehnten immer mehr. Bis Claire und Neil ein wunderschönes Hotel daraus machten, doch auch sie spüren die Wirtschaftskrise und blicken sorgenvoll auf die wenigen Buchungen.

Doch dann häufen sich plötzlich die Buchungen und Weihnachten ist das Hotel gut gefüllt. Es treffen ganz unterschiedliche Menschen und Schicksale aufeinander. Gemeinsam haben sie nur, dass sie ausnahmsweise im Hotel feiern.

Ich hätte jetzt durch Klappentext und Titelbild eine emotionale, meinetwegen auch ein wenig rührselige Weihnachtsgeschichte erwartet, aber nein! Leider reihen sich hier nur Kurzgeschichten aneinander, die einzige Verbindung ist, dass sich die Gäste schon mal Gedanken um die einsame junge Frau machen, die im Foyer sitzt. Die Lebensgeschichten der einzelnen Besucher werden behäbig abgehandelt, ich fand die meisten ziemlich langweilig und einfallslos geschildert. Bei ein – zwei blitzte zwischendurch ein klein wenig Humor auf, aber das reicht nicht für ein ganzes Buch. Die Autorin konnte in mir keinerlei Interesse für ihre Figuren wecken und auch die Atmosphäre des alten Herrenhauses kam überhaupt nicht bei mir an.

Weder war es weihnachtlich, noch warmherzig genug für ein „kleines Glück am Weihnachtsabend“, wie der Klappentext versprach.

Veröffentlicht am 02.12.2019

Tödliche Klinik

Ein reines Wesen
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Willa Stark, die österreichische Polizeiinspektorin, die schon lange in Köln arbeitet, ist endlich aus dem Koma erwacht. Zur physischen und psychischen Rehabilitation schlägt ihr Kollege und Freund Harro ...

Willa Stark, die österreichische Polizeiinspektorin, die schon lange in Köln arbeitet, ist endlich aus dem Koma erwacht. Zur physischen und psychischen Rehabilitation schlägt ihr Kollege und Freund Harro eine renommierte und exklusive Privatklinik im Saarland vor. Schon beim Erstgespräch trifft Willa auf eine Grundschulfreundin aus Graz, die ihr ganz aufgeregt von einem ungeklärten Todesfall in der Klinik erzählt. Einen Todesengel vermutet Nikki unter dem Personal. Obwohl Willa die Schilderungen etwas krude vorkommen, schlägt ihr Bauchgefühl an und sie beginnt zu ermitteln.

Die Klinik wird von Dr. Schmitz und Dr. Stolz geleitet. Die wesentlich ältere Ehefrau von Stolz hat als reiche Erbin das Haus finanziert und ist die unangefochtene Chefin des Hauses. Alles wirkt sehr gediegen und seriös, doch je länger sich Willa umsieht, umso stärker wird ihr Unbehagen.

Willa Stark ist eine außergewöhnliche Frau, sie hat meist den richtigen Riecher, auch wenn sie in ihren Ermittlungen mitunter unkonventionell und spontan vorgeht. Das macht aber auch den Reiz und die Spannung um diese Krimis aus. Es ist bereits der vierte Band dieser Reihe aus dem Conte Verlag, aber auch ein Leser ohne Vorkenntnis kommt sehr gut in diese Geschichte.

Der Ermittlungsort Krankenhaus bietet jede Menge guten Stoff für einen straffen Spannungsbogen und als sich Harro entschließt, Willa zu unterstützen kommt noch eine weitere Komponente ins Spiel. Harro ist schon seit langem sehr in Willa verliebt. Sie allerdings sieht in ihm nur einen guten Freund – eine komplizierte Beziehung zwischen Privatleben und Beruf.

Das ganze Umfeld der Klinik ist gut getroffen, man spürt die Atmosphäre in einem Medizinbetrieb, inklusive der Eifersüchteleien von Schwestern und Pfleger. Als sich dann noch Verbindungen zu einem ungelösten Mordfall in einer Kölner Klinik ergeben, wird die Situation für Willa fast unüberschaubar und nicht ungefährlich.

Die Figuren in Willas Umfeld sind allesamt sehr ausdrucksstark beschrieben. Besonders mit Schwester Nikki ist Isabella Archan eine vielschichtige Charakterisierung gelungen, ich schwankte zwischen Mitleid und Abneigung und teilte damit auch Willas Einschätzung.

Ein rundum gelungener Krimi, der mit viel Einfühlungsvermögen erzählt ist und mich bestens unterhalten und gefesselt hat.