Profilbild von chuckipop

chuckipop

Lesejury Star
offline

chuckipop ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit chuckipop über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.01.2021

Großartiger Thriller, fesselnd, verstörend und blutig

Der Mädchenwald
0

"Der Mädchenwald" von Sam Lloyd ist im Dezember 2020 als Taschenbuch mit 448 Seiten beim Rowohlt Verlag erschienen.

Es handelt sich um das Debüt des Autors, das in meinen Augen sehr außergewöhnlich und ...

"Der Mädchenwald" von Sam Lloyd ist im Dezember 2020 als Taschenbuch mit 448 Seiten beim Rowohlt Verlag erschienen.

Es handelt sich um das Debüt des Autors, das in meinen Augen sehr außergewöhnlich und einfach großartig gelungen ist.

Elissa, ein 13-ähriges Mädchen, wird in der Pause vom Parkplatz eines Hotels entführt, wo sie gerade an einem Schachturnier teilnahm. Sie wacht irgendwann in einem stockfinsteren Verlies auf und kann sich nur erinnern, in einen alten weißen Lieferwagen mit einem "Chillax"-Aufkleber an der Stoßstange geworfen zu sein...

Da sie, auch durch ihr Schachspiel, trotz ihres jugendlichen Alters in der Lage ist, clever und rational zu denken, sondiert sie ihre Lage und teilt sich ihren dunklen Keller, in dem sie u.a. wenigstens Kerzen und Streichhölzer findet, in ein virtuelles Schachbrett ein und beginnt zu analysieren.

Dann bekommt sie plötzlich Besuch (zusätzlich zu dem ihres Entführers, den sie nur den "Ghul" nennt), und zwar von Elijah, einem 12-Jährigen, der etwas sonderbar, aber nichtsdestotrotz schlau und etwas verschlagen ist. Er kennt kein Internet und weiß, dass es nicht richtig ist, dass Elissa hier festgehalten wird -- aber helfen will er ihr irgendwie auch nicht...

Elissa versucht, ihn zu maipulieren und so etwas über ihren Aufenthaltsort usw. herauszubekommen, aber Elijah erkennt das und kontert geschickt...

Es beginnt ein Martyrium für das Mädchen, das den Leser tief in menschliche Abgründe blicken lässt. Ist es wirklich gut, dass sie immer mehr erfährt über den Mädchenwald oder macht das ihre Lage nur noch auswegloser?

Der Autor schafft es, eine düstere, beklemmende Atmosphäre zu erzeugen sowie eine stetige Steigerung der Spannung. Sein Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut, bereits nach den ersten Seiten war ich völlig ins Geschehen eingetaucht und konnte mich definitiv bis zum Ende nicht wieder losreißen!

Es gibt drei Erzählperspektiven und unterschiedliche Zeitebenen, die nicht immer chronologisch verlaufen, so dass man schon sehr aufpassen muss, um sich nicht vollends aufs Glatteis führen zu lassen.

Die Charaktere sind sehr speziell, Elissa ist ein sympathisches, cleveres Mädchen, dem man nichts mehr wünscht, als dass sie heil wieder nach Hause zu ihrer Mum kommt. Elijah ist vielschichtig, sonderbar und bleibt über weite Teile des Thrillers etwas vage. Auch seine Familie wird etwas verschwommen dargestellt, jedenfalls scheinen sie absolute Einsiedler zu sein - ich wusste nicht so recht, ob Elijah mir leid tut oder ich ihm Ablehnung entgegenbringe. Dann ist da noch die Leiterin der Ermittlungen, DI Mairead McCullaugh, die zwar engagiert mit der Suche nach Elissa beschäftigt ist, aber sehr vorherrschende private Probleme hat, die leider zu sehr im Vordergrund stehen und mich dazu gebracht haben, die Polizistin als eher nervig zu empfinden.

Die Handlung ist teils verstörend, recht blutig und alles andere als rational. Durch die ungewöhnlichen Twists weiß der Leser bisweilen nicht, was real ist und was sich nur in den Köpfen der Protagonisten abspielt. Man hat immer mal wieder eine Vermutung, wer der / die Entführer ist, aber jedesmal gibt es eine neue, überraschende Wendung, die plausibel macht, warum man doch schon wieder falsch lag...

Auch wenn ich am Ende gern mehr über den / die Entführer und ihre Beweggründe erfahren hätte (keine Angst, die Handlung ist abgeschlossen und es bleiben keine entscheidenden Fragen offen), ist "Der Mädchenwald" für mich ein mega Thriller-Highlight und ich warte gespannt auf das nächste Buch von Sam Lloyd!!



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2021

Jessie und Sam im magischen Wunderland - ein düsteres Fantasy-Märchen

Todessamen
0

"Todessamen" von Nicole Siemer ist ein düster angehauchter Fantasyroman, der in Grubingen spielt, einem kleinen Ort, der auf keiner Karte zu finden ist...

Hauptprotagonistin ist Jessie, die seit ihrer ...

"Todessamen" von Nicole Siemer ist ein düster angehauchter Fantasyroman, der in Grubingen spielt, einem kleinen Ort, der auf keiner Karte zu finden ist...

Hauptprotagonistin ist Jessie, die seit ihrer Geburt in Grubingen lebt und Vollwaise ist. Den Tod ihrer Eltern hat sie nie verkraftet, und die einzig greifbare Erinnerung, die sie tröstet, ist eine alte Ausgabe von "Alice im Wunderland", das sie von ihren Eltern geschenkt bekam - damals.

Jessie ist recht einsam, ihre einzige Freundin Jenny ist missgünstig und oft ätzend und keine echte Freundin...so flüchtet sich Jessie, die eine sehr rege Fantasie besitzt, in ihre eigene Welt und zu ihrem imaginären Freund Sam - und eines Tages steht er am Waldrand des Grubingers Forsts, ganz real, und bittet Jessie, ihm zu folgen...so beginnt der erste spannende Ausflug in eine andere Welt...traumhaft und idyllisch, aber der Schein trügt...

Die Autorin Nicole Siemer hat einen wahnsinnig bildhaften, kreativen Schreibstil, ihre Fantasie finde ich absolut faszinierend!

Die Handlung ist spannend und ideenreich, bisweilen gibt es auch kleine Abstecher zu Heinrich ins 14. Jahrhundert, dort geht es äußerst blutig und gruselig zu...die detaillierten Szenen von Heinrichs "Experimenten" waren schon heftig, aber ich mag es blutig ;)

Die Kombination aus düsterer, blutiger Fantasy und Geschichte über Freundschaft und (Un-)Menschlichkeit finde ich sehr gelungen!

Die Hauptfiguren Jessie unnd Sam finde ich sehr gelungen und sympathisch, auch Jenny kommt gut herüber, man mag sie einfach nicht...

Meine Lieblingsprotagonistin ist die Strassenkatze Cheshire, die sich unauffällig überall bewegt und eine geheimnisvolle Rolle spielt...ist sie die, die sie zu sein scheint?

Mir hat das Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich mag an "Todessamen" vor allem die Ideenvielfalt. Was mich ein wenig gestört hat in meinem Lesefluss war die Ähnlichkeit der Namen "Jessie" und "Jenny"...

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2020

Sterbewohl - provokante Dystopie über das Älterweden

Sterbewohl
0

"Sterbewohl" von Olivia Monti wurde im November 2020 als Taschenbuch mit 220 Seiten veröffentlicht.

Es handelt sich um eine Dystopie über das Älterwerden in einer Diktatur bzw. die eiskalte, wirtschaftliche ...

"Sterbewohl" von Olivia Monti wurde im November 2020 als Taschenbuch mit 220 Seiten veröffentlicht.

Es handelt sich um eine Dystopie über das Älterwerden in einer Diktatur bzw. die eiskalte, wirtschaftliche Erwägung, ob alte Menschen noch genug Nutzen bringen...

Die Zukunft: Deutschland ist eine Diktatur, nur leicht verschleiert vom Titel "Demokratie"...die Insel Fehmarn wurde komplett umgerüstet vom Ferienparadies zum Sterbedomizil - der Staat finanziert Menschen ab einem gewissen Alter 2 Wochen Aufenthalt in einem Luxushotel, um sie dort durch Sterbeseminare zu überzeugen, "Sterbewohl" zu schlucken, um den Staat kein Geld mehr zu kosten...Eine Pille, die Dich friedlich einschlafen lässt.

Die vier Nachbarn Nadja, Anna, Max und Fred sind inzwischen alle über 65 und haben vom Staat die Einladung ins Sterbehotel erhalten. Aber sie sind sich eigentlich eilig, dass sie noch gar nicht sterben wollen - aber angucken kann man sich das Ganze ja mal. Urlaub auf Staatskosten, und dann entspannt wieder heimwärts, so planen es die 4 Protagonisten. Vor Ort stellen sie aber ganz schnell fest, dass nicht alles so ist wie es scheint und dass es so aussieht, als wenn niemand das Sterbehotel lebend verließe...

Das Thema finde ich super, es ist recht brisant und schrappt erschreckend dicht an der Realität entlang...es ist möglicherweise nur ein schmaler Grat, der da zu überschreiten wäre.

Das Buch ist zugleich unterhaltsam und wichtig, die Charaktere werden gut ausgearbeitet und haben ihre ganz eigenen Macken, so sind sie sehr authentisch und menschlich.

Es wird eine Menge detektivische Arbeit geleistet, clevere Pläne werden geschmiedet und am Ende kommt eine ganze Menge Action herein.

Leider finde ich das Ende etwas weit hergeholt und der Schreibstil des Buches konnte mich persönlich nicht so recht fesseln, daher ziehe ich einen Stern ab.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.12.2020

Superspannender Thriller mit hochbrisantem Thema

CO2 - Welt ohne Morgen
4

"CO2 - Welt ohne Morgen" von Tom Roth ist als Paperback mit 528 Seiten im Dezember 2020 bei Lübbe erschienen.

Es geht hier um einschneidende, dringend notwendige Maßnahmen, die eine Gruppe von Klimaschützern ...

"CO2 - Welt ohne Morgen" von Tom Roth ist als Paperback mit 528 Seiten im Dezember 2020 bei Lübbe erschienen.

Es geht hier um einschneidende, dringend notwendige Maßnahmen, die eine Gruppe von Klimaschützern fordert und mit einer äußerst drastischen Methode durchzusetzen gedenkt - 12 Jugendliche aus 12 unterschiedlichen Ländern, die sich in einem Klima-Camp in Australien befinden, werden entführt.
Und wenn sich die Politik nicht auf die Umsetzung der geforderten Maßnahmen einlässt, drohen die Entführer, ein Kind vor laufender Kamera zu ermorden. Und danach jede Woche ein weiteres...

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, der vom Autor sehr spannend beschrieben wird, an unterschiedlichen Orten in der ganzen Welt spielt und aus diversen Blickwinkeln erzählt wird.
Das Thema ist absolut brisant und wird sehr authentisch herübergebracht

Es gibt Kapitel über die Ermittlungen der Polizei, welche über Herangehensweise der Politik, andere über die entführten Jugendlichen.
Was die ganze Handlung in meinen Augen sehr persönlich macht, ist ein Handlungsstrang, der von der Suche Hannah (und dem Rest der Gruppe), dem möglichen zweiten Opfer der "Klima-Killer", durch ihe verzweifelte Mutter Caro und ihren Onkel Marc berichtet. Desweiteren gibt es regelmässig Einblicke in das Jahr 2041, aber dazu verrate ich jetzt nicht mehr...

Von Anfang an ist das Buch dadurch sehr abwechslungsreich, der Schreibstil ist klasse und die Handlung total spannend und steigert sich stetig .
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe permanent mitgefiebert, ob es klappt, dass alle an einem Strang ziehen und die Ermordung der Kinder verhindern - oder die Entführer rechtzeitig dingfest gemacht werden können...

Das Ende ist dann echt überraschend und lässt keine Fragen offen.

Besonders gut gefallen hat mir, dass Tom Roth zum Schluß alle losen Fäden clever und schlüssig zusammenführt und natürlich, dass der Leser hier eine wichtige Botschaft zum Klimaschutz erhält, die aber überhaupt nicht mit erhobenem Zeigefinger, trotzdem eindringlich vermittelt wird.


Tom Roth ist übrigens das Pseudonym eines bekannten deutschen Thrillerautors, das Geheimnis um seine wahre Identität wird allerdings noch nicht gelüftet... ;o)

  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Handlung
Veröffentlicht am 17.12.2020

Ein spannender, atmosphärischer Thriller in klirrender Kälte

Tiefenzone
0

"Tiefenzone" von Andreas J. Schulte ist als Taschenbuch mit 304 Seiten im Oktober 2020 bei Emons erschienen.

Das Cover sticht farblich schon mal sehr positiv ins Auge und der Klappentext macht neugierig.

Die ...

"Tiefenzone" von Andreas J. Schulte ist als Taschenbuch mit 304 Seiten im Oktober 2020 bei Emons erschienen.

Das Cover sticht farblich schon mal sehr positiv ins Auge und der Klappentext macht neugierig.

Die Wissenschaftsjournalistin Julia Kern wird zusammen mit Kollegen aus aller Welt zur Forschungsstation Terra Nova II in die Antarktis eingeladen. Vor Ort soll eine spektakuläre Neuigkeit verkündet werden - allerdings wird, bevor dies geschehen kann, die Terra Nova II von Terroristen überfallen. Nun bleibt Julia nur die Flucht...

Der Autor hat einen wunderbaren Schreibstil, der zugleich kontinuierlich eine leise Spannung aufbaut und so atmosphärisch dicht ist, dass man die Kälte und die Weite des ewigen Eises förmlich zu spüren glaubt...Auch die wissenschaftlichen Elemente des Thrillers waren spannend beschrieben und scheinen gut und fundiert recherchiert.

Die Charaktere, insbesondere die Hauptprotagonistin Julia, sind detailliert ausgearbeitet und Julia macht innerhalb der Expedition eine persönliche Entwicklung durch, von der eher schüchternen jungen Frau zur selbstbewussten, sich durchsetzenden Journalistin. Dadurch wirkt sie sehr authentisch, aber auch die anderen Figuren kommen glaubwürdig herüber und auch Julias Kollege George war mir sehr sympathisch.

Wer Thriller mag, die nicht so arg blutig sind, einem aber von hinten aus dem Nacken eine leise, sich stetig erweiternde Gänsehaut über den Körper schicken, wird "Tiefenzone" garantiert super finden!


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere