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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2021

Mischung zwischen tragischer Familiengeschichte und Thriller

Von hier bis zum Anfang
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Der Roman ist sehr spannend geschrieben und wartet am Ende mit völlig überraschenden Wendungen auf.
Zunächst, worum geht es? Das Leben von vier befreundeten Jugendlichen nimmt eine tragische Wendung, als ...

Der Roman ist sehr spannend geschrieben und wartet am Ende mit völlig überraschenden Wendungen auf.
Zunächst, worum geht es? Das Leben von vier befreundeten Jugendlichen nimmt eine tragische Wendung, als einer von ihnen – Vincent – den Tod der kleinen Schwester seiner Freundin Star verursacht. Er selbst wird dafür Jahrzehnte inhaftiert. Sein Freund Walk fühlt sich für die Gefängnisstrafe mit schuldig. Seine Freundin Martha wendet sich von ihm ab aus Gründen, die indirekt mit dem Geschehen zusammenhängen. Noch 30 Jahre später hat Walk, inzwischen Polizist, ein Auge auf die allein erziehende Star und ihre beiden Kinder Duchess und Robin. Selbst bekommt sie ihr Leben nicht in den Griff. Auf der dreizehnjährigen Duchess lastet die ganze Verantwortung, umso mehr noch, als ihre Mutter durch ein Verbrechen getötet wird, woran sie sich durch ihr rechtswidriges Verhalten einem Immobilienhai und Barbesitzer gegenüber mit schuldig fühlt. Als vermeintlicher Täter wird erneut der kurz vorher entlassene Vincent angeklagt. Walk und Martha, inzwischen Rechtsanwältin, wollen seine Unschuld beweisen.
Man sieht schon, die Verflechtungen der Romanfiguren untereinander sind vielfältig. Außer den vorgenannten spielen auch noch eine Reihe anderer eine Rolle. Die Übersichtlichkeit über das Personengefüge geht jedoch nie verloren. Jede Figur hat ihre individuelle, meist durch das erlittene Schicksal tragische Ausgestaltung. Nicht jede macht einen sympathischen Eindruck. Gerade mit der frühreifen Protagonistin Duchess, die voller Wut und Widerstand gegen alles und jeden ist und von sich gefühlte hundert Mal als „outlaw“ spricht, fällt es schwer, warm zu werden. Ansprechend ist, dass der Roman eine Mischung zwischen Familiengeschichte und Thriller ist, allerdings so typisch amerikanisch ausgestaltet ist. Es kommt zu einigen blutigen Schießereien, an Leichen fehlt es nicht und auch nicht an der Wiedergabe eines so charakteristischen amerikanischen Strafprozesses. Der Aufzählung der vielen Autotypen, die jeder einzelne so benutzt, ist für mich aber schlichtweg verzichtbar.
Insgesamt zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 21.06.2021

Eine jahrzehntewährende Freundschaft

Heldinnen werden wir dennoch sein
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Das Buch handelt von der schon mehrere Jahrzehnte andauernden Freundschaft zwischen fünf bzw. noch vier inzwischen Mitte 50Jährigen Frauen, zu deren Clique in ihrer Jugend auch einige Männer gehörten. ...

Das Buch handelt von der schon mehrere Jahrzehnte andauernden Freundschaft zwischen fünf bzw. noch vier inzwischen Mitte 50Jährigen Frauen, zu deren Clique in ihrer Jugend auch einige Männer gehörten. Daher spricht es nicht nur Frauen an, sondern kann gleichermaßen von Männern gelesen werden, gerade weil im Fokus ein Mann steht, dessen Tod dazu führt, dass die Frauen die gemeinsame Vergangenheit nunmehr intensiv reflektieren. Im ständigen Perspektivwechsel und Zeitenwechsel schauen die Romanfiguren auf ihr gegenwärtiges Leben und vor allem auf die Vergangenheit in den 1970er und 1980er Jahren zurück. Für Leser, die wie ich ihre Jugend in diesem Zeitraum erlebten, ist die Geschichte recht wertvoll, weil sie Erinnerungen weckt (z.B. an Schokokussbrötchen, Karottenjeans, Popperfrisur). Immer wieder wird auf das Thema Freundschaft eingegangen, was sie ausmacht und was unter Freunden gar nicht geht. Sehr viel Spannung kommt dadurch ins Spiel, dass schon frühzeitig der Suizid des Freundes Frankie bekannt ist, nicht jedoch der exakte Grund und was die Frauen möglicherweise mit ihm zu tun haben. Dass es hier einen Zusammenhang gibt, wird geradezu spürbar. Wie die Frauen in der Gegenwart gezeichnet werden, geschieht mir etwas zu klischeehaft, z.B. was die dem Ehebruch ihres Mannes auf die Schliche kommende Freundin und ihre Versöhnung mit ihm anbelangt. Nicht schrecken sollte die Vielzahl der eingeführten Romanfiguren, denn den roten Faden zu behalten helfen im Klappentext befindliche kurze Charakterisierungen. Von besonderem Interesse dürfte das Buch für Leser sein, die in/bei der Stadt Kaarst leben, denn dort ist sie angesiedelt.
Eine unterhaltsame Lektüre.

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Veröffentlicht am 18.06.2021

Amüsanter Beziehungsroman zu Zeiten von Corona

Das Vierzehn-Tage-Date
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Dieser neue Roman des Autors ist ähnlich amüsant wie die Vorgänger und besticht durch lebendige Dialoge der beiden Protagonisten. Diese beiden – David und Corinna - haben sich über die Dating-App Tinder ...

Dieser neue Roman des Autors ist ähnlich amüsant wie die Vorgänger und besticht durch lebendige Dialoge der beiden Protagonisten. Diese beiden – David und Corinna - haben sich über die Dating-App Tinder kennengelernt und treffen sich erstmals in Davids Wohnung. Schnell erkennen sie, dass sie nicht zueinander passen, wollen aber noch eine Pizza essen, bevor sie aus dem Leben des jeweils anderen treten. Der Pizzabote ist allerdings Corona positiv getestet, weshalb den beiden flugs eine vierzehntägige Quarantäne in Davids Wohnung auferlegt wird. In dieser Zeit geraten die beiden mächtig aneinander, da sie so unterschiedlich sind. David ist ein ordnungsliebender, vegan lebender, verklemmter Musiklehrer, Corinna fleischessend, chaotisch, wütend und ohne rechte berufliche Perspektive. Sie werfen sich so manche Wahrheit an den Kopf, öffnen dem anderen aber auch helfend die Augen. Für Verwicklung sorgt noch eine Kollegin von David, in die er verschossen ist und die ihnen als Einkaufshilfe dient.
Der Autor nimmt so manche coronabedingte Besonderheit auf die Schippe und stellt umfassend alle möglichen gesellschaftlichen Ansichten zu dem Virus amüsant dar. Das ganze Thema ist ja nach wie vor aktuell und der Leser hat so manches Déjà-vu-Erlebnis. Das eigentlich Bestechende an der Geschichte ist der Wortwitz und die Wortspielereien, z.B. ergeben die Tinder-Namen der Protagonisten Covid-19.
Sehr empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 16.06.2021

Verwickelte Familien- und Liebesgeschichte

Laudatio auf eine kaukasische Kuh
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Das wunderschöne farbenfrohe Cover mit der Vorder- und Rückseite einnehmenden bunten Kuh, die dann tatsächlich in der Geschichte selbst eine Rolle spielt, sowie der ungewöhnliche Buchtitel und natürlich ...

Das wunderschöne farbenfrohe Cover mit der Vorder- und Rückseite einnehmenden bunten Kuh, die dann tatsächlich in der Geschichte selbst eine Rolle spielt, sowie der ungewöhnliche Buchtitel und natürlich auch der auf eine Familiengeschichte mit Migrationshintergrund schließende Klappentext haben mich zu diesem Buch greifen lassen. Es ist dann aber leider doch hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Eigentlich ist Dreh- und Angelpunkt des Ganzen, dass die Mutter der 26jährigen angehenden Ärztin Olga mit griechisch-georgischen Wurzeln diese endlich unter die Haube bringen will mit einem Mann, der ihren traditionellen Vorstellungen entspricht. Olga hingegen verheimlicht ihre Verbindung zu einem deutschen Kollegen und gerät selbst in Zweifel, als sie den Lebemann und Taugenichts Jack kennenlernt. Ihren Höhepunkt erreicht alles auf einer gemeinsamen Familienreise in die alte Heimat Georgien, wo Olga zwischen zwei Männer steht und es zu vielen Heimlichtuereien kommt.
Die Informationen über Georgien, seine Bevölkerung und Sprache, fand ich äußerst lehrreich. Hier wird deutlich, dass sich die Autorin in Georgien aufgehalten hat. Absurd und unrealistisch erschien mir aber, mit welcher Vehemenz Olga an den Mann gebracht werden soll und wie wenig sie, die doch als Beinahe-Ärztin fest und unabhängig im Leben steht, sich dem Willen ihrer Mutter mit deren so gänzlich anderer Vorstellung von der Frauenrolle entgegenstellt. Traurig macht, dass sich Olga ihrer einfachen Herkunft und ihrer Eltern geradezu schämt. Die Natur der Kaukasier wird wohl als überzeichnet dargestellt.
Alles in allem eher ein leichter Unterhaltungsroman denn anspruchsvolle Lektüre.

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Veröffentlicht am 12.06.2021

Beeindruckende Lebensgeschichte einer französischen Frau

Annette, ein Heldinnenepos
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Das Buch wurde 2020 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.
In der Erzählform eines Epos skizziert die Autorin, die selbst Bezüge zu Deutschland und Frankreich hat, das Leben der 1923 in Frankreich ...

Das Buch wurde 2020 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.
In der Erzählform eines Epos skizziert die Autorin, die selbst Bezüge zu Deutschland und Frankreich hat, das Leben der 1923 in Frankreich geborenen Annette Beaumanoir. Diese war im Zweiten Weltkrieg Résistance-Kämpferin, später tätig in der algerischen Befreiungsbewegung, galt in ihrer französischen Heimat als Terroristin, Neurowissenschaftlerin. Ihrer Version, jegliche Unterdrückung zu unterbinden, opfert sie ihr privates Leben.
Durch die besondere Erzählform hebt sich das Buch von der klassischen Biografie ab, ist allerdings deshalb auch nicht einfach zu lesen. Lobenswert ist, wie der Fokus auf alles Wesentliche im Leben der Protagonistin gesetzt wird und doch ihr Leben umfassend dargestellt wird. Allerdings denke ich, dass das Buch eher französische Leser ansprechen wird, denn vor allem die Thematik rund um die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich seit den 1950er Jahren ist bei uns von geringerer Bedeutung.

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