Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2025

Eine Stadt im Nationalsozialismus

Ginsterburg
0

Vom Autor kenne ich bereits seine Romane „So, und jetzt kommst du“ sowie „Seemann vom Siebener“, die ich gerne gelesen habe. Sein neuestes Buch ist ein historischer Roman. In ihm geht es um das Geschehen ...

Vom Autor kenne ich bereits seine Romane „So, und jetzt kommst du“ sowie „Seemann vom Siebener“, die ich gerne gelesen habe. Sein neuestes Buch ist ein historischer Roman. In ihm geht es um das Geschehen in der fiktiven deutschen Stadt Ginsterburg, vor allem aber um das Ergehen einiger ausgewählter Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus, wobei drei einzelne Jahre – 1935, 1940 und 1945 – im Vordergrund stehen. Die in den Fokus gerückten Romanfiguren sind jede für sich etwas speziell. Die einen profitieren wirtschaftlich vom Krieg, die anderen machen eine Karriere aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit, wieder andere verwirklichen ihren Traum vom Kampf fürs Vaterland. Es handelt sich um Kommunisten, Homosexuelle, Juden, alte Kriegshelden. In dieser Häufung und mit ihren Eigenheiten ist deutlich zu merken, dass die Geschichte fiktiv ist. Mit den meisten Personen konnte ich nicht warm werden und das Beenden des Buchs fiel mir letztlich deshalb schwer, weil . thematisch die Betonung zu sehr auf den Kriegshandlungen und den Schilderungen der mit ihnen einhergehenden Grausamkeiten liegt. Etwas Abstand bieten dann Einschübe von zeitlich parallel erschienenen Zeitungsartikeln, Rundfunkbeiträgen, Briefen u.ä.
Lesenswert für Leser mit Interesse am Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2025

Autobiografische Einblicke

Sputnik
0

Dieser Roman ist die Fortsetzung von Christian Berkels (ein bekannter deutscher Schauspieler) biografisch geprägten früheren Büchern „Der Apfelbaum“ und „Ada“. Während es dort um die wirklich dramatische ...

Dieser Roman ist die Fortsetzung von Christian Berkels (ein bekannter deutscher Schauspieler) biografisch geprägten früheren Büchern „Der Apfelbaum“ und „Ada“. Während es dort um die wirklich dramatische und schillernde Vergangenheit seiner Eltern sowie deren Vorfahren während des Nationalsozialismus bzw. um seine ältere Schwester als einer gegen das Schweigen der Elterngeneration ankämpfenden 68erin ging, steht nunmehr sein eigenes Leben von Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter im Fokus. Für mich ist das neueste Buch allerdings das am wenigsten gelungenste dieser Trilogie. Das fing bereits gleich zu Beginn der Lektüre an. Ich fand es befremdend, der Zeugung des Erzählers so viel Raum zu geben. Dieser Kreis schließt sich dann allerdings am Ende des Buches, als sich Berkel mit einem Trupp von Schauspielerkollegen wie ein Fötus bewegen soll. Von dem dazwischen liegenden Teil fand ich wirklich interessant und lesenswert die Schilderungen zu Berkels Kindheit und Jugend bis zum Alter von 15 Jahren. Ab seinem Aufenthalt in Frankreich (also ab S.137) ging es dann im Wesentlichen nur noch um die – zudem noch eher bruchstückhaft gehaltene - Aneinanderreihung seiner aufeinanderfolgenden Stationen und seiner Vita als Schauspieler, die für den normalen Leser wie mich uninteressant sind. Wenngleich alles sachlich erzählt wird und Berkel es vermeidet, einen selbstgefälligen Eindruck zu vermitteln, konnte mich dieser Teil absolut nicht gefangen nehmen. Einzige Ausnahme war dann gegen Ende noch einmal die Passage, in der seine Eltern und deren gleichaltrige Freunde anlässlich der TV-Verfilmung „Holocaust“ ihre NS-Vergangenheit diskutieren. Etwas gestört hat mich letztendlich die wiederholte Beschreibung der Drogenerfahrungen Berkels. Solche intimen Einblicke in das eigene Leben eines Schauspielers muss ich nicht lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2025

Per aspera ad astra

Durch das Raue zu den Sternen
0

Das ist ein wirklich lesenswertes Buch, dessen außergewöhnliche Ich-Erzählerin, die 13jährige Arkadia genannt Moll, mich vom Anfang bis zum Ende in den Bann gezogen hat. Sie ist hochmusikalisch, fantasievoll, ...

Das ist ein wirklich lesenswertes Buch, dessen außergewöhnliche Ich-Erzählerin, die 13jährige Arkadia genannt Moll, mich vom Anfang bis zum Ende in den Bann gezogen hat. Sie ist hochmusikalisch, fantasievoll, immer geradeaus, sich nicht unbedingt den gesellschaftlichen Regeln beugend, altklug. Dass sie zu dem geworden ist, ist ihrer Mutter geschuldet, selbst eine extravagante, vermutlich psychisch erkrankte Frau, die sich für eine begabte und verkannte Komponistin hält. In allem, was Arkadia von ihrer Mutter erzählt, spricht eine große Liebe heraus. Leider ist Mutter seit einigen Monaten verschwunden und wird von Arkadia schmerzhaft vermisst. Für sie selbst ist die Mutter nur kurz weggegangen. Als Leser spekuliert man bis zum Ende in viele Richtungen, was es wohl mit dieser Absenz auf sich hat, um dann eine unerwartete Erklärung zu erhalten. Über die Musik waren Mutter und Tochter stets verbunden und durch Musik will Arkadia die Mutter wiederfinden; sie will als einziges Mädchen in einem bayerischen bekannten Knabenchor aufgenommen werden. Wie es ihr dabei ergeht, liest sich einfach herrlich. Eine weitere geliebte Person ist der Vater, der allerdings seit dem Verschwinden seiner Frau in seiner eigenen Welt lebt und Arkadia lange keine Stütze ist. Schon aus dem vorangehend Wenigen wird erkennbar, dass die Gefühle zwischen Kind und Eltern eine große Rolle spielen und natürlich die Musik in allen Tönen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.05.2025

Etwas für jüngere Leser

Das Leben fing im Sommer an
0

Dieses Buch wird seine Leser eher in der jüngeren Leserschaft finden, die in den 1990er Jahren geboren wurden. Für mich war der Schreibstil mit sehr vielen Begriffen aus der Jugendsprache (oder der Rap-Szene?) ...

Dieses Buch wird seine Leser eher in der jüngeren Leserschaft finden, die in den 1990er Jahren geboren wurden. Für mich war der Schreibstil mit sehr vielen Begriffen aus der Jugendsprache (oder der Rap-Szene?) teilweise nicht verständlich. Das dem so ist, ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass der damals 15jährige Christoph Kramer (später bekannt als Profifußballer und Nationalspieler) aus seiner Perspektive im Wesentlichen von drei Tagen aus seinem Leben im Sommer 2006 erzählt. Sein ganzes Denken und Handeln dreht sich um Liebe, die er sich so sehnlich wünscht. Die Person seines Interesses ist das begehrteste Mädchen an seiner Schule. Von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt macht Christoph in dieser kurzen Phase alle Gefühlswallungen durch, was ich persönlich als etwas übertrieben dargestellt empfinde. Um die Grundsteine seiner Fußballkarriere geht es ganz am Rande. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er für das Buch nur aufgrund seines Bekanntheitsgrades einen renommierten Verlag gefunden hat, wie das in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder bei bekannten Schauspielern o.ä. Personen der Fall gewesen sein dürfte. Wirklich gestört habe ich mich daran, dass so viel Raum einer längeren Fahrt mit einem PKW ohne Fahrerlaubnis mit Christoph als Fahrer gegeben und dies als so banal dargestellt wird, obwohl es sich um eine Straftat handelt und das zum Nachahmen verleiten könnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.05.2025

Chinakritischer Roman

Himmlischer Frieden
0

Ausweislich des im Anhang befindlichen Briefs der Autorin handelt es sich um einen fiktiven Roman, basierend auf ihrer Kindheit und Jugend in China. Gerade letzteres macht das Buch so lesenswert. Denn ...

Ausweislich des im Anhang befindlichen Briefs der Autorin handelt es sich um einen fiktiven Roman, basierend auf ihrer Kindheit und Jugend in China. Gerade letzteres macht das Buch so lesenswert. Denn die Protagonistin und Namensvetterin der Autorin – Lai – ist 1970 in China geboren und erlebte die Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahr 1989 als unmittelbar beteiligte Studentin. Nach mehr als 30 Jahren ist es für uns in einer Demokratie groß Gewordene immer noch unfassbar zu lesen, wie brutal das chinesische Regime die Studentenproteste niedergeschlagen hat. Wie Lai Zugang zu der Studentenbewegung gefunden und in welcher Weise sie an ihr teilgehabt hat, wird im letzten Teil des Buches geschildert. Die vorangehenden Abschnitte widmen sich ihrer Kindheit und Jugend. Hier wird ein informatives Bild von den Familienstrukturen in China gezeichnet, die im Falle von Lai durch einen introvertierten, von der Kulturrevolution gezeichneten Vater, eine missmutige Mutter und einer für Lai alles bedeutenden, liebevollen Großmutter geprägt sind. Immer wieder fällt auf, wie der chinesische Staat bis in die Familien hinein regiert. Insgesamt ein zu empfehlender Roman, der allerdings zeitweise etwas langatmig wirkt, etwa wenn es um das Hin und Her mit Lais Freund Gen geht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere