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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.11.2016

Spannender Kriminalfall, der erst spät gelöst wird

Gedenke mein
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Die Autorin ist bekannt für ihre Krimi-Reihe um Kommissar Dühnfort. Im vorliegenden Buch steht allerdings nicht er als polizeilicher Ermittler im Vordergrund, sondern seine Lebensgefährtin Gina Angelucci, ...

Die Autorin ist bekannt für ihre Krimi-Reihe um Kommissar Dühnfort. Im vorliegenden Buch steht allerdings nicht er als polizeilicher Ermittler im Vordergrund, sondern seine Lebensgefährtin Gina Angelucci, zu deren Aufgaben die Aufklärung von seit langen Jahren ungelösten Mordfällen gehört. Natürlich gibt es aber auch private und berufliche Verflechtungen mit Dühnfort.
Gina gibt dem Drängen der Mutter der vor zehn Jahren verschwundenen und niemals gefundenen kleinen Marie nach. Während die Mutter fest daran glaubt, das Mädchen lebt noch, will Gina nur ihre Leiche finden, damit die Mutter endlich trauern und mit dem Geschehen abschließen kann. Nachdem seinerzeit von Selbstmord des Vaters unter Mitnahme von Marie in den Tod ausgegangen wurde, tun sich jetzt für Gina völlig überraschende Spuren auf …
Die Geschichte ist äußerst spannend erzählt. Sowohl hinsichtlich des Geschehens vor zehn Jahren als auch hinsichtlich der Person des Täters bleibt der Leser lange im Unklaren, übrigens genauso die Polizei. Es kommen nach und nach furchtbare Wahrheiten ans Licht, die Ähnlichkeiten mit realen Fällen haben, die in jüngster Vergangenheit durch die Medien gingen.

Für Krimifans sehr zu empfehlen.

Veröffentlicht am 11.11.2016

Über Freundschaft und Naturliebe

Der Andere
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Bei einem 800-Meter-Lauf treffen sich die Jugendlichen John William Barry und Neil Countryman zum ersten Mal. So unterschiedlich ihre Herkunft auch ist – der eine stammt aus einer angesehenen, reichen ...

Bei einem 800-Meter-Lauf treffen sich die Jugendlichen John William Barry und Neil Countryman zum ersten Mal. So unterschiedlich ihre Herkunft auch ist – der eine stammt aus einer angesehenen, reichen Familie, der andere aus einer Handwerkerfamilie – sie werden zu Freunden. Ihre Naturliebe und tagelange Wanderungen durch die Wildnis verbinden sie. Das bleibt auch so, als John William dem bürgerlichen Leben den Rücken kehrt und als Eremit in eine Steinhöhle im Wald zieht, während Neil Lehrer für Englisch wird und eine Familie gründet, immer davon träumend, ein Buch zu schreiben. In treuer Abhängigkeit bringt er seinem Freund fortan Lebensmittel und Medikamente, bis … ja, bis er nach einigen Jahren vor dem Dilemma steht, seinen vor sich hin vegetierenden Freund zu verraten, um ihn zu retten oder weiterhin treu zu ihm zu halten …

Der Roman lässt sich nicht einfach lesen, wofür es mehrere Gründe gibt. Zum einen erschweren Zeitsprünge die zeitliche Orientierung – befinden wir uns in der Zeit, als die beiden Freunde junge Erwachsene sind oder im Alter von 28, als Neil vor eine schwere Entscheidung gestellt wird oder weitere zwei Jahrzehnte später, als Neil die Vergangenheit einholt? Zum anderen werden den meisten deutschen Lesern die vielen Örtlichkeiten in der nordwestamerikanischen Wildnis nicht viel sagen. Genauso wird es ihnen ergehen mit den zahlreichen Bezugnahmen englischer Lyrik oder alter philosophischer Lehren. Mehr als einmal war ich versucht, die Lektüre aufzugeben. An der Stange geblieben bin ich letztlich um zu erfahren, warum Neil in mittleren Jahren Berühmtheit erlangt. Andeutungen ziehen sich insoweit durch die ganze Geschichte, halten also zumindest die Spannung aufrecht.

Veröffentlicht am 02.11.2016

Neue Familienbande trotz flöten gegangener Erbschaft

Das Nest
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Vier New Yorker Geschwister in ihren Vierzigern hält nichts zusammen außer die Aussicht, am 40. Geburtstag der Jüngsten eine beträchtliche Geldsumme ausgezahlt zu bekommen, die ihr verstorbener Vater ihnen ...

Vier New Yorker Geschwister in ihren Vierzigern hält nichts zusammen außer die Aussicht, am 40. Geburtstag der Jüngsten eine beträchtliche Geldsumme ausgezahlt zu bekommen, die ihr verstorbener Vater ihnen hinterlassen hat. Alle haben schon den erwarteten Geldsegen verplant - eine will die Kreditraten fürs Haus und die Collegegebühren der Kinder bezahlen, die andere ihr Apartment renovieren, einer das wegen Geschäftsschulden verpfändete Sommerhaus auslösen. Allerdings macht ihnen ihre exzentrische Mutter kurz vor Zahltag einen Strich durch die Rechnung, indem sie das Geld ihrem Ältesten gibt, der sich damit von Scheidungsforderungen und Schadensersatzleistungen aus einem folgenschweren Verkehrsunfall freikauft. Werden seine Geschwister ihre finanziellen Probleme in den Griff kriegen und ihr Leben entsprechend einrichten?

Mit diesem Buch hat die Autorin einen angenehm zu lesenden und gut unterhaltenden ersten Roman abgeliefert. Das farbenfrohe Cover mit den vier Piepmätzen passt gut zum Inhalt, steht jeder von ihnen doch wohl stellvertretend für einen Geschwisterteil. Ebenso hat der Buchtitel Bezug zur Geschichte (was ja längst nicht bei jedem Buch der Fall ist), nennen die Geschwister doch die erwartete Erbschaft „das Nest“. Sehr schön wird die Bredouille dargestellt, in der sich jeder von ihnen vor Antritt der erwarteten Erbschaft befindet und auch danach, als klar ist, dass sie um „ihr“ Geld gebracht wurden. Das lässt sich für den Leser alles gut nachvollziehen, könnte er doch durchaus in ähnlicher Lage sein. Interessant ist,wie auf aktuelle Themen eingegangen wird, z.B. die amerikanische Finanzkrise oder Nine Eleven. Die Auflösung der ganzen Misere erfolgt dann völlig anders als erwartet. Der größere Teil der Geschwister zieht seine Lehren aus dem Ganzen, und anschließend gibt es zwischen ihnen sogar nie dagewesene familiäre Bindungen.
Zu einer kleinen Abwertung komme ich deshalb, weil mir die Schilderung der beruflichen Situation des ältesten Bruders zu lang ausfällt und mir nicht einmal so recht klar ist, was genau er beruflich macht.

Veröffentlicht am 26.10.2016

Neuanfang nach Beziehungsende

Liebe, Zimt und Zucker
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Die 28jährige studierte Literaturwissenschaftlerin Marit aus Hamburg stellt ihre beruflichen Ambitionen zurück und folgt ihrer großen Liebe in die Kleinstadt. Obwohl sie Knall auf Fall in verletzender ...

Die 28jährige studierte Literaturwissenschaftlerin Marit aus Hamburg stellt ihre beruflichen Ambitionen zurück und folgt ihrer großen Liebe in die Kleinstadt. Obwohl sie Knall auf Fall in verletzender Weise sitzengelassen wird, verharrt sie in dem Ort und nimmt einen Job in einem Coffeeshop an. Dort trifft sie auf den ihr mit Ablehnung begegnenden Kollegen Moritz und nimmt über einen gefundenen USB-Stick E-Mail-Kontakte zu dem charmanten und humorvollen Julian auf. Ob einer der beiden der neue Mann in ihrem Leben wird?
Worauf schon das in Rosatönen gehaltene Cover hindeutet, haben wir es mit einem Liebesroman zu tun. Er ist in leichtem Erzählton gehalten und lässt sich recht flott lesen. Eine schöne Abwechslung beim Lesen sind die zwischen Marit und Julian zahlreich gewechselten E-Mails, in denen beide recht keck miteinander plaudern. Hier wird auf ein Muster zurückgegriffen, das auch gerne von anderen Autoren in Brief- bzw. E-Mail-Romanen benutzt wird. Vielleicht wird manch eine Leserin aufstöhnen und sagen, schon wieder ein Roman mit einer Protagonistin um die 30 ohne Geld und berufliche Sicherheit, dafür mit jeder Menge Liebeskummer. Dem sei aber entgegengehalten, dass diese Thematik in völlig eigenständiger Weise mit guten Ideen verarbeitet wird. Und die Protagonistin macht es sich bei weitem nicht einfach mit ihrer Entscheidung für oder gegen einen neuen Mann. Etwas gestoßen habe ich mich lediglich daran, dass sie etwas sehr früh mit einem im Bett landet. Am Ende nimmt die Geschichte sogar noch eine völlig unerwartete Wendung.

Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 21.10.2016

Für Leser von Horrorgeschichten

Muttertag
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Die Klassifizierung des Buchs in das von mir bevorzugte Genre „Literatur“ hat mich zu ihm greifen lassen. Leider war dies eine Irreleitung, denn richtigerweise handelt es sich um eine Mischung aus Thriller ...

Die Klassifizierung des Buchs in das von mir bevorzugte Genre „Literatur“ hat mich zu ihm greifen lassen. Leider war dies eine Irreleitung, denn richtigerweise handelt es sich um eine Mischung aus Thriller und Horrorgeschichte, zu deren Leserkreis ich eher nicht zähle. Das alleine hat mich aber nicht enttäuscht zurückgelassen. Vielmehr lag mir die schwerfällige Erzählweise nicht, die lange Zeit verhindert hat, dass ich in die Geschichte hineinfinden konnte. Eine Reihe von Bruchstücken mit jeweils eigener Thematik wird abwechselnd fokussiert. Da geht es um ein gedächtnisloses Mädchen, eine vermeintlich zerstörte und dann wieder aufgetauchte Sekte, die Menschen ohne deren Einverständnis mit Krankheiten infiziert und einem Menschenopferkult frönt, Ermittlungen durch den Verfassungsschutz. Für mich sind das alles sehr schreckliche Themen. Zum Glück werden sie durch eine Art Rahmen zusammengeführt, nämlich die angenehmer zu lesende Geschichte rund um den Jugendlichen Philipp, der bei seinem vermeintlich harmlosen Onkel lebt und mit diesem nach einem Überfall flüchten muss. Vollständiges Licht wird am Ende nicht in die Geschichte gebracht, bleibt doch etwa offen, was mit dem Mädchen passiert ist.

Das Buch bleibt hinter meinen Erwartungen zurück.