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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.12.2025

Eine sehr intensive Liebesgeschichte!

Herzlauschen
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Nicole und Uli Swidler erzählen in ihrem Roman „Herzlauschen“ die Geschichte von Tessa Boden, einer gefeierten Sopranistin, die auf den größten Bühnen der Welt zu Hause ist und dennoch ein einsames Leben ...

Nicole und Uli Swidler erzählen in ihrem Roman „Herzlauschen“ die Geschichte von Tessa Boden, einer gefeierten Sopranistin, die auf den größten Bühnen der Welt zu Hause ist und dennoch ein einsames Leben führt. Bei einem Konzert in der Berliner Philharmonie begegnet sie Paul, einem gehörlosen Bildhauer, dessen geheimnisvolle Ausstrahlung sie sofort in ihren Bann zieht. Zwischen beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche und intensive Liebesgeschichte.

Besonders gelungen fand ich den flüssigen und leichten Schreibstil, der einen als Leserin direkt abholt. Auch die Charaktere sind sehr einfühlsam gezeichnet, und gerade die Einbettung des Themas Taubheit ist überzeugend umgesetzt. Man kann sich sehr gut in die Figuren hineinversetzen und mitfühlen.

Der Spannungsbogen der Geschichte ist durchweg hoch und nimmt vor allem gegen Ende nochmal deutlich Fahrt auf. Gleichzeitig wirkte die Liebe zwischen Tessa und Paul auf mich stellenweise etwas zu idealisiert und "zu schön, um wahr zu sein". Ich bin teilweise gar nicht hinterhergekommen, wie intensiv die Gefühle der beiden bereits waren, ohne dass ein "echter Austausch" die Beziehung greifbar gemacht hat.

Trotzdem bleibt „Herzlauschen“ für mich ein schöner und vor allem berührender Roman, der voller Liebe steckt und durch seine besondere Konstellation im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Geschichte, die zum Nachdenken anregt

Drei Tage im Schnee
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„Drei Tage im Schnee“ von Ina Bhatter erzählt die Geschichte von Hannah, die in einem übervollen Großstadtalltag gefangen ist. Termine, Verpflichtungen und Erwartungen bestimmen ihr Leben, bis sie sich ...

„Drei Tage im Schnee“ von Ina Bhatter erzählt die Geschichte von Hannah, die in einem übervollen Großstadtalltag gefangen ist. Termine, Verpflichtungen und Erwartungen bestimmen ihr Leben, bis sie sich für ein paar Tage in ein kleines Holzhaus am See zurückzieht. Dort begegnet sie der kleinen Sophie. Die beiden verbringen eine unbeschwerte Zeit miteinander und Hannah beginnt über ihr Leben zu reflektieren.

Der Schreibstil des Buches ist sehr klar und flüssig. Die Idee, das "innere Kind" in einer Figur wie Sophie sichtbar zu machen wurde sehr liebevoll umgesetzt. Ich habe mich oft in Hannah wiedergefunden und sie stellt vermutlich für sehr viele Menschen unserer heutigen Gesellschaft eine Identifikationsfigur dar. Manche Gedanken und Ratschläge, die im Verlauf auftauchen, sind nicht neu, aber dennoch wertvoll, weil sie einen daran erinnern, wie selten man ihnen im Alltag wirklich Raum gibt. Auf eine Art hat das Buch etwas von einem Ratgeber: nicht belehrend, aber als Anstoß zum Innehalten. Die Geschichte liest sich insgesamt schnell und ist perfekt für einen ruhigen Nachmittag zum Innehalten. Gleichzeitig wirkt vieles sehr geradlinig, fast glatt. Ich habe mich gefragt, ob man ein ganzes Leben in nur drei Tagen wirklich so nachhaltig verändern kann. An manchen Stellen hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Trotzdem bleibt „Drei Tage im Schnee“ ein sehr empfehlenswertes Buch, das einem wichtige Impulse mitgibt.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Kluges Buch!

Aufsteiger
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Peter Huth erzählt in seinem Roman „Aufsteiger“ eine Geschichte, die tief in die Realität der Medienwelt eintaucht. Es geht um Macht, Moral und den schmalen Grat, der Absturz und Erfolg voneinander trennt.

Im ...

Peter Huth erzählt in seinem Roman „Aufsteiger“ eine Geschichte, die tief in die Realität der Medienwelt eintaucht. Es geht um Macht, Moral und den schmalen Grat, der Absturz und Erfolg voneinander trennt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Felix Licht, der alles für die Karriere geopfert hat. Doch der letzte Schritt, die Berufung zum Chefredakteur seines Magazins, bleibt aus. Stattdessen wird Zoe Rauch in den Posten befördert. Jene junge und schöne Frau, an die Felix seit ihrem Praktikum vor zwölf Jahren denken muss.

Besonders spannend ist, dass viele aktuelle Themen aufgegriffen werden – vom Streit um „Klimakleber“ bis hin zu sprachlichen Debatten über das Thema Gendern oder die Nutzung des Worts „Indianer“. Man merkt zwar, dass das Buch wohl schon 2023 fertiggestellt wurde, doch büßt es dadurch nichts an Aktualität ein. Im Gegenteil: Gerade weil vieles noch immer diskutiert wird, wirken die Bezüge sehr nah an unserer Gegenwart.

Die Figuren sind präzise herausgearbeitet und an realen Vorbildern orientiert, was das Lesen umso spannender und authentischer macht. Huths Schreibstil ist dabei flüssig und kurzweilig, der Spannungsbogen bleibt über die gesamte Länge hoch – man möchte das Buch kaum aus der Hand legen.

Alles in allem ist „Aufsteiger“ ein kluges Buch, das die Mechanismen in der Medienwelt realistisch widerspiegelt und zugleich die Frage stellt, wie dünn die Linie zwischen Gold- und Schattenseite tatsächlich ist. Für mich ein sehr lesenswerter Roman und eine Empfehlung für jeden, der gerne mal einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Ehrlich und authentisch, aber wenig Identifikationspotenzial

All the Way to the River
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Elizabeth Gilbert erzählt in „All the Way to the River“ von ihrer tiefen Verbindung zu Rayya, die im Jahr 2000 beginnt. Aus einer Freundschaft entsteht eine außergewöhnliche Liebe: intensiv, kompromisslos ...

Elizabeth Gilbert erzählt in „All the Way to the River“ von ihrer tiefen Verbindung zu Rayya, die im Jahr 2000 beginnt. Aus einer Freundschaft entsteht eine außergewöhnliche Liebe: intensiv, kompromisslos und geprägt von zwei Menschen, die einander Halt geben und gleichzeitig an eigenen Abgründen ringen. Als eine schwere Diagnose alles verändert, wird ihre Beziehung zu einem Weg des Loslassens, der Nähe, aber auch des unausweichlichen Abschieds.

Die Stärke des Buches liegt in seiner Ehrlichkeit. Gilbert beschreibt ungeschönt, was Sucht, Liebe, Abhängigkeit und Verlust bedeuten können. Diese Authentizität macht das Lesen eindrücklich, aber für mich auch fordernd. Ich habe wenig Identifikationspotenzial, und das war vermutlich der Grund, weshalb ich nicht richtig warm geworden bin mit dem Buch. Manche Szenen wirkten auf mich überladen, einige Passagen wiederholten sich, was mir an manchen Stellen „zu viel“ wurde. Gelungen fand ich hingegen die eingestreuten Gedichte und Zeichnungen.

Insgesamt ist „All the Way to the River“ ein schonungslos offener Bericht über eine außergewöhnliche Liebe. Für mich persönlich blieb jedoch eine gewisse Distanz und zu wenig Identifikation.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Humorvolle Krimireihe mit Perspektive!

Über die Toten nur Gutes
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Andres Izquierdo erzählt in seinem Roman „Über die Toten nur Gutes“ die Geschichte von Mads Madsen, der als Trauerredner arbeitet. Nach dem Tod seines alten Freundes Patrick soll er eine Rede halten – ...

Andres Izquierdo erzählt in seinem Roman „Über die Toten nur Gutes“ die Geschichte von Mads Madsen, der als Trauerredner arbeitet. Nach dem Tod seines alten Freundes Patrick soll er eine Rede halten – eine Aufgabe, die ihn auf eine Reise in die Vergangenheit führt und nicht nur sich selbst damit in Gefahr bringt.

Die Handlung spielt in Glücksburg an der Ostsee. Neben Mads lernt man auch sein direktes Umfeld gut kennen: Dazu gehört sein Vater Fridtjof, sein bester Freund Fiete, aber auch die zunächst unsympathische Kommissarin Luisa Mills.

Der Schreibstil von Andres Izquierdo ist die gesamte Geschichte hinweg sehr flüssig und durch die kurzen Kapitel entsteht ein hohes Tempo, das die Spannung laufend aufrecht erhält. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus Humor und ernsteren Momenten: Während Mads vieles flapsig und fast naiv kommentiert, gewinnen die Ereignisse im Laufe der Geschichte immer mehr Tiefe. Gerade das letzte Drittel nimmt nicht nur erzählerisch Fahrt auf, sondern berührt auch emotional. Besonders die Geschichte rund um Mads Mutter fand ich sehr eindrucksvoll.

Sehr gefallen hat mir darüber hinaus auch die bildhafte Sprache, mit der Andres Izquierdo schreibt. Auch die Figuren sind facettenreich und bleiben im Gedächtnis: Mads als Hauptfigur mit seinem Humor und seiner Eigenart, aber auch Mills, die sich im Verlauf deutlich wandelt und Sympathiepunkte sammelt.

Alles in allem ein kurzweiliger, spannender und zugleich berührender Roman, der Lust auf mehr Geschichten mit Mads Madsen macht. Eine Empfehlung für alle, die Krimi, Humor und Tiefgang in einem Buch vereint sehen wollen.

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