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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2026

Unterhaltsamer, aber sehr überspitzter Roman

Yesteryear
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In "Yesteryear" erzählt Caro Claire Burke von Natalie Heller Mills, die im Internet das perfekte Familienleben inszeniert: idyllische Farm, glückliche Kinder, harmonische Ehe. Doch hinter der makellosen ...

In "Yesteryear" erzählt Caro Claire Burke von Natalie Heller Mills, die im Internet das perfekte Familienleben inszeniert: idyllische Farm, glückliche Kinder, harmonische Ehe. Doch hinter der makellosen Fassade beginnen Risse sichtbar zu werden und plötzlich steht die Frage im Raum, was passieren würde, wenn dieses scheinbar perfekte Leben tatsächlich gelebt werden müsste.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, wo ich anfangen soll, weil dieses Buch wirklich viel ist: Der Schreibstil ist pointiert, sarkastisch, zynisch und teilweise gnadenlos überspitzt. Gleichzeitig entwickelt die Geschichte eine enorme Spannung, sodass ich das Buch nur ungern aus der Hand gelegt habe. Gerade die Darstellung von Social Media, Inszenierung und dem Druck, ein bestimmtes Bild nach außen aufrechtzuerhalten zu Beginn des Buches, fand ich spannend und stellenweise auch ziemlich treffend. Allerdings wurde es mir an manchen Punkten (vor allem gegen Ende) doch zu abstrus und überdreht. Überspitzung passt grundsätzlich zum Stil des Buches, aber manche Entwicklungen wirkten für mich irgendwann sehr weit weg von jeder Realität. Auch die Figuren haben bei mir eher Distanz ausgelöst: Die Protagonistin blieb für mich komplett unsympathisch und ich konnte kaum eine ihrer Entscheidungen und Verhaltensweisen nachvollziehen. Das Ende bringt nochmal viele Wendungen mit sich, fast schon zu viele. Einige Twists haben mich überrascht, andere wirkten auf mich eher etwas überladen.

Alles in allem ist „Yesteryear“ ein bissiger und unterhaltsamer Roman über Selbstinszenierung und das Tradwife-Phänomen, der mich aber auch ziemlich zwiegespalten zurückgelassen hat. Auf die geplante Verfilmung (Anne Hathaway hat sich die Filmrechte gesichert) bin ich allerdings schon sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Sehr berührender Roman!

Solange ein Streichholz brennt
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In "Solange ein Streichholz brennt" erzählt Christian Huber die Geschichte von Bohm, der seit Jahren mit seinem Hund Fox auf der Straße lebt, und der Journalistin Alina, die durch eine Dokumentation über ...

In "Solange ein Streichholz brennt" erzählt Christian Huber die Geschichte von Bohm, der seit Jahren mit seinem Hund Fox auf der Straße lebt, und der Journalistin Alina, die durch eine Dokumentation über Obdachlosigkeit auf ihn trifft. Aus einer zunächst rein beruflichen Begegnung entwickelt sich nach und nach eine Verbindung, die beide mit ihrer Vergangenheit und ihren eigenen Vorstellungen vom Leben konfrontiert.

Das Buch hat mich sehr berührt. Durch die wechselnden Perspektiven von Bohm und Alina bleibt die Geschichte durchweg spannend und unglaublich kurzweilig. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Besonders gefallen hat mir, dass das Thema Obdachlosigkeit behandelt wird. Es ist ein Thema, das im Alltag oft übersehen wird, und der Roman schafft es, dafür auf eine sehr menschliche Weise Aufmerksamkeit zu schaffen. Auch der Titel und die Bedeutung dahinter mochte ich sehr.

An manchen Stellen habe ich mich zwar gefragt, wie realistisch bestimmte Entwicklungen tatsächlich sind, aber darüber konnte ich beim Lesen gut hinwegsehen, weil mich die emotionale Ebene der Geschichte so überzeugt hat.

Alles in allem ist „Solange ein Streichholz brennt“ ein bewegender Roman, den ich jedem empfehlen kann. Christian Hubers Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und ich werde jetzt erstmal sein Roman "Man verlernt nicht wie man schwimmt" lesen.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Zwischen Meeresrauschen und Erinnerungen verliert sich die Geschichte

Unter Wasser
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In "Unter Wasser" erzählt Tara Menon die Geschichte von Marissa, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater nach Thailand zieht und dort eine enge Freundschaft zu Arielle aufbaut. Zwischen Meeresrauschen ...

In "Unter Wasser" erzählt Tara Menon die Geschichte von Marissa, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater nach Thailand zieht und dort eine enge Freundschaft zu Arielle aufbaut. Zwischen Meeresrauschen und Korallenriffen entsteht eine intensive Verbindung. Bis eine Naturkatastrophe alles verändert und Marissa Jahre später in New York mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und hatte dabei stellenweise Schwierigkeiten mit den Wechseln zwischen den Zeitebenen. Für mich hätte die Geschichte an manchen Stellen etwas klarer und stringenter erzählt sein dürfen. Gerade zu Beginn habe ich relativ lange gebraucht, um richtig in die Handlung hineinzufinden. Besonders spannend fand ich dann den letzten Teil des Buches rund um die Katastrophe und deren Auswirkungen. Dort entwickelte die Geschichte für mich endlich die Intensität, die ich mir bereits früher erhofft hatte. Davor plätscherte die Handlung für mein Empfinden etwas zu lange vor sich hin.

Auch die vielen Beschreibungen rund um Meeresbiologie und Tierwelt waren nicht immer ganz mein Thema. Wer sich dafür begeistert, wird daran vermutlich deutlich mehr Freude haben, für mich war es stellenweise etwas zu ausführlich und dadurch etwas langatmig. Die Figuren blieben für mich insgesamt eher auf Distanz, wodurch mir die emotionale Verbindung etwas gefehlt hat. Manche Hintergründe und Details hätte ich gerne noch ausführlicher kennengelernt, um stärker mitzufühlen.

Alles in allem ist „Unter Wasser“ ein Roman mit starken Naturbildern und einem intensiven letzten Drittel, der mich insgesamt aber etwas zwiegespalten zurückgelassen hat.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

leise & poetisch

Weißer Sommer
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Im Debütroman "Weißer Sommer" von Eva Pramschüfer begleiten wir Alma und Théo, die sich lieben und doch an einem Punkt angekommen sind, an dem ihre Beziehung zu zerbrechen droht. In einem letzten gemeinsamen ...

Im Debütroman "Weißer Sommer" von Eva Pramschüfer begleiten wir Alma und Théo, die sich lieben und doch an einem Punkt angekommen sind, an dem ihre Beziehung zu zerbrechen droht. In einem letzten gemeinsamen Sommer ziehen sie sich in ein Haus in Frankreich zurück, um herauszufinden, ob ihre Liebe noch funktioniert oder ob Loslassen der ehrlichere Weg ist.

Besonders gefallen hat mir die Sprache: sehr poetisch, ruhig und gleichzeitig voller Inhalt. Ich habe mir viele Sätze während des Lesen markiert, auch die kleinen Alltagsbeobachtungen zwischen den Zeilen mochte ich sehr. Die Figuren sind speziell und waren dadurch nicht immer leicht zugänglich für mich. Ich konnte ihre Verhaltensweisen nicht immer vollständig nachvollziehen, was eine gewisse Distanz beim Lesen geschaffen hat.

Mit den unterschiedlichen Zeitebenen hatte ich stellenweise etwas zu kämpfen, da sie für mich teilweise ineinander verschwommen sind. Hier hätte ich mir an manchen Stellen mehr Klarheit und auch mehr Fokus auf das Geschehen im „Jetzt“ gewünscht. Die angesprochenen Themen hingegen– Liebe, Zweifel, Selbstfindung – dürften vielen, gerade in den Zwanzigern, sehr bekannt vorkommen. In diesen Momenten habe ich mich definitiv wiedergefunden.

Alles in allem ist „Weißer Sommer“ ein leiser Debütroman mit einer starken Sprache und viel Gefühl.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Ich habe etwas anderes erwartet

Ich, die ich Männer nicht kannte
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In "Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Hartmann wird eine Gruppe von Frauen unter rätselhaften Umständen in einem unterirdischen Keller gefangen gehalten. Ohne Wissen darüber, was außerhalb ...

In "Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Hartmann wird eine Gruppe von Frauen unter rätselhaften Umständen in einem unterirdischen Keller gefangen gehalten. Ohne Wissen darüber, was außerhalb geschehen ist. Als sich plötzlich die Tür öffnet, beginnt für sie ein neues Kapitel in einer fremden Welt, in der sie sich erst zurechtfinden müssen.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, gelesen von Vera Teltz. Wie immer absolut überzeugend und sehr eindringlich gesprochen. Die Geschichte selbst ist durchweg spannend erzählt und lebt von der sehr beklemmenden Ausgangssituation. Gerade zu Beginn hat mich das Setting sofort gepackt. Allerdings konnte das Buch meine hohen Erwartungen insgesamt nicht ganz erfüllen. Mir fehlten am Ende wichtige Auflösungen und Hintergrundinformationen, die für mich zu einem runderen Gesamtbild beigetragen hätten. Auch der Titel hat bei mir andere Erwartungen geweckt, die so in der Geschichte nicht wirklich eingelöst wurden. Gegen Ende empfand ich zudem einige Wiederholungen als etwas ermüdend, wodurch die Geschichte für mich ein wenig an Spannung verloren hat.

Alles in allem ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ ein ungewöhnlicher Roman, der für mich in der Ausführung jedoch nicht ganz die Tiefe erreicht hat, die ich mir erhofft hatte.

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