Cover-Bild Ich, die ich Männer nicht kannte
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18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 14.03.2026
  • ISBN: 9783608125320
Jacqueline Harpman

Ich, die ich Männer nicht kannte

Roman
»Ein wahres Wunder«New York Times
Der internationale Sensationserfolg
Tief unter der Erde werden neununddreißig Frauen gefangen gehalten. Während das elektrische Licht Tag und Nacht verschwimmen lässt, sitzt ein junges Mädchen – die vierzigste Gefangene – allein und ausgestoßen in der Ecke. »Ich, die ich Männer nicht kannte« ist so feministisch wie »Der Report der Magd« und so existentiell wie »Die Wand«: Ein moderner Klassiker, internationaler Verkaufserfolg und BookTok-Hit in neuer deutscher Übersetzung.
In einem unterirdischen Gefängnis sitzen neununddreißig Frauen. Was übertage geschehen ist, wissen sie nicht: Wurde die Welt verlassen, von einem Virus verwüstet? Die Frauen können sich nicht erinnern, wie sie in den Käfig gelangt sind, haben jegliches Zeitgefühl verloren und nur eine vage Ahnung von ihrem alten Leben. Ihre Aufseher, sechs schweigsame Männer in Uniform, sprechen nicht mit ihnen und berühren sie nur, um sicherzustellen, dass keine von ihnen versucht, sich das Leben zu nehmen. Eines Tages ertönt ein Alarm, und die Wachen verschwinden; die Tür steht offen. Als erste wagt jene vierzigste Gefangene den ersten Schritt, die nichts als das Gefängnis kannte. Doch anders als erhofft, finden die Frauen draußen nicht die Freiheit, sondern eine Welt, die sie nicht wiedererkennen und in der sie lernen müssen, sich gemeinsam zurechtzufinden.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.02.2026

Ein außergewöhnlicher dystopischer Roman!

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Was habe ich da bitte gelesen? „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist für mich ganz klar ein Jahreshighlight und ein Buch, das sich sowohl in seiner Erzählweise als auch in seinem ...

Was habe ich da bitte gelesen? „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist für mich ganz klar ein Jahreshighlight und ein Buch, das sich sowohl in seiner Erzählweise als auch in seinem Inhalt radikal von vielem abhebt, was ich sonst lese.

Schon der Titel hat meine Neugier geweckt. Das Cover wirkt eher nichtssagend, fast unscheinbar. Und dann der Inhalt: Wow!

Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Jacqueline Harpman erschafft eine dystopische Welt, die rätselhaft bleibt und gerade dadurch eine ungeheure Sogwirkung entfaltet. Ich habe das Buch mit angehaltenem Atem gelesen, bin den Gedanken der namenlosen Protagonistin durch eine verstörende Welt gefolgt und habe einer Erklärung bzw. einer Auflösung, regelrecht entgegengefiebert.

Im Zentrum steht eine Erzählerin, die als junges Mädchen unter seltsamen Umständen eingesperrt lebt und sich (nach einem einschneidenden Ereignis) in einer fremden, verlassenen Welt zurechtfinden muss. Sie kennt keine Männer, kennt keine gesellschaftlichen Strukturen, keine Geschichte. Und genau aus dieser Leerstelle heraus beobachtet und reflektiert sie alles mit einer beeindruckenden Klarheit. Aus dem wissbegierigen, klugen Mädchen wird eine strebsame, analytische Frau, die sich ihr Leben Schritt für Schritt erschließt. Ihre Entwicklung war sehr sehr inspirierend. Sie stellt Fragen, wo andere resignieren würden. und denkt weiter, wo andere sich mit dem Gegebenen abfinden.

Die Atmosphäre des Romans ist beklemmend und oft von einer stillen Einsamkeit durchzogen. Das Buch lebt von Gedanken, von innerer Entwicklung und von existenziellen Fragen: Was bedeutet Freiheit? Was macht Identität aus? Wie entsteht Wissen? Und was bleibt vom Menschsein, wenn alle gewohnten Strukturen wegfallen?

Das Ende ist eher unbefriedigend, denn viele Fragen bleiben offen. Er liefert keine einfachen Antworten, sondern fordert dazu auf, weiterzudenken. Und vielleicht liegt gerade darin seine Stärke. Trotz der düsteren Grundstimmung ist das Buch auf seltsame Weise mutmachend. Es zeigt, wie viel Kraft im Denken, im Lernen und im selbstbestimmten Handeln liegt.
Dieses Buch ist nicht neu und verdient doch heute mehr Aufmerksamkeit denn je. Es macht auf leise, aber eindringliche Weise klar, worauf es wirklich ankommt.

Mich hat es nachhaltig beeindruckt und meine Sicht auf die Welt ein Stück weit verändert. Ein außergewöhnlicher dystopischer Roman, der noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

feminischtisch?

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Diese Rezension enthält Spoiler!

Das Buch wurde ziemlich gehyped was immer schwierig ist, da es immer hohe Erwartungen schürt.
Dem Hype wurde das Buch für mich nicht gerecht. Ich ...

Diese Rezension enthält Spoiler!

Das Buch wurde ziemlich gehyped was immer schwierig ist, da es immer hohe Erwartungen schürt.
Dem Hype wurde das Buch für mich nicht gerecht. Ich fand es nicht schlecht doch zum Ende hin gefiel es mir dann leider schlechter und es wies für mich auch unlogische Stellen auf. Womit ich jedenfalls am wenigsten einverstanden bin, ist die Bezeichnung des Romans als feministisch. Das Buch hat für mich, inklusive (oder vor allem) dem Titel nichts feministisches. Oder gilt es als feministisch, wenn Frauen ohne Männer überleben? Ich hoffe nicht!
Sie stirbt an Gebärmutterkrebs da sie die ist, die Männer nicht kannte und keine Kinder geboren hat? Das ist in meinen Augen wirklich kein feministischer Ansatz.
Was die Autorin auf jeden Fall geschafft hat ist eine sehr beklemmende Atmosphäre zu schaffen und sehr viele Fragen zu stellen, für die sich die Leserin Antworten überlegt.
Ich habe auf jeden Fall mit gefiebert und wurde emotional abgeholt, zu sehr sogar, denn ich musste auch eine emotionale Pause einlegen.
Einiges zum Ende hin war für mich jedoch leider nicht stimmig. Zum Beispiel konnte bis zum Ende nicht glaubwürdig erklärt werden, wie sie so sprachgewandt werden konnte und Dinge richtig bezeichnen konnte, die sie niemals gesehen hatte und vielleicht einmal zufällig irgendwann von ihren Gefährtinnen erwähnt wurden.
Ich hatte nicht erwartet Antworten für die Lage der Protagonistinnen zu erhalten, doch ich hoffe sehr, dass die Autorin sich welche überlegt hatte. Die Bücher, die auf diesem Planeten zur Verfügung standen, sollten mit Sicherheit ein Hinweis sein.
Alles in Allem fand ich das Buch wirklich nicht schlecht, kann aber den Hype wie gesagt nicht so ganz verstehen und hatte so meine Schwierigkeiten mit einigen Dingen, trotzdem war das Buch sehr emotional, spannend und eine sehr interessante psychologische Menschenbeobachtung. Es hat mir sehr gut gefallen zu beobachten, was die Frauen und vor allem die Protagonistin sich alles aneignen, was das junge Mädchen durch das Aufwachsen im Kellergefängnis alles nicht kennt, am meisten berührt hat mich dabei, dass sie noch ihr Spiegelbild gesehen hat und nicht weiß wie sie eigentlich aussieht.
Ich fand es auch sehr schön, dass sie, da sie mit Gefühlen nicht so viel anfangen konnte, wie die anderen, das Erlösen der Kranken übernimmt.

Ich würde das Buch weiter empfehlen, aber dazu raten nicht zu hohe Erwartungen zu haben.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Wird dem Hype nicht gerecht

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Der Hype um dieses Buch und die Ankündigung im Klappentext, dass es so feministisch sei wie „Der Report der Magd“ haben mich neugierig gemacht und ich bin mit entsprechend hohen Erwartungen herangegangen. ...

Der Hype um dieses Buch und die Ankündigung im Klappentext, dass es so feministisch sei wie „Der Report der Magd“ haben mich neugierig gemacht und ich bin mit entsprechend hohen Erwartungen herangegangen. Diese haben sich allerdings nicht erfüllt.

39 Frauen und eine Jugendliche sind seit vielen Jahren hinter Gittern in einem Keller eingesperrt. Sie dürfen sich gegenseitig nicht berühren und werden von bewaffneten Wächtern rund um die Uhr bewacht. Wie lange genau, wissen sie nicht, ihre Erinnerung an das Leben zuvor ist nur bruchstückhaft vorhanden. Eines Tages ertönt plötzlich ein Alarmsignal und die Wärter verschwinden spurlos. Durch einen glücklichen Zufall können die Frauen entkommen und finden sich in einer kargen Landschaft wieder, in der sie lernen müssen zu überleben.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive der Frau geschrieben, die zum Zeitpunkt der Befreiung eine Jugendliche von ca. 12 bis 15 Jahren war. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, einzelne Themen – die Unfruchtbarkeit der Protagonistin, ihre Neugier, etwas über Sexualität und Männer zu erfahren, die Gespräche der anderen Frauen darüber – wiederholen sich jedoch immer wieder, was beim Lesen etwas ermüdend ist.

Der Roman wurde erstmals 1995 veröffentlicht. Es mag sein, dass er unter damaligen Gesichtspunkten feministische Ansätze hatte, allein schon, weil eine Gruppe von Frauen im Mittelpunkt der Handlung steht und es keine männlichen Hauptfiguren gibt. Aus heutiger Sicht empfinde ich dieses Buch jedoch nicht als feministisch. Die Frauen wirken erstaunlich passiv und ideenlos. Sie sehnen sich nach ihrem alten Leben mit Männern, Sexualität und Kindern und betrachten ein Leben ohne Nachkommen als hoffnungs- und sinnlos. Sie bilden zwar eine Zweckgemeinschaft und lassen sich nieder, sind als Gruppe aber nicht fähig, methodisch vorzugehen, die Gegend systematisch zu erkunden und zumindest Versuche zu unternehmen, sich autark mit Nahrung zu versorgen. Auch wenn diese Versuche aufgrund der örtlichen Gegebenheiten scheitern sollten, wäre zumindest der Wille erkennbar gewesen. Für einen feministischen Roman fehlt mir ein Aufbäumen gegen die Situation. Lediglich die Protagonistin zeigt Neugier und Tatendrang. Auch dass die Frauen ihr spärliches Wissen nur widerwillig an die Protagonistin weitergeben, weil es sowieso sinnlos ist, zeigt dass sie von Anfang an resigniert haben.

Die Grundsituation, sich als Frauengruppe in einer lebensfeindlichen, unbekannten Umgebung wiederzufinden, fand ich sehr interessant, ebenso die unterschiedlichen Reaktionen der älteren, in der bekannten Welt sozialisierten Frauen und der jugendlichen Protagonistin. Sie müssen sich mit Einsamkeit und existentiellen Fragen auseinandersetzen: Was ist der Sinn des Lebens? Und was macht ein Leben lebenswert?

Allerdings empfinde ich den Weltenbau als sehr unglücklich und völlig unlogisch. Mag sein, dass ich als Mathematikerin hierauf besonders viel Wert lege und andere sich daran weniger stören. Der Roman liefert jedoch keinerlei Antworten bezüglich der Energieversorgung, dem plötzlichen Verschwinden der Bewacher, die sich geradezu in Luft auflösen, dem Ort an sich (Erde? Exoplanet?) und vielen anderen Punkten, die ich hier nicht aufzählen kann ohne zu spoilern.

So faszinierend die Protagonistin ist, scheint mir ihre Figurenzeichnung doch nicht schlüssig: Sie war vermutlich ein Kleinkind, als sie in den Keller kam, durfte niemals berührt werden, bekam wenig Ansprache, keine Zuneigung und nicht einmal einen Namen. Sie hatte kein Spielzeug, kaum sensorische und intellektuelle Reize. Ich würde hier Anzeichen von Hospitalismus vermuten, Ängste, Unsicherheit und eine reduzierte geistige Entwicklung. Sie ist im Gegenteil eher neugierig, mutig und erstaunlich eloquent und hat lediglich emotionale Defizite. Ferner zieht sie als einzige logische Schlüsse und besitzt die Fähigkeit zu abstrahieren.

Insgesamt wiegen diese Punkte für mich so schwer, dass ich diesem Roman leider nur wenig abgewinnen kann und ihn auch nicht weiterempfehlen würde.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Das Buch ist eine Herausforderung

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Sie ist die Jüngste von 40 Frauen. Alle leben gemeinsam in einem Raum, der keine Wände, sondern Gitter hat. Vor ihnen patrouillieren Männer, die sogenannten Wachen. Sobald eine der Frauen Hautkontakt sucht, ...

Sie ist die Jüngste von 40 Frauen. Alle leben gemeinsam in einem Raum, der keine Wände, sondern Gitter hat. Vor ihnen patrouillieren Männer, die sogenannten Wachen. Sobald eine der Frauen Hautkontakt sucht, knallt eine Peitsche. Nein, misshandelt wurden sie bisher noch nicht.

Das Buch ist äußerst mysteriös. Dem Leser wird weder der Grund für den Aufenthalt hinter Gittern noch der Ort des Gefängnisses mitgeteilt. Die Ich-Erzählerin berichtet von ihrem Kampf um Anerkennung der Frauen. Sie macht deutlich, dass ihr nur ein selbstbewusstes Auftreten hilft. Mit der Zeit empfindet sie sogar so etwas wie Freundschaft für ihre Mitgefangenen.

"Ich, die ich Männer nicht kannte" beantwortet alleine durch den Klappentext meine oben angeführten Fragen. Im Laufe der Erzählung können alle Frauen ihr Gefängnis verlassen. Doch, fühlen sie sich tatsächlich in ihrer plötzlichen Freiheit zurecht? Wie entwickelt sich das Dasein für die Jüngste, die keine Ahnung von den Erinnerungen ihrer Leidensgenossinnen hat?

Es mag sein, dass es als „internationaler Sensationserfolg“ gefeiert wird. Für mich ist es ein Roman, der mich nicht begeistern konnte. Ja, die Sprache ist ansprechend und bildhaft. Das Erleben der jungen Frau allerdings nicht wirklich realistisch.

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