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Veröffentlicht am 02.11.2025

Gute Tage

Jetzt gerade ist alles gut
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Plötzlich hohes Fieber, Schwäche und plötzliche Verschlechterung des Zustandes, er landet in der Klinik, wo eine Entzündung festgestellt wird und dann eine Sepsis diagnostiziert. Der Erzähler überlebt ...

Plötzlich hohes Fieber, Schwäche und plötzliche Verschlechterung des Zustandes, er landet in der Klinik, wo eine Entzündung festgestellt wird und dann eine Sepsis diagnostiziert. Der Erzähler überlebt die lebensbedrohliche Erkrankung. Nachdem er das Krankenhaus verlassen darf, beginnt er darüber nachzudenken wie er sein Leben künftig gestalten möchte. Für ihn gibt es ein vorher und ein nachher. Vorher regte er sich schon mal auf, hatte Stress oder war auch genervt von den familiären Pflichten. Doch nun will er den Moment genießen und in kleinen Dingen das Positive suchen. Er freut sich, dass er seine Hand noch hat, obwohl die Heilung viel Zeit in Anspruch nimmt. Er sucht auch den Kontakt zu seiner Schwiegermutter.

Man hört es häufiger, dass Menschen nach einem einschneidenden Ereignis beginnen ihre Art der Lebensführung zu überdenken, Hier lenkt der Erzähler seinen Blick auf das Positive. Er trifft sich mit seiner Schwiegermutter und lernt eine neue Seite von ihr kennen. Er tauscht mit Freunden kleine Geschicke aus. Er löst Freude aus und er empfängt Freude. Auch empfindet er Dankbarkeit für seine Genesung, die sich länger hinzieht als gedacht. Es sind manchmal die kleinen Dinge, die Glücksgefühle auslösen. Nicht immer läuft alles glatt, aber grundsätzlich hat er gelernt, eher die Freude zu suchen oder mehr noch zu geben.

Vielleicht haben einige schon solch lebensverändernde Ereignisse erlebt oder auch nur den Knacks, von dem der Autor spricht. Es ist dann nur noch wenig wie es war. Dann kann man es schwer nehmen und das Unangenehme fühlen. Man kann aber auch das Positive sehen, so wie der Erzähler in diesem Roman. Man spürt Erleichterung, dass hier mal einer nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern das Leben, welches ihm quasi ein zweites Mal geschenkt wurde, beim Schopf packt und dann versucht an normalen Dingen möglichst viel Freude zu finden. Der Alltag erscheint beinahe nicht mehr wie ein alltäglicher Tag, sondern wie ein Abenteuer aus kleinen Ereignissen, die das Leben schöner machen. Dieser kleine Roman verbreitet wirklich gute Stimmung, was in diesem teilweise etwas dahin gejammerten Tagen, eine ausgesprochen erfreuliche Abwechslung ist.

Und es wird eindringlich auf die Gefahr einer Sepsis hingewiesen, die nicht rechtzeitig erkannt in einer erheblichen Anzahl von Fällen zum Tode führen kann.

Das Hörbuch wird von Götz Otto auf sehr angenehme Weise interpretiert.

Veröffentlicht am 30.10.2025

Rosen für Hilde

Die Knef
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Hildegard Knef erlebte den ersten Verlust, ohne sich direkt daran erinnern zu können. Ihr Vater starb als sie noch ein Baby war. Ihre Mutter heiratete wieder und die Familie wohnte ab den 1930er Jahren ...

Hildegard Knef erlebte den ersten Verlust, ohne sich direkt daran erinnern zu können. Ihr Vater starb als sie noch ein Baby war. Ihre Mutter heiratete wieder und die Familie wohnte ab den 1930er Jahren in Berlin. Hilde fühlte wie die Nazis in ihr Leben drangen, doch sie war jung und sie wollte unbedingt Schauspielerin werden. Sie hatte keine Chance und sie nutzte sie. Mit knapper Not verkleidet als Soldat überlebte sie den Krieg. 1948 drehte sie einen ersten deutschen Film und ging danach nach Amerika. Ihr Leben bestand aus Ups and Downs, doch aufgeben wollte sie nie.

Die Künstlerin Hildegard Knef ist vielen wahrscheinlich zumindest vage bekannt. Vielleicht hat man eine Erinnerung an einen Film oder ein Buch oder man hat mal ein Interview gesehen. Ziemlich sicher kennt man ein paar ihrer Chansons. Doch ein wenig ist die Erinnerung verblasst. Im Dezember diesen Jahres würde die Knef hundert Jahre als, wenn sie noch leben würde. Möglicherweise kann man dieses Buch als Reminiszenz eine diese große Künstlerin sehen, damit ihr Ehrentag nicht vergessen wird.

Es gibt verschiedene Arten sich einer Persönlichkeit anzunähern. Eine Biographie in gezeichneten Bildern ist bisher wohl eher ungewöhnlich. Der Comic als gebundenes Buch strahlt Wertigkeit aus. Wenn man sich für Hildegard Knef interessiert, bekommt man einen beeindruckenden Überblick über das wechselvolle Leben der Künstlerin. Sie war ihrer Zeit voraus, sie wagte es, den Mund aufzumachen und unkonventionelle Wege zu gehen. Die Zeichnungen transportieren die emotionalen Momente auf eindringliche und beeindruckende Weise. Gefesselt blättert man durch die Seiten, blättert auch mal zurück, um nochmal genau hinzusehen. Bei den Texten kann es passieren, dass man das Gefühl hat, sie sind optisch etwas schwer zu lesen. Vielleicht soll das eine leise Sprache ausdrücken. Und bei doppelseitigen Bilden geht durch die Falz mitunter ein wenig verloren. Das sind jedoch Kleinigkeiten bei einem hervorragend gestalteten Buch. Hier hat man sich einer Künstlerpersönlichkeit auf künstlerische und liebevolle Weise gewidmet.

Veröffentlicht am 29.10.2025

Die Wohnzimmerwand

Zur Zeit der Schneefälle
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Seit seine Freundin sich von ihm getrennt hat lebt Rainer so vor sich hin. Mit der Arbeit wird es auch immer weniger. Dann bemerkt er eines Tages ein Loch in der Wand in seinem Wohnzimmer, die an die Wohnung ...

Seit seine Freundin sich von ihm getrennt hat lebt Rainer so vor sich hin. Mit der Arbeit wird es auch immer weniger. Dann bemerkt er eines Tages ein Loch in der Wand in seinem Wohnzimmer, die an die Wohnung seiner Nachbarn grenzt. Zunächst lässt sich das Loch noch durch einen Kalender verdecken. So hält sich der Kontakt zu dem nebenan wohnenden Ehepaar Nolde in Grenzen. Jedoch wird das Loch im Laufe der Zeit immer größer. Beinahe scheint es so als bilde sich eine Wohngemeinschaft. Zwar wird ein Handwerker befragt, wie das Loch zu schließen sei. Der Plan verläuft allerdings im Sande.

Wie erleben Rainer und die Noldes diese eigenartige Situation? Wie reagieren sie auf den veränderten Status ihrer Privatsphäre? Zum Beispiel könnte man Radio oder TV anschalten, um mit der so geschaffenen Geräuschkulisse eine gewisse Privatheit zu schaffen. Vielleicht kann man auch Worte wechseln und so akzeptieren, dass es eine Art Zusammenleben gibt. Eine Situation, die es zu ertragen gilt. Durch die aufgezwungene Gemeinsamkeit könnte sich möglicherweise auch eine Beziehung bilden. Aber wäre die freiwillig? Wie kommt diese Wand überhaupt dazu, sich zu verdünnisieren? Immerhin schickt Rainers Ex-Freundin jemanden, um ihre restlichen Sachen abzuholen.

Die Idee zu diesem Roman ist wirklich speziell. Eine Wand, die sich in Luft auflöst. Das macht neugierig. Wodurch wurde dieses Verschwinden verursacht. Vielleicht könnte ja auch der Text immer mehr verschwinden. Und dann? Doch zunächst versuchen Rainer und die Noldes eine gemeinsame Ebene zu finden. Rücksichtnahme und Neugier halten sich die Waage. Die Radiomeldungen bilden einen Rahmen, der allerdings ebenso in der Luft schwebt wie die Klärung des Mauerfalls. Dennoch bleibt der Roman spannend, weil es interessant ist, wie sich die handelnden Personen in ihre eigenartige Lage finden. Für einen eher unbedeutenden Teil der Nachrichtenlage gibt es eine Erklärung und auch zu einigen Umständen der hier beschriebenen Nachbarschaft tun sich Entwicklungen auf. Diese ungewöhnliche Idee hat es in sich.

Der Roman steht auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises 2025.

Veröffentlicht am 24.10.2025

Krauses Blumenladen

Schwebende Lasten
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Zeitweilig war Hanna Krause als junge Frau in Berlin, doch irgendwann kam sie wieder zurück nach Magdeburg. Dort führt sie ihren Blumenladen mit Freude. Ob ihr Mann Karl so unbedingt ein Hauptgewinn, bezweifelt ...

Zeitweilig war Hanna Krause als junge Frau in Berlin, doch irgendwann kam sie wieder zurück nach Magdeburg. Dort führt sie ihren Blumenladen mit Freude. Ob ihr Mann Karl so unbedingt ein Hauptgewinn, bezweifelt sie manchmal. Doch bald kommt ein Kind nach dem anderen und nicht alle dürfen leben. Die, die es schaffen liegen ihr am Herzen. Im zweiten Weltkrieg jedoch kommt ihr einziger Sohn Johannes im Bombenhagel um. Karl, der in den Gruson Werken arbeitet, wird bei einem Arbeitsunfall so schwer verletzt, dass er ein Bein verliert. Hannas Leben verläuft nicht einfach, doch sie findet Zeit ihres Leben Kraft in den Blumen.

Ein ganzes Leben erzählt die Autorin. Von Hannas Jugendjahren über die Jahr zwischen den Kriegen, den zweiten Weltkrieg und die Zeit danach. Die Blumen geben Hanna Halt und sie versteht sich aufs Blumenbinden. Schade nur, dass es Zeiten gibt, in denen niemand etwas für Blumen übrig hat. Es gibt keine andere Möglichkeit mehr als den Laden zu schließen. Dass sie Karl manchmal aus der Kneipe holen muss, begeistert Hanna auch nicht. Aber man bleibt halt zusammen und da sind ja auch die Mädchen. Nach dem Krieg wird Hanna Kranführerin bei den Gruson Werken, die irgendwann anders heißen.

In der ARD Aufiothek wartet dieses Kleinod auf seine Hörer. Das Buch stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreis 2025. Die Erzählung von Hannas Leben ist genau das. In seiner Schlichtheit liegt gerade der Charme dieses Romans. Was soll eine einfache Frau, die nur acht Jahre lang die Schule besuchte, schon zu erzählen haben. Eine ganze Menge, denn sie erlebt schwere Tage und auch schöne Tage, Leid und Freude und sie beißt sich durch. Bei allen Verlusten, die sie erleidet, gibt sie nicht auf. Im Alter hat sie eine ruhige Ausstrahlung gewonnen, bereit den letzten Weg zu gehen. Wie im Klappentext beschrieben, darf sie gehen bevor sie die Welt nicht mehr versteht und die Mädchen können ihr die letzten der geliebten Blumen schenken. Ein ruhiger und doch berührender Roman.

Veröffentlicht am 20.10.2025

Vier Unbekannte

Die Schwestern Grimm
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Sie sind Halbschwestern, die am selben Tag geboren sind. Sie Haben den selben Vater und unterschiedliche Mütter. Sie kennen sich nicht bewusst und dennoch haben sie das Gefühl, dass da irgendetwas ist. ...

Sie sind Halbschwestern, die am selben Tag geboren sind. Sie Haben den selben Vater und unterschiedliche Mütter. Sie kennen sich nicht bewusst und dennoch haben sie das Gefühl, dass da irgendetwas ist. Goldie versucht ihren kleinen Bruder durchzubringen, Liyana muss vielleicht heiraten, um ihre gesellschaftliche Stellung zu behalten. Bea liebt das Fliegen und Scarlet sorgt sich um ihre Großmutter. Und dann betritt Leo die Bühne. Was spielt er für ein Spiel? Immerhin bietet er Goldie seine Hilfe an. Dann gibt es noch dieses, was sich anfühlt wie träumen, aber nicht so richtig.

Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band einer Trilogie, wobei die anderen Bände soweit bekannt bisher nicht übersetzt sind. Vier Schwestern, die sich nicht kennen. Kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag, an dem möglicherweise etwas passiert. Leo scheint mehr zu wissen, doch er hält sich zurück. Zunächst nimmt er mit Goldie Kontakt auf. Ihr möchte er schon vorher nahekommen. Die Mütter der Mädchen sind nicht mehr da, doch in der Erinnerung sind sie lebendig. Natürlich stellt sich die Frage nach dem Vater der Mädchen? Es ist schon ungewöhnlich, dass die vier Töchter am selben Tag Geburtstag haben.

Wenn man das Buch im Regal sieht, sind sowohl der Titel des Romans als auch der Name der Autorin phantasieanregend. Man denkt an eine Adaptierung von Grimms Märchen und an eine Gothic- Story. Doch das kommt irgendwie nicht so. Die Geschichte fängt gut einen Monat vorher an und dann wird jeder Tag relativ ausführlich bearbeitet, für den Showdown bleibt dann recht wenig übrig. Wenn es Anspielungen auf Märchen gibt, dann laufen die an einem vorbei oder man kennt die Gebrüder Grimm nicht gut genug. Und dann kommt man so ins Nachdenken und schaut, was es zu dem Roman sonst noch zu erfahren gibt. Da in der deutschsprachigen Ausgabe keinen Hinweis auf weitere Bände gibt, ist das dann genau der Moment, in dem man das merkt. Und das ist dann auch der Moment, in dem man das Interesse am Weiterlesen verliert. Zumindest, wenn einen die Handlung vorher schon nicht so begeistert hat. Woran das wiederum liegt, kann man nicht so genau sagen. Irgendetwas ist eigenartig beim Lesen und dann möchte man nicht mehr. Und dann überlegt man sich, dass man die Zeit auch mit einem spannenderen Buch verbringen kann.

Ein Buch, das man selbst nicht beendet hat, an dem andere aber sicher ein größeres Lesevergnügen finden werden.

2,5 Stern