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Veröffentlicht am 14.10.2025

Anfänge

Wenn ein Reisender in einer Winternacht
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Ein Leser möchte den neuen Roman von Italo Calvino kaufen. Im Buchladen umschifft er alle Hindernisse, nämlich die anderen Bücher, die sein Interesse wecken. Endlich hält er das ersehnte Werk mit dem Titel ...

Ein Leser möchte den neuen Roman von Italo Calvino kaufen. Im Buchladen umschifft er alle Hindernisse, nämlich die anderen Bücher, die sein Interesse wecken. Endlich hält er das ersehnte Werk mit dem Titel „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ in den Händen. Schon nach kurzer, fesselnder Lektüre muss er feststellen, dass der Roman falsch gebunden ist und nach einigen Seiten wieder von vorne beginnt. Der Leser macht sich auf in die Buchhandlung und stellt fest, er ist nicht der einzige, der so ein fehlerhaftes Exemplar erhalten hat. Die reizende Ludmilla möchte ebenfalls weiterlesen. Der Leser erhält ein weiteres Buch, von dem sich allerdings herausstellt, dass es sich um einen völlig anderen Roman handelt.

Auf der Jagd nach der Fortsetzung dieses packenden Romans kommen dem Leser immer neue Romananfänge unter. Und die aparte Ludmilla. Von dem Roman möchte er mehr wissen, aber auch von der jungen Dame. Mit jedem weitern Romanfragment scheint sich eine weitere Spur aufzutun. Wer sind die Menschen, die als Autoren genannt werden? Welches Spiel spielen die möglichen Übersetzer? Gibt es etwa eine heimliche Fehde? Und welche Rolle spielt Ludmilla, die fleißige Leserin? Sie liest in Ruhe um des Lesens willen. Das jedenfalls meint der andere Leser.

Ein Roman für einen Leser oder eine Leserin, in dem es um einen Roman geht und noch einen und noch einen. Der Leser wird charakterisiert und bei manchen der Schilderungen sieht man sich selbst lesen oder durch die Buchhandlung wandern auf der Suche nach neuem Stoff. Das hat der Autor wirklich getroffen. Auch der Wunsch nach dem Wissen wie es weitergeht. Ja, das kennt man gut. Eingerahmt werden die Anfänge vom Kennenlernen des Lesers und Ludmilla, zwischen ihnen entspinnt sich eine Geschichte, wie man sie erwarten könnte oder auch nicht. Der Autor versteht es bestens, Überraschungen zu bereiten. Der Schluss kommt dann etwas plötzlich. Und manchmal fragt man sich, ob man jedem Anfang folgen kann, aber anderseits strotzt der Roman nur so von Ideen und treffenden Beschreibungen über das Lesen und das Schreiben.

Veröffentlicht am 13.10.2025

Könnte so schön sein

Wot Se Fack, Deutschland?
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Was wenn ein Kabarettist, der nebenbei auch Wissenschaftler ist, mit seinen Witzen die Realität kaum noch toppen kann? Darüber macht sich Vince Ebert Gedanken. Und er geht es eher wissenschaftlich an. ...

Was wenn ein Kabarettist, der nebenbei auch Wissenschaftler ist, mit seinen Witzen die Realität kaum noch toppen kann? Darüber macht sich Vince Ebert Gedanken. Und er geht es eher wissenschaftlich an. Wann hat die Entwicklung angefangen? Wodurch wurde sie ausgelöst? Das Zeitalter der Aufklärung scheint vorbei zu sein. Und was kommt jetzt? Das, was die Ablösung sein sollte, könnte wie ein Schuss wirken, der nach hinten losgeht. Was zu mehr Toleranz und Freiheit hinleiten sollte, endet in Beschränkungen und Intoleranz gerade für die oder bei denen, die doch das Beste wollten.

Wenn man den Titel dieses Buches liest, denkt man in eine etwas andere Richtung. Man hofft, dass sich der Autor auf witzige uns spitze Art mit Beispielen der eigenartigen Auswüchse annimmt, die die Bürokratie inzwischen hat. Ein Feuerwerk von aberwitzigen Begebenheiten, das einen zum Lachen bringt, welches einem bei näherem Hinschauen dann im Halse stecken bleibt.
Nun, der Autor geht es ernsthafter und wie gesagt wissenschaftlicher an und auch nicht auf Deutschland beschränkt an. Das Lachen fällt so ein wenig aus, es bleibt gleich im Halse stecken. Ein paar Schmunzeleinheiten gibt es zwar, aber die präzise Recherche, die kluge Betrachtung der Lage lässt sich einfach nicht in leicht verdauliche Worte kleiden. Man wünscht sich das Zeitalter der Aufklärung zurück, die wissenschaftliche, empirische Aufbereitung der Themen und das Anwenden der logischen Ansätze.

Was einem bleibt ist der Gedanke, der sich in letzter Zeit eh schon gebildet hat, man ist selbst verantwortlich und man kann nur selbst etwas tun. Dem Staat die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist keine Lösung und bringt auch nichts. Selbst ist das Volk.

Veröffentlicht am 12.10.2025

Wendepunkte

Die drei Leben der Cate Kay
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Cate Kay ist eine berühmte Autorin, die mit ihrer Roman-Trilogie ein Millionenpublikum erreicht hat. Wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, weiß allerdings kein Mensch. Beinahe jedenfalls, denn bestimmte ...

Cate Kay ist eine berühmte Autorin, die mit ihrer Roman-Trilogie ein Millionenpublikum erreicht hat. Wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, weiß allerdings kein Mensch. Beinahe jedenfalls, denn bestimmte juristische und logistische Aufgaben müssen übernommen werden. Cate beginnt sich an ihre Vergangenheit zu erinnern und sie fragt sich, ob es nicht langsam an der Zeit ist, die wirkliche Person hinter dem Künstlernamen der Öffentlichkeit vorzustellen. Wie ist die kleine Annie erst zu Cass und dann zur großartigen, aber mysteriösen Cate geworden. Zwar ist in ihrem Leben nicht alles so gekommen, wie erträumt, doch gerade das könnte erzählt werden.

Zu beginn des Lebens glaubt man, dass die Welt einem offen steht. Und so geht es auch der kleinen Annie. Zwar ist ihr Elternhaus nicht das Schönste, aber es gibt gute Momente. Und als Annie in der Grundschule eine beste Freundin findet, hellt sich alles auf. Diese Beiden sind ein besonderes Team und so entwickeln sie sich bis zum Schulabschluss weiter. Aber wieso lässt Annie ihre Träume hinter sich und wieso ist sie plötzlich eine Bestsellerautorin, deren Vergangenheit niemand kennt. Doch eines Tages will Cate Kay ihre Geschichte erzählen und alles, was ihr auf der Seele liegt, wird an die Öffentlichkeit kommen.

Wenn man das auffällig, lebendig und farbenfroh gestaltete Cover sieht, denkt man zwar, da gibt es ein Geheimnis, aber man vermutet eine eher leichte Erzählung. Das kommt dann doch ein wenig anders. Nachdem man sich in die Handlung hineingefunden hat, entwickelt die Story richtigen Drive. Die Freundschaft der Mädchen, von denen eine in späteren Jahren merkt, dass sie mehr möchte. Und dann verläuft das Leben ganz anders. Nicht nur durch eigenes Handeln. Für Cate ist das Schreiben ein Ausweg, eine Möglichkeit, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und ihren Schmerz auszudrücken. Der Erfolg kommt unerwartet und führt zu Reaktionen. Wie hier eins ins andere greift, ist toll geschildert. Wenn die Lebensentwürfe auch nicht den eigenen entsprechen, bekommt man doch einen spannenden Einblick in das Leben sympathischer Menschen, deren Träume und Gefühle. Manchmal nimmt das Schicksal einfach seinen Lauf und man kann dankbar dafür sein. Ein Roman, der zwar anders ist als gedacht, der vielleicht gerade deswegen fesselt.

Veröffentlicht am 06.10.2025

Die Bande

Das Haus am Gordon Place
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Im Jahr 1948 ist auch Wien in Besatzungszonen aufgeteilt. Und natürlich belauern sich die Besatzer. Die Stadt wimmelt vor Spionen. Im Untergrund Wiens haben die Briten Abhörtunnel eingerichtet. In der ...

Im Jahr 1948 ist auch Wien in Besatzungszonen aufgeteilt. Und natürlich belauern sich die Besatzer. Die Stadt wimmelt vor Spionen. Im Untergrund Wiens haben die Briten Abhörtunnel eingerichtet. In der Gegenwart wird Professor Hunt am Flughafen von New York in Gewahrsam genommen. Er hat eigentlich nichts gemacht, oder? Als die Britin Emma Spencer in befragt, vermutet er, sie sei Konsularbeamtin und wolle ihm helfen. Welch ein Irrtum. Es erweist sich, dass die Dame gewissermaßen bei der Polizei ist. Sie erzählt ihm, ihn seiner Wohnung am vornehmen Gordon Place in London ist sein älterer Nachbar umgebracht worden und er, Hunt, ist der erste Verdächtige.

Eine Spionagegeschichte aus der Nachkriegszeit kann tatsächlich noch Auswirkungen bis lange Zeit in die Zukunft haben. Wann Hunts Gegenwart genau stattfindet, bleibt unklar. So ist auch das Alter einiger Beteiligter nicht ganz klar. Emma Spencer stellt schnell fest, dass Hunt aus zeitlichen Gründen nicht der Täter sein kann. Also nimmt sie kurzerhand seine Erfahrungen als Historiker in Anspruch, um einen anderen Blickwinkel zu dem Mord zu bekommen. In der Vergangenheit lernen sich verschiedene Menschen kennen, die für den britischen Geheimdienst arbeiten. Trotz ihrer unterschiedlichen Aufgaben bilden sie ein eingeschworenes Team.

Auf sehr fesselnde Weise sind hier Vergangenheit und Gegenwart verknüpft. Die Spionagetätigkeit der einzelnen Geheimdienste, hier der britischen, würde unter normalen Umständen wie eine Mär aus fernen Zeiten klingen. Was damals wie ein spannendes Abenteuer wirke, ist heute leider nicht verschwunden, sondern in seiner technisierten Form mindestens ebenso gefährlich, wenn nicht schlimmer. Wie unterschiedliche Einflüsse die Menschen aufeinander hatten und dazu noch die Einbindung eines bekannten Films, das ist einfach gut gelungen. Die Geschichte wird einem nahegebracht, sowohl indem man sie quasi miterleben kann und auch mit dem historischen Blickwinkel. Ein besonderer Aufhänger ist auch die Anfangssequenz, von dem man nicht möchte, dass sie einem selbst widerfährt, die aber sehr aberwitzig und damit auch lustig zu lesen ist. Ein sehr empfehlenswerter Kriminalroman mit historischem Bezug.

Veröffentlicht am 02.10.2025

Favoritin

The Belles
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Camille will Favoritin werden. In Orléans sind nicht alle schön, aber viele wollen schön sein. Und die Herrscherfamilie hat die Macht, den Menschen und auch sich selbst dazu zu verhelfen. Aus jeder Generation ...

Camille will Favoritin werden. In Orléans sind nicht alle schön, aber viele wollen schön sein. Und die Herrscherfamilie hat die Macht, den Menschen und auch sich selbst dazu zu verhelfen. Aus jeder Generation der Belles wird eine Favoritin gekürt. Camille ist eine der Belles und sie hat die Schönheitsarbeit geübt, sie will diese Position. Doch sie wird nur zweite und kann es nicht fassen. Wie froh ist sie als die begehrte Position doch noch bekommt. Sofia, die Prinzessin hat dafür gesorgt. Doch sie ist nicht die eigentliche Thronfolgerin. Ihre Schwester Caroline liegt jedoch seit Jahren in einem tiefen Schlaf.

Mit diesem Band einer bisher dreiteiligen Reihe, von der allem Anschein nach zwei übersetzt sind. Der dritte Band scheint einen anderen Ansatz zu haben, so dass es sich in Bezug auf Camille und ihre Erlebnisse wohl eher um eine zweibändige Geschichte handelt. Camille hat die besonderen Fähigkeiten einer Belle, mit ihren Kräften kann sie Menschen nach deren Wünschen verschönern. Die Wünsche der Menschen sind mannigfaltig und sie sind bereit Schmerzen in Kauf zu nehmen. Auch Prinzessin Sofia hat Wünsche, die leider nicht immer zum Wohle ihrer Untertanen ausfallen. Camille beginnt sich zu fragen, ob ihr Traumjob wirklich so toll ist.

Als Hörspiel in der ARD Aufiothek macht dieses Buch einiges her. Die Handlung ist liebevoll umgesetzt und die einzelnen Sprecher sind gut ausgesucht. Manchmal ist die Geräuschkulisse etwas im Vordergrund, aber grundsätzlich passt alles sehr gut zusammen.

Die Geschichte von Camille und ihren Belle-Schwestern ist spannend. Wie werden die Belles zu Belles? Und wieso lässt ihre Kraft irgendwann nach? Was führt Prinzessin Sofia im Schilde? Und gibt es einen Liebsten für eine Belle, die gleichzeitig Favoritin ist? Gefesselt erlebt man, wie Camille nach und nach entdeckt, dass in Orléans nicht alles so ist, wie der schöne Schein vorspielt. Durch hartnäckige Frage und wohlwollend hingegebene Informationen von Freunden kann sich Camille ein Bild zusammenreimen, dass so gar nicht zu ihrer Vorstellung von ihrer Position als Favoritin passt. Kann es einen Ausweg aus der doch etwas vertrackten Situation geben? Man darf gespannt sein.