Cover-Bild Zur Zeit der Schneefälle
(3)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Sonderzahl
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 232
  • Ersterscheinung: 03.03.2025
  • ISBN: 9783854496724
Hanno Millesi

Zur Zeit der Schneefälle

Im Zentrum von Hanno Millesis Roman Zur Zeit der Schneefälle klafft ein Loch – eines, das auf unerklärliche Weise die Wand des Wohnzimmers des Protagonisten, Rainer, durchlässig werden lässt. Niemand scheint für seine Entstehung verantwortlich zu sein, auch kein Mitglied der auf der anderen Seite wohnenden Familie Nolde. Sämtliche Beteiligten zeigen sich vom plötzlichen Zerbröseln der gewohnten Barriere dermaßen verblüfft, dass ihnen erstmal nichts Besseres einfällt, als den Schaden zu kaschieren, anstatt etwas über seine Ursache herauszufinden oder ihn gar zu beheben. Mit dem fortschreitenden Verfall der Wohnzimmerwand wird auch der Zustand der Überforderung immer intensiver. Bald ist da im Grunde nur noch ein Loch, das Einblicke in beide Richtungen erlaubt. Was ehemals Privaträume waren, verwandelt sich in eine Art doppelte Stegreifbühne, auf der sich der Wunsch nach der vermissten Abgeschiedenheit mit dem komplizierten neuen Zustand eines Miteinander-Auskommens mischt. In der wechselseitigen Beobachtung spiegeln sich die Protagonist:innen samt all ihrer alltäglichen Bedürfnisse, Fehleinschätzungen und Unzulänglichkeiten, die mit viel Sinn für Situationskomik ausgekostet werden. War nicht vielleicht doch jemand nachts auf der ›anderen‹ Seite zugange, ist möglicherweise ein Liebhaber im Spiel oder sollten beide Seiten die Situation nicht sogar akzeptieren und künftig als WG leben?Mit dieser vermeintlich einzigen Abweichung vom Normalzustand – einer schwindenden Wand – erzeugt Hanno Millesi eine Erzählsituation, die wie nebenbei Einsichten in gegenwärtige gesellschaftliche Zustände ermöglicht. Rainer, der gerade eine Trennung hinter sich hat und sich beruflich eine Auszeit nimmt, versucht beständig, sich eine tragfähige Einschätzung seiner surrealen Gegenwart zu erhalten. Er tut dies, indem er anhand seines Nachrichtenkonsums die ›wirklichen‹ Probleme von den scheinbaren zu unterscheiden versucht. Die zunehmende Unfähigkeit, sich ein adäquates Bild der näheren Umgebung zu machen, wird so durch die unsichere Weltlage noch weiter irritiert, obwohl die wahren Bedrohungen denkbar weit entfernt anmuten. Hanno Millesis so unaufgeregtes wie unterhaltsames Kammerspiel steuert zielsicher auf eine Klimax zu, in der sich die individuelle Unfähigkeit, sich ein Bild von einer überkomplexen Welt zu machen, lustvoll mit gesellschaftlichen Problemlagen vermischt – mit Vereinzelung, dem Schwinden der Korrektive und der überfordernden Flut an Informationen. Zur Zeit der Schneefälle ist eine fein gezeichnete Parabel auf die Überforderungen im digitalen Biedermeier unserer Gegenwart.

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2025

Außergewöhnliche Geschichte

0

In der Geschichte geht es um Rainer, der auf unerklärliche Weise ein Loch in der Wand vom Wohnzimmer hat. Auf der anderen Seite wohnt Familie Nolde, auch sie scheinen nicht verantwortlich zu sein für dieses ...

In der Geschichte geht es um Rainer, der auf unerklärliche Weise ein Loch in der Wand vom Wohnzimmer hat. Auf der anderen Seite wohnt Familie Nolde, auch sie scheinen nicht verantwortlich zu sein für dieses Loch. Wir bekommen in der Geschichte auf beiden Seiten viel Einblick in den Alltag, dann taucht auch noch der Sohn von Familie Nolde auf, der eigentlich mitten im Studium steckt und ein Geheimnis hat.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Es ist eine Geschichte, wo man sich drauf einlassen muss, weil ich am Anfang vom Inhalt her noch sehr skeptisch war. Aber ich vergebe für dieses spezielle Geschichte sehr gerne 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.10.2025

Die Wohnzimmerwand

0

Seit seine Freundin sich von ihm getrennt hat lebt Rainer so vor sich hin. Mit der Arbeit wird es auch immer weniger. Dann bemerkt er eines Tages ein Loch in der Wand in seinem Wohnzimmer, die an die Wohnung ...

Seit seine Freundin sich von ihm getrennt hat lebt Rainer so vor sich hin. Mit der Arbeit wird es auch immer weniger. Dann bemerkt er eines Tages ein Loch in der Wand in seinem Wohnzimmer, die an die Wohnung seiner Nachbarn grenzt. Zunächst lässt sich das Loch noch durch einen Kalender verdecken. So hält sich der Kontakt zu dem nebenan wohnenden Ehepaar Nolde in Grenzen. Jedoch wird das Loch im Laufe der Zeit immer größer. Beinahe scheint es so als bilde sich eine Wohngemeinschaft. Zwar wird ein Handwerker befragt, wie das Loch zu schließen sei. Der Plan verläuft allerdings im Sande.

Wie erleben Rainer und die Noldes diese eigenartige Situation? Wie reagieren sie auf den veränderten Status ihrer Privatsphäre? Zum Beispiel könnte man Radio oder TV anschalten, um mit der so geschaffenen Geräuschkulisse eine gewisse Privatheit zu schaffen. Vielleicht kann man auch Worte wechseln und so akzeptieren, dass es eine Art Zusammenleben gibt. Eine Situation, die es zu ertragen gilt. Durch die aufgezwungene Gemeinsamkeit könnte sich möglicherweise auch eine Beziehung bilden. Aber wäre die freiwillig? Wie kommt diese Wand überhaupt dazu, sich zu verdünnisieren? Immerhin schickt Rainers Ex-Freundin jemanden, um ihre restlichen Sachen abzuholen.

Die Idee zu diesem Roman ist wirklich speziell. Eine Wand, die sich in Luft auflöst. Das macht neugierig. Wodurch wurde dieses Verschwinden verursacht. Vielleicht könnte ja auch der Text immer mehr verschwinden. Und dann? Doch zunächst versuchen Rainer und die Noldes eine gemeinsame Ebene zu finden. Rücksichtnahme und Neugier halten sich die Waage. Die Radiomeldungen bilden einen Rahmen, der allerdings ebenso in der Luft schwebt wie die Klärung des Mauerfalls. Dennoch bleibt der Roman spannend, weil es interessant ist, wie sich die handelnden Personen in ihre eigenartige Lage finden. Für einen eher unbedeutenden Teil der Nachrichtenlage gibt es eine Erklärung und auch zu einigen Umständen der hier beschriebenen Nachbarschaft tun sich Entwicklungen auf. Diese ungewöhnliche Idee hat es in sich.

Der Roman steht auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises 2025.

Veröffentlicht am 10.09.2025

Ein Loch in der Wand

0

Dieses Buch konnte mich leider nicht so ganz erreichen. Zu sehr bleibt die Idee in Ansätzen stecken und damit belanglos. Zu schematisch und emotionslos wirken die Figuren. Das Buch ist arm an Dialogen ...

Dieses Buch konnte mich leider nicht so ganz erreichen. Zu sehr bleibt die Idee in Ansätzen stecken und damit belanglos. Zu schematisch und emotionslos wirken die Figuren. Das Buch ist arm an Dialogen und wenn es welche gibt, sind sie sehr verhalten. Vermutlich ist das Absicht des Autors Hanno Millesi. Es gehört zu seinem Programm, das mich wenig begeistert. So meine Lesermeinung, aber vielleicht verstehe ich Das Buch auch nur nicht.

Zugestehen kann man dem Roman aber eine starke kammerspielsartige Wirkung.

Die Zeit der Schneefälle ist auf der Longlist des Österreichischen Buchpreis, doch ich halte seine Chancen für gering.