Seit seine Freundin sich von ihm getrennt hat lebt Rainer so vor sich hin. Mit der Arbeit wird es auch immer weniger. Dann bemerkt er eines Tages ein Loch in der Wand in seinem Wohnzimmer, die an die Wohnung ...
Seit seine Freundin sich von ihm getrennt hat lebt Rainer so vor sich hin. Mit der Arbeit wird es auch immer weniger. Dann bemerkt er eines Tages ein Loch in der Wand in seinem Wohnzimmer, die an die Wohnung seiner Nachbarn grenzt. Zunächst lässt sich das Loch noch durch einen Kalender verdecken. So hält sich der Kontakt zu dem nebenan wohnenden Ehepaar Nolde in Grenzen. Jedoch wird das Loch im Laufe der Zeit immer größer. Beinahe scheint es so als bilde sich eine Wohngemeinschaft. Zwar wird ein Handwerker befragt, wie das Loch zu schließen sei. Der Plan verläuft allerdings im Sande.
Wie erleben Rainer und die Noldes diese eigenartige Situation? Wie reagieren sie auf den veränderten Status ihrer Privatsphäre? Zum Beispiel könnte man Radio oder TV anschalten, um mit der so geschaffenen Geräuschkulisse eine gewisse Privatheit zu schaffen. Vielleicht kann man auch Worte wechseln und so akzeptieren, dass es eine Art Zusammenleben gibt. Eine Situation, die es zu ertragen gilt. Durch die aufgezwungene Gemeinsamkeit könnte sich möglicherweise auch eine Beziehung bilden. Aber wäre die freiwillig? Wie kommt diese Wand überhaupt dazu, sich zu verdünnisieren? Immerhin schickt Rainers Ex-Freundin jemanden, um ihre restlichen Sachen abzuholen.
Die Idee zu diesem Roman ist wirklich speziell. Eine Wand, die sich in Luft auflöst. Das macht neugierig. Wodurch wurde dieses Verschwinden verursacht. Vielleicht könnte ja auch der Text immer mehr verschwinden. Und dann? Doch zunächst versuchen Rainer und die Noldes eine gemeinsame Ebene zu finden. Rücksichtnahme und Neugier halten sich die Waage. Die Radiomeldungen bilden einen Rahmen, der allerdings ebenso in der Luft schwebt wie die Klärung des Mauerfalls. Dennoch bleibt der Roman spannend, weil es interessant ist, wie sich die handelnden Personen in ihre eigenartige Lage finden. Für einen eher unbedeutenden Teil der Nachrichtenlage gibt es eine Erklärung und auch zu einigen Umständen der hier beschriebenen Nachbarschaft tun sich Entwicklungen auf. Diese ungewöhnliche Idee hat es in sich.
Der Roman steht auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises 2025.