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Veröffentlicht am 23.01.2020

Nulldiät

Im Netz des Lemming
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Der Sohn vom Lemming hat einen neuen Schulfreund. Ben und Mario sind ein Herz und eine Seele, deren Social Media Sprech sie nur selbst verstehen. Der Lemming kommt sich doch alt vor. Freundlich wie er ...

Der Sohn vom Lemming hat einen neuen Schulfreund. Ben und Mario sind ein Herz und eine Seele, deren Social Media Sprech sie nur selbst verstehen. Der Lemming kommt sich doch alt vor. Freundlich wie er ist, bietet er dem Mario an, ihn auf dem Heimweg ein Stück zu begleiten. Und wie die meisten Jungen seines Alters spielt Mario an seinem Handy. Bis er nach dem Lesen eines Posts erbleicht, an der Haltestelle aus der Bahn stürzt und bei der nächsten Gelegenheit von einer Brücke springt. Der Lemming kann nicht fassen, was gerade gesehen ist und mindestens ebenso fassungslos ist er über das, was als nächstes geschieht.

Die schöne neue Welt der Social Media Plattformen und Kanäle, was hat sie nicht alles versprochen. Freiheit, Love, Peace und Happyness, Und nun? Ein kleiner Junge bringt sich um, nachdem einen Post gelesen hat. Und über den Lemming bricht ein Shitstorm und eine Welle von Verdächtigungen herein, die sich gewaschen hat. Wie Harpyien wirken die Aktivitäten dieses Molochs Internet. Lemming und sein Bekannter Chefinspektor Polivka stehen der Entwicklung zunächst hilflos gegenüber. Immer ist das Netzgerücht schneller. Wie sollen sie bloß herausfinden, wer letztlich ein Kind in den Tod getrieben hat und noch andere Untaten verursacht hat.

Dieses Buch enthält einige Wahrheiten, die man zwar nicht wissen möchte, denen man sich als wenigstens einigermaßen mündiger Bürger stellen sollte. Zwar haben es der Lemming und sein Kumpel Polivka manchmal etwas leicht beim Entschlüsseln der Rätsel, doch die Hintergrundinformation, die der Roman zum Zustand unserer Gesellschaft bietet, hat es in sich und sollte Satz für Satz, Wort für Wort gelesen werden. Man kann an der Schlechtigkeit der Welt verzweifeln, sich wieder und wieder wünschen, dieses vermaledeite Worldwideweb gehörte abgeschafft oder mindestens eine ordentliche Nettikette wäre zwingend. Vergessen die Verbreiter dieser miesen Auswüchse des Netzes etwa, dass sie es mit Menschen zu tun haben? Man sollte sich doch immer fragen, ob man selbst so behandelt werden möchte. Denn, was du nicht willst, dass man dir tu´, das füg auch keinem andern zu. Etwas, dass wohl jeder beherzigen könnte, bevor er irgendwelche hirnlosen Garstigkeiten vom Stapel lässt. Dieser Roman ist durchaus herzig und humorvoll, aber auch bitterböse und der Autor hält der heutigen Gesellschaft einen Spiegel vor.

Veröffentlicht am 20.01.2020

Ohne Unterbrechung

The Chain – Durchbrichst du die Kette, stirbt dein Kind
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Die alleinerziehende Rachel glaubte, ihre Krebserkrankung sei überwunden. Doch die letzten Blutwerte machen weitere Untersuchungen notwendig. Ihre 13jährige Tochter Kylie ist Rachels Sonnenschein. Als ...

Die alleinerziehende Rachel glaubte, ihre Krebserkrankung sei überwunden. Doch die letzten Blutwerte machen weitere Untersuchungen notwendig. Ihre 13jährige Tochter Kylie ist Rachels Sonnenschein. Als Kylie eines Tages nicht von der Schule heimkehrt, ist Rachel äußerst besorgt. Die Gedanken an die Krankheit treten völlig in den Hintergrund. Schlimmer wird es noch als Rachel nur Kylies Handy findet. Und dann erhält Rachel einen Anruf. Eine ihr unbekannte Frau, behauptet, sie sei Teil einer Kette und sie habe Kylie nur entführt, damit sie ihr eigenes Kind wiederbekommt. Rachel ist entsetzt, welche Bedingungen ihr die Kette stellt, damit sie selbst ihre geliebte Tochter bald wieder in den Armen halten kann.

Gerade geschieden und nicht gesund, in solch einer Situation möchte man jeglichen Stress vermeiden. Rachel hat mehr als Streß während sie langsam realisiert, in was für seine Lage sie geraten ist. Ihre Gedanken laufen auf Hochtouren, ihre Gefühle spielen verrückt, sie ist so angespannt, wie man es nur sein kann. Und natürlich ist sie bereit, alles zu tun, was für die Freilassung ihrer Tochter verlangt wird. Ihr Ex-Mann darf nichts erfahren, er würde sofort zur Polizei gehen. Kann sie überhaupt irgendwen um Hilfe bitten. Zunächst muss sie alleine mit der Situation zurechtkommen.

Der Autor Adrian McKinty ist mit seiner Reihe um den irischen Bullen Sean Duffy vielleicht besser bekannt. Mit „Der Kette“ hat er seinen Schauplatz nach Amerika verlegt und einen rasanten Thriller herunter geschrieben. Ein spannendes Buch allemal, das ausdrucksstark vorgetragen wird von Sandra Borgmann. Allerdings muss man zunächst mit der Idee, die sicher ungewöhnlich ist, anfreunden, was nicht ganz einfach ist. Lässt man sich schließlich doch von der spannenden Handlung packen, so nimmt das Buch jedoch eine Wendung, die ihm noch mehr seiner Glaubwürdigkeit nimmt. Wenn man dann noch an die anderen Bücher (selbst wenn man nicht alle kennt) des Autors denkt, wird der vorliegende Roman es nicht ganz leicht haben, zu überzeugen.
Krude, aber spannend.

Veröffentlicht am 19.01.2020

Die heilige Stadt

Der Lehrmeister (Faustus-Serie 2)
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Im Jahr 1518 sind Doktor Johannes Faustus, sein Assistent Karl Wagner und sein Mündel Greta als Wanderärzte und Gaukler unterwegs. Die kleine Truppe hat sich einen Namen gemacht und sie verkehren auch ...

Im Jahr 1518 sind Doktor Johannes Faustus, sein Assistent Karl Wagner und sein Mündel Greta als Wanderärzte und Gaukler unterwegs. Die kleine Truppe hat sich einen Namen gemacht und sie verkehren auch in reichen Häusern. Nach einer Vorstellung, bei der es einen unschönen Zwischenfall gab, müssen sie fliehen. Ihr Weg wird erschwert, weil Johannes offensichtlich von einer geheimnisvollen Krankheit befallen wird. Die drei versuchen Heinrich Agrippa in Nettesheim zu erreichen. Er ist ein alter Freund von Johannes und gleichzeitig ein Universalgelehrter seiner Zeit. Johannes hofft, dass sein Freund einen Ratschlag hat, wie die Krankheit behandelt werden kann.

In Anlehnung an Goethes Faust beschreibt dieser Folgeband zu „Der Spielmann“ den weiteren Weg des Doktor Faustus. Bei der Idee, die Tragödie von Goethe in moderne Worte zu kleiden und in eine Romanhandlung zu adaptieren, handelt es sich um ein großes Vorhaben, das der Autor mit Bravur gelöst hat. Seinen Lesern stellt er damit allerdings keine leichte Aufgabe. Hat man den Faust vor langen Jahren einmal gelesen und sich gefragt, ob man Klassiker immer gut finden muss, weil es Klassiker sind. Und ist man zu dem Ergebnis gekommen, nein, muss man nicht. Gefiel einem dann der erste Teil noch so einigermaßen, der zweite allerdings nicht so sehr, so wird auch dieser grundsätzlich sehr gute Roman es schwer haben, mit seiner Handlung zu überzeugen. Mit diesen Vorworten sei das Geständnis erlaubt, die Lektüre mag für manchen Leser etwas mühsam sein, andere aber mitreißen. Und so kann man Johann und seinen Gefährten folgen bis in die heilige Stadt nach Rom. Immer wieder müssen sie sich die Frage stellen, ob der Teufel tatsächlich existiert und Johannes sich nur retten kann, indem er seinen Pakt erneuert. Dabei verschlimmert sich die Krankheit des Doktor Faustus und je übler sein Zustand, desto größer seine Bereitschaft, sich mit dem alten Feind Tonio de Monravia einzulassen.

Auch wenn man als Leser mit der originalen Handlung des Faust I + II nicht so viel anfangen kann, ist diese Adaption in eine Romanhandlung eine gelungene Möglichkeit, sich erneut mit dem Mythos des Doktor Faustus zu beschäftigen.

Veröffentlicht am 18.01.2020

Ein besonderer Duft

Shadowscent - Die Blume der Finsternis
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Rakel hat ein besonders feines Näschen für angenehme Düfte und auch für die unangenehmen. Das tut sie manchmal mit deutlichen Worten kund. Sie ist in den Gärten der Hüterin der Düfte tätig. Dort begegnet ...

Rakel hat ein besonders feines Näschen für angenehme Düfte und auch für die unangenehmen. Das tut sie manchmal mit deutlichen Worten kund. Sie ist in den Gärten der Hüterin der Düfte tätig. Dort begegnet sie Ash, einem jungen Mann, der etwas zu verbergen scheint. Ihr Treffen steht unter einem ungünstigen Stern. Denn Ashs Herr, der Thronfolger Nisai, wurde vergiftet und ringt mit dem Tod. Ash und Rakel fällt die Aufgabe zu, nach einem Gegenmittel zu suchen. Mehr noch, Rakel gerät in Verdacht, etwas mit dem Attentat zu tun zu haben. Ihr und Ash bleibt die Flucht als einzige Möglichkeit.

In Rakels Heimstatt grassiert eine grausame Krankheit, gegen die sei keine Heilung gibt. Und Rakel möchte mit ihrem Gespür für Düfte nach einem Heilmittel suchen. Ein erster Weg führt sie in den Garten der Düfte. Durch den Anschlag auf den Thronfolger erhält die Suche nach einem Gegenmittel die größere Priorität und mit Ash arrangiert sie sich, den Gefahren begegnet man vielleicht besser zu zweit. Die Beiden fliehen in die Wüste und suchen nach Hinweisen, welches Mittel dem Prinzen helfen könnte. Auf ihrer Reise erleben sie etliche Abenteuer und begegnen hilfreichen Personen und anderen.

So ein Reich der Düfte ist eine sehr schöne Idee. Allerdings beginnt der Roman etwas träge und man kann für eine Weile kaum erahnen, wo die Reise hingehen wird. Erst nach und nach wird klar, was der Kern dieses ersten Teils einer Reihe ist und dann gewinnt die Handlung an Fahrt und das Geschehen wird spannend. Rakel und Ash sind gegensätzlich und ergänzen sich, wobei sich um Ashs Herkunft ein Geheimnis rankt. Mit jeder Station ihres Weges finden sie besser zusammen. Nach und nach fühlt man sich als Leser immer heimischer in dieser von Düften bestimmten Welt. Es werden die Daumen gedrückt, dass die Suche gelingt. Und gerne geht man auch der Frage nach. ob es eine Annäherung zwischen Ash und Rakel gibt. In diesem Buch baut sich die Stimmung langsam auf und nimmt dann gefangen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2020

Keine Verjährung

Menschenfischer
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Der Mord aus dem Jahr 1998 an dem 13jährigen Tobias Brüning wurde nie aufgeklärt. Der leitende Kommissar Rudi Ferres ist darüber in Rente gegen und nie hat ihn der Fall losgelassen. Immer wieder hat er ...

Der Mord aus dem Jahr 1998 an dem 13jährigen Tobias Brüning wurde nie aufgeklärt. Der leitende Kommissar Rudi Ferres ist darüber in Rente gegen und nie hat ihn der Fall losgelassen. Immer wieder hat er seine Notizen studiert und nun 15 Jahre später scheint es eine neue Spur zu geben. Er ruft seinen ehemaligen Kollegen Robert Marthaler aus Frankfurt nach Südfrankreich, um das, was er herausgefunden hat, weiterzugeben. Marthaler verspricht, sich den Fall nochmals vorzunehmen. Zurück in Frankfurt haben allerdings die Untersuchungen zu einem Anschlag auf ein bekanntes Lokal Vorrang. Dies ändert sich erst, als in der Umgebung zwei Kinder als vermisst gemeldet werden.

In seinem sechsten Fall hat Robert Marthaler sich zwar noch nicht mit der Trennung von seiner Langzeitfreundin Tereza abgefunden, doch irgendwie hat er sich arrangiert. Die Fahrt nach Frankreich kommt ihm gerade recht. Zwar kann Marthaler nicht so recht glauben, dass sich nach so langer Zeit etwas Neues ergeben kann, aber einen Versuch ist es alle Mal wert. Doch tatsächlich ergeben sich Ansätze, die nachgeprüft werden können. Hinzu kommt, dass Marthaler in Frankreich angegriffen wird. Handelt es einfach, um einen Überfall auf einen unbedarften Touristen oder hat da etwas jemand etwas dagegen, dass der alte Fall wieder aufgerollt wird.

Wie der Autor hier die verschiedenen Handlungsstränge verknüpft, ist schon eine Klasse für sich. Nichts ahnend befasst man sich mit einem alten Fall, bei dem man kaum noch auf Aufklärung hoffen kann und dann hat man auf einmal ein Konglomerat von Ansätzen, die den Mord damals in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Wie die Dimension der Sache nach und nach offengelegt wird, ist herausragend. Nur hin und wieder werden Zufälle bemüht, die ein wenig bemüht wirken. Doch diese Kleinigkeit hindert einen nicht, in diesem fesselnden Kriminalroman einzutauchen und sich nach der Lektüre noch weitere Gedanken über das brisante Thema zu machen, das der Autor mit seinem Buch behandelt. Im Übrigen fußt der Roman auf einer wahren Begebenheit, bei dieser konnte der Mord bis heute leider nicht aufgeklärt werden.