Profilbild von walli007

walli007

Lesejury Star
offline

walli007 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit walli007 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2025

Nicknames

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum
0

Eigentlich wollten die Ex-Kanzlerin Angela Merkel und ihre Familie Weihnachten mit den Obamas am Strand verbringen. Angela merkt aber, das ist nicht das Richtige für sie und Achim. Sie kehren zurück nach ...

Eigentlich wollten die Ex-Kanzlerin Angela Merkel und ihre Familie Weihnachten mit den Obamas am Strand verbringen. Angela merkt aber, das ist nicht das Richtige für sie und Achim. Sie kehren zurück nach Deutschland und werden zum ersten Mal ein Weihnachtsfest in Klein Freudenstadt verbringen. Die vorweihnachtliche Stimmung wird jedoch jäh getrübt als sie einen toten Weihnachtsmann finden, der kopfüber in ihrem Kamin steckt, Das ist schon etwas schockierend. Aber nur ein wenig, insgeheim freut sich Angela, dass sie wieder ermitteln kann. Nie hätte sie gedacht, dass sie das so erfüllend finden würde. Der Tote war allerdings nicht der einzige Weihnachtsmann, der zu dieser Zeit Geschenke im Ort ausliefert.

Zum fünften Mal bekommen die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihr Mann Achim und Bodyguard Mike es unerwartet mit einem Todesfall zu tun. Doch auch der Täter oder die Täterin werden auf dem linken Fuß erwischt, war doch damit zu rechnen, dass der Tote erst viel später gefunden wird. Und nun werden Angela und Achim nicht nur mit Toten konfrontiert, nein, jemand fängt auch noch damit an, seine Freundin Puffeline zu nennen. Das ist Achims Angela vorbehalten. Müssen sie sich jetzt etwas was anderes einfallen lassen? Vorrang hat natürlich die Lösung des Rätsels um den toten Weihnachtsmann.

Dieses weihnachtliche Hörbuch wird wie immer ganz hervorragend gelesen und in Szene gesetzt von Nana Spier. Man freut sich auf und über Miss Merkel.

In diesem Band wird Miss Merkel ihrem Ruf als Wissenschaftlerin gerecht, sie muss sich wahrlich in die Sache hineindenken, um neue Möglichkeiten zu finden. Und gleichzeitig bekommt sie es gewissermaßen mit dem Geist der Weihnacht zu tun. Sie kann nichts dafür, dass Achim manchmal ein wenig leiden muss. Das Setting ergibt einige wirklich erquickliche Hörerlebnisse, die einen zum Schmunzeln bringen und gute Laune verbreiten. Ob man den kleinen Ausflug in andere Sphären für Miss Merkel als hundertprozentig passend empfindet, kann so eine Sache sein. Auch wirkt der Roman mit knapp zweihundert Seiten und das Hörbuch mit etwas über vier Stunden im Vergleich mit den anderen Bänden eher schnell dahin geschrieben. Doch natürlich bietet er sehr gute Unterhaltung mit einigen sehr lustigen Szenen. Man möchte Miss Merkel und ihre Lieben nicht mehr missen.

Veröffentlicht am 15.09.2025

Das Vermächtnis

Die blaue Stunde
0

Die Künstlerin Vanessa Chapman hat einer Stiftung ihre Kunstwerke und Aufzeichnungen vermacht. Allerdings haben die Verwalter der Stiftung den Verdacht, dass nicht alles übergeben wurde, worauf sie eigentlich ...

Die Künstlerin Vanessa Chapman hat einer Stiftung ihre Kunstwerke und Aufzeichnungen vermacht. Allerdings haben die Verwalter der Stiftung den Verdacht, dass nicht alles übergeben wurde, worauf sie eigentlich einen Anspruch geltend machen könnten. Dann äußert auch noch ein Ausstellungsbesucher die Vermutung, die Künstlerin habe in einem ihrer Werke etwas verarbeitet, das wie ein menschlicher Knochen aussieht. Es wird beschlossen, dass Kurator James Becker die Gezeiteninsel, auf der Chapman lebte, besuchen soll, um die dort lebende Ärztin und Gefährtin der Verstorbenen um weitere Informationen zu bitten. Diese lebt allerdings sehr zurückgezogen und ist von dem Gedanken an Gesellschaft nicht begeistert.

In welcher Beziehung standen Grace und Vanessa genau? Immerhin lebten sie auf Eris Island bis Vanessa starb und die Künstlerin hat ihrer Freundin das Haus vererbt. Wieso aber hat sie die Kunstwerke der Stiftung vermacht, wenn sie sich mit dem inzwischen verstorbenen Stifter überworfen hatte? Und was ist mit den angeblich nicht übergebenen Arbeiten? Fragen, die sich auch James Becker stellt. Der werdende Vater möchte seine hochschwangere Frau eigentlich nicht alleine lassen. Und doch wegen des mutmaßlichen Knochenfundes muss einfach Klarheit geschaffen werden. Und Becker scheint einen Draht zu Grace zu haben und sie gibt ihm einige Unterlagen und Tagebücher.

Mit diesem Mix aus erzählten Passagen, Tagebucheinträgen und manchen Zeitungsausschnitten erhält dieser Thriller viel Tempo. Darüber kommen vielleicht einige Erzähl-Ansätze zu kurz. Interessant ist die Schilderung von Vanessas Leben als Künstlerin. Sie wirkt wie eine mondäne Kreative, die sich in der Gesellschaft bewegen kann, selbige aber über hat. Grace erweckt den Eindruck als sei sie wie eine Nebenhandlung im Leben, unscheinbar und ohne ausgeprägten Kunstsinn. Man fragt sich wieso die Frauen so zusammengeschweißt waren. Auch James Becker fühlt sich als Kurator nicht wohl. Zwar hat er Intelligenz und Kunstverständnis, aber seine einfache Herkunft steht ihm vor allem bei der Frau des Stifters im Weg. Es entwickelt sich ein vielschichtiger Thriller mit kleinen Ecken und Kanten, der eine sehr kurzweilige Lektüre bietet.

Veröffentlicht am 14.09.2025

Großmutter Veronikas Geheimnis

Wer mit den Toten spricht
0

Das hätte die Sektionsassistentin Cassie Raven nie erwartet. Nach einem kleinen Schlaganfall eröffnet ihr ihre geliebte Oma Veronika, dass Cassies Vater nicht tot ist, wie sie immer behauptet hat, sondern ...

Das hätte die Sektionsassistentin Cassie Raven nie erwartet. Nach einem kleinen Schlaganfall eröffnet ihr ihre geliebte Oma Veronika, dass Cassies Vater nicht tot ist, wie sie immer behauptet hat, sondern dass er ihre Mutter getötet hat und dafür verurteilt wurde. Cassie ist verwirrt, plötzlich hat sie einen Vater, der ein Mörder sein soll. Dann nimmt ihr Vater Callum Kontakt mit ihr auf und behauptet, er hätte ihrer Mutter nie etwas antun können. Was soll Cassie davon halten? Glauben möchte sie Callum schon gerne. Bei ihren Nachforschungen findet Cassie tatsächlich Ungereimtheiten. Sie hofft, dass die Polizistin Phylida Flyte ihr noch weiter helfen kann.

Zum zweiten Mal stellen Cassie Raven und Phylida Flyte gemeinsame Ermittlungen an. Diesmal betrifft es Cassie sehr persönlich. Nachdem sie erfahren hat, was mit ihrer Mutter, an die sie sich nur vage erinnern kann, passiert ist, möchte sie wissen, was genau passiert ist. Eigentlich darf Phylida nicht helfen, aber sie weiß um Cassies Gespür für die Toten und die Lebenden und deshalb gibt sie weiter, was ihr möglich ist. Schließlich hat Cassie bei dem tragischen Tod eines Jugendlichen auch wieder bewiesen, wie gut die Toten bei ihr aufgehoben sind. Mit großer Zuwendung hat sie einen Hinweis auf die wahre Todesursache gefunden.

Aus dieser Mischung aus spannenden Ermittlungen um die Toten, die Cassie Raven zur Ansicht bekommt und wie sie gerade in diesem Fall in ihrem Inneren getroffen ist, en Kriminalroman, der sehr besonders ist. Sowohl Cassie als auch Phylida sind empfindsame Frauen, die ihre Gefühle manchmal hinter einer Maske verbergen. Umso mehr berührt es dann, wenn sie sich öffnen und einen Blick in ihr Inneres ermöglichen. Dieser Fall wird Cassies Leben verändern und mit seinen Wendungen fesselt er beim Lesen. Natürlich kann und soll nicht jeder Fall so persönlich sein, aber hier funktioniert das Konzept sehr gut.

Schön wie die Vorleserin Sandra Voss den einzelnen Personen eine wiedererkennbare Stimme verleiht. Das macht Freude beim Zuhören.

Veröffentlicht am 13.09.2025

Matti verschwunden

Die Farbe des Schattens
0

Eigentlich sollte der elfjährige Matti Beck nur ein paar letzte Einkäufe erledigen. Und dann kommt er einfach nicht wieder. Die Eltern sind schnell besorgt und beginnen nach ihrem Jungen zu suchen. Leider ...

Eigentlich sollte der elfjährige Matti Beck nur ein paar letzte Einkäufe erledigen. Und dann kommt er einfach nicht wieder. Die Eltern sind schnell besorgt und beginnen nach ihrem Jungen zu suchen. Leider erfolglos. Die Polizei wird eingeschaltet und Kommissar Arno Groth wird mit den Ermittlungen betraut. Im Jahr 1992 sind in Mecklenburg-Vorpommern die Folgen der Wende zu spüren. Nicht alle empfinden die Zeit als positiv. Die Lage ist sowieso nicht gut und nun wird auch noch ein Kind vermisst. Irgendwie jedoch hat der Täter genau den Moment erwischt, in dem keiner aufgepasst hat.

Auch in seinem zweiten Fall fragt sich der als Aufbauhelfer in den Osten gekommene Kommissar Groth noch, ob er denn nun am Ziel ist. Well er bleiben oder zurück? Erstmal muss er das allerdings beiseite schieben. Der Junge ist viel wichtiger als persönliche Befindlichkeiten. Und doch bleibt er verschwunden. Die fieberhafte Suche ändert nichts daran. Kommissar Groth und seine Kollegen versuchen den Tag von Matti zu rekonstruieren. Der Junge wirkte still, aber sehr selbstständig. Liegt das an seiner Familie? Der Vater arbeitslos, die Mutter sorgt als Krankenschwester für das Finanzielle. Der große Bruder ist bei der Bundeswehr, der Kleine ist eben klein, aber pfiffig.

Nach der Wende wissen die Menschen, dass sie die Freiheit gewollt haben und sie wissen, was sie verloren haben. Durch die großen Umbrüche scheint aber unklar, was sie gewonnen haben. Und so kommt Kommissar Groth relativ schnell damit in Berührung, dass sich zum Teil gerade auch unter den Jungen ein rechtes Milieu bildet. Die behaupten immerhin, sie wüssten Bescheid und würden alles ändern. Falsch, aber sie bedienen den Wunsch nach der Anleitung oder Bevormundung, die wohl jedes diktatorische System zu bieten hat. Doch vor Verbrechen hat auch die ehemalige DDR nicht bis ins Detail geschützt. Und so ahnt Kommissar Groth, der immer noch um seine Tochter trauert, nicht was auf ihn zukommt. Langsam und präzise ermittelt er und er folgt im richtigen Moment seinem Baugefühl. Die melancholische Grundstimmung entspricht dabei seiner eigenen Gemütslage. Wo passt Groth besser hin, in den Osten, wo er auch herstammt, oder in den Westen, wo er lange gewissenhaft gearbeitet hat, wo er aber auch seine Tochter verlor? Wie wird sich Mattis Schicksal klären? Mit einer überraschenden Wendung, die etwas über den Täter sagt, aber auch über den ehemaligen Staat. Ein packender Krimi, den zur Lektüre gerne empfohlen wird.

Das Cover passt sehr gut zu dem winterlichen Setting und der ein wenig düsteren Grundstimmung.

4,5 Sterne

Veröffentlicht am 07.09.2025

Auslandskorrespondent

Deine Margot
0

Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ...

Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ihren Vater als Erich angeredet haben und unterschrieb mit Margot? Als sie ein Kind war hat Viljas Familie eine zeitlang in Ost-Berlin gewohnt. Noch vor der Wende sind sie wieder zurück in ihre Heimat nach Finnland gezogen. Vilja macht sich auf den Weg nach Berlin, um Spuren ihrer Eltern aufzuspüren. Es ist 2011 und nach der langen Zeit ist es schwierig etwas zu finden. Vilja lässt aber nicht locker.

Eine junge Finnin reist in ihre eigene Vergangenheit und damit auch in die damals noch existierende DDR, von deren Untergang im Jahr der Ankunft 1981 noch nichts zu ahnen war. Markus, Viljas Vater war Journalist bei einer sozialistischen finnischen Zeitung. Er wollte berichten, wie gut es in dem sozialistischen Deutschland läuft. Markus findet schnell Kontakt in Ost-Berlin, seiner Frau Rosa fällt das nicht so leicht, doch auch sie findet eine gute Freundin. Vilja ist zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre und ihr Bruder Matias vier.

Eine richtig coole Idee ist es, die Wendezeit mal von außen zu betrachten. Eine finnische Autorin, die in ihrer Kindheit tatsächlich in Ost-Berlin lebte, schreibt über eine Kindheit im Osten Deutschlands, über eine Familie, einen Auslandskorrespondenten und verschiedene Bürger der DDR. Es entspinnt sich eine Familiengeschichte, die spannend ist, aber auch einige Rätsel aufgibt. Dazu wird über die damals aktuelle politische Lage berichtet. Die Menschen, die in Ost-Berlin lebten, waren danach recht zufrieden mit ihrem Leben. Aus heutiger Zeit fragt man sich schon, in welchen Kreises sich Menschen aus dem Ausland bewegen durften, auch wenn sie eine sozialistische Einstellung hatten. Die Darstellung wirkt etwas verklärend. Die Geschichte von Viljas Familie ist dagegen, wenn auch manchmal etwas zu ausführlich, so doch grundsätzlich spannend und dramatisch. Ob man dem allen jedoch so folgen kann, wenn man die Wendezeit bewußter erlebt hat, muß man beim Lesen selbst entscheiden. Anstaunten eine tolle Idee, aus der sich eine fesselnde Geschichte entwickelt.