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Veröffentlicht am 05.09.2025

Das Gabelfrühsstück

Hab und Gier
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Die Bibliotheksmitarbeiterin Karla wollte früher in Rente gehen und nun ist sie 63 und rechnet nicht damit, dass sich in ihrem Leben viel ändern wird. Unerwartet nimmt ihr ehemaliger Kollege Wolfram Kontakt ...

Die Bibliotheksmitarbeiterin Karla wollte früher in Rente gehen und nun ist sie 63 und rechnet nicht damit, dass sich in ihrem Leben viel ändern wird. Unerwartet nimmt ihr ehemaliger Kollege Wolfram Kontakt mit ihr auf. Er ist schwer krank und möchte, dass Karla ihn bis zum Tod begleitet. Je nachdem wie intensiv sie sich um ihn kümmert, hat sie entweder ein kleines, mittleres oder das ganze Erbe zu erwarten. Allerdings für das ganze Erbe soll Karla Wolfram umbringen. Mit dem Gedanken tut sie sich dann doch schwer. Aber Wolframs Haus ist toll. Also fängt Karla erstmal an, ihm kleine Dienste zu erweisen.

Wie soll Karla denn mit so einem Wunsch klarkommen? Zum Glück muss sie nicht bis zum letzten gehen, sie kann sich ja auch mit dem kleineren Erbe begnügen. Wenn nur dieses Haus nicht so toll wäre, viel besser als ihre Mietwohnung und sogar mit Garten. Karla berät sich mit ihrer Freundin Judith, die etliche Jahre jünger ist und noch in der Bibliothek arbeitet. Da fachsimpeln die beiden Frauen, wie weit man gehen kann oder möchte. Ob es weitere Erben geben könnte. Und Wolfram erzählt von seiner seltsamen Ehe und dem Missrauen seiner Nichte gegenüber. Diese hat sich auch noch nie blicken lassen.

Mit feinsinnigen und manchmal bitterbösem Humor hält Ingrid Noll ihrer Karla eine Mohrrübe vor die Nase. Was würde sie alles tun, um das Erbe zu bekommen? Man sollte annehmen, dass sie das Meiste mit sich selbst ausmacht. Aber ihrer Freundin Judith gegenüber offenbart sie sich doch. Was für Folgen hat das denn? Da ist man manchmal echt erstaunt. Für einen kurzen Moment kommt man auf ganz wirre Gedanken, denen die Autorin bald einen Riegel vorschiebt. Doch was sie sich selbst für schräge Ideen ausdenkt, toppt die Eigenen bei weitem. Man wundert sich, wie die Dinge gehen und wer in Gefahr gerät. Und am Ende schließt man mit einem Lächeln, weil doch irgendwie alles stimmig war. Erzählt wird die Geschichte von Karla, der die Leserin Uta Hallant, die leider schon verstorben ist, eine ureigene Stimme verleiht.

Veröffentlicht am 04.09.2025

Bootspartie

Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse
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Judith Potts und ihre Freundinnen sind mal wieder auf der Fahndung nach einem Mörder. Das dürfen sie eigentlich nicht, schließlich wollen sie Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten bringen. Judith ...

Judith Potts und ihre Freundinnen sind mal wieder auf der Fahndung nach einem Mörder. Das dürfen sie eigentlich nicht, schließlich wollen sie Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten bringen. Judith kann ja nichts dafür, dass Verity Beresford zu ihr gekommen ist, weil sie sich um ihren Mann Oliver sorgte. Und genau dieser Oliver wird kurz darauf tot am Fluss aufgefunden. Verity und Oliver gehören zu der Laienschauspielertruppe von Marlow und dafür, dass sie nicht professionell sind, sind sie ganz schön professionell. Wie sollen Judith und ihre Freundinnen es am besten hinkriegen zu ermitteln, ohne zu ermitteln. Die Idee: Judith steigt einfach bei den Schauspielern ein.

Judith, Suzie und Becks kommen hier zum vierten Mal wieder zusammen, um einen Mord aufzuklären. Natürlich kommen sie häufiger zusammen, aber bei einem kleinen Städtchen wie Marlow gibt es zum Glück nicht so viele Morde. Doch nun hat es den Leiter der Laiengruppe erwischt. Er hatte zu Ehren einer amerikanischen Schauspielerin, die aus Marlow stammt, eine Bootsfahrt organisiert. Auf dem Boot kam er offensichtlich zu Tode und jeder auf dem Boot schien ein Motiv zu haben und auf jeden können Indizien hinweisen. Das wird nicht einfach für die drei Freundinnen.

Bei diesem Fall wimmelt es nur so von Verdächtigen. Das wird selbst für Judith verzwickt. Doch man kann ihr vertrauen. Wenn ihr Denkapparat auf Touren kommt, muss man schwer damit rechnen, dass sie die Lösung findet. Becks ist ein wenig abgelenkt und dennoch findet sie einen wichtigen Hinweis. Suzie verbreitet wie immer ein wenig Chaos, was zum Charme dieser Reihe beiträgt. Doch wie schon gesagt, Judith ist diesmal wirklich gefordert. Und sie präsentiert eine Lösung, mit der nicht zu rechnen ist. Auch wenn sich gewisse Gedanken aufdrängen, auf das, was wirklich passiert ist kommt man nicht. Judith, Suzie und Becks sind einem im Laufe der Zeit sehr ans Herz gewachsen. Man wünscht sich gerne mehr von ihnen und dieser Roman endet mit einem ausgesprochen fiesen Cliffhanger. Hoffentlich lässt der Autor einen damit nicht so lange warten.

Veröffentlicht am 31.08.2025

Mozzarella

Bleich wie der Mond
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Am morgen nach einer Geburtstagsfeier wird der Inhaber einer Mozzarella-Manufaktur Nino Castaldo tot in seiner Firma gefunden. Der Ortspolizist Enrico Rizzi wird zum Ort des Geschehens geschickt, seine ...

Am morgen nach einer Geburtstagsfeier wird der Inhaber einer Mozzarella-Manufaktur Nino Castaldo tot in seiner Firma gefunden. Der Ortspolizist Enrico Rizzi wird zum Ort des Geschehens geschickt, seine Kollegin Antonia Cirillo folgt ihm, obwohl Rizzi die Sache allein erledigen wollte. Wie gut das ist, ergibt sich schnell, denn sie findet Rizzi bewusstlos neben einem Bottich, in dem der Tote im Wasser schwimmt. Die Umstände des Totes sind doch so ungewöhnlich, dass die Kriminalbeamten aus Neapel hinzugerufen. Rizzi und Cirillo beginnen, mit der Befragung der Witwe, die wesentlich jünger ist als Castaldo. Und auch der gehörlose Mitarbeiter Ninos wird vernommen.

Zum vierten Mal sorgen Agente Enrico Rizzi und Antonia Cirillo dafür, dass auf Capri alles seinen gewohnten Gang geht. Ungeklärte Todesfälle gibt es auf der Insel zum Glück selten. Und wenn doch mal etwas vorfällt, übernehmen die Ortspolizisten die Aufgabe die Sicherheit der Touristen zu gewährleisten. Dass dabei auch mal ein Mordfall aufgeklärt wird, kommt in Neapel nicht immer gut an. Deren Aufgabe, deren Lorbeeren, dass Rizzi und Cirillo gewiefte Ermittler mit herausragender Ortskenntnis sind, sehen die Höhergestellten nur, wenn es ihnen passend erscheint. Wenn Rizzi und Cirillo sich auch noch aufs Festland verirren, wird es erst richtig heikel. Und nun wird ausgerechnet der angesehenste Mozzarella-Hersteller der Insel tot aufgefunden.

Was es in Sachen Mozzarella-Produktion alles zu erfahren gibt, ist schon erstaunlich und spannend. Der Fall wird dadurch richtig interessant. Die Querelen zwischen Capri und Neapel und die Obrigkeitshörigkeit des Ispettore von Capri werden manchmal etwas ausführlich thematisiert. Darüber kommt manchmal die Beschreibung der Insel und des Insellebens ein wenig zu kurz. Dafür wird das Rätsel um den Toten auf packende Weise gelöst, wobei sich auch das Bild, dass man von dem Toten hatte verändert. Diese Reihe von Capri-Krimis ist fesselnd zu lesen und hat doch die nötige Leichtigkeit, um gute Unterhaltung zu bieten.

Veröffentlicht am 30.08.2025

Nur eine Stunde

Der Vater eines Mörders
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Der vierzehnjährige Schüler Franz Kien hat im Mai 1928 nicht viel Lust auf den Unterricht. Warum weiß er nicht so genau. Wahrscheinlich könnte er, wenn er wollte. Er weiß allerdings nicht, was er will. ...

Der vierzehnjährige Schüler Franz Kien hat im Mai 1928 nicht viel Lust auf den Unterricht. Warum weiß er nicht so genau. Wahrscheinlich könnte er, wenn er wollte. Er weiß allerdings nicht, was er will. Schriftsteller werden will er, das weiß er dann doch. Als der Schuldirektor Himmler eine Griechischstunde inspiziert, betrifft das Franz erst nicht sehr. Der Rektor scheint das häufiger zu machen. Zuerst nimmt er sich den Lehrer vor, der vornehmlich um seine Stelle besorgt scheint. Irgendwann kommt einer der besten Schüler dran, der es sich leisten kann Widerworte zu geben. Meint er. Als Franz meint, der Kelch ist so eben an ihm vorbeigegangen, muss er sein Nichtwissen doch noch zeigen.

Der Schriftsteller Alfred Andersch kehrt in die Zeit seiner Jugend zurück. Sein alter ego Franz Kien erlebt eine Unterrichtsstunde, die wohl kein Schüler so erleben möchte. Er meint zu verstehen, wieso Jung-Himmler sich mit Alt-Himmler überworfen hat. Aber ist aus Jung-Himmler deshalb ein Vernichter vieler Menschen geworden? Franz Kien bekommt jedenfalls mit, wie der Rektor einen Schüler von der Schule verbannt, wie er sich aufführt, wie ein Herrscher über sein kleines Schulreich. Als Kien dann selbst noch drankommt, von Himmler bloßgestellt, ist er fast schon froh, von der Schule zu fliegen. Nur um seinen Vater sorgt er sich.

Man empfindet schon Beklemmungen, wenn man sich diesen Unterricht vorstellt, wenn man sich diesen Rektor vorstellt. Natürlich weiß man heute, was aus Jung-Himmler wurde. Das führt schon irgendwie zu der Frage, wenn der Vater menschen- oder schülerfreundlicher gewesen wäre, ob dann aus seinem Sohn etwas anderes geworden wäre. Dieser Schuldirektor löst Widerwillen aus. Er nutzt seine Machtposition perfide aus. Er scheint nicht zum Wohle der Schüler tätig zu sein, sondern eher, um seine eigenen wie auch immer gearteten Bedürfnisse zu befriedigen und Menschen gegeneinander auszuspielen. Keine angenehme Lektüre, aber eine, die sehr nachdenklich stimmt.

Veröffentlicht am 29.08.2025

Herz an Herz

Im Herzen der Katze
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Entsetzt liest Jina vom Tod der jungen Jina Mahsa Amiri, die in Teheran ermordet wurde. Die Verstorbene trug den selben Namen wie Jina, die immer dachte, ihr Name sei einzigartig. Sofort ruft Jina ihre ...

Entsetzt liest Jina vom Tod der jungen Jina Mahsa Amiri, die in Teheran ermordet wurde. Die Verstorbene trug den selben Namen wie Jina, die immer dachte, ihr Name sei einzigartig. Sofort ruft Jina ihre Mutter an und berichtet von den Ereignissen. Amiris Tod löst einen Aufruhr der Frauen im Iran aus. Und Jina, die in Deutschland aufgewachsen inzwischen in Südfrankreich lebt, erinnert sich an ihre Reisen in das Land, das ihr Vater verlassen hatte. Dort haben die Tanten ihr von der Familie erzählt und ihr warmherzige Gastfreundschaft zuteil werden lassen, dort hat sie mit ihrer Schwester eine Reise durch das Land unternommen, dort ist sie selbst in die Proteste geraten.

Die Erzählerin Jina erzählt von ihrem Land, das sie eigentlich nicht so gut kannte, in dem sie sich gleichzeitig fremd und heimisch fühlte. Ihre Verwandten empfangen sie mit offenen Armen und offenen Herzen. Die Offenheit findet allerdings hinter verschlossenen Türen statt, innerhalb der Familie kann man sich vertrauen. Draußen wird das Leben besonders der Frauen durch den Staat in eines der Einschränkungen und Verborte verwandelt wird. Jederzeit kann man denunziert oder gleich verhaftet werden. Und nur unter Vertrauten kann man sich ehrlich austauschen. Doch es gab auch mal einen anderen Iran, der nicht vergessen ist.

Mal ein Experiment das Hörbuch im gleichen Zeitraum zu hören, wie man das Buch liest. Von Pegah Feridony sehr lebendig vorgetragen, verschafft einem die Leserin einen authentischen Einblick von der Lebhaftigkeit der Menschen, der Fülle der Sprache und auch deren Klangfärbung. Im Buch dagegen bekommt man eben auch mit, was häufig im Hörbuch fehlt, die Schreibweise der Namen. Die Sätze in Farsi sind in Lautschrift dargestellt, was im Zusammenklang mit dem Gehörten einen guten Eindruck verschafft. Gut ist das geschriebene Wort auch, wenn man vergleichen oder nochmal zurückblättern möchte, auch kann man sein eigenes Tempo wählen und sich auch ein wenig abschotten, wenn die Schilderungen die Tragik der Frauen sehr deutlich beschreiben. Eindringlicher sind die gesprochenen Worte. Und doch war es eine sehr gute Idee, das Experiment zu wagen.

Dieser Debütroman beeindruckt mit seinen deutlichen Worten, die Unterschiede verstehen lassen, Mitgefühl erregen, mit ein wenig Sehnsucht auf die Herzenswärme blicken blicken lassen, die hier mitunter nicht so deutlich aus den Gesichtern strahlt und die doch klarmachen, dass man sich selbst in einem weitgehend freien wenn auch kühlerem Land wohler fühlt und dass man die Freiheit jeden Tag schätzen sollte, an dem man sie hat. Es wäre zu wünschen, dass sich die Träume der Frauen im Iran erfüllen.