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Veröffentlicht am 04.01.2019

Der Beste

Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt - Der erste Fall
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Die Einladung zur Testamentseröffnung kommt überraschend. Privatdetektiv Jeremias Voss weiß nicht, was da auf ihn zukommt. Verblüfft reagiert er auf den Inhalt des Briefes, den er überreicht bekommt. Die ...

Die Einladung zur Testamentseröffnung kommt überraschend. Privatdetektiv Jeremias Voss weiß nicht, was da auf ihn zukommt. Verblüfft reagiert er auf den Inhalt des Briefes, den er überreicht bekommt. Die Tote bittet ihn, ihr Sterben zu untersuchen, da sie vor ihrem Ableben befürchtete, jemand trachte ihr nach dem Leben. Er solle sich bei den Ermittlungen an ihre jüngere Schwester wenden und an niemanden sonst. Alsbald macht sich Jeremias Voss daran, zunächst einmal die Lebensumstände der Verstorbenen zu untersuchen. Dabei kommt er allerdings nicht sehr weit, die Tote schien sehr abgeschieden gelebt zu haben. Also ist der nächste Schritt doch die Kontaktaufnahme mit Sonja, der Schwester der Toten.

Locker flockig ermittelt Jeremias Voss in Hamburg. Seine Vergangenheit bei der Polizei hilft ihm dabei. Alte Kontakte versteht er zu nutzen und neue knüpft er schnell. Immer oder meistens an seiner Seite ist sein Hund Nero, der allein mit seinen 50 Kilo schon mal einschüchtern kann. Jeremias’ erster Fall entwickelt sich schnell komplizierter als zunächst gedacht. Zum einen weil es so wenig Informationen über die Tote gibt, zum anderen jedoch auch, weil offensichtlich niemand ein Interesse hatte, die näheren Todesumstände zu erforschen. Außer bei Sonja findet Voss nicht viel Hilfe und er muss sich auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen.

Leicht zu lesen, aber nicht seicht. Mit Jeremias Voss weht ein frischer Detektiv-Wind durch Hamburgs Straßen. Vielleicht wirkt er im Privaten etwas flatterhaft. Dafür kümmert er sich aber liebevoll um seinen Hund und auch als Arbeitgeber scheint er sehr brauchbar. Mit seinem ersten Fall, von dem der Leser erfährt, bekommt er gleich ein kniffliges Rätsel zu lösen. Wieso ist die Tochter einer so angesehenen alteingesessenen Hamburger Familie quasi aus dem Schoß der Familie geflohen. Warum befürchtete sie, jemand wünschte ihren Tod. Geschickt wie Voss hinter die Mauern des Schweigens dringt.

Ein unterhaltsamer Hamburg Krimi mit einem sympathischen Ermittler, der zwar leichtfüßig in gewissen Momenten aber doch mit dem nötigen Ernst durch seinen Fall tanzt.

Veröffentlicht am 03.01.2019

Cop für immer

Das Auge von Hongkong
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Bei Sonny Lok, Inspector der Polizei von Hongkong, handelt es sich um den Nachfolger des legendären Inspector Kwan. Dieser arbeitete lange Jahre bei der Polizei und nach seiner Pensionierung noch als Berater. ...

Bei Sonny Lok, Inspector der Polizei von Hongkong, handelt es sich um den Nachfolger des legendären Inspector Kwan. Dieser arbeitete lange Jahre bei der Polizei und nach seiner Pensionierung noch als Berater. Nun aber liegt der alte Mann im Krankenhaus und es scheint mit ihm zu Ende zu gehen. Doch ein letztes Mal noch soll er seine genialen Fähigkeiten entfalten. Sonny Lok holt die Verdächtigen am Krankenbett zusammen. Ein Mann wurde mit einer Harpune getötet und letztlich stehen alle in seinem Haushalt lebenden unter Verdacht. Lok ist es, der die Vorgänge schildert, doch er ist es der die Kombinationsgabe seines großen Vorbilds zu Rate zieht.

Bei diesem Fall handelt es sich um den letzten der spektakulärsten Fälle des Inspector Kwan, der auch das Auge von Hongkong genannt wurde. Etwas ungewöhnlich im Aufbau wird dieses Buch in der Gegenwart startend zurück in die Vergangenheit erzählt. Jeder Fall liegt in einem anderen Jahrzehnt in einer Phase, die für Hongkong wichtige Veränderungen brachte. Gleichzeitig umspannt es Kwans gesamtes Berufsleben und damit auch den größten Teil seiner Lebensspanne. Das Hauptaugenmerk liegt dabei tatsächlich auf seiner ungewöhnlichen Karriere und seinen herausragenden Ermittlungsleistungen. Nach der Lektüre dieser Rückwärtserzählung fragt man sich allerdings, ob man nicht lieber mit der ersten Geschichte angefangen hätte. Die einzelnen Fallschilderungen sind in sich abgeschlossen, so dass diese Möglichkeit besteht.

Interessant ist wie Kwan, je weiter er die Karriereleiter aufsteigt, immer mehr von der Front wegkommt und mehr durch Rückschlüsse aus den vorhandenen Informationen und geschickten Fragestellungen im Nachhinein zu seinen Lösungen kommt. Wie er seinen Nachfolger von langer Hand fördert und aufbaut, durchaus ähnlich wie es ihm selbst einst geschah. Gleichzeitig bekommt man einen Einblick in das Leben der britischen Kronkolonie Hongkong, die inzwischen schon lange an China zurückgegeben wurde. Einiges von dem geschickten Aufbau des Buches erschließt sich erst nachdem man es beendet hat und das Leben des Inspector Kwan nochmal Revue passieren lässt. Letztlich bleibt unklar, ob das Buch eher als Zusammenfassung einzelner Geschichten zu sehen ist oder als zusammenhängender Roman. Da mag der Zusammenhang zwischen den Geschichten vielleicht etwas vage sein und die Zeitabstände doch sehr groß.

Allerdings ist die Entwicklung von der Handarbeit zur Kopfarbeit, wobei die Grundlagen zu Letzterem schon in der Jugend des Protagonisten gelegt sind, sehr beeindruckend geschildert und der geschichtliche Abriss ist durchaus lesenswert.

Veröffentlicht am 01.01.2019

Nackenkribbeln

Der Zorn der Einsiedlerin
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Kommissar Adamsberg muss seinen Aufenthalt auf Island wegen eines ungeklärten Todesfalls in Paris abbrechen. Die Kollegen kommen mit der Untersuchung nicht weiter und sie rufen den Chef zurück. Eine Frau ...

Kommissar Adamsberg muss seinen Aufenthalt auf Island wegen eines ungeklärten Todesfalls in Paris abbrechen. Die Kollegen kommen mit der Untersuchung nicht weiter und sie rufen den Chef zurück. Eine Frau ist zweimal von dem SUV ihres Ehemannes überrollt worden. Eigentlich eine offensichtliche Sache, der Ehemann scheint allerdings ein wasserdichtes Alibi zu haben und er beschuldigt den vermeintlichen Geliebten seiner Frau. Eher nebenbei bemerkt Adamsberg, dass sich einer seiner Mitarbeiter mit den Todesumständen dreier alter Männer beschäftigt, die am Biss der Einsiedlerspinne gestorben sein sollen. Bei der Erwähnung des Namens der Spinne beginnt es in Adamsbergs Nacken zu kribbeln. Hier kann etwas nicht mit rechten Dingen zugehen.

Wie schön Adamsberg und seine Kollegen wiederzulesen. Und wenn es in Adamsbergs Nacken kribbelt, dann wird er meistens recht behalten. Genauso wie Adamsberg mit seiner unnachahmlichen Art bald durchschaut, wer in dem Pkw saß, achtet er auf seine Ahnung, dass bei dem Tod der alten Männer etwas nicht stimmen kann. Während seiner Nachforschungen lernt er allerhand über das Leben der Einsiedlerspinnen, die eigentlich noch nicht einmal Menschen beißen, geschweige denn sie zu töten. Nur unter ungünstigen Umständen, wenn das Opfer geschwächt ist, kann durch den Biss der Spinne ein Krankheitsbild ausgelöst werden, das mit dem Tod des Bissopfers endet.

Abgesehen von einer Kleinigkeit, ist diese Ermittlung von Kommissar Adamsberg ausgesprochen pfiffig und unterhaltsam. Adamsberg hat das richtige Händchen sowohl für seine Brigade als auch für seine Fälle. Wenn er mal eben nachdenken geht, kommt meistens ein kluger Gedanke dabei heraus. Natürlich kann auch Adamsberg mal falsch liegen, aber dann geschieht das auf intelligente Art und Weise und nicht so, dass man denkt, das hätte er doch sehen müssen. Auch die Strömungen innerhalb seiner Stelle hat Adamsberg genauestens im Blick und er ist ein guter Chef, der seinen Leuten zwar mal eine klare Kante gibt, ihnen aber nicht in den Rücken fällt. Am Schluss wird man denken, dass die Einsiedlerin zurecht zornig ist, was die Position des Ermittlers nicht einfacher macht.

Veröffentlicht am 31.12.2018

Die rote Kirche

Nevernight
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Die junge Mia Corvere ist eine, die mit den Schatten spricht. Als sie noch ein Kind war, wurde ihr Vater als Verräter getötet und ihre Mutter gefangen genommen. Mia wuchs bei ihrem Ziehvater Mercurio auf. ...

Die junge Mia Corvere ist eine, die mit den Schatten spricht. Als sie noch ein Kind war, wurde ihr Vater als Verräter getötet und ihre Mutter gefangen genommen. Mia wuchs bei ihrem Ziehvater Mercurio auf. Als Jugendliche denkt Mia, es ist soweit, sie kann endlich Rache nehmen für das, was ihr widerfahren ist. Zuvor jedoch will sie der roten Kirche beitreten. Um dieses Ziel zu erreichen muss sie den Ort erstmal finden, an dem sich die rote Kirche befindet. Um zur Assassine zu werden, gilt es auch noch eine ausgesprochen schwierige Ausbildung zu überstehen, in der es keine Freunde gibt.

Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band einer dreiteiligen Reihe. Als Hörbuch von über zwanzig Stunden kann man schon den Eindruck gewinnen, dass man hier eine gewisse Aufgabe zu bestehen hat. Allerdings soll dies keine Kritik beinhalten. Schließlich ist es meist so, ist das Hörbuch gekürzt, fehlt was; ist es nicht gekürzt, ist es zu lang. Zum Glück ist die Handlung um Mia Coveres Rachefeldzug interessant und spannend in Szene gesetzt. Zu hören ist die leicht altertümliche Sprache vielleicht sogar einfacher als zu lesen. Wie bei recht umfangreichen Büchern häufiger, werden die Lebensumstände und die Welt, in der die Hauptpersonen leben, genauer beschrieben. Auch gilt es Kampfszenen und Fluchten zu überstehen, deren Beschreibungen manchmal etwas ausufern und auch recht direkt, blutrünstig und brutal geraten. Auch wenn man zunächst etwas anderes annehmen könnte, als Jugendbuch ist dieser Roman wohl eher nicht einzustufen.

Hat man aber einmal den roten Faden gefunden, entwickelt sich eine packende Story um eine junge Frau, die einige Rätsel zu lösen hat, die eine Prüfung bestehen möchte, die auf ungewohnten Pfaden wandert, die Verbündete findet und verliert, die ihr Ziel nie aus den Augen verliert und die manchmal auch sehr richtige Entscheidungen trifft.

Veröffentlicht am 28.12.2018

Roter Stern

Stern des Nordens
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Vor zwölf Jahren verschwand ihre Zwillingsschwester in Südkorea. Da sie sich sehr nah waren, hat Dr. Jenna Williams die unfreiwillige Trennung nie überwunden. Schweren Herzens hat sie den Tod der Schwester ...

Vor zwölf Jahren verschwand ihre Zwillingsschwester in Südkorea. Da sie sich sehr nah waren, hat Dr. Jenna Williams die unfreiwillige Trennung nie überwunden. Schweren Herzens hat sie den Tod der Schwester akzeptiert. Die Albträume haben sie aber nie verlassen. In einer TV-Sendung wird berichtet, dass japanische Kinder von nordkoreanischen Militärs entführt wurden und sich der sozialistische Staat dafür entschuldigt hat. Dadurch gewinnt Jenna neue Hoffnung und sie lässt sich von der CIA als Agentin anwerben. Die Ausbildung ist sehr hart, so manches Mal denkt, Jenna daran aufzugeben.

Drei unterschiedliche Menschen sind die Hauptpersonen in diesem interessanten Roman. Zum einen die amerikanisch geprägte Wissenschaftlerin Dr. Jenna Williams, die sich nach ihrer verschollenen Zwillingsschwester verzehrt. Als nächstes der nordkoreanische Parteikader Cho, der obwohl als Kind adoptiert, eine herausragende Karriere im Staatsapparat hingelegt hat. Und schließlich Moon, eine einfache Frau, aus dem Norden Nordkoreas, die Händlerin werden möchte.
Da die Nordkoreanische Staatsgrenze fast wie eine Mauer wirkt, hinter die kaum jemand blicken kann, sind die Machenschaften der herrschenden Klasse schier unglaublich, auch wenn der Autor im Nachwort durchaus glaubhafte Quellen als Hintergrund für seine Romanhandlung anführt. Mit einer eher freiheitlich demokratisch geprägten Erziehung fällt es doch sehr schwer, sich in dieses krude System hineinzuversetzen. Mit Hilfe der spannenden Geschichte der Zwillingsschwestern Williams bekommt man zwar einen kleinen Einblick in das raue Leben der Nordkoreanischen Bevölkerung, richtig vorstellen kann man es sich aber nicht.

Perfide, mit welch ausgeklügelten Plan die Nordkoreaner klein gehalten werden, immer glaubend, dass ihr liebenswerter Vorsitzender der einzig Wahre ist und dass es gilt, danach zu streben ihm zu dienen. Die Unternehmungen der CIA beeindruckend dagegen mit ihrer plumpen Direktheit, auch wenn Dr. Jenna Williams als hochintelligent beschrieben wird. Die Beschreibung des Nordkoreanischen Überwachungs- und Desinformationsstaates ist bemerkenswert und beklemmend. Auch wenn die Landschaften Nordkoreas durch ursprüngliche Schönheit bestechen, hat man nach der Lektüre nicht den Eindruck, dass sich das Land als Urlaubsziel empfiehlt.