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Veröffentlicht am 25.05.2018

Ein ruhiges Rentnerleben

Ein Gentleman in Arles – Mörderische Machenschaften
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Den ehemaligen Geschäftsmann Peter Smith hat es nach Südfrankreich verschlagen. Mit seinem Hund Arthur, der sich nach seiner Zeit als Rennhund ebenfalls im Ruhestand befindet, lebt er im schönen Arles. ...

Den ehemaligen Geschäftsmann Peter Smith hat es nach Südfrankreich verschlagen. Mit seinem Hund Arthur, der sich nach seiner Zeit als Rennhund ebenfalls im Ruhestand befindet, lebt er im schönen Arles. Eines Abends begibt er sich in die Arena und findet sich plötzlich unter einer Leiche begraben wieder. Kurz nachdem er sich mühsam etwas aufgerappelt hat, ist schon die Polizei vor Ort und lässt ihn in das Krankenhaus am Ort bleiben. Es stellt sich heraus, dass Smith nichts weiter passiert ist, er soll sich nur ein wenig schonen. Eine Befragung durch einen Kommissar erscheint ihm zwar reichlich eigenartig, doch Peter Smith nimmt es einfach mal so hin. Erst als er wieder daheim angekommen ist, beginnt er zu überlegen, ob er sich der Sache genauer widmen soll. Als ihn die Witwe des Toten aufsucht, bestärkt sich dieser Gedanke noch.

Über den Autor dieses ersten Bandes einer soweit bekannt bisher dreiteiligen Reihe um Peter Smith ist auf die Schnelle nicht viel herauszufinden. Fast scheint Peter Smith ein alter ego des Schriftstellers zu sein, auch wenn dieser nicht mit einer ähnlichen Vergangenheit wie seine Erfindung. Smith, der froh ist, seine Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben, wird neugierig, nachdem die Witwe - eine sehr attraktive Witwe - ihn gebeten hat, alles über den Todesfall herauszufinden. Es muss mehr dahinterstecken. Und wieso ermittelt die Polizei nur so lax? Mit Peter Smiths ruhigem Rentnerdasein ist es jedenfalls erstmal vorbei.

Eine interessante Idee ist dem Autor gekommen. Ein Pensionär läuft bei der unkonventionellen Ermittlung in einem Todesfall zu Höchstform auf, deckt nebenbei die Hintergründe weiterer Taten auf und unternimmt mit seinem liebenswerten Hund Arthur ausgiebige Spaziergänge, während derer dem Leser Land und Leute näherkommen. Allerdings geraten die beschreibenden Passagen manchmal etwas zu lang und die Erklärungen hinsichtlich der Anwendung von Computern für den Laien etwas schwer zu verstehen. Dennoch entwickelt sich die Geschichte spannend und unvorhersehbar. Insbesondere wie Smith sich mit seinen Einstellungen von einem konventionellen Detektiv abhebt ist sehr originell. Erfreulich ist auch, dass sich ein renommierter Verlag dieses bisher unbekannten Autors annimmt. Für Freunde der Provence und ungewöhnlicher Ermittler kann dieser Roman eine kleine Entdeckung darstellen.

Veröffentlicht am 21.05.2018

Ermittlungsurlaub

Tödliche Provence (Hannah Richter 2)
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Zum zweiten Mal kommt die Kommissarin Hannah Richter für einen längeren Aufenthalt in die Provence. Diesmal soll es ein Urlaub werden, ausgiebige Treffen mit ihren Freundinnen Penelope und Emma und in ...

Zum zweiten Mal kommt die Kommissarin Hannah Richter für einen längeren Aufenthalt in die Provence. Diesmal soll es ein Urlaub werden, ausgiebige Treffen mit ihren Freundinnen Penelope und Emma und in ein paar Tagen kommt ihr Lebensgefährte Serge aus Paris. Als Penelope sie bittet, sie bei einer Einladung ihres Nachbarn zu vertreten, nimmt Hannah gerne an. Umso entsetzter ist Hannah als sie ebenjenen älteren Herrn tot an der Treppe auffindet. Noch während sie bei der Polizei anruft, gönnt sich Hannah einen kurzen Gang durchs Haus. Dabei stellt sie fest, dass das Arbeitszimmer im Vergleich zum sehr ordentlichen restlichen Räumen beinahe verwüstet wird.

Ihre Freundin Emma, die sich inzwischen an den Ort versetzen ließ, ist zunächst unschlüssig, ob es sich um einen Unfall gehandelt haben könnte, schließlich war der Verstorbene nicht mehr jung und da kann so ein Sturz schon mal vorkommen. Das hat den Vorteil, dass die Untersuchung nicht an die vorgesetzte Behörde abgegeben werden muss. So sind Emma und Hannah in ihrem Element und ermitteln gemeinsam. Zwar könnte Hannah sich unter einem Urlaub auch etwas anderes vorstellen als ermitteln in schöner Umgebung, doch hat sie einige Ungereimtheiten entdeckt, denen sie auf den Grund gehen möchte.

Der zweite Auftritt von Hannah Richter findet also unter etwas anderen Vorzeichen statt, nahm sie beim ersten Mal an einem Austauschprogramm für Polizisten teil, ist sie nun in ihrer Freizeit in Frankreich. Da Emma die Zusammenarbeit aber sehr zu schätzen weiß, verschafft sie Hannah einen temporären Titel, unter dem sie auftreten darf. Und so können die Freundinnen loslegen. Zunächst ergeben sich eher trockene Befragungen der recht umfangreichen Familie des alten Mannes. Denen ist jedoch aufmerksam zu lauschen, denn auch kleine Hinweise können eine Spur ergeben. Zwischendurch gelingt es Hannah einige Sehenswürdigkeiten der Provence aufzusuchen und manchmal auch nur die Landschaft zu genießen.

Nach und nach ergibt sich ein spannender Fall, eine Familiengeschichte, die es in sich hat. Die Spielchen auf dem Kommissariat, denen Emma ausgesetzt ist, Hannahs Überlegungen, ob ihr Beruf noch der Richtige für sie ist, tun ein Übriges dazu bei, die Lektüre interessant zu gestalten. Sehr authentisch wirkt dabei, dass Hannah feststellt, auch im Urlaubsparadies gibt es einen Alltag und mal graue Wolken und Regen. Lebensnah, klug und doch mit einem gewissen Urlaubsflair bietet dieser Provence-Krimi ein fesselndes Leseerlebnis.

Veröffentlicht am 20.05.2018

Drei Etagen

Über uns
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Verschiedene Parteien leben in einem Mietshaus, da sind zum Bespiel Arnon und Ayelet, die nach der Geburt der Kinder auch mal wieder Zeit für sich brauchen, Chani, deren Mann so oft unterwegs ist, dass ...

Verschiedene Parteien leben in einem Mietshaus, da sind zum Bespiel Arnon und Ayelet, die nach der Geburt der Kinder auch mal wieder Zeit für sich brauchen, Chani, deren Mann so oft unterwegs ist, dass sie schon die Witwe genannt wird, und Dvorah, deren Mann tatsächlich verstorben ist. Während Arnon und Ayelet ihre Tochter gerne mal für ein paar Stunden bei den Nachbarn gegenüber parken, glaubt Chani, sie sei dabei sich selbst zu verlieren. Dvorah dagegen hat schon alles verloren, vielleicht hat sie eine Chance, sich neu zu erfinden. Ein Haus - drei Etagen, Nachbarn, die man grüßt, von denen man allerdings kaum weiß, wie es hinter verschlossenen Türen aussieht.

Auf verschiedene Arten erzählen die Bewohner von ihrem Leben, Leben, die anders verlaufen als man beim Anblick des einfachen, zeitlosen Miethauses vermuten würde. Ehen, die nach außen glücklich scheinen, erweisen sich als schwierig oder schon vergangen. Da werden Nachbarn zur Kinderbetreuung herangezogen und nicht bezahlt. Da erweisen sich verloren geglaubte Brüder als Gefahr für das eigene Denken, da könnte man den Eindruck bekommen, es bestehe auch nach dem Tod eines Ehegatten noch die Möglichkeit, sich von diesem zu trennen. Eshkol Nevo überrascht mit seinen Ideen der Darstellung.

Vielleicht würde man sich einen gewissen Zusammenhalt oder Zusammenhang zwischen den Geschichten wünschen, mehr als das sehr lockere Gerüst, das der Autor gewählt hat. Dennoch ist jede der Erzählungen über die Hausbewohner auf ihre Art spannend. So wie man in den Etagen aufsteigt, so steigert sich nach meinem Empfinden auch die Qualität der Geschichten. Gemeinsam ist ihnen allerdings, dass man hinter die schöne Fassade blicken darf und nicht immer eitel Sonnenschein zu sehen bekommt. Wobei die erste Etage mit dem selbstmitleidigen Arnon eher unangenehm wirkt, während die zweite einen schon fast hoffnungsvoll stimmt und die dritte einem Mut macht, dass es auch spät noch Aufbrüche zu neuen Ufern geben kann.

Die schöne Sprache, die der Autor beziehungsweise sein Übersetzer Markus Lemke verwendet, macht die Lektüre zu einem Genuss, der größer wird je weiter man die Treppe nach oben steigt.

Veröffentlicht am 19.05.2018

Die Wahrheit über Richard

The Wife Between Us
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Drei Frauennamen - drei unterschiedliche Wege. Nellie ist jung und Richard scheint ihr Prinz zu sein, reich, verliebt, zuvorkommend, fürsorglich. Vanessa dagegen, etwas älter, von ihr hat sich Richard ...

Drei Frauennamen - drei unterschiedliche Wege. Nellie ist jung und Richard scheint ihr Prinz zu sein, reich, verliebt, zuvorkommend, fürsorglich. Vanessa dagegen, etwas älter, von ihr hat sich Richard getrennt, sie hat die Trennung nicht verwunden und fällt in eine Depression, die es ihr fast unmöglich macht den Alltag zu bewältigen. Emma dagegen strahlt, sie ist selbstbewusst, sie ist die neue Braut von Richard. Vanessa glaubt, sie müsse Emma vor Richard retten. Sie versucht in Kontakt mit Emma zu treten, um sie zu warnen. Doch welches junge Glück will schon eine Warnung erhalten.

Das Autorenduo Greer Hendricks und Sarah Pekkanen gibt den Lesern einige Nüsse zu knacken. Wie können Vanessa und Nellie nur so unterschiedliche Ansichten über ein und denselben Mann äußern. Legt Richard den Frauen gegenüber tatsächlich so unterschiedliche Verhaltensweisen an den Tag. Was für ein Mensch ist Richard, er scheint doch ein liebevoller Ehemann zu sein. Haben er und seine Frau sich vielleicht nur auseinander gelebt, das kommt schließlich in den besten Familien vor. Doch wieso tut sich Vanessa so schwer mit der Trennung und wieso will sie ihre Nachfolgerin warnen.

In ruhiger Erzählweise beginnt das Buch, die handelnden Personen werden eingehend in ihren jeweiligen Lebenssituationen dargestellt. Man beginnt sich Gedanken zu machen, wie die Lage zustande kam. Ist Vanessa vielleicht doch selbst schuld, schließlich war sie diejenige, die Kleinigkeiten durcheinander brachte, die Schwierigkeiten hatte ein Kind zu empfangen, die gerne ein Gläschen Wein trank. Doch mit einigen echten Kehrtwendungen verstehen es die Autorinnen zu überraschen. Da ist bis zur letzten Seite kaum etwas wie man zu Anfang meint. Die Schlüsse, die man gezogen hat, muss man noch einmal gründlich überdenken. Schließlich kennt man die Geschichte von Nellie, Vanessa und Emma und man ist überzeugt, dass die Frauen ihren Weg gehen werden. Richard ist zwar auch nicht so geboren, das Schicksal hat ihn so gemacht. Dennoch ist die Lösung, die für ihn gefunden wurde, eine logische. Wie in Schüben wird mit subtilen Andeutungen langsam die Spannung erhöht, so dass man am Ende die kleinen Längen vom Beginn schnell vergessen hat. Nachdem die letzte Seite umgeblättert ist, ist noch lange nicht der letzte Gedanke über die Handlung gedacht.

Veröffentlicht am 16.05.2018

Beaver süß-sauer

Eiskalter Hund
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Eigentlich wäre er, der Fellinger, bei der Polizei ja viel besser aufgehoben gewesen mit seinem Kombinationstalent. Doch irgendwie waren die anderer Meinung und so hat es nur zum Lebensmittelkontrolleur ...

Eigentlich wäre er, der Fellinger, bei der Polizei ja viel besser aufgehoben gewesen mit seinem Kombinationstalent. Doch irgendwie waren die anderer Meinung und so hat es nur zum Lebensmittelkontrolleur beim Gewerbeaufsichtsamt gereicht. Immerhin, auch da gilt es den Bakterien auf die Spur zu kommen. Zum Beispiel im China-Restaurant, das missgünstige Anrufer angezeigt haben. Eigentlich gibt es dort nichts zu beanstanden, außer dieser Hundeleiche im Kühlhaus. Das Fleisch in den Verkehr zu bringen, ist verboten. Allerdings hat er gerade keine Möglichkeit, das Opfer abzutransportieren. Und woher stammt das Tier eigentlich? Überfahren, vor den Augen eines Verwandten des Wirts, so ein Zufall.

Und der Fellinger trauert der Zukunft hinterher, die nun schon Vergangenheit ist. Doch hier kann er seine Spürnase einsetzen. Wie kam der tote Hund, seines Fells beraubt, in dieses Kühlhaus? Einem Unfall zum Opfer gefallen. Aber vermisst dann nicht der Besitzer das geliebte Haustier? Fellinger findet heraus, dass die Besitzerin verreist sein soll, am Urlaubsort jedoch nicht angekommen ist. Außerdem ist sie nach dem Tod ihres Mannes zu Geld gekommen und es stehen verschieden Leute in der Warteschleife, um möglicherweise im Testament bedacht werden zu können. Sehr verdächtig, wahrscheinlich weilt die gute Helga bereits nicht mehr unter den Lebenden und der Hund war ein Zeuge, der beseitigt werden musste.

Unzufrieden mit sich und seinem Beruf grummelt der Fellinger vor sich hin. Wenn es jedoch was zu erforschen gibt, läuft er zu Höchstform auf. Seiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Köstlich, wenn er sich die tollsten logischen Ketten aufreiht, um dann von seinem Gegenüber mit einem Wort ausgebremst zu werden und seine Gedanken einer erneuten Überprüfung zu unterwerfen. Wozu die Entdeckung einer vermeintlich harmlosen Hundeleiche doch führen kann. Am Fellinger ist wenn wegen geringfügiger körperlicher Beeinträchtigungen schon nicht für den Polizeidienst geeignet ist, so ist an ihm wenigstens ein Detektiv verloren gegangen. Ein Detektiv mit dem man sich wahrhaft amüsieren kann.

Ein humoriger Kriminalroman aus dem bayrischen Wald wird mit dem richtigen Timbre vorgetragen von Michaeil Schwarzmeier. Als Beginn einer Reihe sehr gelungen.