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Veröffentlicht am 09.08.2025

Das bessere Leben

Im Leben nebenan 
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Toni und Jakob haben beschlossen, sich ein Kind zu wünschen. Doch leider klappt es nicht so wie gedacht und so langsam wird es etwas stressig. Als Antonia dann eines Morgens in einer ganz anderen Umgebung ...

Toni und Jakob haben beschlossen, sich ein Kind zu wünschen. Doch leider klappt es nicht so wie gedacht und so langsam wird es etwas stressig. Als Antonia dann eines Morgens in einer ganz anderen Umgebung aufwacht, kann sie es kaum fassen. Auf einmal ist da ein Kind und eine vermeintlich heile Welt. Und die Menschen um sie herum tun so als wäre alles richtig so. Sie ist wieder an dem Ort, von dem aus sie in die Welt gestartet ist, mit dem Mann, mit dem die Beziehung in der Jugend nicht geklappt hat, mit einer Schwiegermutter, die sehr, sehr hilfreich ist.

Was wäre wenn Toni plötzlich als Antonia aufwacht? Toni möchte ein Kind und der Wunsch wird ihr von der Natur nicht erfüllt. Antonia hat ein Kind und weiß nicht so richtig wie sie daran gekommen ist. Ihr ganzes Leben ist ihr in dieser Spießigkeit fremd und unheimlich. Und doch ist sie mit Adam verheiratet (verheiratet?), mit dem sie früher eigentlich gerne über den Tellerrand der Heimat geblickt hätte. Wäre es so geworden, wenn sie die Entscheidung zu gehen und zu studieren nicht getroffen hätte? Und welches wäre das bessere Leben? Gibt es überhaupt ein besseres Leben?

Ein Leben, dass zwei sehr unterschiedliche Wendungen hätte nehmen können. Was für ein Gedankenspiel. In keinem Leben ist alles leicht oder läuft wie geschmiert. Und so ist jedes Leben irgendwie normal. In jedem Leben würde man eine Entwicklung durchmachen oder erleben, je nachdem wie man auf sein Leben blickt. In jedem Leben würde es Veränderungen geben. Und so regt dieser Roman auf unterhaltsame Weise zum Nachdenken an. Was wäre gewesen, wenn man sich selbst anders entschieden hätte? Oder andere Chancen wahrgenommen hätte? Bereut man etwas oder findet man in jedem Leben eine gewisse Zufriedenheit? Auch wenn man eine Erklärung vermisst, gewinnt man so wohl Toni als auch Antonia lieb und hofft, dass sie in ihren Leben Freude und Zufriedenheit findet.

Die Lesung von Chantal Busse unterstützt Tonis und Antonias Charakter, so dass man ihr gerne und gebannt durch das Buch folgt. Das Cover erregt Aufmerksamkeit und fängt den Blick.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Die Entscheidung

Beduinenmilch
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Kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag reist Talia im Jahr 2014 von Berlin nach Israel zu ihrer Großmutter. Der Großvater ist vor einiger Zeit verstorben und Talia, die sehr zu ihrem Opa aufgeblickt hat, ...

Kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag reist Talia im Jahr 2014 von Berlin nach Israel zu ihrer Großmutter. Der Großvater ist vor einiger Zeit verstorben und Talia, die sehr zu ihrem Opa aufgeblickt hat, empfindet den Verlust. Ihr Großvater stammte aus Deutschland und ist von seinen Eltern vor dem Holocaust gerettet worden. Er ist Talias großes Vorbild. Mit ihrem zweiten deutschen Pass ist die junge Frau eigentlich vom Militärdienst befreit. Doch sie hat es sich genau überlegt. Sie verbringt ihren Geburtstag in Israel und sie wird sich einziehen lassen. Ihr Staat muss verteidigt und geschützt werden und sie wird ihr Teil dazu beitragen.

Mit glücklichen Tagen, Feiern und Wiedersehen mit Familienmitgliedern beginnt Talias Urlaub. Sie freut sich mit ihren Verwandten und Freunden, es gibt so viel zu besprechen. Wie sie ihren Eltern in Deutschland das mit dem geplanten Militärdienst beibringen soll, weiß sie noch nicht. Nur Noa weiß Bescheid, die wahrscheinlich zur selben Zeit eingezogen wird. Die beiden jungen Frauen sind so gespannt und voller Vorfreude. Erste Risse bekommt das schön ausgemalte Bild der Zukunft als Talia die Baustelle in der Nähe des Hauses ihrer Großmutter bemerkt. Dort arbeiten Illegale. Es sind Araber, die nicht die Erlaubnis haben einzureisen, als billige Arbeitskräfte unter der Hand aber auf gewisse Weise willkommen sind.

Die Autorin selbst ist Deutsch-Israelin und kenntnisreich schreibt sie von einer jungen Frau, die in zwei Welten zu Hause sein könnte. Für Leser, die keine entsprechenden Kenntnisse besitzen, ist dieser Roman eine echte Bereicherung. Man bekommt einen Einblick in das Leben einer jungen Frau, die sich entscheiden will Israelin zu sein, mit allem, was dazu gehört. Man erlebt mit wie ihr Enthusiasmus Brüche erfährt. Denn sie muss feststellen, auch Israel ist kein idealer Staat. Es ist ein Staat, der das Recht hat zu bestehen, der aber auch anderen ihre Rechte eigentlich nicht absprechen kann. Auch ein naher Einblick in die Gründung des Staates Israel wird gegeben. Man erlebt hautnah mit, wie die Menschen an ihrem Staat leiden, aber auch sehr stolz sind, diesen Staat zu haben. Dieser Roman lässt sich nicht ganz leicht lesen, weil sehr authentisch und eindringlich berichtet wird, doch er beeindruckt und berührt mit seiner jungen Heldin, die lernt eigene Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.

Veröffentlicht am 05.08.2025

Urlaub für Peter

Die Meerjungfrauen von Aberdeen (Die Flüsse-von-London-Reihe (Peter Grant) 10)
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Die Zwillinge von Peter Grant und Beverly sind auch schon zwei Jahre alt. Nicht, dass man meint, Zweijährige hüten wäre einfach. Und so kommt es, dass sich, als ein Schaf in Schottland tot aufgefunden ...

Die Zwillinge von Peter Grant und Beverly sind auch schon zwei Jahre alt. Nicht, dass man meint, Zweijährige hüten wäre einfach. Und so kommt es, dass sich, als ein Schaf in Schottland tot aufgefunden wird, die ganze Familie auf den Weg nach Norden macht. Wegen der seltsamen Umstände erachtet Chief Inspector Thomas Nightingale es für notwendig, dass seine Einheit der in gewisser Weise Übernatürlichen ermittelt. Was für Abenteuer auf den nun schon erfahreneren Zauberlehrling Peter Grant warten, wird sich zeigen. Das es mit seiner nicht mehr ganz kleinen Familie und Anhang aus Eltern und Teammitgliedern turbulent werden wird, versteht sich fast von selbst.

Nun schon zum zehnten Mal bekommt es Peter Grant mit Ereignissen übernatürlichen Ursprungs zu tun. Dass ihn dies in die schottische Hafenstadt Aberdeen führt, lässt tatsächlich den Gedanken aufkommen, dass sich Urlaub und Arbeit auch mal vermischen können. Zumindest kommen Beverly und die Kinder mal raus. Nicht nur Vergnügen bereitet die Sache mit dem toten Schaf, hinter der doch mehr steckt als zunächst angenommen. Sogar im kühlen Norden haben die Wasserwesen etwas zu sagen. Und Beverly ist weit weg von ihrem heimatlichen Fluss.

Dieses Hörbuch wird sehr ansprechend vorgetragen von Sarah Dorsel und Dietmar Wunder. Wenn man die Reihe bisher in gedruckter Form genossen hat, könnte es möglicherweise einer kleinen Gewöhnungsphase bedürfen. Die Anpassung ist aber schnell geschafft.

Der Wechsel der Szenerie gibt der Handlung nicht nur durch die Wahl des Ortes eine gewisse Frische. Schön ist auch die Entwicklung von Peter und Beverly, die sich als Eltern gut eingelebt haben, obwohl ihre quirligen Zwillinge sie ganz schön auf Trab halten. Manchmal wirkt Peter vielleicht etwas abgelenkt, aber wenn es heikel wird bei den Untersuchungen, ist er voll gespannter Aufmerksamkeit. Außerdem sind die Unterschiede zu schottischen Art der Polizeiarbeit kein Hindernis, um mit den Kollegen gut klarzukommen. Es ist spannend zu hören, was Peter und seine Kollegen herausfinden und wie er dabei noch seine Rasselbande im Zaum hält.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Ramons Schublade

Vermisst - Der Fall Anna
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Kommissarin Malou Löwenberg übernimmt den Schreibtisch ihres verstorbenen Kollegen Ramon. In einer Schublade entdeckt sie Aufzeichnungen zu mehreren Cold Cases. Malou will diese nicht einfach wegpacken ...

Kommissarin Malou Löwenberg übernimmt den Schreibtisch ihres verstorbenen Kollegen Ramon. In einer Schublade entdeckt sie Aufzeichnungen zu mehreren Cold Cases. Malou will diese nicht einfach wegpacken und entdeckt einen Vermisstenfall, in dem es vielleicht noch einen Ansatz gibt. Privat lernt sie über eine Dating-App Dario kennen, dessen Mutter verschwand als er fünf Jahre alt war. Eigentlich sollte das eine einmalige Sache bleiben. Jedoch weist die Geschichte seiner Mutter einige Parallelen zu dem anderen Fall auf. Hinzu kommt, dass Malou wegen einer etwas unglücklichen Pressenotiz ein paar Tage frei hat. Zwei verschwundene Frauen, junge Mütter, keiner kann doch etwas dagegen haben, wenn Cold Cases doch noch eine Auflösung erfahren.

In diesem ersten Teil um die Fälle von vermissten Personen, um die Malou Löwenberg sich kümmert, findet Malou die Akten und Notizen zu Fällen, die Ramon sich noch einmal vornehmen wollte. Dass ihre Bekanntschaft Dario von ähnlichen Ereignissen berichtet, ist schon ein Zufall. Doch natürlich ist Malou dadurch umso überzeugter, dass sie das Schicksal der verschwundenen Frauen unbedingt klären will. Zumindest will sie ihr Möglichstes unternehmen, schließlich bleiben immer Familien, die mit der Unsicherheit leben müssen, nicht zu wissen, was mit ihren Lieben geschehen ist. Ihr Chef allerdings ist nicht immer Malous Meinung und deshalb beginnt Malou zu zweifeln, ob der Job als Polizistin noch das Richtige für sie ist.

Mit dem Start ihrer neuen Reihe um die Ermittlerin Malou Löwenberg bleibt die Autorin zwar schon in vertrauten Gefilden, betritt aber doch Neuland. Meist in ihrer Freizeit sucht Malou nach Spuren, hartnäckig geht sie jedem Hinweis nach. Das Schicksal der Menschen geht ihr nahe, weil es sie auch an ihre eigene Herkunft erinnert. Das ist spannend zu lesen, auch wenn der Zusammenhang, der in Malous Privatleben reicht, vielleicht als etwas zu stark empfunden werden kann. Das Rätsel um die vermissten Frauen ist fesselnd komponiert und wie häufig bei der Autorin, findet sich die Idee in wahren Ereignissen. Aus diesem Ansatz wird eine Geschichte, die man einmal begonnen kaum noch beiseite legen kann.

Veröffentlicht am 26.07.2025

Opa Dom

Die Akte Schneeweiß
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Im Jahr 1963 :Katja liebt ihren Opa Dom, einen einfachen Bahnwärter. Und doch, er ist es, der Verständnis für ihren Wunsch Ärztin zu werden hat. Auf ihn setzt Katja ihre Hoffnungen, denn von ihren Eltern ...

Im Jahr 1963 :Katja liebt ihren Opa Dom, einen einfachen Bahnwärter. Und doch, er ist es, der Verständnis für ihren Wunsch Ärztin zu werden hat. Auf ihn setzt Katja ihre Hoffnungen, denn von ihren Eltern hat sie nicht viel Unterstützung zu erwarten. Sie wird schließlich heiraten und Kinder kriegen, da braucht sie weder Abitur noch Studium. Plötzlich jedoch ist Opa Dom verschwunden. Katja und ihre jüngere Schwester Heidi vermissen ihren Opa. Wenn sie die Eltern oder Oma Käthe nach ihm fragen, bekommen sie nur abweisende Antworten. Beinahe als hätte es ihn nie gegeben. In den nächsten Jahren entdeckt Katja ihre Familiengeschichte, die ganz anders ist.

Mathilde war Opas jüngere Schwester. Elf Jahre waren sie auseinander. Ihre jungen Erwachsenenjahre mussten sie im Nazi-Reich verbringen. Auch damals arbeitete Opa Dom, der eigentlich Rudolf heißt, schon bei der Bahn. Die Eltern waren tot und er verheiratet. Mathilde musste früh in Stellung gehen. Als Dienstmädchen arbeitete sie erst in einer Drogerie und dann bei einem Arzt. Besonders wichtig war es für sie nicht aufzufallen. Doch ließ sich das in einer Zeit der Denunzianten überhaupt immer vermeiden? Katja hat Mathilde nie gekannt und doch fühlt sie eine Berufung, anderen Menschen zu helfen und Schaden abzuwenden.

In diesem zeitgeschichtlichen Roman beschreibt die Autorin, wie die Nazis auch in Bielefeld hausten. Widerstand war fast unmöglich und wenn einige Menschen versuchten menschlich zu bleiben, konnte das ihr eigenes Leben kosten. Und in den 1960gern? Beinahe als wäre nie etwas geschehen. Es ist kaum zu fassen, da tauchen in den Chefetagen Personen auf, die man im hinterletzten Kerker wähnte. Katja ist so eine starke Frau, sie will eben Ärztin werden. Egal ob es den Eltern gefällt. Und wenn sie es alleine bringen muss, dann wird es eben so sein. Katja und Mathilde sind zwei tolle Frauen, stark zu ihren Einstellungen stehend in unterschiedlichen Zeiten und doch verbunden. Manchmal erschüttern einen die Ereignisse, die in diesem Roman geschildert werden. Man hört das Schweigen, dass die älteren Lesenden vielleicht noch kennen. Dann wieder spürt man, dass die Generation der Kinder etwas ändern möchte. Eine Hoffnung entsteht, von der man befürchtet, dass sie aufgebraucht sein könnte.