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Veröffentlicht am 20.02.2026

Gedichte, die wiederkommen

Zugwind
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Sie hat die Ukraine schon vor Jahren verlassen und sich mit ihrer Familie in Deutschland als Ärztin eingerichtet. Doch als Russland ihr Heimatland die Ukraine überfällt, ändert sich für Mira Zehmann alles. ...

Sie hat die Ukraine schon vor Jahren verlassen und sich mit ihrer Familie in Deutschland als Ärztin eingerichtet. Doch als Russland ihr Heimatland die Ukraine überfällt, ändert sich für Mira Zehmann alles. Es kommt ihr vor als wehe ein Zugwind. Natürlich will sie ihren Landsleuten helfen. Sie versucht, Wohnungen zu finden, Spenden zu organisieren und jede Form von Hilfe zu geben. Sie beginnt in einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten, in die bald viele ukrainische Flüchtlinge kommen. Mira ist die, die die Probleme der Menschen am ehesten versteht. Wer aber versteht Mira. Ihr Mann scheint nicht in jedem Moment der Richtige zu sein.

Eine junge Frau erlebt in Deutschland den Beginn des Krieges in der Ukraine. Ein Land, das sie vor etlichen Jahren verlassen hat, in dem Wissen, dass sie jederzeit zurückkann. Und nun? Sie fühlt sich schuldig, weil sie in Deutschland ist und nicht in der unmittelbaren Gefahrenzone. Sie will helfen und manchmal wird es ihr doch zu viel. Die Patienten, deren Geschichten sich wiederholen und die ihr manchmal zu viel werden. Dann muss sie mal raus, wieder Kraft sammeln. Zumindest besuchen will sie den Teil der Familie, der in Odessa lebt, besuchen, sich versichern, dass es allen gutgeht.

Dieser berührende Roman zeigt an dem Beispiel der jungen Ärztin Mira Zehmann, die sich als Poetin versteht, wie der Beginn des Krieges ihr Leben verändert und beeinflusst. Auch wenn sie in Deutschland in Sicherheit ist, fühlt sie das Brausen des Krieges. Ihr Wunsch ist es, etwas zu tun. Selbstlos hilft sie und doch merkt sie, dass es sie überfordern kann. So ganz kann man sich nicht in die Lage der jungen Frau hineinversetzen, auch wenn man das Entsetzen bei der Nachricht von dem Einmarsch der Russen noch gut erinnern kann. Wie muss es dann erst für Menschen sein, die sich von einer Sekunde auf die andere große Sorgen um ihre Lieben machen müssen. Die Schicksale der bedrücken beim Lesen, auch wenn sie sich ähneln. Ein wenig fühlt man sich selbst niedergeschlagen. Doch wie Mira trotz der schlimmen Ereignisse zu ihrer Stärke zurückfindet, ist beeindruckt sehr.

Das Cover wirkt zunächst eher zurückhaltend, wenn man es jedoch näher betrachtet, entdeckt man, dass immer mit einem Blümchen Hoffnung zu rechnen ist.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Nicht schweigen

Geheimname Eisvogel
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Ihre Eltern sehen keinen Ausweg mehr. Im Jahr 1942 schicken sie ihre Töchter Hannie und Mila nach Amsterdam. Dort ist eine Familie bereit, sie beiden aufzunehmen. Sie müssen ihr vorheriges Leben vergessen. ...

Ihre Eltern sehen keinen Ausweg mehr. Im Jahr 1942 schicken sie ihre Töchter Hannie und Mila nach Amsterdam. Dort ist eine Familie bereit, sie beiden aufzunehmen. Sie müssen ihr vorheriges Leben vergessen. Vor allem dürfen sie niemandem sagen, dass sie Jüdinnen sind. Das würde sie in größte Gefahr bringen. Zunächst wagen beide es kaum, selbstbewusst aufzutreten. Bei jeder Begegnung fürchtet besonders Mila, sie könnten aufgeflogen sein. Hannie, die ein paar Jahre älter ist als die zwölfjährige Mila, will nicht alles einfach so hinnehmen. Sie schafft es, sich dem niederländischen Widerstand anzuschließen. Sie überzeugt mit ihrer Jugend und der daraus resultierenden Unauffälligkeit.

Zwischen der Gegenwart, in der Liv für eine Aufgabe in der Schule nach der Geschichte ihrer Vorfahren suchen muss, und der Vergangenheit, in der die Juden und Jüdinnen jeden einzelnen Tag um ihr Überleben kämpfen müssen, wechselt die Handlung. Zwar hat auch Liv Probleme durchzustehen, die sie sehr belasten. Auch weil sie mit ihrem Schulprojekt nicht so richtig vorankommt. Doch dann findet sie im Haus ihrer Großmutter einen Zettel, der sie auf eine Spur bringt. Hannie und Mila müssen immer unter der Bedrohung leben, dass sie entdeckt werden könnten. Die Besetzung Hollands durch die Nazis prägt den Alltag.

Dieses Hörbuch wird für Kinder ab elf Jahren empfohlen, aber auch für Erwachsene ist es ausgesprochen spannend. Wie Mila und Hannie versuchen unauffällig zu bleiben, um zu überleben, ist packend zu hören. Man spürt die Dramatik und man wünscht den Mädchen, dass sich für sie alles zum Guten wendet, wenn man auch aus der Geschichte weiß, dass leider viele der Nazi-Schergen und ihren Helfern zum Opfer gefallen sind. Man kann ihre Furcht spüren und gleichzeitig den Willen zu überleben. Ebenso fesselnd sind die Erfahrungen, die Liv in der Gegenwart macht. Sie beginnt, ihre älter werdende Großmutter zu begleiten, ihr näher zu kommen. Und die wie sie die Probleme in der Schule bewältigt, das erfordert Mut. Mut wünscht man allen jungen Menschen, die für etwas Positives einstehen. Für die einzelnen Personen wurden sehr gut passende Sprecher ausgesucht, die ihren Protagonisten Leben einhauchen. Es sind: Inka Löwendorf, Natalia Belitzki, Simona Pahl und Benito Bause.

Ein berührendes und mitreißendes Hörbuch für junge Menschen, für das sich auch Erwachsene begeistern können. Klasse.

Veröffentlicht am 15.02.2026

Albus Potter

Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei (Deutsche Bühnenfassung) (Harry Potter)
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Harry Potter kann es kaum glauben, jetzt ist er schon 37 Jahre und sein zweiter Sohn Albus kommt endlich nach Hogwarts. Albus jedoch ist nicht so begeistert, auf die Schule zu kommen. Und dann kommt er ...

Harry Potter kann es kaum glauben, jetzt ist er schon 37 Jahre und sein zweiter Sohn Albus kommt endlich nach Hogwarts. Albus jedoch ist nicht so begeistert, auf die Schule zu kommen. Und dann kommt er auch noch zum Haus Slytherin. Wenigstens einen Freund findet er in Scorpius Malfoy. Die Jahre gehen ins Land und das Verhältnis zwischen Harry und Albus bessert sich nicht und auch sein Stand in Hogwarts hat noch Luft nach oben. Da erhält Harry Potter eine besorgniserregende Nachricht. Er muss das sofort mit Hermine besprechen, die ihre Stellung als Zauberministerin bestens ausfüllt.

Im achten Band aus dem Harry Potter Universum kann man den großen Zauberer nochmal neu kennenlernen. Er ist erwachsen geworden, verheiratet mit Ginny, Familienvater. Trotzdem ist er noch Harry Potter, ein Teamplayer, manchmal sogar etwas unsicher. Gerade mit seinem Sohn Albus hat er Probleme. Der Junge sollte sich doch auf seine Zeit in Hogwarts freuen. Und dann landet er ausgerechnet in Haus Slytherin gemeinsam mit Scorpius Malfoy. Harry macht sich Sorgen und kann sich seinem Sohn doch nicht öffnen. Was für ein Abenteuer Albus und Scorpius im vierten Jahr zu bestehen haben, ist schon sehr aufwühlend.

Gerne wollte man mehr von Harry Potter erfahren, aber wie soll das gehen, wenn die Schule abgeschlossen und die große Schlacht geschlagen ist. Mit dieser zeitlichen Lücke von fast zwanzig Jahren in Harrys Leben war wohl nicht zu rechnen. Dennoch fügt sich dieser Band, der einen Theatertext darstellt, sehr gut in die Reihe ein. Denn es gibt noch was zu erzählen. Harry ist wahrscheinlich genauso älter geworden wie seine Fans. Dazu die Vater-Sohn-Problematik, in die sich einige Leser sicher gut einfühlen können. Auch wie Albus auf eine Art durch seine Freundschaft mit Scorpius wächst und auch zu seinem Freund steht, gibt ein sehr schönes Beispiel, was Freundschaft bewirken kann. Durch die Darstellung als Theaterstück, das auch tatsächlich in Hamburg noch gespielt wird, wirkt der Text sehr lebendig und man bleibt immer gefesselt.

Veröffentlicht am 13.02.2026

Ein Leerstuhl

Der Fall Nietzsche - Mütze und Karl-Dieter ermitteln
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Der hoch angesehene Schelling-Lehrstuhl soll neu besetzt werden. Doch einer der Kandidaten hat seine Bewerbung schon zurückgezogen. Und nun wird ein weiter der Bewerber in der Neischl-Grotte aufgefunden, ...

Der hoch angesehene Schelling-Lehrstuhl soll neu besetzt werden. Doch einer der Kandidaten hat seine Bewerbung schon zurückgezogen. Und nun wird ein weiter der Bewerber in der Neischl-Grotte aufgefunden, ausgerechnet von seiner ehemaligen Zimmerwirtin, die tief betrübt ist. Kommissar Mütze und sein Team machen sich sofort an die Ermittlungen. Wer erschießt denn einen Philosophen? Allerdings so beliebt war der Verstorbene wohl nicht. Und auch die anderen Bewerber begeistern den Kommissar während der Vernehmungen nicht. Am meisten trauert wohl die ältere Dame, die ihm vor langen Jahren als Studenten ein wenig unter ihre Fittiche genommen hatte.

Von Kommissar Mütze gibt es schon etliche Fälle, man glaubt es kaum. Wie wohl schon häufiger steht ihm sein Lebenspartner Karl-Dieter mit Rat und Tat zur Seite. Doch bei diesem Mord tappen sie zunächst mal im Dunkeln. So richtig gemocht wurde das Opfer nicht, aber das ist irgendwie auch kein richtiger Grund. Nach und nach stellt sich heraus, dass die Rivalitäten unter den Bewerbern wohl heftiger waren als zunächst gedacht. Aber einen Mord will keiner begangen haben. Und die Witwe wirkt sehr gefasst und betroffen. Manchmal muss Kommissar Mütze wirklich um die Ecke denken und den einen oder anderen Weg in Kauf nehmen, um weiter zu kommen.

Beim Lesen dieses Erlangen-Krimis fühlt man sich gut unterhalten. Die Vorgängerbände, von deren Vorhandensein man bei diesem Spontankauf nichts wusste, vermisst man nicht in größerem Maße. Die Kabbeleien zwischen Mütze und Karl-Dieter wirken anheimelnd und freundlich. Die Aufklärung des Mordes ist ein wenig kompliziert, was bei einem Krimi auch so sein soll. So richtig viel mit Nietzsche und seiner Philosophie hat das Buch nicht zu tun. Dass sich die Philosophen doch eher allzu menschlich verhalten, bildet eher einen Kontrast zu der vermeintlich edlen Gesinnung. Jedoch fühlt man sich wohl bei dem literarischen Aufenthalt in dem beschaulichen Universitätsstädtchen Erlangen.

Veröffentlicht am 12.02.2026

Shandy

Die Enthusiasten
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Für einen ausgewiesenen Fan von Lawrence Sterne gibt es zu einem bestimmten Termin im Jahr nichts anderes als nach England zu reisen, um dem großen Autor zu huldigen. Victor trifft sich mit einigen Gleichgesinnten. ...

Für einen ausgewiesenen Fan von Lawrence Sterne gibt es zu einem bestimmten Termin im Jahr nichts anderes als nach England zu reisen, um dem großen Autor zu huldigen. Victor trifft sich mit einigen Gleichgesinnten. In diesem Jahr ist allerdings einiges anders, denn ein Fremder behauptet, er habe das zehnte Buch des Tristram Shandy. Das ist eine Sensation, Gerüchte gab es schon, aber sollte das wahr sein. Das Buch muss unbedingt her. Natürlich hat es seinen Preis, den Victor und seine Freunde nicht bezahlen können. Was also tun? Zunächst brauchen sie einen Beweis über die Echtheit des Werkes.

Victor und seine beiden Geschwister sind Teil einer ungewöhnlichen Familie. Bücher spielten in ihrem Leben immer eine große Rolle. Allerdings verschwand ihre Mutter spurlos als sie noch Kinder waren. Der Vater hatte Mühe, diesen Verlust zu überwinden. Und irgendwie mussten die Kinder die richtigen Worte finden, um die Verbindung zu ihrem Vater zu stärken. Die Schwester leistet als Physikerin ihren Beitrag in der Forschung und der Bruder ist als Filmschaffender im Geschäft. Ja, und Victor, dem der einzige Roman des Lawrence Sterne so viel bedeutet. Und nun diese Chance, diese Möglichkeit einer Fortsetzung des Tristram Shandy.

Dieser Roman ist durchaus ungewöhnlich, er verbindet eine turbulente, manchmal etwas tragische, aber auch eine humorvolle Familiengeschichte mit der großen Liebe zu einem außergewöhnlichen Werk der klassischen Literatur. Auch wenn man selbst vielleicht eher zu den Lesern oder Leserinnen gehört, die den Shandy nicht beendet haben, so kann man die Liebe zu den Büchern doch sehr gut nachempfinden. Und auch die Erzählung um die Geschwister fesselt, sie mussten mit dem frühen Verlust klarkommen, mit der Veränderung, die ihr Leben geprägt hat. Und sie sind zu herausragenden Persönlichkeiten geworden. Der Roman sprüht vor Ideen, manchmal etwas überdreht, aber doch gelingt ein toll ausbalanciertes Werk. Der Ideenreichtum des ganzen Romans spiegelt sich auch in der auffälligen Gestaltung des Buchumschlags wieder.