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Veröffentlicht am 11.03.2026

Die lieben Kollegen

Mit freundlichen Grüßen
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Ihre Mutter träumt von einer großen Hochzeit, denn Jolene ist schon dreiunddreißig Jahre alt und es wird Zeit. Jolene hängt in ihrem Bürojob fest und würde ihren Kollegen am liebsten sagen, was sie wirklich ...

Ihre Mutter träumt von einer großen Hochzeit, denn Jolene ist schon dreiunddreißig Jahre alt und es wird Zeit. Jolene hängt in ihrem Bürojob fest und würde ihren Kollegen am liebsten sagen, was sie wirklich von ihnen hält. Manchmal versteckt sie geheime fiese Botschaften in ihren Mails. Dummerweise wird sie erwischt und sie muss ein Einfühlsamkeitstraining absolvieren. Welch eine Blamage. Das Training leitet der Personaler Cliff, der sich freundlicher verhält als Jolene erwartet hätte. Gleichzeitig werden die Einstellungen an ihrem email-Postfach verändert. Dabei muß ein Fehler geschehen sein, denn plötzlich kann Jolene alle Nachrichten in ihrer Abteilung lesen.

Jolene hat nicht viel Kontakt zu ihren Kollegen. Es scheint so als würden sie sich alle durch den Tag robben. Wahrscheinlich ist es das Beste, nicht aufzufallen und möglichst wenig zu tun, um nicht aufzufallen. Doch nun ist da Cliff, der auch wegen Jolene mit allen Mitarbeitern der Abteilung sprechen will. Und dann sind da noch die Gerüchte von einer Umstrukturierung. Jolene muss dieses Training bestehen. Dazu fasst sie einen Plan, in dem auch die Mails eine Rolle spielen, die sie eigentlich nicht sehen soll. Und irgendwie muss sie Cliff überzeugen, dass sie ehrlich bestrebt ist, ein besseres Verhalten an den Tag zu legen.

Nach dem Lesen der Beschreibung hofft man auf ein Feuerwerk von witzigen Büroanekdoten. Ganz so kommt es allerdings nicht. Jolene neigt manchmal dazu, eher das Negative bei anderen zu sehen. Damit liegt sie manchmal richtig, aber eben nicht immer. Und eine nervige Mutter kennen vermutlich viele. Doch Jolene stellt sich ihren Problemen und man lernt ihre herzliche Seite kennen. Cliff schätzt sie wahrscheinlich richtig ein, aber zwischen einem aus der Personalabteilung und einer Mitarbeiterin darf es natürlich keine Freundschaft geben. Mit einem Lächeln liest man, wie die beiden sich etwas vormachen. Und je mehr sich Jolene ihren Kollegen und Kolleginnen öffnet, desto sympathischer werden sie ihr. Jedenfalls die Meisten. Und so wird aus dem erwarteten Bürogeplänkel ein Roman mit einigen ernsten Themen und Problemen, die angegangen werden. Obwohl sie es selbst nicht glaubt, ist Jolene doch eine starke Frau.

Veröffentlicht am 08.03.2026

Kommt anders

Hier draußen
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Vor einiger Zeit haben sich Lara und Ingo ins schleswig-holsteinische Fehrdorf gezogen. Besonders Lara hatte das Gefühl, sie brauchen mehr Platz. Das kleine Reihenhaus in Hamburg reicht einfach nicht für ...

Vor einiger Zeit haben sich Lara und Ingo ins schleswig-holsteinische Fehrdorf gezogen. Besonders Lara hatte das Gefühl, sie brauchen mehr Platz. Das kleine Reihenhaus in Hamburg reicht einfach nicht für sie und die beiden Kinder. Zuerst läuft auch alles ganz gut. Doch irgendwann wird es etwas mühsam, Ingo nerven die langen Fahrten und Lara fühlt sich manchmal etwas weit ab. So richtig zum Nachdenken kommen sie allerdings als Ingo auf dem Heimweg einen Wildunfall hat. Er fährt eine weiße Hirschkuh an, die der Förster oder Jagdpächter erschießen muss. Und nun unken alle rum, dass bringt Unglück und innerhalb eines Jahres wird jemand sterben.

Wer glaubt denn sowas? An solchen Erzählungen ist mit Sicherheit nichts dran, oder etwa doch? Lara und Ingo versuchen ganz normal weiterzuleben. So auch die anderen Dorfbewohner, die die Hamburger eher als Fremde empfinden. Nur Jutta und Armin, die Überreste einer Wohngemeinschaft, sind vielleicht anders. Sie sind auch einmal aus Hamburg rausgezogen. Tove leidet unter ihrer Ehe und Maggie sorgt sich um ihren Mann. Dann gibt es Ferienwohnungen, die bewirtschaftet werden müssen. Und die Bauernhöfe natürlich, die bewirtschaftet werden müssen. Für die Menschen, die sich um die Tiere kümmern gibt es keine Pause. Und das Jahr nimmt seinen Lauf.

Wildunfälle gehören natürlich nicht zu den schönsten Ereignissen, die einen ereilen können. Und zum Glück trifft man auch eher selten auf eine weiße Hirschkuh. Würde man sich dann von einem Aberglauben leiten lassen? Und was, wenn dann tatsächlich etwas passiert oder wenn nichts passiert? Die Autorin lenkt die Gedanken sehr geschickt mal in die eine, mal in die andere Richtung. Dabei beschreibt sie das Dorfleben sehr treffend. Gerade wenn man selbst vom Land kommt, kann man sich gut wiederfinden. Die ländliche Idylle gibt es in dem Sinne nicht. Dort ist alles so wie woanders auch. Es gibt Probleme, die Landleute empfinden Sympathie für einander oder nicht. Es glückliche Familien und weniger glückliche. Also alles wie woanders auch. Dabei bleibt eine gewisse Distanziertheit, wegen der interessanten Wendungen aber auch immer der Wunsch weiterzulesen.

Veröffentlicht am 06.03.2026

Portrait der Familie (Musikzimmer)

Zwei in einem Bild
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Endlich hat sie eine Arbeit, auch wenn es nur die Nachtschicht in einer Putzkolonne ist. Aber sie darf in einer Galerie die Böden wischen und Claire liebt die Bilder. Sie könnte sie immer betrachten. Was ...

Endlich hat sie eine Arbeit, auch wenn es nur die Nachtschicht in einer Putzkolonne ist. Aber sie darf in einer Galerie die Böden wischen und Claire liebt die Bilder. Sie könnte sie immer betrachten. Was sie nicht ahnt, bei der Galerie handelt es sich um ein ganz besonderes Museum. Seit ungefähr hundert Jahren hängen die Bilder in der selben Formation und der inzwischen verstorbene Stifter hat verfügt, dass daran nichts geändert werden darf. Irgendwann sind die Bilder lebendig geworden und die dargestellten Personen können die Besucher des Museums beobachten. Claire weiß das nicht, aber sie fühlt es.

Gemälde, aus denen heraus die Museumsbesucher betrachtet werden können als wären die selbst die dargestellte Welt. Welch ungewöhnliche Vorstellung und bei Claire handelt es sich nicht einfach nur um eine Putzfrau. Sie betrachtet die Bilder mit besonderem Interesse. Vielleicht kann sie die Szenen mit ihrem ganzen Sein erfassen. Manchmal hat Claire das Gefühl, dass sich die Personen auf den Bildern bewegen. Ein Gemälde entwickelt eine herausragende Anziehungskraft auf sie. Liest der junge Mann im Vordergrund wirklich nur in seinem Buch oder blinzelt er in ihre Richtung? Am liebsten möchte Claire sich in das Bild hineinfallen lassen.

Auch wenn auf dem Cover nicht das Portrait der Familie (Musikzimmer) von 1917 abgebildet ist, kann die Gestaltung des Buchumschlags begeistern. Die kleinen Entdeckungen sollten jedem Betrachter und jeder Betrachterin selbst vorbehalten sein. Ob man dann schaut, ob es das genannte Bild wirklich gibt und ob die Stimmung des Bildes im Roman gut eingefangen ist, kann natürlich auch jeder selbst herausfinden.

Die Geschichte von Claire und Jean wirkt wie ein hingehauchter Traum. So wie Claire durch die Ausstellungsräume wandelt, da möchte man selbst gerne putzen gehen und sich den phantasievollen Gedankenspielen hingeben. Doch was, wenn das wahr wäre? Und Jean, der als das Bild gemalt wurde auf dem Weg in den Krieg war? Im Bild konnte er diesem Schicksal entgehen. Vielleicht wird es in einigen wenigen Passagen etwas zu simpel oder zu gefühlig. Doch gerade wenn das einen von der wunderbaren Reise durch das Museum ablenken will, nimmt einen die Handlung wieder gefangen. Ein wenig würde man selbst gerne in eines der Gemälde schlüpfen, in eine friedlichere oder bessere Zeit. Es bleibt das Gefühl, dass diese Idee darauf gewartet hat, geschrieben zu werden.

Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein Bild mit Bedeutung

Die schlafenden Hunde von Dublin
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Bald soll Patsy Logan ihren Dienst im Kommissariat in München wieder antreten. So eine Auszeit geht doch schnell vorbei. Davor lässt sich Patsy schon mal blicken zur Veröffentlichung des ersten Kriminalromans ...

Bald soll Patsy Logan ihren Dienst im Kommissariat in München wieder antreten. So eine Auszeit geht doch schnell vorbei. Davor lässt sich Patsy schon mal blicken zur Veröffentlichung des ersten Kriminalromans des Kollegen Sebi. Seine Ermittlerin hat doch gewisse Ähnlichkeiten mit Patsy, reiner Zufall natürlich. Etwas anderes berührt Patsy viel mehr. Der Besitzer des Irish-Pub, in dem Patsy früher häufiger war, ist in Dublin tot aufgefunden worden. Eigentlich wollte sie sich schon länger mal wieder mit ihm treffen, er hatte auch angerufen. Und nun ist es zu spät. Bei seinen Sachen ist ein altes Foto aufgetaucht, auf dem auch Patsy zu sehen ist.

Auch in ihrem fünften Fall führen die Wege Patsy Logan zwischen München und Dublin hin und her. Da sie den verstorbenen Pubbesitzer persönlich kannte, wird Patsy natürlich nicht mit den Ermittlungen betraut. Ihre Auszeit ist ja auch noch nicht ganz um. Aber natürlich versucht sie doch herauszufinden, wieso der alte Freund ihres Vater so plötzlich umgebracht wurde. Wer kann lange Jahre nach dem Verschwinden von Patsys Vater in den 1990ern einen Grund haben, Fergal den Tod zu wünschen? Mit ihrer Mutter kann Patsy nicht gut reden, das ging noch nie. Und die Kollegen in Irland wollen auch mit Patsy sprechen.

Zum Ende des Winters reist Patsy Logan nach Dublin, um ihren alten Freund zu verabschieden. Das sieht man auch an dem ein wenig düster gestalteten Titelbild. Diesmal ruft der Fall noch mehr Erinnerungen in Patsy hervor als sonst. Das Verschwinden ihres Vaters, hat sie nie richtig verarbeitet und Fergal hat ihr manchmal durchaus Halt gegeben. Einige seiner Entscheidungen kann sie sich jetzt aber nicht erklären. Und doch könnte es einen Zusammenhang geben. Wie Patsy daran geht, die Rätsel zu lösen und wie sie gleichzeitig ihre Trauer verarbeiten muss, ist sehr spannend zu lesen. Man wird förmlich vom Lauf der Ereignisse mitgerissen und ist manches mal überrascht wie sich einige lose Fäden zusammenfügen. Und wie immer ist einiges ganz anders und man hofft, dass es von Patsy Logan noch viel zu erzählen gibt.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Intrigenpolitik

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Alles okay, Nina ist wirklich fein damit, dass ihr Ex-Mann mit seiner wesentlich jüngeren neuen Frau Zwillinge hat. Auch dass er in der Villa lebt und sie selbst in einer kleinen Wohnung. Ihre eigenen ...

Alles okay, Nina ist wirklich fein damit, dass ihr Ex-Mann mit seiner wesentlich jüngeren neuen Frau Zwillinge hat. Auch dass er in der Villa lebt und sie selbst in einer kleinen Wohnung. Ihre eigenen Kinder sind ihr ganzer Stolz und gehen so langsam ihren Weg. Aber soll das mit fast fünfzig Jahren wirklich alles gewesen sein? Dann lernt Nina den etliche Jahre jüngeren David kennen. Wenn sie nicht schon aus dem Alter raus wäre, könnte sie annehmen, sie ist verliebt. Mit einem so viel jüngeren Mann kann das natürlich nicht gutgehen. Und in Ninas Firma wollen die alten weißen Männer ihre Machtposition behalten.

Schon als Jugendliche hat sich Nina um ihre jüngere Schwester Lena gekümmert. Nicht immer sind die beiden einer Meinung, aber irgendwie raufen sie sich doch meist zusammen. Ein wenig neidisch ist Nina schon, weil Lena alles hat, was Nina verloren hat. Jedenfalls sieht es so aus. Gerade jetzt beschäftigt sich Nina auch damit, was ist, wenn es ihrer Mutter mal nicht mehr so gut geht. Gerade jetzt nach einem kleinen Unfall der Mutter, merkt sie, dass das schneller kommen kann als gedacht. In Ninas Firma spielen sich eigenartige Szenen ab, die ihr sehr zu denken geben. Bei allem, was auf sie einströmt, geraten die Gedanken an David fast ins Hintertreffen.

Dieses Hörbuch wird vorgetragen von Katja Riemann und Anna Maria Mühe. Dabei bringt die leichte angezickte Selbstironie von Katja Riemann eine große Lebendigkeit und die Kühle von Anna Maria Mühe einen angenehmen Gegensatz. Gerade der Gegensatz macht den Vortrag komplett.

Das Buch ist vor ungefähr einem Jahr erschienen und wegen des relativ langen und bunt gestalteten Titels aufgefallen. Wie so oft, gibt es einfach zu viele ansprechende Veröffentlichungen, so dass es der Nominierung für den deutschen Hörbuchpreis bedurfte, sich den Titel in Erinnerung zu rufen. Gerade die Interpretation durch die beiden Sprecherinnen gibt dem Roman noch eine zusätzliche positive Komponente. Auch die Thematik einer etwas älteren Frau, die einen jüngeren Mann kennenlernt, ist gut gewählt. Denn es ist leider immer noch so. Ein älterer Mann mit einer jüngeren Frau gilt als toller Hecht. Im umgekehrten Fall jedoch scheint man sich eher zu fragen, wie eine Frau sich das herausnehmen kann. Da sollte die Gesellschaft noch lockerer werden. Auch bei den Vorgängen in Ninas Firma kann man manchmal kaum glauben, dass die meist männlichen Vorgesetzten noch nicht weiter sind. Wobei, gemessen an aktuellen Veröffentlichungen und den Reaktionen darauf und dem Lauf der Welt insgesamt, muss man sich schon fragen, weit rückwärts die Entwicklung noch gehen soll. Da ist die durchaus humorvolle Aufarbeitung im vorliegenden Roman eine erfrischende Abwechslung. Beim Zuhören kann man sich ein wenig erholen und hoffen, das doch noch alles gut wird.