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Veröffentlicht am 28.02.2026

Maries Mutter

Das verschlossene Zimmer
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Im Krakau des Jahres 1939 will die siebzehnjährige Marie endlich wissen, wieso ihre Mutter sie verlassen hat. Ihr Vater, der angesehene Arzt Dr. Dominik Karski, bleibt ihr schon seit Jahren eine Antwort ...

Im Krakau des Jahres 1939 will die siebzehnjährige Marie endlich wissen, wieso ihre Mutter sie verlassen hat. Ihr Vater, der angesehene Arzt Dr. Dominik Karski, bleibt ihr schon seit Jahren eine Antwort schuldig. Jetzt wird sie endlich das Geheimnis seiner immer abgeschlossenen Schlafzimmertür lüften. Sie bricht die Tür auf und ist enttäuscht, denn es tut sich keine sensationelle Erkenntnis auf, nur ein kleines Kästlein ist versteckt, welches auch keine Erklärung bringt. Nun wendet sich Marie zunächst ihrem zweiten Ziel zu, sie möchte unbedingt studieren. Doch die Zeichen, dass es zum Krieg kommen kann, werden immer deutlicher. Und wenn Frauen als Studentin sowieso schon nicht erwünscht sind, so sind sie es in dieser Zeit noch weniger.

Auch wenn zu befürchten ist, dass es zum Krieg kommt, haben Menschen auch in dieser Zeit persönliche Schicksale. Manchmal gewinnt Marie den Eindruck, einige ihrer Landsleute freuen sich sogar auf den Einmarsch der Deutschen. Einige der miesesten Eigenschaften der künftigen Besatzer nehmen sie schon mal gerne an. So werden die jüdischen Mitbürger schon mal weitgehend ausgegrenzt. Diese Einstellung kennt auch Dr. Karski insbesondere von einem unsympathischen Kollegen in der Klinik. Die Lage wird immer bedrohlicher und seine Sorge um seine intelligente und hartnäckige Tochter immer größter.

Beim Lesen dieses spannenden historischen Familienromans möchte man manchmal in die Tischkante beißen. In hin und wieder lieblicher Sprache wird von schreienden Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten berichtet. Die Frauen haben eine so untergeordnete Stellung, dass es so scheint als könnten sich die Männer alles mit ihnen erlauben. Und die Stellung der Juden könnte nicht noch schlechter sein. Da wird beinahe alles als Ausrede genommen, um ausfallend werden zu können. Allerdings verhallen des Doktors Warnungen bei seiner Tochter eher ungehört. In welche Schwierigkeiten sie sich bringt, wird eindringlich geschildert. Schwierigkeiten, die es eigentlich garnicht geben dürfte. Früher war eben nicht alles besser und man kann froh sein, dass man heute lebt, jedenfalls solange freiheitliche Gesellschaften noch existieren. Bedauerlich, dass man heutzutage diese Einschränkung machen muss. Zum Ende hin wird dieser Roman nochmal richtig packend.

Veröffentlicht am 26.02.2026

Wie ein Traum

Wahnsinnszeit
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Es ist der November 1989 und auf einmal ist die Mauer offen. Die Bilder im Fernsehen sind beinahe nicht zu glauben. Die Studienfreunde Jo, Thies, Ava und Eliza wollen sich auf den Weg nach Berlin machen. ...

Es ist der November 1989 und auf einmal ist die Mauer offen. Die Bilder im Fernsehen sind beinahe nicht zu glauben. Die Studienfreunde Jo, Thies, Ava und Eliza wollen sich auf den Weg nach Berlin machen. In Jos altem Audi. Dass stellt sich zwar als schwieriger heraus als geahnt, aber sie haben eine coole Zeit. Eliza hat mit dem Studium gerade erst angefangen. Von Ava sind alle fasziniert und Thies ist so ein stiller Typ. Maria ist unsicher, ob sie sich den Erwartungen der Eltern fügen soll oder ob sie sich zu ihrer Freundin bekennt.

Während des Studiums begegnen sich häufig Menschen, die sich im Aufbruch befinden. Sie haben ähnliche Interessen und Einstellungen und so ein einschneidendes Ereignis wie die Maueröffnung schweißt zusätzlich zusammen. Bald jedoch merken die Freunde, dass Ava sich anders verhält als sonst. Ihre schillernde Persönlichkeit bekommt irgendwie etwas überdrehtes. Eliza, deren Vater englischer Soldat ist, hat schon deshalb eine besondere Kindheit erlebt. Für sie bedeutet das Studium und ihre neuen Freunde besonders viel. Auch nach der Grenzöffnung geht das Leben weiter. Das Unerwartete wird zum Normalen, die große Freude flaut ab. Und die Freunde merken, dass sich für ihr persönliches Leben erstmal nicht so viel tut.

Wenn man sich selbst an die Zeit erinnert, dann ist da sicher dieses ungläubige Staunen präsent. Schließlich hätte man nie damit gerechnet, dass sich diese Grenzen jemals öffnen würden. Es war ein Freudentaumel, in dem die Besuche hin und her gingen. Leider ist davon nicht viel übrig. Dennoch erinnert man sich an diese tolle Zeit des Aufbruchs, wo man dachte, die Welt wäre besser geworden. Dieses zu spüren, hat man vielleicht auch von diesem Roman erwünscht. Doch bleibt dieser dicht bei den handelnden Personen. Es geht um den Verlauf ihrer Studienzeit, ihre persönliche Entwicklung. Wie im richtigen Leben gibt es negative und positive Entwicklungen. Einfach das Erleben der frühen Neunziger. Aus dem Titel heraus hat man wohl etwas anders erwartet, eben eine Wahnsinnszeit und nicht eine Beschreibung vom normalen auf und ab. Das ist auf eine andere Art auch lesenswert.

Veröffentlicht am 22.02.2026

Vermittle Hausangestellte aller Art

Mord in besserer Gesellschaft
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Mrs. Alice Beaton leitet eine Agentur zur Vermittlung von Hausangestellten für die bessere Londoner Gesellschaft. Eigentlich war ihr ein anderes Leben bestimmt, wenn es da nicht die Sache mit der männlichen ...

Mrs. Alice Beaton leitet eine Agentur zur Vermittlung von Hausangestellten für die bessere Londoner Gesellschaft. Eigentlich war ihr ein anderes Leben bestimmt, wenn es da nicht die Sache mit der männlichen Erbfolge gegeben hätte. Nun soll sie auch noch für die Schulden ihres Bruders aufkommen und lebt trotzdem nicht im Herrenhaus, sondern in einer bescheidenen Wohnung in London. Als Camille Mesent, eine langjährige Kunden, sie bittet, ihr eine Haushaltshilfe zu vermitteln, ist es für Alice nicht leicht. Wenn sie ehrlich wäre, müsste sie zugeben, dass im Moment niemand verfügbar ist. Wenn da nicht Enya zur Tür hereinspazierte, die gerade ideal auf die Stelle passt.

Zwar ist noch kein weiterer Band angekündigt, doch deutet einiges darauf hin, dass es noch mehr von Alice Beaton zu lesen oder zu hören sein wird. In ihrer Agentur hat sie ein sympathisches Team um sich versammelt. Dass sie in einen Kriminalfall hineinstolpert, war natürlich nicht geplant. Eher würde sie gerne ihre Finanzen und ihr Leben in Ordnung bringen. Dazu kann sie natürlich nicht auf das Geld der Messnts verzichten. Und dann läuft einiges anders als geplant. Nur die Bekanntschaft mit dem netten Kommissar ist ein echter Bonus.

Dieses Hörbuch lässt sich gut weghören, was auch an der sehr gut ausgewählten Vorleserin Kaja Sesterhenn liegt, die den handelnden Personen Leben einhaucht.

Ja, auch in der sogenannten besseren Gesellschaft ist nicht alles so wie es scheint. Den Messents scheint es an Nichts zu fehlen. Doch je mehr man gezwungen ist, sich mit ihnen zu beschäftigen, desto mehr Brüche tun sich auf. Das merkt auch Alice Beaton als ihre Aushilfe im Haushalt der Messents unter ungeklärten Umständen zu Tode kommt. Um Schaden von ihrer Agentur abzuwenden, beginnt Alice selbst Nachforschungen anzustellen. Wie es ihr dabei ergeht, kann man auf vergnügliche Art und Weise in diesem kurzweiligen cosy Crime erfahren. Nur eine Kleinigkeit ist wirklich störend. Ansonsten jedoch fühlt man sich bestens unterhalten und verfolgt gespannt, ob Alice Beatons Bemühungen erfolgreich sind.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Gedichte, die wiederkommen

Zugwind
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Sie hat die Ukraine schon vor Jahren verlassen und sich mit ihrer Familie in Deutschland als Ärztin eingerichtet. Doch als Russland ihr Heimatland die Ukraine überfällt, ändert sich für Mira Zehmann alles. ...

Sie hat die Ukraine schon vor Jahren verlassen und sich mit ihrer Familie in Deutschland als Ärztin eingerichtet. Doch als Russland ihr Heimatland die Ukraine überfällt, ändert sich für Mira Zehmann alles. Es kommt ihr vor als wehe ein Zugwind. Natürlich will sie ihren Landsleuten helfen. Sie versucht, Wohnungen zu finden, Spenden zu organisieren und jede Form von Hilfe zu geben. Sie beginnt in einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten, in die bald viele ukrainische Flüchtlinge kommen. Mira ist die, die die Probleme der Menschen am ehesten versteht. Wer aber versteht Mira. Ihr Mann scheint nicht in jedem Moment der Richtige zu sein.

Eine junge Frau erlebt in Deutschland den Beginn des Krieges in der Ukraine. Ein Land, das sie vor etlichen Jahren verlassen hat, in dem Wissen, dass sie jederzeit zurückkann. Und nun? Sie fühlt sich schuldig, weil sie in Deutschland ist und nicht in der unmittelbaren Gefahrenzone. Sie will helfen und manchmal wird es ihr doch zu viel. Die Patienten, deren Geschichten sich wiederholen und die ihr manchmal zu viel werden. Dann muss sie mal raus, wieder Kraft sammeln. Zumindest besuchen will sie den Teil der Familie, der in Odessa lebt, besuchen, sich versichern, dass es allen gutgeht.

Dieser berührende Roman zeigt an dem Beispiel der jungen Ärztin Mira Zehmann, die sich als Poetin versteht, wie der Beginn des Krieges ihr Leben verändert und beeinflusst. Auch wenn sie in Deutschland in Sicherheit ist, fühlt sie das Brausen des Krieges. Ihr Wunsch ist es, etwas zu tun. Selbstlos hilft sie und doch merkt sie, dass es sie überfordern kann. So ganz kann man sich nicht in die Lage der jungen Frau hineinversetzen, auch wenn man das Entsetzen bei der Nachricht von dem Einmarsch der Russen noch gut erinnern kann. Wie muss es dann erst für Menschen sein, die sich von einer Sekunde auf die andere große Sorgen um ihre Lieben machen müssen. Die Schicksale der bedrücken beim Lesen, auch wenn sie sich ähneln. Ein wenig fühlt man sich selbst niedergeschlagen. Doch wie Mira trotz der schlimmen Ereignisse zu ihrer Stärke zurückfindet, ist beeindruckt sehr.

Das Cover wirkt zunächst eher zurückhaltend, wenn man es jedoch näher betrachtet, entdeckt man, dass immer mit einem Blümchen Hoffnung zu rechnen ist.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Nicht schweigen

Geheimname Eisvogel
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Ihre Eltern sehen keinen Ausweg mehr. Im Jahr 1942 schicken sie ihre Töchter Hannie und Mila nach Amsterdam. Dort ist eine Familie bereit, sie beiden aufzunehmen. Sie müssen ihr vorheriges Leben vergessen. ...

Ihre Eltern sehen keinen Ausweg mehr. Im Jahr 1942 schicken sie ihre Töchter Hannie und Mila nach Amsterdam. Dort ist eine Familie bereit, sie beiden aufzunehmen. Sie müssen ihr vorheriges Leben vergessen. Vor allem dürfen sie niemandem sagen, dass sie Jüdinnen sind. Das würde sie in größte Gefahr bringen. Zunächst wagen beide es kaum, selbstbewusst aufzutreten. Bei jeder Begegnung fürchtet besonders Mila, sie könnten aufgeflogen sein. Hannie, die ein paar Jahre älter ist als die zwölfjährige Mila, will nicht alles einfach so hinnehmen. Sie schafft es, sich dem niederländischen Widerstand anzuschließen. Sie überzeugt mit ihrer Jugend und der daraus resultierenden Unauffälligkeit.

Zwischen der Gegenwart, in der Liv für eine Aufgabe in der Schule nach der Geschichte ihrer Vorfahren suchen muss, und der Vergangenheit, in der die Juden und Jüdinnen jeden einzelnen Tag um ihr Überleben kämpfen müssen, wechselt die Handlung. Zwar hat auch Liv Probleme durchzustehen, die sie sehr belasten. Auch weil sie mit ihrem Schulprojekt nicht so richtig vorankommt. Doch dann findet sie im Haus ihrer Großmutter einen Zettel, der sie auf eine Spur bringt. Hannie und Mila müssen immer unter der Bedrohung leben, dass sie entdeckt werden könnten. Die Besetzung Hollands durch die Nazis prägt den Alltag.

Dieses Hörbuch wird für Kinder ab elf Jahren empfohlen, aber auch für Erwachsene ist es ausgesprochen spannend. Wie Mila und Hannie versuchen unauffällig zu bleiben, um zu überleben, ist packend zu hören. Man spürt die Dramatik und man wünscht den Mädchen, dass sich für sie alles zum Guten wendet, wenn man auch aus der Geschichte weiß, dass leider viele der Nazi-Schergen und ihren Helfern zum Opfer gefallen sind. Man kann ihre Furcht spüren und gleichzeitig den Willen zu überleben. Ebenso fesselnd sind die Erfahrungen, die Liv in der Gegenwart macht. Sie beginnt, ihre älter werdende Großmutter zu begleiten, ihr näher zu kommen. Und die wie sie die Probleme in der Schule bewältigt, das erfordert Mut. Mut wünscht man allen jungen Menschen, die für etwas Positives einstehen. Für die einzelnen Personen wurden sehr gut passende Sprecher ausgesucht, die ihren Protagonisten Leben einhauchen. Es sind: Inka Löwendorf, Natalia Belitzki, Simona Pahl und Benito Bause.

Ein berührendes und mitreißendes Hörbuch für junge Menschen, für das sich auch Erwachsene begeistern können. Klasse.