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Veröffentlicht am 22.01.2022

Der Reiseschriftsteller

Mord in Highgate
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Wie ein Reiseschriftsteller kommt er sich vor, denkt der Autor, der wieder einmal als Chronist für den Privatermittler Hawthorne fungiert. Über drei Bücher hat er den Vertrag abgeschlossen. Ob Hawthorne ...

Wie ein Reiseschriftsteller kommt er sich vor, denkt der Autor, der wieder einmal als Chronist für den Privatermittler Hawthorne fungiert. Über drei Bücher hat er den Vertrag abgeschlossen. Ob Hawthorne ihm so sympathisch ist, er ist unsicher.. Und schließlich hat er beim letzten Mal alles falsch aufgefasst und ist dann noch fast umgebracht worden. Nun ist ein Anwalt tot aufgefunden worden und Hawthorne wird als Berater der Polizei engagiert. Nicht, dass die Beamten darüber erfreut wären. Der Autor, gleichzeitig Produzent einer Fernsehserie, hat mit eben dieser Produktion gibt es Probleme.

Das ist schon eine super Idee, wenn ein Autor sich selbst quase als Dr. Watson in seinen Roman hineinschreibt. So bekommt man einen kleinen Einblick in die Produktion der hervorragenden TV-Serie „Foyle’s War“, die wohl nicht im frei empfänglichen deutschen Fernsehen gelaufen ist. Doch man kommt auch einen Eindruck, wie der Ermittler Hawthorne den Autor vereinnahmt und dieser sich auch vereinnahmen lässt. Auch in dem Autor, wie vielleicht in jedem wohn ein kleiner Ermittler, der wissen will, wie es zu einer Tat kommen konnte, wer ein Motiv hatte und die Gelegenheit und was man sonst noch herausfinden muss, um die Täter zu überführen. Wenn es sich bei dem Privatdetektiv dann noch um einen ehemaligen Polizisten handelt, ist diese beinahe überflüssig.

Bei diesem zweiten Teil um den Ermittler Hawthorne handelt es sich um einen englischen Detektivroman. Der Ermittler erweist sich dabei als gewitzt und schlauer als die dumpfe Polizeibeamtin. Der Autor tritt als Chronist auf, der seine Aufzeichnungen akribisch führt und gerne selbst ermitteln würde. Er hat ein gewisses Talent, mit seinen Gedanken falsch zu liegen. Auch wenn die Untersuchung eher behäbig abläuft, so ist das Setting besonders und es zeichnet sich wahrscheinlich durch einiges an Authentizität aus, schließlich ist der Autor tatsächlich auch Produzent, verheiratet und hat zwei Kinder. So wird die Illusion der wahren Erzählung auf unterhaltsame Weise aufrecht erhalten. Der Fall ist gut konstruiert und man hechelt dem schlauen Daniel Hawthorne in den Schuhen des Autors gerne hinterher.

Veröffentlicht am 21.01.2022

Mein Käferchen

Perfect Day
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Mein Käferchen, so hat ihr Vater sie immer genannt und nun sitzt er in Untersuchungshaft. Angeblich soll er mehrere Mädchen umgebracht haben. Seine Tochter Ann kann das einfach nicht glauben. Ihr lieber ...

Mein Käferchen, so hat ihr Vater sie immer genannt und nun sitzt er in Untersuchungshaft. Angeblich soll er mehrere Mädchen umgebracht haben. Seine Tochter Ann kann das einfach nicht glauben. Ihr lieber guter Vater, der immer für sie da ist. Sie hat deshalb nur ein Ziel, sie wird seine Unschuld beweisen. Diesen Justizirrtum muss sie einfach verhindern. Ann beginnt Nachforschungen anzustellen und sie findet Hinweise, die sie in ihrer Ansicht bestärken. Ihr Studium hat sie hintenangestellt und bei ihrer Arbeit in einem Fast Food Restaurant hat sie Jakob kennengelernt, der ihr vielleicht helfen könnte.

Was für eine schwierige Situation muss es sein, wenn der eigene Vater verdächtigt wird, ein schweres Verbrechen begangen zu haben. Ann Lesniak muss mit ansehen, wie ihr geliebter Vater verhaftet wird. Das stürzt auch sie in eine schwerwiegende Krise. Sie unterbricht ihr Studium, wegen eines Streites mit ihrer Freundin Zoe zieht sie erstmal wieder in ihr Elternhaus und nimmt die Arbeit in dem Restaurant an. Doch Ann weiß nicht, was sie fühlen, wie sie sich verhalten soll. Einzig, dass sie ihrem Vater helfen will, dass ist sicher. Informationen wünscht sie sich vom Anwalt ihres Vaters, der gleichzeitig ihr Patenonkel ist.

In ihrem dritten Roman hat Romy Hausmann wieder ein spannendes Werk geschaffen. Die vielfältigen Formen, die sie dabei verwendet, lockern die Handlung auf und laden dazu ein, sich Gedanken zu machen. Man kommt ins Rätseln und liegt doch meist falsch. Dass der Handlung ein gewisses Thema zugrunde liegt, merkt man allerdings erst, wenn einen die Autorin darauf stößt. Davon abgesehen, ist man von der Handlung gefesselt. Obwohl Ann durch die Situation psychisch angegriffen ist, versucht sie alles, um den wahren Mörder zu finden. Ihre Zielstrebigkeit und Gewieftheit dabei sind sehr beeindruckend. So entwickelt die Handlung einen gewissen Sog, dem man sich lange nicht entziehen kann.

Veröffentlicht am 15.01.2022

Der Geliebte

Die dritte Freundin
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Nancy Hennessy fühlt sich überfordert in ihrer Ehe. Da scheint die Affäre mit David wie ein frischer Wind in ihrem Leben. Doch nach einigen Monaten hat sich Nancy für Tochter und Ehemann entschieden. Ihr ...

Nancy Hennessy fühlt sich überfordert in ihrer Ehe. Da scheint die Affäre mit David wie ein frischer Wind in ihrem Leben. Doch nach einigen Monaten hat sich Nancy für Tochter und Ehemann entschieden. Ihr Liebhaber will allerdings nicht von ihr lassen. Und eines Morgens nach einem Treffen mit ihrer Freundin Eleanor wird Nancy tot aufgefunden. Ihr Ehemann Robert und Eleanor sind entsetzt. Eleanor wusste von der Affäre und sie fühlt sich irgendwie schuldig. Die dritte im Freundinnenbund, Mary, möchte Eleanor unterstützen, aber was kann sie tun, Nancy ist tot, ihrer kleiner Freundeskreis dezimiert.

Drei Freundinnen, die sich seit ihrer Studienzeit kennen und immer Kontakt gehalten haben. Sie geben sich gegenseitig Halt, obwohl ihre Lebensentwürfe sehr unterschiedlich sind. Oder vielleicht waren nicht die Entwürfe so verschieden, eher das, was dabei herausgekommen ist. Eleanor hat sich für die Arbeit bei einer NGO entschieden, während Mary sich sehr der Familie verschrieben hat. Nancy dagegen war die, die immer die Blicke auf sich zog. Sie hat hat einige Jahre nach der Geburt ihrer Tochter wieder angefangen im Homeoffice zu arbeiten. Von außen betrachtet könnten sie mit ihrem Leben zufrieden sein. Aber wer ist das schon? Und nun ist eine von ihnen tot.

Bei dem Cover dieses Buches handelt es sich um einen echten Blickfang, bei dem die drei Blumen vermutlich die drei Freundinnen symbolisieren. Wenn dann im Klappentext noch der Tod einer der drei Frauen erwähnt wird, erwartet man einen spannenden Kriminalroman. Ein wenig wird man enttäuscht, da die Handlung im Buch doch etwas ruhiger abläuft. Man braucht ein Weilchen, um sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Dann aber stellt man fest, dass das subtile Zusammenspiel zwischen den Frauen doch einiges zu bieten hat. Erst nach und nach kommt heraus, was die Drei lieber verschwiegen hätten oder wo sie besser anders gehandelt hätten. Letztlich verfolgt man doch mit Interesse, welche Entwicklungen zum Tode von Nancy Hennessy geführt haben und erfährt einiges über eine Generation von Frauen, die mit Enthusiasmus ins Leben gestartet ist, und doch noch nicht alles erreichen konnte, was sie vielleicht wünschte.

Veröffentlicht am 15.01.2022

Schach dem Herrn

Das Damengambit
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Beth Harmon wächst in einem Waisenhaus auf. dort hat sie es nicht leicht. Die Lehrer sind streng und bei ihren Mitschülern gilt sie als unsportliche Streberin. Ein Trost sind nur die grünen Pillen, die ...

Beth Harmon wächst in einem Waisenhaus auf. dort hat sie es nicht leicht. Die Lehrer sind streng und bei ihren Mitschülern gilt sie als unsportliche Streberin. Ein Trost sind nur die grünen Pillen, die sogar schon an die achtjährigen verteilt werden. Jedenfalls bis das Jugendamt dahinter kommt und es nur noch Vitamintabletten gibt. Ein kleiner Lichtblick sind die Stunden, die sie mit dem älteren Hausmeister verbringen kann. Er bringt ihr das Schachspiel bei und bald merkt Beth, dies ist genau die Ablenkung, die ihr eine kleine Flucht erlaubt. Als Beth fast schon die Hoffnung aufgegeben hat, wird sie von einem älteren Ehepaar adoptiert wird.

Ungewöhnlich, dass ein kleines Mädchen ans Schach spielen kommt und dieses Spiel nach kurzer so gut beherrscht, dass es auffällt. Ihre Lehrer angefangen von dem zurückhaltenden und wortkargen Mr. Shaibel werden nach und nach besser. Beth saugt sämtliche Informationen, die sie über das Spiel und verschiedene Schachpartien bekommen kann, förmlich auf. Und noch ist sie ein Kind. Nach ihrer Adoption durch die Wheatleys entdeckt Beth, dass die Möglichkeit besteht, auf Schachturnieren zu spielen. Ob das etwas für sie sein könnte? Als Mrs. Wheatley in finanzielle Schwierigkeiten gerät, bietet sich für Beth sogar die Möglichkeit, zur Verbesserung der Lage beizutragen.

Gerade die Geschichte der frühen Kindheit und Jugend von Beth Harmon zieht einen in ihren Bann. Wie das junge Mädchen durch das Schachspiel sich selbst entdeckt und dass es noch eine andere Welt gibt da draußen, das ist toll beschrieben. Zwar verliert das Ganze etwas an Fahrt als Beth beginnt, gegen stärkere und renommoriertere Schachspieler anzutreten. Wenn man selbst nicht Schach spielt, geraten die Beschreibungen von Zügen und Partien etwas weniger spannend. Dennoch bleibt die Darstellung von Beths Entwicklung zu einem besonderen Menschen und einer außerordentlichen Schachspielerin bemerkenswert und mit den Höhen und Tiefen von Beths Entwicklung hat man ein Bild von einem Mädchen wie aus dem Leben.

Veröffentlicht am 09.01.2022

Geschichte ruft

Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv
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Madeleine Maxwell bekommt von ihrer ehemaligen Lehrerin ein unerwartetes Jobangebot. Das St. Mary’s Institut betreibt Archäologie der ganz besonderen Art. Dafür muss Madeleine jedoch erstmal die Zusatzausbildung ...

Madeleine Maxwell bekommt von ihrer ehemaligen Lehrerin ein unerwartetes Jobangebot. Das St. Mary’s Institut betreibt Archäologie der ganz besonderen Art. Dafür muss Madeleine jedoch erstmal die Zusatzausbildung bestehen und bevor sie die überhaupt antreten kann, gilt es die Verschwiegenheitserklärung zu unterschreiben. Und jeder Fehler kann bedeuten, dass sie raus ist. Wie schnell das gehen kann, erfahren einige Mitbewerber gleich am Anfang. Doch Madeleine „Max“ boxt sich durch. Auch wenn sie sich nicht überall Freunde macht, ihre Jungfernreise besteht sie mit Bravour. Ihre erste echte Zeitreise. Archäologen und Archäologinnen wie sie dürfen bei historischen Ereignissen dabei sein.

Madeleine „Max“ Maxwell betritt die Bühne der Reihenheldinnen. Und schon bei ihrem ersten Auftritt hat sie einige gefährliche Abenteuer zu bestehen. Auf ihren Reisen sollen sie Informationen sammeln und Fragen klären, die in der Geschichte Rätsel aufgeben. Doch wie alle Zeitreisenden dürfen sie nicht eingreifen. Der Fluss der Historie muss erhalten bleiben, damit die Zukunft wie bekannt stattfinden kann. Natürlich gibt es eine Grauzone, denn wer würde einem Kind, das stürzt nicht wieder aufhelfen. Schnell muss Max feststellen, dass es nicht so einfach ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und sie bemerkt auch, dass in den Zeitläufen mehr Reisende unterwegs sind als geahnt.

Archäologie mal anders - wie im Klappentext aufgeführt, so könnte man diesen ersten Band und sicher auch die anderen der Reihe betiteln. Zwar muss zunächst die Ausbildung bestanden werden, damit die handelnden Personen und mit ihnen die Leser erstmal erfahren, worum es geht. Doch dann entspinnt sich eine interessante Handlung um Gegenwart und Vergangenheit. In Institut muss man wirklich aufpassen, weil nicht alle mit offenen Karten spielen. Und so kann Max manchmal nur raten, wer Freund oder Feind ist. Das Leben im Institut mutet mitunter wie ein Dasein im Internat an, mit Aktivitäten ebenso wie Feiern oder Gelagen. Ein kleines Manko möglicherweise, denn es hat etwas aufgepfropftes. Insgesamt jedoch bietet dieser Roman eine klasse Idee, die gut und spannend in Szene gesetzt wurde.