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Veröffentlicht am 12.02.2022

Verbrechensleserin

Gefrorenes Herz
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Maria Just ist als Polizeihistorikerin tätig. In dieser Funktion organisiert sie eine neue Ausstellung im Polizeimuseum, bei der ungeklärte Mordfälle der letzten Jahrzehnte dargestellt werden sollen. Eines ...

Maria Just ist als Polizeihistorikerin tätig. In dieser Funktion organisiert sie eine neue Ausstellung im Polizeimuseum, bei der ungeklärte Mordfälle der letzten Jahrzehnte dargestellt werden sollen. Eines Morgens führt ihr Arbeitsweg geradewegs an einem Tatort vorbei oder würde daran vorbeiführen, denn Maria wird gebeten, einen anderen Weg zu nehmen. An besagtem Tatort wurde der Generalsekretär des dänischen Roten Kreuzes tot aufgefunden. Mit den Ermittlungen betraut werden Mikael Dirk und der ihm neu zuteilte Partner Frederick Dahlin, wobei der jüngere Dahlin dem älteren Dirk noch etwas suspekt erscheint. Immerhin, die Leitung liegt bei Dirk. Diese Klärung hilft zunächst auch nicht weiter, denn es ergibt sich kein Motiv für die Tat.

Das neu gebildete Ermittler-Team mit einigen Anfangsschwierigkeiten, hat zu Beginn Mühe, die uneindeutigen Spuren zu einem Bild zusammenzufügen. Auch die Polizeihistorikerin, die ihre Ausstellung gerne mit Leben füllen möchte, läuft bei den alten Beteiligten vor verschlossene Türen. Erst als sich durch eine Presseveröffentlichung wird es Maria ermöglicht, einen möglichen Zusammenhang zwischen ihrem Ausstellungsfall und dem aktuellen Mordfall zu entdecken. Zwar ist Mikael Dirk erstmal skeptisch, aber dennoch soll in alle Richtungen ermittelt werden. Und so zeichnet sich ab, dass hier möglicherweise ein Fall vorliegt, der die Lernfähigkeit von Menschen bezweifeln lässt.

In diesem Reihenstart stellt das Autorinnen-Duo ihr Team vor, deren Mitglieder sich untereinander noch kennenlernen müssen. Gerade zu Beginn der Ermittlung nimmt dies etwas viel Raum ein und auch die langsam voranschreitende Ermittlung erfordert ein klein wenig Durchhaltevermögen. Ist jedoch einmal der Zusammenhang zwischen dem Ausstellungsthema und dem Mordfall hergestellt, verfolgt man mit Spannung, was da zutage tritt. Das generelle Thema ist vielleicht aus allgemeinen Presseveröffentlichungen grundsätzlich bekannt. Dennoch erstaunt es ungemein, dass derartige Aktivitäten unter dem Deckmäntelchen der guten Absichten wohl noch häufiger zu finden sind als eh schon befürchtet. In diesen sehr fesselnden Kriminalfall mit seinen klug zusammengefügten Wendungen wird einem auf mahnende, aber auch packende und unterhaltsame Weise dargebracht, dass immer versucht werden sollte, das vermeintlich Beste nicht als Ausrede für eigentlich ungute Taten zu nehmen.

Dies Reihendebüt fesselt mit seinem brisanten Thema und seinen Ermittlern, die mit ihren Ecken und Kanten umso sympathischer wirken.

Veröffentlicht am 11.02.2022

Lady Spürnase

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar
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Mit 77 Jahren ist Judith Potts fit wie ein Turnschuh. Wenn möglich schwimmt sie jeden Tag im Fluss. Während einer ihrer Schwimmtouren beobachtet sie, wie ihr Nachbar von der gegenüber liegenden Flussseite ...

Mit 77 Jahren ist Judith Potts fit wie ein Turnschuh. Wenn möglich schwimmt sie jeden Tag im Fluss. Während einer ihrer Schwimmtouren beobachtet sie, wie ihr Nachbar von der gegenüber liegenden Flussseite umgebracht wird. Die Polizei geht von Selbstmord aus und will die Ermittlungen schnell abschließen. Das geht gegen Judiths analytische Fähigkeiten, die sie mit ihrer Tätigkeit als Kreuzworträtsel-Autorin auf Trab hält. Aber wenn die Polizei nicht will, dann wird Judith eben selbst herausfinden, wer einen Grund hatte, ihren Nachbarn zu töten und wieso. In ihrem kleinen Heimatstädtchen Marlow dürfte es so ein verbrechen überhaupt nicht geben.

Mit diesem Reihenbeginn stellt der Autor seine kleine Gang von besonderen Detektivinnen vor. In der englischen Kleinstadt Marlow treiben sie gerade kein Unwesen. Judith lebt schon seit langem allein in einem Herrenhaus, dass sie von ihrer Tante geerbt hat. Rebecca, genannt Becks, führt ihrem Mann, dem Pfarrer, mit Hingabe den Haushalt. Und Suzie ist sicherlich die beste Hundeausführerin in ganz Marlow. Doch noch kennen sich die drei Frauen nicht. Wie sie es gewohnt ist, begibt Judith sich erstmal alleine auf Spurensuche. Das Opfer soll ein Gauner gewesen sein. Das passt so garnicht zu dem Bild, welches sie von ihrem Nachbarn hatte.

Drei vielleicht etwas exzentrische, aber sehr liebenswerte Hobby-Detektivinnen beginnen hier mit ihren ersten Ermittlungen. Ob sie die diversen Drinks, die sie zu sich nehmen, tatsächlich brauchen, kann wohl dahingestellt bleiben. Jedenfalls haben die drei unverhofften Ermittlerinnen jede ihre speziellen Qualitäten, mit denen sie sich bei den Nachforschungen ergänzen. Beim Lesen macht es Spaß, die Fähigkeiten der drei Frauen zu entdecken. Sogar die Polizistin Tanika kann sich ihrem Charme nicht entziehen, auch wenn sie ihnen sicher manchmal die Leviten lesen möchte. Das kleine Örtchen Marlow kann man zudem im Internet besichtigen und sich ausmalen, welche Wege Judith wohl benutzt und wie sie mit dem Boot über den Fluss stakt.

Dieser Cozy-Crime mit seinem verzwickten Fall, der klassisch gelöst wird, macht gute Laune. Man kann sich gerne auf mehr von Judith und ihren Freundinnen freuen.

Veröffentlicht am 05.02.2022

Sisters

LONG BRIGHT RIVER
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Sie sind doch Schwestern, Michaela und Kacey, doch sie haben seit langer Zeit keinen richtigen Kontakt mehr. Mickey hat nach ihrem Schulabschluss bei der Polizei angefangen und nun über zehn Jahre später ...

Sie sind doch Schwestern, Michaela und Kacey, doch sie haben seit langer Zeit keinen richtigen Kontakt mehr. Mickey hat nach ihrem Schulabschluss bei der Polizei angefangen und nun über zehn Jahre später fährt sie immer noch Streife. So hoffte sie, ihre Schwester im Auge behalten zu können. Kacey ist irgendwann in die Drogensucht abgeglitten und Mickey sieht keine andere Chance, wie sie ihre Schwester schützen kann als durch die Straßen zu patrouillieren. Plötzlich jedoch ist Kacey auch von der Straße verschwunden und Mickey macht sich auf die Suche. Zur gleichen Zeit werden in Kensington, einem Stadtteil von Philadelphia, einige junge Frauen ermordet.

Viel unterschiedlicher könnten die Schwestern Mickey und Kacey nicht sein. Großgezogen wurden sie von ihrer Großmutter, denn ihre Mutter ist in jungen Jahren den Drogentod gestorben. Und macht sich Mickey große Sorgen um ihre jüngere Schwestern, aber auch die Schicksale der getöteten Frauen gehen ihr nahe. Neben der Suche nach Kacey beginnt Mickey auch in den Todesfällen zu ermitteln. Als Streifenpolizistin ist sie dafür eigentlich nicht zuständig, aber sie gewinnt den Eindruck, dass die Detectives kein großes Interesse an der Klärung der Mordfälle haben. Meist ist Mickey alleine unterwegs. Ihr ehemaliger Partner ist nach einer Verletzung im Dienst immer noch krankgeschrieben.

Ist es eine Familiengeschichte oder ein Kriminalroman? Wahrscheinlich ist es beides. Denn Mickey öffnet sich den Lesern und Leserinnen, indem sie sich erinnert. Wie war es als sie und Kacey zusammen aufwuchsen? Wie haben sie sich bis heute entwickelt? Und auch in ihr gegenwärtiges Leben gibt sie Einblicke. Ihre Suche nach der Schwester, aber auch nach Antworten. Daraus entwickelt sich eine Spannung, der man sich kaum entziehen kann. Die Familiengeschichte entwickelt sich zu einem Drama, während der Kriminalfall beinahe zum Thriller wird. Dazu erfährt man noch einiges über den arg gebeutelten Stadtteil Philadelphias, bei dessen Namen man zunächst nicht an Amerika denkt. Dieser Roman zeigt eine gelungene Mischung aus Information, Krimi und Familiengeschichte. Ein spannendes Gerne-Les-Buch.

Veröffentlicht am 04.02.2022

Das Brot

Wir sind das Licht
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In der Wohngruppe Klang und Liebe wohnen Melodie, ihre Schwester Elisabeth, Muriel und Petrus. Sind auf der Suche und auf diesem Weg wollen sie entsagen. Besonders Melodie ist der Meinung, dass sie den ...

In der Wohngruppe Klang und Liebe wohnen Melodie, ihre Schwester Elisabeth, Muriel und Petrus. Sind auf der Suche und auf diesem Weg wollen sie entsagen. Besonders Melodie ist der Meinung, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Doch eines Abends verspürt Elisabeth das Bedürfnis, sich hinzulegen. Ihr wird alles zu viel. Elisabeth stirbt. Und der Arzt, der den Totenschein ausstellen soll, kann keinen natürlichen Tod bescheinigen. Die drei verbliebenen Hausbewohner werden vorläufig festgenommen. Damit hat die Polizei zwei Tage Zeit, um herauszufinden wieso Elisabeth vor der Zeit gestorben ist.

Aus wirklich sehr verschiedenen Perspektiven schildert die Autorin das Geschehen. Und lernen der Leser Melodie kennen, die nach dem Scheitern nie wieder richtig auf die Füße gekommen ist und nun den Vorsitz genießt. Ebenfalls zu treffen ist Muriel, die sich nicht mehr im Einzelnen an den Abend erinnern kann. Und Petrus, der mit seiner Wut beschäftigt ist, er konnte nicht bemerken, dass es Elisabeth nicht wohl war. Kann die Polizei überhaupt eine Chance haben, hier Licht ins Dunkel zu bringen? Besonders die Beamtin Lies engagiert sich, sie fühlt sich in bestimmten Momenten an ihre Tochter erinnert, die ihr viel Kummer bereitet.

Dieser Roman ist irgendwie kurios, ungewöhnlich und außergewöhnlich. Gerade die unterschiedlichen Perspektiven, die die Autorin wählt; darunter unter anderem ein Brot; machen die Handlung sehr speziell und damit fesselnd. Für Menschen, die gerne Kriminalromane lesen, hat dieses Werk einen gewissen Reiz, nur könnte der Ausklang als etwas zu offen empfunden werden. Dennoch ist das Lesevergnügen groß, diesen Roman muss man möglicherweise einmal entdecken und dann nochmal genießen. Auch wenn die handelnden Personen vielleicht als eher eigen auftreten, so ist die Art wie man sich ihnen annähert fast schon genial. Dieser Roman besticht wahrhaftig durch seine wunderbare Form, ein Feuerwerk an Anreizen fürs Denkorgan.

Veröffentlicht am 31.01.2022

Sie kann es nicht lassen

3 Zimmer, Küche, Mord
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Loretta Luchs hat dem Ermitteln abgeschworen, ein für allemal. Ein Zeichen für die Erneuerung ist auch Lorettas Wunsch nach einer neuen Wohnung. Und sie hat Glück, ihre Bewerbung bei der quasi Verwalterin ...

Loretta Luchs hat dem Ermitteln abgeschworen, ein für allemal. Ein Zeichen für die Erneuerung ist auch Lorettas Wunsch nach einer neuen Wohnung. Und sie hat Glück, ihre Bewerbung bei der quasi Verwalterin Frau Schiller wird erhört. Der Umzug ist schnell geschafft und auch Kater Baghira gewöhnt sich schnell ein. Loretta hat nun einen Balkon, welch eine neue Lebensqualität. Die allerdings wird etwas eingetrübt, als sie eines Morgens einen der neuen Nachbarn bewegungslos auf einer der Bänke im Hof sieht. Schnell eilt Loretta zur Hilfe, nur um feststellen zu müssen, dass für den jungen Mann jede Hilfe zu spät kommt.

Nach dem letzten Fall, der Loretta sehr ins Nachdenken gebracht hat, will Loretta wirklich der Polizei nicht mehr ins Handwerk pfuschen. Und es lässt sich alles so gut an. Die neuen Nachbarn sind zwar etwas neugierig, aber doch nett. Gleich wird Loretta in die Hausgemeinschaft einbezogen. Natürlich bekommt sie auch mit, dass besonders das Mädchen von oben, Harmony, sehr bedrückt wirkt. Ihr Stiefvater scheint von seinem Lehrerberuf auch nach Feierabend nicht lassen zu können. Die Mutter des jungen Mädchens ist froh, wieder einen Partner zu haben. Für die Probleme ihrer Tochter ist sie nicht offen.

Lorettas neue Umgebung sorgt für eine echte Frische. Man kann sich gut vorstellen, wie sie gemeinsam mit Baghira ihren neuen Balkon genießt. Und doch, sie kann es nicht lassen. Als sie den jungen Mann findet, ruft sie natürlich die Polizei und fängt ebenso natürlich selbst an, sich Gedanken zu machen. Loretta bleibt eben Loretta. Vielleicht sollte sie doch Privatdetektivin werden oder direkt bei der Polizei anfangen. Das Ermitteln ist wohl einfach ihre Berufung. Keine große Überraschung, dass Loretta nachforscht. Und auch keine Überraschung, dass sie mit Kommissarin Küppers aneinander gerät. Das ist wie ein Treffen mit alten Bekannten. Auch wenn einem durchaus die Idee kommen könnte, sie hätte es diesmal mit dem Ermitteln sein lassen, so gefällt ihre gewitzte Art. Diese unterhaltsame Sommerlektüre erhellt eine trüben Wintertag.