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Veröffentlicht am 16.11.2021

Die Pastorin

Wir sind schließlich wer
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Anna von Betteray ist die Rebellin in der Familie. Unter anderem aus Protest gegen die katholischen Dogmen, die bei den Betterays gelebt werden, hat sie Theologie studiert. Nun hat sie eine Vertretungsstelle ...

Anna von Betteray ist die Rebellin in der Familie. Unter anderem aus Protest gegen die katholischen Dogmen, die bei den Betterays gelebt werden, hat sie Theologie studiert. Nun hat sie eine Vertretungsstelle als evangelische Pastorin in der kleinen Gemeinde Alpen ungefähr eine halbe Stunde von ihrem Elternhaus entfernt. Die Gemeindemitglieder sind überrascht als sie ankommt. Sie ist eine Frau, geschieden und eigentlich zu jung. Anna merkt, sie wird es nicht leicht haben. Und auch mit der Familie gibt es Schwierigkeiten. Die behütete Welt ihrer Schwester Maria bricht zusammen als ihr Mann wegen eines Bankskandals verhaftet wird. Allerdings bringt dieses Ereignis auch Probleme zutage, die sowieso schon schwelten.

Mechthild von Betteray wollte immer nur das Beste für ihre adeligen Kinder, besonders für ihre beiden Töchter, die einige Zeit nach den Jungen geboren wurden. Ob ihre Vorstellungen davon noch der heutigen Zeit entsprechen, zumindest Anna ist anderer Meinung. Maria hat ihren Grafen bekommen und muss mit ihm leben. Seine Verhaftung ist eine Katastrophe, die besonders ihrem Sohn Sascha das Leben schwer macht. Maria bricht unter der Last zusammen und Anna muss sowohl als Seelsorgerin und natürlich auch als Schwester einspringen. So ist sie mit Goldendoodle Freddy häufiger daheim als gedacht.

Es ist schon eine besondere Familie, die die Autorin hier zu Wort kommen lässt. Was relativ harmlos mit der Vertretung des erkrankten Pastors beginnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Drama. Auch wenn man manchmal denkt, das ist zu viel, so bleibt die Handlung doch immer nah bei den handelnden Personen, die auch mit ihren Eigenheiten und Problemen sympathisch bleiben. Das dörfliche Leben am Niederrhein wird mit kleinen Spitzen und einer gehörigen Portion Humor geschildert, so dass die dramatischen Ereignisse um Maria und ihre Familie den Roman gerade im richtigen Maß bestimmen. Diese schöne turbulente Familiengeschichte, in der kleine und große Dramen durchzustehen sind, liest sich ausgesprochen gut und macht neugierig auf die anderen Romane der Autorin.

Veröffentlicht am 14.11.2021

Technokiller

Der Zeitindex
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Der Job der Analystin Quinn Mitchell ist erledigt. Mit einem Team konnten sie Anschläge verhindert. Am liebsten würde Quinn weiterhin von Schreibtisch aus arbeiten. Doch die CIA hat etwas anderes mit ihr ...

Der Job der Analystin Quinn Mitchell ist erledigt. Mit einem Team konnten sie Anschläge verhindert. Am liebsten würde Quinn weiterhin von Schreibtisch aus arbeiten. Doch die CIA hat etwas anderes mit ihr vor. Seit Wochen bringt ein mysteriöser Killer scheinbar grundlos Menschen um. Nicht einmal vor Jungendlichen macht er halt. Mit ihren analytischen Fähigkeiten soll Quinn versuchen, ihn zu finden. Dafür muss sie ins Feld und sie muss sich den Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit stellen. Strukturiert entschlüsselt Quinn erste Hinweise und ihr Weg führt sie durch die Welt. Wird sie es schaffen, dem Mörder auf die Spur zu kommen?

Der Roman beginnt mit der spannenden Jagd nach einem Serienmörder. der bereits mehrere junge Menschen scheinbar wahllos umgebracht hat. Die CIA Agentin Quinn ist erstmals im Feld. So wohl fühlt sie sich da nicht, aber die für sie ungewohnte Tätigkeit scheint sie zu außergewöhnlichen Leistungen anzustacheln. Ihre Vergangenheit ist ihr immer präsent, ihre Scheidung hängt ihr arg nach. Sie vermisst ihren Ex-Mann, auch wenn sie nicht mehr zusammenbleiben konnten. Jedoch darf sich Quinn nicht ablenken lassen. Sie muss sich zusammenreißen und alles unternehmen, um den Täter zu fassen. Vielleicht kann Henrietta eine weitere Mitarbeiterin, sie unterstützen.

In der nahen Zukunft sind die technischen Möglichkeiten den heutigen deutlich überlegen. Nur so kann es den Zeitindex geben, ein Projekt, das weitgehend geheim gehalten wird. Quinn erweist sich als findige Ermittlerin, die manchmal überfordert wirkt. Kein Wunder, sie wird ja quasi ins kalte Wasser gestoßen. Der Täter soweit man ihn kennt, wirkt dagegen fasst allwissend und souverän. Und immer wieder taucht der Zeitindex auf. Sehr geheimnisvoll, allerdings auch mitunter mit einer technischen Herangehensweise nicht immer ganz leicht zu verstehen. Dennoch ist die Handlung so fesselnd, dass man das Buch fast an einem Tag durchlesen möchte. Ein packender Science Fiction Thriller bietet eine interessante Abwechslung.

Veröffentlicht am 12.11.2021

Florida

Die Eroberung Amerikas
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Im Jahr 1538 macht sich der Eroberer Ferdinand Desoto mit seinem Tross auf den Weg nach Amerika, um Florida einzunehmen und Eldorado zu finden. In seiner Mannschaft kommt ein buntes Volk zusammen. Auch ...

Im Jahr 1538 macht sich der Eroberer Ferdinand Desoto mit seinem Tross auf den Weg nach Amerika, um Florida einzunehmen und Eldorado zu finden. In seiner Mannschaft kommt ein buntes Volk zusammen. Auch seine ungeliebte Frau ist mit dabei, sie ist die Schwester seiner großen Liebe. Desoto ist auf seinen vorherigen Fahrten reich geworden. Deshalb geht es ihm wohl mehr um den Ruhm. In Havanna zwischengelandet, lässt er seine Frau als Gouverneurin zurück. An der amerikanischen Küste angekommen, treffen die Seefahrer bald auf einheimische Völker. Derweil klagt in der Gegenwart ein Anwalt gegen den damaligen Verkauf des Landes an die Eroberer.

Wieder widmet sich der Autor einem geschichtlichen Ereignis. Die Entdeckerfahrt des Ferdinand Desoto, der auch als Namensgeber einer amerikanischen Automarke gilt, im Spannungsfeld mit der Klage des Anwalts vor einem amerikanischen Gericht, bildet den Rahmen für eine ungewöhnliche Erzählung. Eroberer, Gauner und Seefahrer machen sich auf den Weg nach Amerika. Die Meisten haben ihrer eigenen Gründe, sich auf die Reise zu begeben. In der damaligen Zeit barg das Unterfangen nicht unerhebliche Gefahren. Dies und auch die persönlichen Querelen für zu empfindlichen Verlusten. Doch wie kommt dann ein Anwalt in der Gegenwart dazu, eine Sammelklage einzureichen?

Die Idee, über die Jahrhunderte einen Spannungsbogen zu legen, weckt sofort Interesse. Leider kommt der Prozess, der in der Gegenwart stattfindet, und der Weg des Anwalts dahin, etwas zu kurz. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Eroberungsreise mit ihren vielen sehr unterschiedlichen Teilnehmern und den Eroberten, die selbstverständlich nicht unbedingt, damit einverstanden sind, erobert zu werden. Das Kaleidoskop der Handelnden ist sehr vielfältig und jeder hat eine Geschichte zu erzählen. Wie während einer solchen Eroberung nicht anders zu erwarten, kommt es auch zu einigen Gemetzeln, die manchmal ein wenig schwer verdaulich sind. Der Roman ist in einer witzigen und pointierten Sprache geschrieben, so manches Mal stutzt man, ehe man die Verbindung zieht und ein Lächeln auf den Lippen hat.

Veröffentlicht am 08.11.2021

Hohes Venn

Grenzgänger
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Dies ist die Geschichte von Henni Schöning und ihrer Familie. Noch während des zweiten Weltkrieges lebten sie einfach, aber zufrieden. Doch nach dem Krieg kehrte der Vater als ein anderer zurück und Hennie ...

Dies ist die Geschichte von Henni Schöning und ihrer Familie. Noch während des zweiten Weltkrieges lebten sie einfach, aber zufrieden. Doch nach dem Krieg kehrte der Vater als ein anderer zurück und Hennie ist diejenige, die versucht die Familie zusammenzuhalten. Mit vierzehn ist sie einfach zu jung. Und ihre Brüder kommen ins Heim, während sie selbst wegen Kaffeeschmuggel im Besserungsheim landet. Der Vater von allem überfordert hat sich der Kirche zugewandt, was ihm vielleicht Halt gibt, sich allerdings nicht als hilfreich erweist. Jahre später verfolgt Hennies Schulfreundin Elsa einen Prozess, in dem keine andere als Hennie angeklagt ist.

Die Härten der Nachkriegszeit waren nur schwer zu ertragen. Auch wenn man nicht vergessen darf, dass dieser Krieg ohne die Deutschen in dieser Form nicht stattgefunden hätte, so waren die ersten Jahre nach dem Krieg auch für die Deutschen schwer. Am Beispiel eines kleinen Dorfes im Deutsch-Belgischen Grenzgebiet wird hier deutlich, dass es manchmal ums blanke Überleben ging. Ein Mädchen wie Hennie musste viel zu früh erwachsen werden, die Mutter allzu früh gestorben und der Vater nach dem Kriegseinsatz nicht mehr richtig lebenstüchtig. Hennie leidet sehr darunter, dass sie nicht verhindern konnte, dass ihre Brüder ins Heim gebracht wurden.

Mit sehr eindringlichen Worten schildert die Autorin die schier unsäglichen Verhältnisse in den Kinderheimen der 1950er. Die tragischen Ereignisse, die dazu führten, dass Hennies Brüder dort untergebracht wurden, sind an Dramatik kaum zu überbieten. Doch zu lesen wie die Kinder in den Heimen gequält und drangsaliert wurden ist kaum zu ertragen. Und dass sich die Heimleitung auch noch damit herausreden kann, es sei zum Besten der Kinder, ist aus heutiger Sicht einfach unverständlich. Eine solche Kindheit kann man nur zu überleben versuchen. Und nicht alle haben das geschafft. Auch Hennie muss einiges mitmachen, wenn sie durch den Schmuggel auch nicht ganz unverschuldet dort hineingerät, so lastete doch zu viel auf ihr. Von zwei Zeitebenen aus lässt die Autorin ihre Leser an den Geschehnissen teilhaben. Während der gesamten Lektüre bleibt man im Bann der Geschichte und man verdammt den Krieg und dessen Folgen. Dieser zeitgeschichtliche Roman reißt mit und regt zum Nachdenken an.

Veröffentlicht am 07.11.2021

Perle des Nordens

Elbleuchten
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Im Jahr 1886 hat Lily Karsten die Ehre das neue Schiff ihres Vaters zu taufen. Doch ihr Bruder Franz haut einfach mit der Kutsche ab. Um noch pünktlich zu sein, schnappt sie sich das neue Fahrrad und schafft ...

Im Jahr 1886 hat Lily Karsten die Ehre das neue Schiff ihres Vaters zu taufen. Doch ihr Bruder Franz haut einfach mit der Kutsche ab. Um noch pünktlich zu sein, schnappt sie sich das neue Fahrrad und schafft es so gerade. Natürlich erregt sie Aufsehen mit ihrem Auftritt, ihre Rede kommt gut an. Dummerweise reißt der Wind ihr den Hut von den Haaren. Ein Arbeiter will ihr helfen, das gute Stück zurück zu bekommen. Dabei kommt es zu einem tragischen Unglück, in dessen Folge der Arbeiter sein Leben verliert. Für Lily ist dies ein Wendepunkt, denn sie will der Familie ihre Hilfe anbieten und wagt sich dabei in die Arbeitergegend Hamburgs vor.

In diesem ersten Band um die Hamburger Reederfamilie Karsten wird es gleich sehr dramatisch. Der tragische Unfall bringt Lily Karten in Kontakt mit Jo Bolten, der sie durch das Gängeviertel. Aus einem gut situiertem Haus stammend ist die junge Lily erstmal schockiert. Dennoch versucht sie etwas für die Familie des Arbeiters zu tun. Ihre Eltern dürfen davon nichts wissen, sie wären entsetzt, wenn sie wüßten, wo Lily sich rumtreibt und was für Gedanken sie sich macht. Dabei ist Lily nicht die Einzige des Karstens, die etwas zu verbergen hat.

Das Schicksal von Lily und Jo ist für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich. Unter anderen Umständen hätten sich der Hafenarbeiter und die Reedertochter nie getroffen. Für beide beginnt eine Zeit des Umbruchs, die sie für immer verändern wird. Deutlich wird dabei, dass das Leben der armen Menschen zwar voller Sorge, aber nicht immer unglücklich ist, während die Reichen weniger Sorgen haben, was aber nicht heißen muss, dass sie glücklich sind. Sowohl Jo als auch Liliys Famlie haben Geheimnisse, die nicht ans Licht kommen sollen. Und Lily, die für ihre Zeit sehr fortschrittliche Ansichten hat, schwebt in Gefahr, zwischen den Polen zerrieben zu werden. Beim Hören dieses Romans fliegt die Zeit nur so dahin, die realitätsnah geschilderten Ereignisse überschlagen sich mitunter. Das scheint manchmal schon zu viel des Dramas. Dennoch bleibt man gefesselt und will unbedingt wissen, ob Lily durch den Sturm des Lebens steuern kann. Von Tanja Fornaro wird dieses Hörbuch sehr glaubhaft vorgetragen, man wähnt sich wie mitten im Geschehen.