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Veröffentlicht am 04.09.2021

Winter in Leipzig

Eisige Tage
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Der Anwalt Michail Malinowski wird tot in seinem Auto aufgefunden. Trotz der Eiseskälte bietet die Leiche mit der Schusswunde keinen schönen Anblick. Die Kommissare Hanna Seiler und Milo Novic haben zunächst ...

Der Anwalt Michail Malinowski wird tot in seinem Auto aufgefunden. Trotz der Eiseskälte bietet die Leiche mit der Schusswunde keinen schönen Anblick. Die Kommissare Hanna Seiler und Milo Novic haben zunächst nicht viele Anhaltspunkte. Offensichtlich hat der Tote wohl Verbindungen zum organisierten Verbrechen gehabt. Eine Befragung des örtlichen Paten bringt jedoch nichts, er behauptet, er habe die Dienste des Anwalts schon seit Jahren nicht mehr in Anspruch genommen. Wer sollte also Interesse am Tod Malinowskis gehabt haben? Die Lebensumstände erweisen sich als ungewöhnlich. Er lebte fast verwahrlost, hatte aber dennoch wertige Besitztümer. Aus seiner Tätigkeit als Anwalt kann er das nicht finanziert haben.

In ihrem ersten Fall haben Seiner und Novic es gleich mal nicht leicht. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Zeugen nicht gerade auskunftsfreudig. Aus kleinen Indizien müssen sie versuchen, etwas herauszulesen. Eine erste Spur ergibt sich aus den Akten des Anwalts. Hier entdecken die Ermittler Fotos von offenbar noch minderjährigen Mädchen. Wie ist Malinowski an die Bilder gekommen? Und zu welchem Zweck wurden sie aufgenommen? So langsam wird es Hanna Seiler und Milo Novic unheimlich. Was für einer Sache sind sie da auf die Spur gekommen?

Dieser Kriminalroman ist wirklich eine kleine Entdeckung. Vom sympathischen Ermittlerteam bis zu dem spannenden Fall. Seiler und Novic sind sehr unterschiedliche Charaktere, ergänzen sich in ihrer Arbeit aber gerade deshalb sehr gut. Was sie in ihrem bisherigen Leben mitgemacht haben, wird angedeutet und von ihrem Privatleben wird mit angenehmer Zurückhaltung berichtet. Intensiver geht es da schon um den Mord, der zunächst viele Rätsel aufgibt. Der Gedanke, dass er sich nicht im Russen-Milieu abgespielt haben soll, erscheint etwas abwegig. Umso geschickter ist dem Autor hier eine Art Quadratur des Kreises gelungen, die zu einigen überraschenden Wendungen führt. Es wird von einer Wirklichkeit berichtet, die hoffentlich in großen Teilen der Phantasie entsprungen ist. Jedenfalls ist man von Beginn an gepackt und man hechelt durch das Buch, weil man einfach schnell die Zusammenhänge erkennen möchte.

Veröffentlicht am 03.09.2021

Gemäldegewirr

Im großen Stil
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In Berlin wird in seinem Haus ein toter Kunstsammler gefunden. Kommissar Thomas Bernhardt staunt nicht schlecht als er die opulente Gemäldesammlung an den Wänden sieht. Es sind einige alte Meister dabei, ...

In Berlin wird in seinem Haus ein toter Kunstsammler gefunden. Kommissar Thomas Bernhardt staunt nicht schlecht als er die opulente Gemäldesammlung an den Wänden sieht. Es sind einige alte Meister dabei, die können eigentlich nur gefälscht sein. Bei seiner Heimkehr nach Wien findet Christian Wiedering seinen Lebensgefährten, einen bekannten Kunstgutachter, tot in der Badewanne. Inspektorin Anna Habel ist mit ihrem Team zur Stelle, denn an dem Tod ist etwas eigenartig. Ihre Vermutung, dass ein Verbrechen vorliegen könnte, bestätigt sich bald. Und unter dem Email-Kontakten des Toten befindet sich die Adresse eines Sammlers in Berlin.

Zum vierten Mal ermitteln Berlin und Wien gemeinsam. Die forsche Anna Habel, die immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat, und der brummige Thomas Bernhardt, dem sein Heuschnupfen arg zu schaffen macht, was seine Laune nicht eben verbessert. Sowohl getrennt als auch im Austausch gehen sie den Hinweisen nach. Kurios wird es, als einer der alten Meister aus dem Haus des Kunstsammlers gleichzeitig in einem Museum in Wien ausgestellt wird. Eigentlich sollte es das Bild nur einmal geben und nun drängt sich die Frage auf, welches die Fälschung ist. Da die Kunstszene doch als einigermaßen elitär gilt, erweisen sich die Ermittlungen als nicht so einfach.

Obwohl es sich wie erwähnt um den vierten Teil einer Reihe handelt, muss man zum Verständnis die Vorbände nicht kennen. Gleichwohl könnten einen die sympathischen Ermittler durchaus veranlassen, sich auch den anderen Bänden zuzuwenden. Nur in zwei kleinen Punkten wirkt der Krimi nicht ganz realistisch, als sich Bernhardt unnötig daneben benimmt und als Habel einer gewissen Fehleinschätzung unterliegt. Davon abgesehen decken sie ein spannendes Komplott in der Kunstszene auf, wobei die beiden Schauplätze sehr geschickt verwoben werden und die vermeintlichen Täter mit Dreistigkeit und Intelligenz agieren, sie somit alles andere als leicht zu entlarven sind. Ein schönes Krimiprojekt zwischen den Polen Wien und Berlin.

Veröffentlicht am 03.09.2021

Vatertochter

Westwall
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Julia Gerloff hat ihr Ausbildung bei der Polizei in Brühl begonnen. Das ist nun ziemlich das Letzte, womit ihr Vater Wolfgang gerechnet hat. Er, der Ex-Punk ist nach einem Unfall gelähmt und musste aus ...

Julia Gerloff hat ihr Ausbildung bei der Polizei in Brühl begonnen. Das ist nun ziemlich das Letzte, womit ihr Vater Wolfgang gerechnet hat. Er, der Ex-Punk ist nach einem Unfall gelähmt und musste aus gesundheitlichen Belangen den Bauwagen verlassen und in eine Wohnung ziehen. Nun hat Julia den jungen Nick kennengelernt, er hat so das gewisse Etwas und ist dazu noch recht geheimnisvoll. Zu geheimnisvoll vielleicht? Julia beginnt Nachforschungen anzustellen. Zunächst kann Nick alle Zweifel zerstreuen, aber als Julia entdeckt, dass er ihr einen falschen Namen genannt hat, ist es erstmal aus.

Über ihre Mutter weiß Julia Gerloff nicht viel, ihr Vater war immer die Bezugsperson und er hat sich zu dem Thema bedeckt gehalten. In die Polizeifamilie fühlt sich Julia aufgenommen, obwohl die manchmal in Versuchung ist, das aufs Spiel zu setzen. Nicht immer spielt sie hundertprozentig nach den Regeln. Verständlich, denn sie will mehr über Nick herausfinden, der möglicherweise Verbindungen in die rechte Szene hat. Etwas, wovon Julia sich fernhalten will. Oder soll sie Nick noch eine Chance geben? Und was, wenn es noch ganz andere Player gibt? Und wieso macht ihr Vater immer dicht, wenn es um ihre Mutter geht?

Auf spannende Weise verknüpft der Autor die Spuren zu Julias Vergangenheit mit einem aktuellen Geschehen. Dabei arbeitet er sehr vielschichtige Charaktere heraus, von denen die meisten sowohl sympathische Züge haben, als auch solche, mit denen man sich nicht identifizieren möchte. Wie sich die Gruppe im Wald ausbilden konnte, wird nicht ganz klar. Aber wer alles mitmischt, wirkt schon sehr realistisch. Man könnte annehmen, dass Julia von Wind und Wellen hin und her geschleudert wird und nicht so viel Einfluss auf das Geschehen hat. Ebenso wenig wie Nick, der sich erpressbar gemacht hat. Vor dem Setting der Anlagen des Westwalls entwickelt sich eine fesselnde Handlung mit einem explosiven Finale.

Veröffentlicht am 02.09.2021

Hitze Afrikas

Wild Card
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Seine Tante Blossom hat ihm vor fünfzehn Jahren die Ausreise nach London ermöglicht. Und nun reist Weston Kogi zurück in sein Heimatland, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Auf der Beerdigung trifft er ...

Seine Tante Blossom hat ihm vor fünfzehn Jahren die Ausreise nach London ermöglicht. Und nun reist Weston Kogi zurück in sein Heimatland, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Auf der Beerdigung trifft er seinen alten Schulplagegeist Church, vor dem er angibt, er sei Polizist bei der Met. In Wahrheit arbeitet Weston als Wachmann in einem Supermarkt. Hätte er nur geahnt, was er damit anrichtet. Als er nach dem Leichenschmaus wieder zu sich kommt, ist Weston im Lager der Befreiungsarmee und dort bekommt er den Auftrag, einen Mord aufzuklären. Die Rückreise nach England rückt damit in weite Ferne.

So stolpert Weston Kogi, der von seinem Familienoberhaupt einst verstoßen wurde, eher unfreiwillig zum Privatermittler. Seine alte Liebe Nana hilft ihm dabei, obwohl Weston damals abgehauen ist. Das Mordopfer war auf einer Friedensmission und sollte zwischen den beiden verfeindeten Parteien vermitteln. Auf dem Weg geriet es offensichtlich in eine Sprengfalle und die Tat wurde nie aufgeklärt. Überrascht stellt Weston fest, dass damals tatsächlich einigen genau gesagt allen Indizien nicht nachgegangen wurde. Können seine Nachforschungen etwa den Bürgerkrieg positiv beeinflussen und den Friedensprozess wieder in Gang bringen? Nach und nach bemerkt Kogi jedoch, dass er möglicherweise von unterschiedlichen Parteien gesteuert wird.

Weston Kogi ist schon ein uriger Typ, der eigentlich nur widerwillig in seine Heimat zurückgekehrt ist. Sein Land in Westafrika ist zwischen verschiedenen Bürgerkriegsparteien zerrissen, von Anschlägen, Überfälle und Straßenkämpfen geplagt. Diese Umgebung bildet bei der Lektüre ein ungewöhnliches Setting, da fällt die Korruption der Machthaber kaum noch ins Gewicht. Weston fügt sich erstaunlich schnell wieder ein, er hat allerdings auch keine andere Chance. Er stolpert von einer gefährlichen Situation in die andere, da stockt einem während der Lektüre mitunter der Atem und immer weiter wird das Gänseblümchen entblättert und es treten neue Fakten ans Licht. Ehe man sich versieht, ist man schon am Ende dieses Thrillers angelangt. Leseempfehlung für einen Thriller zum Inhalieren.

Veröffentlicht am 31.08.2021

Dunkle Gasse

Slade House
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Es ist wahrlich eine dunkle Gasse, die zum Slade House führt. Und die Tür, die in den Garten führt, übersieht man leicht, wenn man nicht die Gabe hat, sie zu sehen und eine Einladung. Die wird nur alle ...

Es ist wahrlich eine dunkle Gasse, die zum Slade House führt. Und die Tür, die in den Garten führt, übersieht man leicht, wenn man nicht die Gabe hat, sie zu sehen und eine Einladung. Die wird nur alle neun Jahre ausgesprochen. Und diesmal sind es Rita Bishop und ihr Sohn Nathan, die die Tür durchschreiten und den traumhaft schönen, erstaunlich großen Garten mit dem höher gelegenen Herrenhaus betreten. Ihre Gastgeberin Norah Grayer ist ganz begeistert von der Musiksoiree, die sie geben wird und bei der Rita und Nathan spielen sollen. Und ein Spielkamerad für Nathan ist mit dem etwa gleichaltrigen Jonah auch da.

Alle neun Jahre werden Menschen ins Slade House eingeladen, in ein schönes Haus, dass eine besondere Aura verströmt. Täuscht die idyllische Stimmung, die in dem Garten herrscht? Die Gäste sollen sich wohlfühlen, so dass sie bleiben wollen. Doch die Stimmung kann auch umschlagen. In einem alten Haus gibt es dunkle Ecken, verwunschene Winkel und knarrende Stiegen. Was ist, wenn die Gäste den Weg hinaus nicht mehr finden, wenn sie das Gefühl bekommen von dem Haus oder seinen Bewohnern bedrängt zu werden?

Der Autor ist für seine klug und verschlungen konstruierten Romane bekannt. Wenn man diese rätselhaften und versponnen Bücher mag, ist man hier genau richtig. Im Vergleich mit dem Wolkenatlas gerade zu leicht zu lesen, ist diese Geschichte sehr spannend. Düster und unheimlich wie bei einer Gothic Novel erlebt man das Schicksal der Handelnden. Nicht viel Zeit bleibt einem, die Personen kennenzulernen, sie in der lichten Umgebung wahrzunehmen, schon meint man selbst das Knarren der Stiegen zu hören, das drohende Unheil herannahen zu ahnen. Bei diesem Roman wird sich die Leserin überlegen, ob sie eine Verfilmung anschauen würde. Der zu erwartende Grusel wäre wahrscheinlich allzu groß. Und den Grusel merkt man auch schon beim Lesen, was eine bestimmte Leseempfehlung darstellt.