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Veröffentlicht am 31.08.2025

Ein herausragender historischer Krimi

Gesetz des Midas – Wiener Abgründe
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Buchmeinung zu Peter Lorath – »Gesetz des Midas«

»Gesetz des Midas« ist ein historischer Kriminalroman von Peter Lorath, der 2025 bei between pages by Piper erschienen ist. Dies ist der dritte Band um ...

Buchmeinung zu Peter Lorath – »Gesetz des Midas«

»Gesetz des Midas« ist ein historischer Kriminalroman von Peter Lorath, der 2025 bei between pages by Piper erschienen ist. Dies ist der dritte Band um den Sonderermittler Leopold Kern.

Zum Autor:
Der gebürtige Wiener Peter Lorath, im Hauptberuf Arzt, beschäftigt sich seit einigen Jahren mit den politischen und gesellschaftlichen Zuständen im Wien des Fin-de-Siècle. 2022 erschien sein erster historischer Kriminalroman um den Sonderermittler Leopold Kern, der es gleich auf die Shortlist des Leo-Perutz-Preis geschafft hat.

Zum Inhalt:
Wien 1881: Nach der Ermordung des russischen Zaren fürchtet der Polizeipräsident ein Attentat aus dem Arbeitermilieu, zumal der Fall eines ermordeten Ziegelarbeiters Ungereimtheiten aufweist.

Meine Meinung:
Bisher hatte ich kein Buch von Peter Lorath gelesen und ich wurde positiv überrascht. Atmosphäre und Setting haben mich sofort in das Wien von 1881 gebracht. Leopold Kern ist Sonderermittler des Wiener Polizeipräsidenten Marx und ist meist auf sich allein gestellt. Er ist in der Halbwelt gut vernetzt und nimmt im Zweifel auch große Risiken in Kauf. Unterstützt wird er vom Herrn Johann, der sein Leben als Diener in besseren Kreisen verbracht hat. Beeindruckend und zugleich erschreckend ist das Bild der Arbeits- und Lebensbedingungen der Ziegelarbeiter und ihrer Familien. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, aber meist begleitet der Leser den sympathischen Sonderermittler. Viele der Figuren, denen Leo begegnet, agieren undurchsichtig und sind mit Ecken und Kanten gezeichnet. Die Handlung beinhaltet etliche Szenen voller Gewalt und Grausamkeiten, manchmal allerdings auch einen Hauch Romantik. Etliche Nebenhandlungen sorgen für kurzzeitige Entspannung. Leopold Kern agiert nicht fehlerfrei und manchmal bricht sein Temperament durch. Die Spannung nimmt stetig zu und Leo und Herr Johann geraten in scheinbar ausweglose Situationen.
Mich hat dieses Teil hervorragend unterhalten, weil es einerseits spannend ist und andererseits ein glaubwürdiges Bild der damaligen Zustände zeichnet. Lesenswert und interessant sind die Anmerkungen des Autors am Ende des Buches.

Fazit:
Dieser Titel konnte mich mit Handlung, Figurenzeichnung, historischen Beschreibungen, Spannungskurve und Schreibstil begeistern. Auch dank der Hauptfigur ist dies mein Lesehighlight des Jahres. Deshalb bewerte ich diesen Titel mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Verlustbewältigung

Eden
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Buchmeinung zu Jan Costin Wagner – »Eden«

»Eden« ist ein Roman von Jan Costin Wagner, der 2025 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Zum Autor:
Jan Costin Wagner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller ...

Buchmeinung zu Jan Costin Wagner – »Eden«

»Eden« ist ein Roman von Jan Costin Wagner, der 2025 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Zum Autor:
Jan Costin Wagner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Musiker bei Frankfurt am Main.

Zum Inhalt:
Markus, Kerstin und ihre Tochter Sophie sind eine glückliche Familie bis Sophie bei einem Anschlag auf ein Konzert getötet wird. Markus und Kerstin stehen vor einem Scherbenhaufen und müssen einen Weg finden, das Geschehene zu verarbeiten.

Meine Meinung:
Dieses Buch widmet sich dem schwierigen Thema der Bewältigung von Verlusten. Zu Anfang erleben wir eine glückliche Familie samt Sophies Schulfreund Tobias. Dann die Fahrt zum Konzert und das Attentat, dass der Vater Markus vor Ort miterleben muss. Wie man später eher beiläufig erfährt, rettet Vater Markus einem Mädchen als Ersthelfer das Leben. Markus ist ein besonderer Mensch, der akkurat das Beste tun will. Der Verlust seiner Tochter trifft ihn so hart, dass er die Auswirkungen auf seine Ehefrau nicht bemerkt und ihr nicht zur Seite steht. Markus und Kerstin finden keinen gemeinsamen Weg, um den Verlust zu verarbeiten. Sie sind noch nicht einmal in der Lage, sich gegenseitig zu helfen. Auch Schulfreund Tobias leidet unter dem Verlust, zumal die Ehe seiner Eltern zerbrochen ist. Er sucht die Nähe zu Markus und beide reden viel miteinander. Diese Abschnitte haben mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Markus Annäherung an die Täterfamilie konnte mich hingegen weniger überzeugen.
Die Geschichte wird aus etlichen Perspektiven erzählt, so dass der Leser die Ansichten und Gefühle der Figuren gut nachvollziehen kann. Schwierigkeiten bereitete mir der Erzählstil, der oft Sätze und Gedanken unvollendet lässt.

Fazit:
Mich hat dieser Titel in weiten Teilen zum Nachdenken gebracht und deshalb bewerte ich ihn mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und gebe eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Idylle kombiniert mit verstörender Gefühlskälte

Gerächt sein sollst du
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Buchmeinung zu Kaisu Tuokko – »Gerächt sein sollst du«

»Gerächt sein sollst du« ist ein Kriminalroman von Kaisu Tuokko, der 2025 bei Aufbau Taschenbuch in der Übersetzung von Anu Katariina Lindemann erschienen ...

Buchmeinung zu Kaisu Tuokko – »Gerächt sein sollst du«

»Gerächt sein sollst du« ist ein Kriminalroman von Kaisu Tuokko, der 2025 bei Aufbau Taschenbuch in der Übersetzung von Anu Katariina Lindemann erschienen ist. Der Titel der finnischen Originalausgabe lautet »Kosto« und ist 2023 erschienen.

Zum Autor:
Kaisu Tuokko ist eine finnische Schriftstellerin, die in Kristinestad aufgewachsen ist. Und nun in Helsinki lebt.

Zum Inhalt:
In Kristinestad wird die Leiche des siebzehnjährigen Jonas im Wasser gefunden. Journalistin Eevi Manner und Kriminalkommissar Mats Bergholm, die als Jugendliche befreundet waren, beginnen zu ermitteln.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich zu Beginn mit Atmosphäre und angenehmem Schreibstil positiv überrascht. Es herrscht trotz der idyllischen Umgebung ein dunkler Grundton vor, der zu diesem Nordic Noir passt. Eevi Manner ist eine engagierte Journalistin mit etlichen privaten Problemen, die sympathisch wirkt. Ihre Stärke ist der Vertrauensaufbau zu potentiellen Gesprächspartnern, die ihr Zugang zu vielen vertraulichen Informationen liefert. Besonderes Augenmerk liegt, auch aus eigenen leidvollen Erfahrungen, auf die unterdrückte Rolle der Frauen in Finnland. Kommissar Mats Bergholm hat Eheprobleme und wird mit der Ermittlungsleitung betraut. Seine Mitarbeiter haben Stärken und Schwächen, kommen aber nur schleppend voran. Diese Figuren sind interessant und glaubwürdig gezeichnet. Etliche Betroffene und Zeugen zeigen eine verstörende Gefühlskälte und wirken wie Marionetten. Der Toter wechselt im Laufe der Geschichte mehrmals zwischen Opfer und Täter und wirkt wie eine ganz arme Sau, wie man bei uns sagen würde. Ermittlungsfortschritte kommen oft aus dem Nichts und wirken oft zufällig. Weiterhin wurden immer mehr Problematiken angesprochen und der Plot wirkte überladen. Zudem wirkte der immer wieder angesprochene unerfüllte Kinderwunsch der Journalistin nervig auf mich. Stellenweise ging die Spannung in den Keller, weil der Fokus auf eine der vielen Nebenhandlungen lag. Erst gegen Ende nahm die Handlung Fahrt auf und Spannung und Tempo stiegen deutlich. Nach einigen überraschenden Wendungen gab es eine nachvollziehbare Auflösung ganz im Sinne des Nordic Noir.

Fazit:
Dieser finnische Küstenkrimi kann mit Atmosphäre, Schreibstil und interessanten Hauptfiguren punkten, verliert sich aber auch (zu) oft in den vielen Nebenhandlungen. Deshalb bewerte ich diesen Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten), sehe aber durchaus Potential für mehr.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Die Online-Omi hat einen weiteren Fan gewonnen

Ihr habt es gut, ihr habt ja mich
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Buchmeinung zu Renate Bergmann – »Ihr habt es gut, ihr habt ja mich«

»Ihr habt es gut, ihr habt ja mich« ist ein Roman von Renate Bergmann, der 2025 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist. Dies ist bereits ...

Buchmeinung zu Renate Bergmann – »Ihr habt es gut, ihr habt ja mich«

»Ihr habt es gut, ihr habt ja mich« ist ein Roman von Renate Bergmann, der 2025 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist. Dies ist bereits der zwanzigste Band um die Online-Omi.

Zum Autor:
Renate Bergmann ist ein Pseudonym des Autors Torsten Rohde.
Torsten Rohde, Jahrgang 1974, hat in Brandenburg/Havel Betriebswirtschaft studiert und als Controller gearbeitet. Sein Social-Media-Account @RenateBergmann entwickelte sich zum Internet-Phänomen.

Zum Inhalt:
Renate Bergmann, geb. Strelemann, 82, lebt in Berlin-Spandau. Sie war Reichsbahnerin, kennt das Leben vor, während und nach der Berliner Mauer und hat vier Ehemänner überlebt. Renate Bergmann ist Haushalts-Profi und Online-Omi. Eigentlich möchte sie nur ihren Schwiegersohn in Schönweide unterstützen, aber dann will sie örtliche Probleme angehen und kandidiert für den Gemeinderat. Meist sind es alltägliche Dinge und Probleme, zu denen Renate Bergmann ihre Meinung äußert.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Die Protagonistin Renate Bergmann ist eine echte Sympathieträgerin, die zu fast allem eine Meinung hat, die sie auch kund tut. Sie agiert mit einer gewissen Bauernschläue, die auf ihren vielfältigen Erfahrungen beruht. Dabei bleibt sie immer positiv, sammelt Informationen und überlegt, was man verbessern könnte. Interessant sind ihre Gedanken, wie sie Tochter und Schwiegersohn unterstützen kann, ohne aufdringlich zu wirken. Zudem schafft sie es, Bekannte zur Mithilfe zu ermuntern. Einfach köstlich die Beschreibung des Umbaus einer ungenutzten Telefonzelle zu einer Buchstation. Doch auch ernste Dinge wie die schlechter werdende Versorgungslage auf dem Lande werden angesprochen und auch hier entwickelt Renate Bergmann eigene Ideen wie die des Kümmerers.
Manche Figuren sind bewusst überzeichnet und sorgen für lustige Szenen. Besonders ist aber vor allem die Sprache, in der moderne Dinge absichtlich falsch genannt werden. Händi und Finstergramm bringen so ein Lächeln in mein Gesicht. Handlung und Sprache sind leicht verdaulich und haben mir viel Lesevergnügen bereitet.

Fazit:
Mich hat dieser humoristisch geprägte Titel positiv überrascht und viel Lesevergnügen bereitet. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Fast schon ein Cozy

Signora Commissaria und die kalte Rache
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Buchmeinung zu Alexander Oetker – »Signora Commissaria und die kalte Rache«

»Signora Commissaria und die kalte Rache« ist ein Kriminalroman von Alexander Oetker, der 2025 bei Atlantik erschienen ist. ...

Buchmeinung zu Alexander Oetker – »Signora Commissaria und die kalte Rache«

»Signora Commissaria und die kalte Rache« ist ein Kriminalroman von Alexander Oetker, der 2025 bei Atlantik erschienen ist. Dies ist der zweite Band der Reihe um Commissaria Giulia Ferrari, die in Florenz ermittelt.

Zum Autor:
Alexander Oetker, geboren 1982, ist Bestsellerautor und TV-Journalist, als Frankreich-Experte von RTL und n-tv berichtet er seit 15 Jahren über Politik und Gesellschaft der Grande Nation. Er ist zudem Kolumnist und Restaurantkritiker der Gourmetzeitschrift Der Feinschmecker. Er lebt mit der Familie zwischen Brandenburg, Berlin und der französischen Atlantikküste.

Zum Inhalt:
In Florenz werden junge Frauen nachts verfolgt und Vermisstenplakate um ihre Wohnung herum angebracht. Es sind bereits mehr als ein Dutzend Fälle und dann verschwindet das nächste Opfer spurlos. Commissaria Giulia Ferrari und ihr Team um den blinden Polizisten Enzo und den Wirt und ehemaligen Kripobeamten Luigi ermitteln mit Hochdruck.

Meine Meinung:
Giulia, Luigi und Enzo wirken sympathisch und kompetent. Sie harmonieren gut, sind hartnäckig und haben ein Faible für gutes Essen. Hier kommt der Restaurantkritiker im Autor zum Tragen. Der Schreibstil ist fesselnd und eindringlich, aber auch leicht verdaulich. Dieser Fall ist deutlich ruhiger als der erste Band.
Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und insbesondere die Szenen aus der Sicht der Verfolgten vermitteln eindringlich die Gefühle der jungen Frauen. Es braucht einige Zeit bis sich eine erfolgversprechende Spur findet. Doch diesmal wird die Verfolgte entführt und das Tempo erhöht sich danach deutlich.
Gefallen haben mir die atmosphärischen Beschreibungen von Florenz, den Sehenswürdigkeiten und den Speisen, die Lust auf einen Urlaub wecken. Weniger gelungen fand ich die Figurenzeichnung fast ohne Grautöne. Die Auflösung ist vollständig und nachvollziehbar. Als Bruch empfand ich die Einbindung der Mafia in die Handlung, zumal die Auswirkungen erst in späteren Folgen spürbar werden.

Fazit:
Mich hat dieses Buch des Autor trotz einiger deutlich spürbaren Schwächen gut unterhalten, zumindest bis zur Einbindung der Mafia. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Empfehlen kann ich das Werk als atmosphärischen Urlaubskrimi, aber die in Frankreich spielen Krimis des Autors haben mir besser gefallen.

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