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Veröffentlicht am 27.11.2023

Leiche inmitten von Kultur, Tradition, einer Dorfgemeinschaft und gesellschaftspolitischer Historie

Commissario Tasso treibt den Winter aus
3

Im dritten Buch um Commissario Tasso wird im Jahre 1963 im südtiroler Ort Tramin das traditionelle Winteraustreiben von einem Todesfall jäh unterbrochen.
Der suspendierte Commissario Tasso, sein pensionierter ...

Im dritten Buch um Commissario Tasso wird im Jahre 1963 im südtiroler Ort Tramin das traditionelle Winteraustreiben von einem Todesfall jäh unterbrochen.
Der suspendierte Commissario Tasso, sein pensionierter ehemaliger Kollege Johann Vierweger und die frühere Praktikantin Mara Oberhöller sind plötzlich keine Zuschauer mehr sondern bilden ein Ermittler-Team.
Schnell stecken sie tief in historisch gewachsenen und von außen beeinflusster Verwirrungen und Verstrickungen fest.
Neben dem Lösen des Kriminalfalls sind die Beteiligten aber auch auf der Suche nach ihrer persönlichen Zukunft.

Zurückversetzt in das Jahr 1963 erhält der Leser einen guten Einblick in Tradition und Kultur der besonderen Region Südtirol mit ihren speziellen historischen, sozialen und gesellschaftspolitischen Besonderheiten. Sowohl das menschliche Zusammenleben in einer Dorfgemeinschaft und die sozialen wie materiellen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten wird durch diese Erzählung sehr deutlich.
Die gute sprachliche Gestaltung macht das flüssige Lesen sehr einfach.
Bildhafte und menschliche Beschreibungen ermöglichen, sich in Situationen, Personen, die damalige Zeit und in die Region einzufühlen.

Der unterhaltsame Kriminalfall gibt dieser Erzählung Struktur und Rahmen.
Um den Überblick über die vielen Mitwirkenden zu behalten, empfiehlt sich der wiederholte Blick in das Personenverzeichnis.
Oftmals fließen frühere Ereignisse mit ein, sodass das Lesen der Geschichten um Commissario Tasso in der Reihenfolge der erschienenen Bände ratsam ist.
Mitwirkende Personen bilden eine große Bandbreite reeller Gruppierungen.
Insbesondere Tasso's Team empfand ich als sehr sympathisch und authentisch mit dem richtigen Maß an Gefühl und Vernunft sowie bodenständig, charakterstark und herzlich; Immer begleitet von Pflichtbewusstsein, Vertrauen und der Sehnsucht nach Heimat und Freundschaft.

Ein angenehm lesbarer strukturierter aber nicht allzu spannender Krimi in den 1960er Jahren in Südtirol.
Das Buch ist vor allem eine Reise in eine andere Zeit, bei der man mit den sozialen, menschlichen, historischen und gesellschaftspolitischen Besonderheiten in einer speziellen Region konfrontiert ist.
Auch die Facetten der Menschlichkeit einer Dorfgemeinschaft werden hervorragend dargestellt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 06.11.2023

eine irische Geschichte über die Suche nach einer Zukunft und der inneren Heimat

Close to Home
3

Aus Sean's Blickwinkel wird die Geschichte eines nordirischen Heranwachsenden erzählt.
Der Leser wird mitgenommen in Sean's Gefühlswelt mit allen Herausforderungen.
Die irische Geschichte und das gesellschaftliche ...

Aus Sean's Blickwinkel wird die Geschichte eines nordirischen Heranwachsenden erzählt.
Der Leser wird mitgenommen in Sean's Gefühlswelt mit allen Herausforderungen.
Die irische Geschichte und das gesellschaftliche sowie soziale Alltagsleben sind allgegenwärtig.
Und das in offenen klaren Worten.
Der Leser wird mitgenommen in einer rasanten Lebensphase auf der Suche nach der eigenen Zukunft, der persönlichen und beruflichen Orientierung inmitten eines Alltags, der bestimmt ist durch historisches Leid, Armut, Ungerechtigkeit, Alkohol- und Drogen-Exzesse sowie Gewalt.
Immer mit dabei sind Fragen wie:
Wahre oder falsche Freunde?
Flucht, Zurücklassen oder Heimatliebe?
Was kann ich?
Wer bin ich?
Wo gehöre ich hin?

Schon das Buch-Cover ist ein Vorgeschmack auf die Herausforderungen, die schmerzvolle Orientierungslosigkeit und das Gefühl der Ungerechtigkeit ausgeliefert zu sein.
All das durchlebt Sean in diesem Buch beispielhaft für unzählige Heranwachsende, insbesondere in Irland.
Das Cover-Motiv veranlasst dazu, tief in die Seele zu blicken sowie Sorgen, Ängste, Leid sowie Träume, Sehnsüchte aber auch Machtlosigkeit von Menschen zu spüren.

Das Einfühlen in die Personen sowie die bildhafte Vorstellung des Umfeldes werden durch den sprachlich flüssig und rasanten Erzählstil einfach ermöglicht.
Schwierig an diesem Buch könnte lediglich das Weglegen und Unterbrechen des Lesens werden.

In der Erzählung werden die verschiedenen Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen sehr gut dargestellt.
Das ist wie ein Querschnitt aus dem "echten Leben", insbesondere wie ihn wohl Heranwachsende erfahren und kennenlernen müssen. Insbesondere in Regionen mit diesen historischen, sozialen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründen wie Irland.
Und das generationsübergreifend.

In diesem Buch wird der Leser hervorragend mitgenommen, mit den Augen und dem Herzen Sean's zu sehen und zu spüren.
Der Leser begleitet Sean in einer Phase seines Lebens bei einer ständigen Zerreißprobe zwischen Gefühl, falschen Vorstellungen, Leid, Hass und der Sehnsucht nach Frieden, Freundschaft und Heimat.

Ein ganz tolles Buch, sowohl menschlich wie auch historisch und gesellschaftlich.
Für alle mit offenen Augen und Herzen unbedingt lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 03.10.2023

Suche nach innerem Frieden zwischen menschlichen und gesellschaftspolitischen Abgründen

Der Mondmann - Rote Spur
0

In Teil 2 wird der "Mondmann" Lerby von einem mysteriösen Mordfall in Kopenhagen abgezogen.
Verärgert nimmt er sich eine Auszeit und folgt dem Ruf der Inuit-Freunde zurück nach Grönland.
Neben den persönlichen ...

In Teil 2 wird der "Mondmann" Lerby von einem mysteriösen Mordfall in Kopenhagen abgezogen.
Verärgert nimmt er sich eine Auszeit und folgt dem Ruf der Inuit-Freunde zurück nach Grönland.
Neben den persönlichen und emotionalen Wirrungen wird er auch dort in Illokarfiq sofort mit einer Kriminalfall konfrontiert.
Eine blutige Spur aus der Vergangenheit entwickelt sich weiter.
Mit Freunden und gegen alte Feinde ermittelt er, um das Rätsel lösen zu können.
Kann er den gesellschaftlichen Skandal aufdecken?
Wird er Frieden mit sich und alten Widersachern finden können?

Der gut aufgebaute kriminalistische Spannungsbogen sowie die sprachliche Gestaltung machen das flüssige Lesen sehr einfach.
Bildhafte und gefühlvolle Beschreibungen ermöglichen, sich in Situationen und Personen einzufühlen.
Neben dem Kriminalfall erhält man Einblick in den Alltag und die Kultur der Inuit, die Naturgewalten Grönland sowie in soziale, wirtschafts- und gesellschaftspolitische Abgründe der Kolonialgeschichte.

Dabei werden verschiedenen Charaktere aus der Kultur der westlichen Welt sowie der Inuit mit ihren Stärken und Schwächen gut dargestellt.
Es ist eine ständige Zerreißprobe zwischen Vergebung, Vergessen, Vertuschen, Verzeihen und Vergeltung.
Der Leser wird mit den Fragen konfrontiert:
Kann man Unrecht heilen?
Wo sind ethische Grenzen der Forschung, der Medizin und der Wissenschaft?

Ein gut strukturierter Krimi mit gesellschaftspolitischen, historischen und völkerkundlichen Hintergrund, der auch die Facetten der Menschlichkeit hervorragend darstellt.
Lesenswert weil das Buch nachwirkt und Augen öffnet.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 10.07.2023

Vertrieben in der Vergangenheit - Verirrt in der Gegenwart - auf der Suche nach einer Zukunft und der inneren Heimat

Das Leben, das uns bleibt
2

1945 flüchtet die junge Ruth mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern aus Breslau gen Westen.
Zurück bleiben die Heimat, Großmutter, die erste Liebe, Hoffnung und Sehnsucht sowie die eigene Vergangenheit.
Als ...

1945 flüchtet die junge Ruth mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern aus Breslau gen Westen.
Zurück bleiben die Heimat, Großmutter, die erste Liebe, Hoffnung und Sehnsucht sowie die eigene Vergangenheit.
Als Vertriebene und Heimatlose muss sich Jeder im Alltag in der Fremde zurechtfinden.
Beim Versuch sich eine Existenz in Sicherheit und Freiheit zu schaffen sind die Vorbehalte und Vorurteile in der Fremde, die Trauer um das Verlorene und die Sorge um die Zukunft stetige Begleiter.

Ruth beginnt in Freiburg eine Ausbildung und wieder am Leben teilzunehmen.
Dabei lernt sie Albert kennen. Durch die Hochzeit und den Umzug in die Villa seiner Familie ändert sich viel für Ruth.
Und wieder ist sie auf der Suche nach ihrem Platz in dieser für sie fremden Welt sowie nach ihrem inneren Frieden und ihrer wahren Passion.
Auch die Vergangenheit und die familiären Wurzeln lassen sie und ihre Familie nicht los.

Die Aufmachung und Gestaltung des Buches vermitteln, einen Schatz in Händen zu halten.
Das Cover ist ein Vorgeschmack auf die Charaktere der Geschichte.
Das Motiv veranlasst dazu, tief in die Seele zu blicken, Sorgen und Ängste sowie Träume und Sehnsüchte von Personen zu spüren und hochsensibel für die Ästhetik jeden Details zu sein.

Die Erzählung ist strukturiert aufgebaut und die wunderschöne, melodisch ausgeschmückte Sprache machen das flüssige Lesen einfach.
Bildhafte und gefühlvolle Beschreibungen ermöglichen, sich in die Situationen und Personen einzufühlen.
Dabei werden die verschiedenen Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen sehr gut dargestellt.
Das ist wie ein Querschnitt aus dem "echten Leben" - an jedem Ort, zu jeder Zeit.
Auch die Sichtweise und das Empfinden außen stehender Gruppen findet Berücksichtigung.
Aus verschiedenen Blickwinkeln heraus haben Alle ihre persönliche Sicht auf die Dinge. Jeder hat seinen Weg mit der Situation umzugehen.
Allerdings spaltet das nicht selten Familie, Freundschaft und die Gesellschaft im Ganzen.
Es ist eine ständige Zerreißprobe zwischen Gefühl,, Träumen und verschönter Phantasie sowie Vernunft und Pflichtbewusstsein.

Mit viel Gefühl, in tiefer Demut und Dankbarkeit würdigt die Autorin in dieser Erzählung, was so viele Menschen erlebt, erfahren, erlitten und erkämpft haben.
Der Zeitgeist vom Nordosten bis Südwesten Deutschlands in den Jahren 1945 bis 1951 wird mit allen Facetten gut dargestellt und das "Erbe" unserer Ahnen wird bewahrt.
Lesenswertes Buch für alle Liebhaber einer gefühlvollen und ausdrucksvollen Sprache, die Interesse an historischen, tiefgründigen, menschlichen Erzählungen haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 08.06.2023

Suche nach Freiheit, Frieden, Menschlichkeit und der eigenen Geschichte

Die Reisenden der Nacht
3

Eine Erzählung um vier Frauen in den (Ver-)Wirrungen der Menschheit im Nazi-Deutschland, während des Umbruches Cubas, im Nachkriegs-Deutschland unter der Leitung der Alliierten und der aktuellen Zeit.
Es ...

Eine Erzählung um vier Frauen in den (Ver-)Wirrungen der Menschheit im Nazi-Deutschland, während des Umbruches Cubas, im Nachkriegs-Deutschland unter der Leitung der Alliierten und der aktuellen Zeit.
Es ist die Geschichte verschiedener Generationen, Charaktere und Kulturen zwischen Herzlichkeit und Verrat - der Menschlichkeit in allen Facetten.

Literarisch gelungen drückt der Autor in nur wenigen Worten und ohne große Ausschmückungen mit voller Wucht ganz tiefe Gefühle aus!
Das Buch "berührt" gefühlsmäßig sehr und veranlasst zum tiefen Nachdenken und Sinnieren.

Wann ist man "der Gute"? Was ist "die Wahrheit"?
Auf allen Seiten gibt es neben aller Euphorie und dem Kampf für das vermeintlich Gute auch immer viel Leid...
Und (Zitat): "Man sieht nur das, was man sehen will".

Ob und inwiefern darf man aus unserer heutigen bequemen Perspektive urteilen über historisches Leid, die "Taten" und "die Schuldigen"?
Und - Wen nützt es eigentlich?

Wie oft muss man seine Emotionen und sein wahres Ich verstecken.
Alles was einem lieb und wichtig ist, muss man bewahren und sicher behüten wie einen großen Schatz.

Die Worte des Autors sind stets schlicht aber absolut treffend gewählt.
Gefallen hat mir, wie die Geschichte von verschiedensten Blickwinkeln und aus unterschiedlichen Ausgangssituationen, Epochen sowie von allerlei Personen betrachtet wird.

Deutlich wird auch, dass die Geschichte der Fanatiker auf der Welt immer weiter geht - zu jeder Zeit - mit den verschiedensten Ideologien und in allen Teilen des Erdballes...
Anschaulich dargestellt wurde auch, wie oft und einfach Feinde in Wirklichkeit Freunde sein könnten.

Das Buch ist neben der menschlichen und sehr gefühlvollen Geschichte über vier Generationen hinweg aber auch eine hervorragende geographische, gesellschafts-politische und historische Erzählung.
Der geschichtliche Teil erhält durch die Anmerkungen des Autors nochmal ein besonderes Augenmerk.

Tolles Buch!
Die Erzählung hat alles, was ein gutes Buch ausmacht.
Aus meiner Sicht: unbedingt lesenswert!

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