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Veröffentlicht am 14.07.2025

Leider enttäuschend

Guardian 1. Seelenwächter
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Der Auftakt der Guardian-Trilogie, Seelenwächter, von priest hat mich leider enttäuscht. Verschiedene Aspekte haben mich zwiegespalten zurückgelassen.

Zunächst einmal fand ich den Erzählstil insgesamt ...

Der Auftakt der Guardian-Trilogie, Seelenwächter, von priest hat mich leider enttäuscht. Verschiedene Aspekte haben mich zwiegespalten zurückgelassen.

Zunächst einmal fand ich den Erzählstil insgesamt wechselhaft. Einzelne Passagen haben mich sprachlich begeistert, bei anderen bin ich inhaltlich kaum hinterhergekommen. Der Fokus des Erzählers kann innerhalb eines Absatzes zu verschiedenen Personen wandern, was ich verwirrend fand. Außerdem hat mich der Satzbau häufig aus dem Lesefluss gerissen, da ich viele Sätze doppelt lesen musste. Auch die aufkommende Spannung hat dadurch leider etwas gelitten. Andererseits ist priests Erzählstil auch sehr vielseitig, was die Geschichte lebendig gemacht hat. Die Grundstimmung empfand ich durchgehend eher leicht und humorvoll.

Mit Guo Changcheng stolpern wir Lesenden in diese übernatürliche, an die chinesische Mythologie angelegte Welt, in die ich auch schnell hineingefunden habe. Seine Rolle in der Geschichte blieb mir bis zum Ende unklar. Er ist eine ängstliche Figur und neu im Team für Sonderermittlungen. Da er sich aufgrund seiner Ängste eher ungeschickt anstellt, wird Guo Changcheng von seinem Team belächelt, was er auch oft genug zu spüren bekommt. Hierin besteht auch mein größter Kritikpunkt an der Geschichte, da ich das Verhalten und Äußerungen der Teammitglieder zum Teil unmöglich finde. Mir fällt keine spätere Entwicklung ein, die dies für mich abmildern oder entschuldigen könnte. Fatphobische Aussagen gegenüber dem Kater Daqing fand ich ebenso unangemessen.

So fiel es mir leider schwer, eine positive Bindung zu den Charakteren aufzubauen und Sympathie zu entwickeln. Auch die sich langsam anbahnende Bindung der Hauptcharaktere Zhao Yunlan und Shen Wei konnte mich somit leider nicht ganz packen.

Aufgrund der oben genannten Punkte, besonders dem an Mobbing grenzenden Verhalten, fällt es mir schwer, das Buch weiterzuempfehlen. Ich finde das einfach so unnötig und problematisch, was mir die Geschichte letztendlich kaputt gemacht hat. Sehr schade, da die Geschichte an sich viel Potential aufweist. Ich kann leider nur 2,5 Sterne geben.

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Zu viel gewollt

Diviners – Aller Anfang ist böse
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Ich bin zunächst mit hohen Erwartungen in die Geschichte gestartet. Leider konnte mich "Diviners" von Libba Bray schlussendlich nicht überzeugen.
Dabei hat die Idee definitiv Potential: New York in den ...

Ich bin zunächst mit hohen Erwartungen in die Geschichte gestartet. Leider konnte mich "Diviners" von Libba Bray schlussendlich nicht überzeugen.
Dabei hat die Idee definitiv Potential: New York in den 1920ern, übernatürliche Ritualmorde und eine junge, lebenshungrige Protagonistin, die mit ihren eigenen übernatürlichen Fähigkeiten in die Ermittlungen involviert wird. Dazu wird eine Slow-Burn Enemies-to-Lovers Romance versprochen.

Nach dem ersten Einfinden in die Geschichte gab es leider immer wieder Aspekte, die mich aus der Geschichte geworfen haben: in Teilen unsensible Sprache, Längen in zu vielen Nebenplots, inkonsistente Handlungen der generell schwach ausgearbeiteten Charaktere und Szenen, deren Nutzen mir gänzlich unerklärlich bleiben.
Nach etwa 230 Seiten habe ich das Buch erstmal für ein paar Monate zur Seite gelegt. Ohne Rezensionsexemplar hätte ich es dort sicherlich auch belassen. So habe ich dem Buch jetzt eine zweite Chance gegeben, die es leider nicht ganz verdient hat.

Evie als Protagonistin fand ich mit ihrer aufgeweckten, frechen Art zunächst erfrischend. Das hat sich aber schnell gewandelt, sodass sie mich immer stärker genervt hat. Sie handelt unbedacht, impulsiv, naiv, trotzig und dazu häufig egoistisch. Das möchte ich einer 17-Jährigen auch gerne zugestehen. In Anbetracht der zum Teil lebensbedrohlichen Umstände hätte ich aber eine Charakterentwicklung erwartet, die ich nicht erkennen konnte.
Andere Charaktere bleiben zunächst eher blass, bekommen im Verlauf der Geschichte aber auch etwas mehr Charakter. Insgesamt hat mit das aber nicht gereicht, um eine engere Verbindung zu ihnen aufzubauen.

Durch die vielen Längen und Nebenplots hat die Hauptgeschichte nicht wirklich an Spannung aufnehmen können. Ich habe die ganze Zeit gewartet, endlich in die Ermittlungen einzusteigen und mehr über die Rituale und deren Hintergründe zu erfahren. Auch jetzt nach Beendigung des Buchs habe ich nicht wirklich das Gefühl, dass tatsächlich Ermittlungsarbeit stattgefunden hat.
Außerdem musste ich einen erheblichen Mangel an Kommunikation zwischen den Charakteren feststellen, sodass sich auch hierdurch die Handlung gezogen hat und die Ermittlungen gehemmt wurden. Weniger Seiten, die den Hauptplot stärker fokussieren, hätten dem Buch sehr gut getan.

Auch der Romance-Aspekt ist mir viel zu kurz gekommen. Ich liebe Slow-Burn und bin da auch wirklich geduldig, aber leider habe ich in dem Buch gar nichts fühlen können. Das liegt zum einen daran, dass ich generell keine starke Bindung zu den Charakteren hatte, zum anderen habe ich aber auch keine Zeichen wahrgenommen, die eine romantische Annäherung erklärt hätten. Dadurch war die romantisch angedachte Szene am Ende für mich eher befremdlich. Dazu kommt noch ein Vertrauensbruch, den ich nicht weiter ausführen kann, da er spoilern würde.

Der letzte Punkt meiner Kritik betrifft konkrete Szenen, bei denen ich die Entscheidung, diese in die Geschichte einzubauen, nicht nachvollziehen kann. Das ist einmal beispielsweise das Geheimnis, das Jerichos Vergangenheit mit sich bringt, was meiner Meinung nach für die Geschichte gänzlich unpassend ist. Aber auch beispielsweise eine Szene am Ende, in der Gewalt an einer Katze dargestellt wird, empfinde ich als überflüssig.

Der Schreibstil und die Atmosphäre waren in dem Buch für mich die Highlights. Leider reicht das neben den vielen Kritikpunkten nicht aus, um mich von einer Geschichte zu überzeugen. Und auch dieser Aspekt war in meiner subjektiv gefärbten Wahrnehmung nicht gleichbleibend stark.

Somit kann ich persönlich "Diviners" nicht weiterempfehlen und werde die Reihe auch nicht weiter verfolgen. Anderen Teilnehmenden der Leserunde hat das Buch aber gut gefallen, weswegen es sich lohnen kann, auch andere Rezensionen zu lesen.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Emotionales Thema nüchtern erzählt

Hello Baby
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"Hello Baby" von Kim Eui-kyung erzählt die Geschichte von sechs Frauen, die sich über ihren unerfüllten Kinderwunsch kennenlernen und darin Gemeinschaft finden.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, trotz ...

"Hello Baby" von Kim Eui-kyung erzählt die Geschichte von sechs Frauen, die sich über ihren unerfüllten Kinderwunsch kennenlernen und darin Gemeinschaft finden.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, trotz Interesse in die Geschichte hineinzufinden. Das liegt zum Teil daran, dass die Erzählstimme eher nüchtern ist und zunächst viele technische Informationen und Abläufe der IVF-Behandlungen behandelt werden. Außerdem konnte ich mich ohne eigenen Kinderwunsch, und somit emotionale Nähe zum Thema, nicht ausreichend in die Perspektive einfühlen. Vielmehr habe ich mir die Emotionen aus den zum Teil schwerwiegenden Eingriffen, den Rückschlägen und dem schier endlosen Durchhaltevermögen der Frauen abgeleitet, für welches ich große Bewunderung habe. Und auch das letzte Drittel mit einem sich ankündigenden Twist hat noch an Spannung zugenommen und mich schlussendlich nachdenklich gemacht.

Sehr gelungen fand ich auch die Beobachtungen der Autorin, inwieweit Frauen, im Gegensatz zu ihren Männern, schon lange vor einer möglichen Schwangerschaft die beinahe alleinige Verantwortung tragen, sowohl für das Scheitern des Kinderkriegens, als auch für die zum Teil schmerzhaften und kräftezehrenden Eingriffe, die sie wieder und wieder über sich ergehen lassen.
Dabei haben mich besonders der gesellschaftliche, wie auch der (groß-) elterliche Druck auf die Frauen entsetzt. Zu den gesellschaftlichen Einflüssen Südkoreas zu dem Thema kann ich nicht mehr sagen, als ich selber durch das Buch erfahren habe. Insgesamt unterscheiden sich die Kernaspekte wie Misogynie oder die Diskriminierung von Müttern, beispielsweise am Arbeitsplatz, wohl wenig von dem, was ich auch hier erlebe und mitbekomme.

Anmerkung: Das Buchcover wurde leider mithilfe von midjourney.ai erstellt, was ich erst nach Erhalt des Buches gesehen habe. Die Nutzung von KI beeinflusst für gewöhnlich meine Konsumentscheidungen, weswegen ich das hier zumindest nicht unerwähnt lassen möchte.

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Cat Distribution System

Die Magnolienkatzen
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In "Die Magnolienkatzen" von Noriko Morishita begleiten wir die Schriftstellerin Noriko - ob das Buch autobiografisch ist konnte ich nicht eindeutig feststellen, aber sicherlich gibt es zumindest einige ...

In "Die Magnolienkatzen" von Noriko Morishita begleiten wir die Schriftstellerin Noriko - ob das Buch autobiografisch ist konnte ich nicht eindeutig feststellen, aber sicherlich gibt es zumindest einige Parallelen - wie sie eines Tages unverhofft die Verantwortung für Katzenmama Mimi und ihre fünf Kitten übernimmt und wie dies ihr Leben beeinflusst.

Morishitas Schreibstil zieht einen elegant und mit Leichtigkeit in die Geschichte hinein, wobei sich ihre Worte ganz von alleine vor dem inneren Auge verbildlichen. Insgesamt lässt sich die Geschichte sehr schnell und einfach weglesen und genießen.

Die Protagonistin Noriko wird in ihrer Gefühlswelt auch für uns immer zugänglicher, was sich auf den Einfluss der Katzen zurückführen lässt. Sie macht eine durchaus beachtliche Wandlung durch, die vermutlich viele Personen bei ihrem erstem Kontakt mit Katzen erleben. Ich konnte auf jeden Fall sehr mit ihr mitfühlen und ihre wachsende Katzenliebe durch alle schönen und auch schwierigeren Momente nachempfinden.

In den Beschreibungen der Katzen und dem Zusammenleben mit ihnen konnte ich meine Beobachtungen über meine eigenen Katzen gut wiederfinden. Hier hat die Geschichte definitiv einen Niedlichkeitsfaktor, der einen Großteil meines Lesevergnügens ausgemacht hat.

"Die Magnolienkatzen" ist eine bezaubernde Studie einer Katzen-Mensch-Beziehung, die für jede Katzen-liebende Person ein Must-Read ist. Für mich ein Wohlfühlbuch mit immer wieder eingestreuten, tiefgründigen Gedanken.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Vergangenheit und Schuld

Unter Grund
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In "Unter Grund" von Annegret Liepold begleiten wir Franka durch ihre Vergangenheit, ihre Jugend, lernen ihre familiären Verhältnisse kennen und mit welchen inneren Konflikten sie zu kämpfen hat. Und wie ...

In "Unter Grund" von Annegret Liepold begleiten wir Franka durch ihre Vergangenheit, ihre Jugend, lernen ihre familiären Verhältnisse kennen und mit welchen inneren Konflikten sie zu kämpfen hat. Und wie sie schlussendlich immer weiter in die rechte Szene hineingerät.

Dabei springt die Erzählung in der Zeit, was mir den Zugang zur Geschichte anfangs etwas schwer gemacht hat, und doch untermauert der Aufbau die inhaltliche Ebene der Radikalisierung Frankas so gut. Die Geschichte beginnt ganz ruhig und wir werden langsam in Frankas Leben eingeführt. Während wir als Lesende bereits mitbekommen, dass etwas unter der Oberfläche brodelt, beschreibt Liepold mit feinem Auge zunächst eher Beobachtungen im Außen. Erst nach und nach dringen wir weiter in Frankas Innenwelt vor und müssen dann auch schon miterleben, wie sich Franka immer stärker radikalisiert. Was sie selbst scheinbar nüchtern und unbeteiligt wahrzunehmen scheint. Außerdem erleben wir auch durch die Zeitsprünge Frankas gegenwärtige Scham gegenüber ihrer Vergangenheit und ihre Suche nach Schuld.

Liepolds Schreibstil hat mir mit seiner Bildhaftigkeit und zum Teil poetischen Sprache als Gegenpol zu den durchaus harten und empörenden Inhalten gut gefallen. Manche Beschreibungen waren mir allerdings zu ausführlich und einzelne Passagen deshalb leider etwas langatmig.

Eine meiner Hoffnungen an das Buch, nämlich die Frage, wie wir Menschen vom rechten Rand zurückgewinnen können, ist dabei erwartungsgemäß nur bedingt beantwortet worden. Es gibt immer Fälle, wie der Frankas, in denen dies möglich ist, aber ebenso ist das Gegenteil (auch erfahrungsgemäß) möglicherweise wahrscheinlicher. Trotzdem ermöglicht mir die Geschichte am Ende einen - zumindest kleinen - hoffnungsvollen Blick, dass Engagement Wirkung zeigen kann.

Vielleicht waren meine Erwartungen an Liepold aufgrund ihres Studiums der Politikwissenschaften etwas zu hoch, sodass ich mir eine Auseinandersetzung auf einer weiteren Ebene gewünscht hätte. So habe ich persönlich leider nicht allzu viel Neues mitnehmen können. Nichtsdestotrotz finde ich "Unter Grund" auch genau so, wie es ist, sehr gelungen und empfehlenswert.

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