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Veröffentlicht am 14.04.2020

dicke Leseempfehlung

Die Kinder von Nebra
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Seit fast 20 Jahren versuchen Archäologen hinter die Geheimnisse der Himmelsscheibe zu kommen, die Sondengänger bei Nebra ausgegraben haben. Das Artefakt ist um die 4000 Jahre alt und dementsprechend ist ...

Seit fast 20 Jahren versuchen Archäologen hinter die Geheimnisse der Himmelsscheibe zu kommen, die Sondengänger bei Nebra ausgegraben haben. Das Artefakt ist um die 4000 Jahre alt und dementsprechend ist es nicht ganz einfach herauszufinden, warum und wer die Scheibe angefertigt hat, wozu sie diente und wie die Menschen damals überhaupt lebten, was sie dachten, wen sie verehrten. All dies und noch mehr versucht Ulf Schiewe in seinem neuen Roman „Die Kinder von Nebra“ zu erzählen. Dabei stützt er sich auf jene Fakten, die man bis jetzt weiß und würzt das Ganze mit einer erfundenen Geschichte um die junge Priesterin Rana und ihren Wunsch, das Volk von einem despotischen Fürsten und einem grausamen Gott zu befreien.

Es ist ein typischer Schiewe – im besten Sinne des Wortes. Bildgewaltig und süffig erzählt. Mit einer Heldin, die von der ersten Seite an durch ihre Stärke besticht. Zur Seite gestellt ist ihr nicht nur ein mutiger junger Mann, sondern eine Vielzahl an interessanten Darstellern, die alle durch die Liebe aber auch den Zorn der Götter miteinander verbunden sind. Ein psychopathischer Fürstensohn bedroht den Frieden und Ranas Leben und versucht in den Besitzt der Himmelsscheibe zu kommen. Aber die Priesterin weiß sich zu wehren, wächst über sich hinaus, überzeugt das Volk davon, dass eine neue Zeit angebrochen ist und die alten Herrscher gestürzt werden müssen. Dabei wird die Himmelsscheibe zu einem wichtigen Zeichen der Götter.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Es liest sich leicht und es fesselt so, dass man die Realität gerne mal links liegen lässt. Ein hervorragendes Nachwort nordet die Geschichte zwischen Fakten und Fiktion ein und rundet das Leseerlebnis vortrefflich ab. Optisch ein Zuckerl, inhaltlich überzeugend.

Veröffentlicht am 12.04.2020

gelungener Erstling

Unsere glücklichen Tage
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Der Titel „Unsere glücklichen Tage“ und das Cover der drei jungen Frauen am Meer trifft bereits den leicht melancholischen und unterschwellig traurigen Ton, der sich durch die Geschichte zieht. Melancholisch, ...

Der Titel „Unsere glücklichen Tage“ und das Cover der drei jungen Frauen am Meer trifft bereits den leicht melancholischen und unterschwellig traurigen Ton, der sich durch die Geschichte zieht. Melancholisch, da vier Freundinnen so schöne Sommer erlebt haben. Voll intensiver Nähe, voll Wärme und jugendlich hoffnungsvoll. Traurig, da etwas ihre Freundschaft zerstört hat und man ohne zu wissen, was es war, bereits von der ersten Seite an spürt, dass die Hauptdarstellerin Elas sich nach den vergangenen glücklichen Zeiten sehnt, auch wenn sie es selber gar nicht zugeben will.

Mir hat vor allem die Sprache des Buches sehr gefallen. Wie die Emotionen und vor allem die Gefühle und Charaktere der Menschen beschrieben werden. Das war es, was für mich das Besondere dieser Story ausgemacht hat. Es ist weniger der tatsächliche Plot, in dem es vor allem um die erste große Liebe, um Eifersucht und Enttäuschung geht. Es ist mehr das Ausloten der menschlichen Untiefen, das Hinterfragen der Beziehungsgeflechte und der Werte. Hier sehe ich die großen Stärken des Romans. Die Darsteller sind nicht schwarz oder weiß, handeln nicht immer, wie man es sich wünscht. Es ist kein seichter Liebesroman und das Ganze steuert auch nicht auf ein großes rosarotes Happyend zu.

Wie würde ich mich verhalten, wenn meine große Jugendliebe plötzlich wieder vor der Türe stände? Ist es möglich, Verletzungen zu vergessen und neu anzufangen? Fragen, die mich auch schon in meinem Leben beschäftigt haben. Deshalb hat mir das Buch gut gefallen und mich an vielen Stellen abholen können. Diese Autorin werde ich im Blick behalten.

Veröffentlicht am 01.04.2020

Südafrika-Crime vom Feinsten

Beute
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Seit langem gehört Deon Meyer für mich zu den absoluten Lieblingsautoren. Ich mag es, wenn Krimis in fernen Ländern spielen und das Lokalkolorit Afrika ist einfach etwas Besonderes. Meyers Romane sind ...

Seit langem gehört Deon Meyer für mich zu den absoluten Lieblingsautoren. Ich mag es, wenn Krimis in fernen Ländern spielen und das Lokalkolorit Afrika ist einfach etwas Besonderes. Meyers Romane sind immer auch sehr Regime-Kritisch und man erfährt so einiges über Land und Leute. Und außerdem ist gerade Benny Griessel, sein liebster Hauptcharakter, ein interessanter Typ. Durch seine Alkoholabstürze oft am Rande des eigenen Ruins aber wenn es um seine Arbeit geht, immer voll bei der Sache und wie ein guter Spürhund nicht abzubringen.

Gefallen hat mir, dass diesmal ein Teil der Handlung in Frankreich spielt und durch das Hin- und Herspringen zwischen den Kontinenten und den zwei Erzählsträngen kommt zusätzliche Spannung auf. Griessel und Tobela, zwei sehr unterschiedliche Ermittler, kommen diesmal beide zum Einsatz und ihre Spurensuche ist gut nachvollziehbar und offenbart Abgründe der Gesellschaft. Ein Hauch von Agenten-Thriller läuft derweilen im fernen Frankreich ab und beide Ebenen entwickeln sich zusehends in die gleiche Richtung.

Wer gut gemachte Krimikost schätz, in der es nicht immer nur um Action geht, sondern durchaus auch einfach um kluge Ermittlungen, der ist hier auf jeden Fall richtig.

Veröffentlicht am 01.04.2020

Hurra es geht weiter

Gut Greifenau - Goldsturm
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Gut Greifenau Nr. 4.

Diese Forsetzung überraschte kam aber sicherlich auch deshalb zustande, weil die ersten drei Teile so unterhaltsam und spannend waren und es unter den Histo-Lesern schnell die Runde ...

Gut Greifenau Nr. 4.

Diese Forsetzung überraschte kam aber sicherlich auch deshalb zustande, weil die ersten drei Teile so unterhaltsam und spannend waren und es unter den Histo-Lesern schnell die Runde gemacht hatte, dass man diese Reihe unbedingt lesen muss, auch wenn man, wie ich, die Autorin vorher unter diesem Pseudonym nicht kannte.

Goldsturm erzählt ohne große zeitliche Lücke dort weiter, wo Band 3 aufhörte. Das Gut hat immer noch mit finanziellen Sorgen zu kämpfen. Herrschaften und Angestellte haben viele Probleme zu bewältigen. Kleine und große Dramen allerorts. Glückliche Momente aber auch Trauriges gibt es zu berichten. Man ist wieder mittendrin und kann das Buch kaum aus der Hand legen.

Besonders gefällt mir mal wieder, wie hier das Leben und die gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg beschrieben werden. Wie schwer die Menschen es damals hatten, berührt einen vielleicht noch mehr, wenn man jetzt sieht, wie ein Virus die Welt durcheinander wirbelt. Und mit Beruhigung kann man lesen, dass die Menschen sich immer wieder aufrappeln und am Ende doch das Gute siegt. Eine Weile wenigstens, denn schließlich stehen wieder schlimme Zeiten bevor.

Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht und bleibe ein treuer Fan dieser Reihe.

Veröffentlicht am 11.03.2020

Hoffnungen hingeben

Cherish Hope
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Was, Sie kennen Nanili Singh noch nicht? Das kann doch gar nicht sein. Noch nie was von ihr gelesen? Meine Güte, kann es sein, dass Sie keine gut erzählten Liebesgeschichten mögen? Doch…. dann aber los ...

Was, Sie kennen Nanili Singh noch nicht? Das kann doch gar nicht sein. Noch nie was von ihr gelesen? Meine Güte, kann es sein, dass Sie keine gut erzählten Liebesgeschichten mögen? Doch…. dann aber los und am besten gleich Cherish Love und Cherish Hope zulegen. Warum zwei Bücher? Weil beide im gleichen Universum spielen und man so gleich doppeltes Lesevergnügen geboten bekommt.

Aber der Reihe nach. Ich habe mit Cherish Hope mein erstes Buch von Singh gelesen. Glück gehabt. Erstens, dass ich mich dazu entschlossen habe. Zweitens, dass ich in einer Leserunde dabei sein durfte. Drittens, dass ich jetzt jede Menge unterhaltsamen Lesestoff vor mir habe, denn die Autorin hat schon einiges geschrieben.

Cherish Hope hat alles, was ich mir von einer guten Liebesgeschichte erhofft habe. Eine sympathische Heldin, einen leckeren Helden, ein bisschen hin und her, ein bisschen Drama und jede Menge Erotik, ein paar Nebendarsteller, die Farbe in die Geschichte bringen und dazu noch eine kleine Prise wohldosierten Humor, der einen neben dem Schmelzen auch noch zum Schmunzeln bringt. Das Ganze spielt in einer Art Bollywood-Indien und ich habe so ab und zu ein bisschen die Schleier und langen Haare der Damen im Bollywood-Wind wehen sehen und frage mich, ob nicht schon eine Verfilmung mit Shah Rukh Khan und Priyanka Chapra Jonas geplant ist.

Der Plot folgt bekannten Regeln, man bekommt genau das, was man sich wünscht von so einer Story. Also keine großen Überraschungen. Aber manchmal möchte ich genau das. Ich wurde bestens unterhalten. Dies lag auch am Schreibstil der Autorin der von leichter Hand aber nicht unangenehm kitschig war.

Ich hatte natürlich ein Happy End erwartet. Hier bekommt man die geballte Version davon, das war der einzige kleine Kritikpunkt, den es gar nicht gebraucht hätte. Also kleiner Abzug in der B-Note. Dennoch eine Leseempfehlung von mir.

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