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Veröffentlicht am 03.09.2017

amüsante Familiengeschichte mit Tiefgang

Der Vater, der vom Himmel fiel
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In dieser Familiengeschichte fällt von Anfang an der Wortwitz auf, der auch schon J.Paul Hendersons ersten Roman Letzter Bus nach Coffeeville kennzeichnete.
J.Paul Henderson hegt viel Sympathie für seine ...

In dieser Familiengeschichte fällt von Anfang an der Wortwitz auf, der auch schon J.Paul Hendersons ersten Roman Letzter Bus nach Coffeeville kennzeichnete.
J.Paul Henderson hegt viel Sympathie für seine Figuren. Das überträgt sich auf den Leser.
Eine wichtige Figur ist der Witwer Lyle, der mit 83 Jahren durch einen Unfall stirbt. Er hinterlässt 2 erwachsene Söhne.

Greg ist aus Anlaß des Todes seines Vaters nach langen Jahren wieder in die Heimat nach England zurückgekehrt. Eigentlich lebt er in den USA, da er sich von der Familie entfremdet hatte. Als Jugendlicher war er rebellisch und unangepasst.
Sein Bruder Billy ist ein ruhigerer Typ, dessen Lebenslauf konstanter verläuft.
Jedenfalls sieht das auf der Oberfläche so aus. In Wirklichkeit leidet er an einer ungewöhnlichen Phobie, die sein Leben beeinflusst.

Greg hat Visionen von seinem toten Vater, der sich mit ihm unterhält. Das ist der Anlaß sein eigenes Leben in Frage zu stellen. Auch mit seinem Bruder Billy versteht er sich nach 7 Jahren Trennung wieder gut, weil sie es schaffen, miteinander zu reden.
Eine große Überraschung erwartet Greg dann auch noch durch eine scheinbar unbekannte Frau.

Neben den realistischen Probleme der Hauptfiguren ist mit Onkel Frank auch eine echt skurrile Figur dabei, der gerade in den Dialogen für eine weitere kräftige Prise Humor sorgt.
Dennoch sind bei aller Komik die Themen wie z.B. Lösen von Familienproblemen, Wiederannäherung, etc. von Bedeutung und der Roman besitzt bei aller Leichtigkeit auch Tiefgang!

Manche Passagen des Romans erinnern mich an die Prosa von Jonathan Tropper (Sieben verdammt lange Tage). Wer also gerne Tropper liest, wird vielleicht auch J.Paul Hendersons Romane mögen.

Fazit: Ein amüsant zu lesender Roman, den ich schon in knapp 2 Tagen durch hatte.

Veröffentlicht am 02.09.2017

Erzählerische Wucht

Underground Railroad
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Underground Railroad. Was für ein grandios Buch!

Zuerst ist Hörbuch Hamburg für die Gestaltung des Hörbuchs in einer CD-Pappbox mit 7 CDs zu loben. Das ist meine favorisierte Hörbuchform.

Gelesen von ...

Underground Railroad. Was für ein grandios Buch!

Zuerst ist Hörbuch Hamburg für die Gestaltung des Hörbuchs in einer CD-Pappbox mit 7 CDs zu loben. Das ist meine favorisierte Hörbuchform.

Gelesen von Helene Grass, die auch einmal zusammen mit ihrem Vater bei einer Lesung im Theater gesehen habe. Ihr Vortrag ist wirklich gelungen und passend.

Anfangs ist es ziemlich hart, da das Sklavenleben deutlich beschrieben wird. Dazu gehören neben der harten Arbeit auch grausame Bestrafungen, Vergewaltigungen und weitere unmenschliche Behandlungen.
Das muss man als Leser bzw. Hörer auch erst einmal ertragen. Doch bei dem, was die Menschen damals ertragen mussten, verbietet sich mir ein weghören.

Mit Cora gibt es eine starke Persönlichkeit als Hauptfigur.
Es gibt auch authentisch wirkende Nebenfiguren wie Caesar, die Brüder Randall, Miss Lucy und die unterschiedlichen Mitarbeiter der Underground Railroad. Die Vereinigung der Underground Railroad hat eine Route in die mögliche Freiheit Richtung Norden bis zu Kanada aufgebaut.

Es folgt die abenteuerliche Flucht und das Leben in Freiheit.
Cora und Caesar werden getrennt, als eine neue Flucht erforderlich wird.
Erschreckende Szenen folgen. Und entschlossene Sklavenjäger setzen sich auf Coras Spur. Der Sklavenfänger Ridgeway ist eine für mich erschreckend glaubwürdige Figur. Sein Herrenmenschendenken war damals sicher verbreitet, bei manchen selbst noch heute. Das der US-Präsident Trump sich nicht gegen den Ku Klux Klan und anderen Rassisten ausspricht ist ein Verbrechen.

Cora bewegt sich durch verschiedene US-Staaten: Von Georgia aus durch South und North Carolina, Tennessee und Indiana.

Viele Motive des Romans sind auf eine symbolische Ebene gebracht. Die wirklich versteckt fahrende Eisenbahn ist ein Stück magischer Realismus. Das und die erzählerische Wucht machen das Buch zu etwas besonderen. Kein Wunder, dass es den Pulitzer und den National Book Award gewann.

Veröffentlicht am 29.08.2017

Familiengeschichte über fünf Generationen

Sonntags fehlst du am meisten
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Es ist eine Familiengeschichte über fünf Generationen, wobei die erste Generation nicht erzählerisch sondern nur durch Recherche der Hauptfigur Caro transportiert wird und die letzte Generation besteht ...

Es ist eine Familiengeschichte über fünf Generationen, wobei die erste Generation nicht erzählerisch sondern nur durch Recherche der Hauptfigur Caro transportiert wird und die letzte Generation besteht aus Caros Sohn, ist also auch kürzer gehalten.
Doch es ist festzustellen, dass die Ereignisse und Erfahrungen der Vergangenheit sich noch auf die Nachkommen auswirken.

Zentral stehen Caro und ihr Vater Karl im Mittelpunkt. Karl musste 1945 als Kind mit Mutter und Schwester aus Schlesien flüchten und in der jungen Bundesrepublik Deutschland durch harte Arbeit Fuß fassen.
Seine Tochter Caro wächst mit 2 Brüdern behütet, sogar überbehütet auf. Ihr Leben wird durch ihren Alkoholismus geprägt.

Christine Drews ist eine sehr gute Autorin, denn sie lässt den Leser nahe an ihre Figuren ran, die ihre Schwächen haben, aber versuchen, damit umzugehen. Die Bewältigung der unausgesprochenen Probleme der Vergangenheit ist dann auch ein wichtiges Thema.

Was mich am Roman am meisten beeindruckt ist, wie sinnvoll die Zeitsprünge der Handlung gestaltet sind. Zwar sind die Sprünge häufig, aber die Lesbarkeit wird davon nicht beeinträchtigt. Problemlos kann man der Handlung folgen, die durch diese Erzählstruktur bereichert wird.

Veröffentlicht am 27.08.2017

Erinnerungsbilder aus Flugschnee

Flugschnee
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Ein junger Mann namens Simon ist spurlos verschwunden! Ein Schock für seine Schwester Lucy und seine Eltern Arnold und Vera.

Schon ganz zu Beginn fällt am Roman die Sprache auf. Ein inneres Zwiegespräch ...

Ein junger Mann namens Simon ist spurlos verschwunden! Ein Schock für seine Schwester Lucy und seine Eltern Arnold und Vera.

Schon ganz zu Beginn fällt am Roman die Sprache auf. Ein inneres Zwiegespräch der Protagonistin mit dem verschwundenen Bruder, Erinnerungsarbeit an die gemeinsamen Erlebnisse der Vergangenheit. Eine Bewusstseinsdarstellung, die den Schmerz des Verlustes darstellt, aber auch die Ungewissheit und die Angst, dass es einen Suizid gab. Oder ist Simon nur untergetaucht? Was sind seine Beweggründe?

Diese Kapitel in Berlin wechseln sich mit anderen Handlungsebenen der Vergangenheit ab, z.B. 20 Jahre zuvor in Hamburg mit dem schon älteren Lorenz. Er ist Lucys und Simons Großvater.
Es gibt auch einige Kindheitsszenen mit Simon und Lucy. Aus dem ganzen entsteht eine komplexe Familiengeschichte.

Bemerkenswert, wie auch die Literatur im Text eingesetzt wird: Das Berlinbuch “Die Ästhetik des Widerstands” von Peter Weiß, Novalis und die schwedische Schriftstellerin Karin Boye. Das trägt bei, den hohen Ton des Romans zu unterstützen.

Wenn man sich die Definition von Flugschnee ansieht (sehr feiner Schnee, der bei stärkerem Wind entsteht und die Schneekristalle auch unter die Dachhaut oder die Dachziegel eines Hauses eindringen lässt.) kann man einen Zusammenhang zur Wirkung der Sprache von Birgit Müller-Wieland erkennen. Wie Flugschnee dringen die Erinnerungsbilder in Lucy.
Das gilt jedenfalls für viele Passagen, aber es gibt auch einige, wo es nur leichten Schneefall gibt. Da wird die Geduld des Lesers auf die Probe gestellt.
Aber die Geschichte braucht diesen Raum. Vorfälle der Vergangenheit werden langsam herausgearbeitet, die Zusammenhänge familiärer Probleme ergeben sich erst allmählich. Man muss sich nur gewiss sein, dass sich die Autorin Zeit lässt, dann ist das schon okay.
Die Ernsthaftigkeit, die Birgit Müller-Wieland ihrer Sprache verleiht und wie sie mit ihr arbeite, ist bewundernswert.

Veröffentlicht am 26.08.2017

Wohlfühlroman

Morgen ist es Liebe
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Durch den gewählten ansprechenden Stil wird es ein leicht zu lesender Roman.
Martin ist verzweifelt, sein Leben ist aus der Bahn geglitten. Auch wenn das Buch mit einem Mann beginnt, der seinen Suizid ...

Durch den gewählten ansprechenden Stil wird es ein leicht zu lesender Roman.
Martin ist verzweifelt, sein Leben ist aus der Bahn geglitten. Auch wenn das Buch mit einem Mann beginnt, der seinen Suizid beginnt, hat man eher eine Art Roman vor sich, der wie eine wärmende Decke wirkt. Dazu trägt auch die weihnachtliche Stimmung bei!
Die Handlung wechselt zu der Ärztin Alexandra Novak.
Ich mochte beide Figuren auf Anhieb.
Dann kommt der Unfall, bei dem Martin zum Retter wird.

Weitere sympathische Figuren sind Martha, Alexandras Mutter und ihr quirliger Hund Mr.Spock.

Doch nicht nur Martin, alle Figuren sind ein wenig in einer Lebenskrise.
Martha ist jüngst verwitwet und jetzt sehr alleine.
Alexandra fragt sich nach dem Unfall, ob sie ihr Leben ändern muss.
Nicht nur sie fragen sich, wer ihr Retter war, auch Polizei und Presse spüren dem Fall nach.
Der Polizist Jean-Claude und ein skrupelloser Reporter werden Teil der Handlung. Sie bedienen jedoch Klischeevorstellungen und haben mir vergleichsweise etwas weniger als die anderen gefallen.

Der Autorin gelingt es gut, die Emotionen ihrer Figuren herauszuarbeiten. Die Leichtigkeit dabei ist vielleicht die größte Stärke des Romans.
Erstaunlich ist aber auch, dass die vermeintlichen Nebenfiguren einen großen Anteil im Roman bekommen, insbesondere Martha, und dass das so gut funktioniert.
Eine kleine Schwäche sehe ich darin, dass manche Passagen zu ausführlich erzählt werden.

Morgen ist es Liebe ist ein Wohlfühlroman, der auch noch in der Weihnachtszeit angesiedelt ist. Das liest sich selbst bei +29°C draußen erfrischend.
Weiterhin prägt der Schauplatz Luxemburg, wo die Autorin lebt, den Roman.

Monika Maifeld ist wirklich eine Neuentdeckung.