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Veröffentlicht am 22.03.2025

Clash of cultures

Hundert Wörter für Schnee
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Hundert Wörter für Schnee ist kein konventioneller historischer Roman, obwohl Franzobel Ereignisse 1893 bei einer Expedition nach Grönland erzählt. Er benutzt einen modernen Erzählstil und findet schnell ...

Hundert Wörter für Schnee ist kein konventioneller historischer Roman, obwohl Franzobel Ereignisse 1893 bei einer Expedition nach Grönland erzählt. Er benutzt einen modernen Erzählstil und findet schnell einen Ton für den Roman, der auch einiges mit dem Figuren zu tun hat. Hauptfigur ist Robert E. Peary, ein Egozentriker, der zusammen mit seiner Frau Josephine eine Reise nach Grönland macht und dort die Inughuit trifft. Da ist Minik eine zentrale Figur, der ab seiner Geburt gezeigt wird und später Peary auf die Rückreise in die USA begleitet. Für beide Seiten wird es ein Clash of cultures und Franzobel arbeitet das sehr feinfühlig und mit einer Portion Ironie heraus.
Minik wird nachdem er Grönland als Junge verlassen musste, sich stets als Heimatloser fühlen.

Peary ist kein Sympathieträger, aber doch so eine interessante Figur, dass er den Roman tragen kann.

Franzobel findet viele Details, die er in die Handlung einbringt. Dennoch hat man als Leser nie das Gefühl, dass es überfrachtet wird. Das Buch macht wirklich Spaß!

Veröffentlicht am 20.03.2025

Bauernleben

Aus gleichem Holz
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Vom gleichen Holz ist ein poetischer Text über das traditionelle Bauernleben.
Die Autorin beschreibt, was sie kennt. Sie entstammt einer Bauernfamilie.
Obwohl es eine junge Autorin ist, wird der Text stellenweise ...

Vom gleichen Holz ist ein poetischer Text über das traditionelle Bauernleben.
Die Autorin beschreibt, was sie kennt. Sie entstammt einer Bauernfamilie.
Obwohl es eine junge Autorin ist, wird der Text stellenweise konservativ, zum Beispiel darin, dass allen Mitgliedern der Bauernfamilie ihre Rollen zugewiesen werden und dass das Unausweichliche daran zu wenig in Frage gestellt wird.
Das zeigt sich auch daran, dass die Figuren keine Namen haben, Außer Opa, Omama, Schwager etc. Das ist doch ziemlich unpersönlich.

Nur die halb große Kleine ist da in ihrer Eigenwilligkeit anders. Sie belebt den Text.
Und als sie größer wird und selbst ein Kind bekommt, zählen die Werte der Familie. Die Passagen zwischen ihr und dem kleinen Sohn gehören zu den schönsten im Buch.

Der Text hat sprachliche Qualität, ohne dabei darauf zu verzichten, das Landleben ein Stück weit unnötig zu verherrlichen. Sie zeigt aber auch deutlich das Verschwinden des Bauernhofs mit allem, was das Leben ausmachte, da der Hof unwirtschaftlich wurde. Da ist die Autorin realistisch und konsequent.

Veröffentlicht am 20.03.2025

Szenario

Wenn Russland gewinnt
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Carlo Masala ist als Militärexperte schon lange bekannt durch Auftritte in Polittalkshows und durch einige Sachbücher. In seinem neuen Buch entwirft er ein Szenario über den Weltverlauf bei Sieg Russlands.
Er ...

Carlo Masala ist als Militärexperte schon lange bekannt durch Auftritte in Polittalkshows und durch einige Sachbücher. In seinem neuen Buch entwirft er ein Szenario über den Weltverlauf bei Sieg Russlands.
Er sieht einige Jahre voraus, z.B. bis 2028 und prognostiziert, wie sich die Beteiligten, also auch USA und vor allen Europa verhalten könnten.
Das ist hypothetisch, aber nicht gerade unmöglich.
Er geht ziemlich ins Detail, sehr glaubwürdig, aber für den Laien ist es nicht immer ganz einfach zu folgen. Ich war streckenweise auch irritiert. Es ist ein schmales Buch. Abgeholt hat mich Masala dann doch noch am Schluß mit den abschließenden Fazit im Nachwort. Dort diskutiert er auch noch mal Möglichkeiten, was passieren muss, um noch das Schlimmste abzuwenden.

Veröffentlicht am 20.03.2025

Eine Reise von Moskau nach Berlin

Eisiges Schweigen flussabwärts
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Michael Thumann ist außenpolitischer Korrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT. Er kennt Russland sehr gut und berichtet in diesem Buch von seinen Eindrücken in dem Land.
Deutschland ist in Russland als ...

Michael Thumann ist außenpolitischer Korrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT. Er kennt Russland sehr gut und berichtet in diesem Buch von seinen Eindrücken in dem Land.
Deutschland ist in Russland als unfreundliches Land eingestuft und deutsche Journalisten werden auch gelegentlich schikaniert. Das beginnt schon bei den Grenzübergängen.
1999 hatte Michael Thumann Putin noch persönlich interviewen können. Heutzutage ist das nicht mehr möglich. Deutsche Journalisten bekommen keine Interviews.
Thumann versucht manchen Hindernissen in Moskau entgehen, indem er oft unerkannt mit dem Fahrrad unterwegs ist.
Dann gibt es auch mal einen Rückblick in Thumann erste Reise nach Moskau.
Zurück in der Gegenwart ist das Bild alles andere als optimistisch.

Es ist ein packendes, erzählerisches Sachbuch, wie ich es schätze.

Veröffentlicht am 20.03.2025

Großma

sterben üben
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In Sterben üben schreibt die Schriftstellerin Katharina Feist-Merhaut über Ihre Großmutter, mit der sie fast täglich telefoniert und sie oft besucht.
Die Großmutter ist alt und krank, aber weiterhin eine ...

In Sterben üben schreibt die Schriftstellerin Katharina Feist-Merhaut über Ihre Großmutter, mit der sie fast täglich telefoniert und sie oft besucht.
Die Großmutter ist alt und krank, aber weiterhin eine lebensfrohe Frau, die sich viel in Schmäh ausdrückt.
Die Autorin notiert deren Sätze und reflektiert darüber. Manchmal zieht sie Vergleiche zu Helene Cixous, die viel über ihre alte Mutter geschrieben hat.
Es gibt öfter literarische Verweise: Anne Carson, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Martina Hefter, Roland Barthes, Beckett, Canetti.
Ich habe viel übrig für literarische Zitate, aber das ist auch Geschmackssache.

Es ist ein Buch mit wenig Text, aber was dasteht, ist gut durchdacht