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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2023

Roman aus Slowenien mit eigenständigem Ton

18 Kilometer bis Ljubljana
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18 Kilometer nach Ljubljana ist ein Roman von Goran Vojnovic. Er erzählt von der Perspektivlosigkeit eines jungen Mannes in seiner Heimat Slowenien.
Erzählt wird vom Icherzähler Marko in einer selbstironischen, ...

18 Kilometer nach Ljubljana ist ein Roman von Goran Vojnovic. Er erzählt von der Perspektivlosigkeit eines jungen Mannes in seiner Heimat Slowenien.
Erzählt wird vom Icherzähler Marko in einer selbstironischen, derben Jugendsprache, die an den Rand des Erträglichen geht. Gemildert wird das durch Wortwitz. Der Autor will aber damit auch Grenzen sprengen. Eine Qualität der Sprache ist das hohe Tempo.
Trotz des Zynismus des Protagonisten macht er auch einige gute Beobachtungen.

Marko ist in Slowenien aufgewachsen, aber Sohn bosnischer Eltern. Die letzten Jahre war er in Bosnien bei den Großeltern und hatte dort eine Beziehung mit Alma, die Muslimin ist. Durchaus problematisch, da die Erinnerungen an den Krieg noch frisch sind. Zurück in Slowenien zieht Marko mit seinen Freunden rum.

18 Kilometer nach Ljubljana ist übrigens die Fortsetzung von Vojnovics Kultroman „Tschefuren raus“.

Veröffentlicht am 15.08.2023

autoskopische Erzählungen

Sprechen lernen
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Hilary Mantel gehörte sicherlich zu den bedeutenden Autorinnen der letzten 20 Jahre. Dieses Buch zeigt ihre Erzählungen über ihre Kindheit und Jugend in England der fünfziger und sechziger Jahre. Die ...



Hilary Mantel gehörte sicherlich zu den bedeutenden Autorinnen der letzten 20 Jahre. Dieses Buch zeigt ihre Erzählungen über ihre Kindheit und Jugend in England der fünfziger und sechziger Jahre. Die Geschichten zeigen ein Mädchen in verschiedenen Altersabschnitten, mal Kind, mal schon fast erwachsen. Öfters geht es auch um die Mutter, nur im Hintergrund um Väter und Stiefväter.
Am besten haben mir die ersten beiden Geschichten gefallen, aber auch Hoch in den dritten Stock, n der das 18jährige Mädchen zusammen mit ihrer Mutter in einem Kaufhaus arbeitet. Auch die Titelgeschichte hat etwas!

Mich haben die unaufdringlichen Geschichten sehr angesprochen.
Sehr lesenswert!

Veröffentlicht am 12.08.2023

Erinnerungen, Überlegungen und Reflexionen

Der Trost der Schönheit
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Gabriele von Arnim hatte mich schon als Literaturkritikerin immer beeindruckt, als sie zuletzt mit ihrem atemberaubenden Buch „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“ geradezu brillierte.
Man glaubt ...

Gabriele von Arnim hatte mich schon als Literaturkritikerin immer beeindruckt, als sie zuletzt mit ihrem atemberaubenden Buch „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“ geradezu brillierte.
Man glaubt es kaum, aber ihr neues Buch Der Trost der Schönheit ist mindestens so gut. Es geht viel ums Altern, aber vor allen ums Leben und was man daraus macht.
Es ist ein suchendes Buch. Daher ist der Untertitel Eine Suche auch sehr zutreffend. Es geht auch viel ums Sehen und wahrnehmen und wie wichtig es ist, alles genau zu betrachten um Schönheit zu erkennen. Doch auch das muss man erst einmal aushalten.
Gabriele von Arnim setzt literarische oder philosophische Zitate ein, aber noch wirkungsvoller sind ihre Erinnerungen, die zum Teil bis in die Kindheit zurückgehen. Dadurch wird es ein sehr reflektierendes Buch.
Sprachlich ist es fein gewoben, ein Genuß.

Gabriele von Arnim hat ein wundervolles Buch geschrieben, dass mehr als ein Essay ist, gleichzeitig für dieses Genre eine Perle.

Veröffentlicht am 12.08.2023

Nora und die Fischer von Katria

Mattanza
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Dieser nahezu verzaubernde Roman hat geringen Umfang und deckt doch einen Zeitraum von 1960 bis 2012 auf der Insel Katria ab.
Traditionell gibt es einen männlichen Anführer, der Rais genannt wird, doch ...

Dieser nahezu verzaubernde Roman hat geringen Umfang und deckt doch einen Zeitraum von 1960 bis 2012 auf der Insel Katria ab.
Traditionell gibt es einen männlichen Anführer, der Rais genannt wird, doch jetzt blieb der männliche Nachwichs aus und Nora wird von Geburt an zur neuen Rais vorgesehen. Ausgebildet wird sie vom strengen Großvater, den bisherigen Rais.
Ihre wichtigste Rolle dabei ist Mattanza, die traditionelle Thunfischjagd.
Die Insel wird so lange fortbestehen, wie jemand von ihrem Blut die Mattanza anführt, so der Glaube.

Noras Leben ist geprägt und vorgezeichnet durch die ihr zugewiesene Rolle, so sieht sie ihre Familie immer nur sonntags und verbleibt sonst beim Rais und ihren Aufgaben.
Dadurch wird sie aber auch zur entschlossenen Persönlichkeit. Das hat mich an dem Buch beeindruckt.

Germano Fabianos Beschreibungen sind detailreich, um Beispiel über den Thunfischfang und sehr interessant. Man kann sich kaum losreißen vom Buch. Ein Buch mit so einer Handlung gehört wirklich zum Mare-Verlag.

Veröffentlicht am 05.08.2023

Die Geschichte der Eltern

Natürlich kann man hier nicht leben
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Natürlich kann man hier nicht leben ist ein ziemlich guter Debütroman, der eine gewisse Zeit in der Türkei zeigt.
Die 16jährige Nilay ist in Deutschland als Kind türkischer Flüchtlinge geboren. Es drängt ...

Natürlich kann man hier nicht leben ist ein ziemlich guter Debütroman, der eine gewisse Zeit in der Türkei zeigt.
Die 16jährige Nilay ist in Deutschland als Kind türkischer Flüchtlinge geboren. Es drängt sie danach, in die Türkei zu gehen. Das bildet geschickt die Klammer dazu, die Geschichte der Eltern zu erzählen. Selim und Hüyal erleben die Zeit der Militärdiktatur in der Türkei ab 1980. Man gewinnt durch diese gut und realistisch entworfenen Figuren ein Bild davon, unter welchen Bedingungen normale Menschen damals lebten, bedroht durch die Repressalien der Rechten.
Die Handlung zieht sich durch die Jahre 1980 bis 1993. Dann gehen Selim und Hüyal aus Sicherheit nach Deutschland. Das ist zunächst auch nicht einfach.
Man kann die Figuren und ihr Emotionen verstehen. Die Autorin hat die Zeit gut recherchiert und nachempfunden. Das ist die Stärke des Buches. Es ist zu hoffen, dass Özge Inan noch weitere Romane schreiben wird, denn dieser ist ihr gut gelungen.