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Veröffentlicht am 06.11.2019

Stillstand ist der Feind

Der chinesische Verräter
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Ein bisschen UK, ein bisschen USA und viel China wird dem Leser hier von Adam Brookes serviert. Aber Vorsicht: gewürzt ist “Der chinesische Verräter” mit sehr viel Geheimdienstalltag und Geheimniskrämerei.

Für ...

Ein bisschen UK, ein bisschen USA und viel China wird dem Leser hier von Adam Brookes serviert. Aber Vorsicht: gewürzt ist “Der chinesische Verräter” mit sehr viel Geheimdienstalltag und Geheimniskrämerei.

Für “outsider” beschreibt der Autor die Verhältnisse in Arbeitslagern, auf den Straßen der Städte und in den Köpfen derer die an der Macht sind, sehr authentisch. Aus einem solchen Lager flieht ein Mann, der zunächst eher unscheinbar wirkt, sich aber auf seine Art zu helfen weiß. Er reaktiviert alte Kontakte, die ihm außer Landes verhelfen sollen, seine Flucht fortsetzen sollen. Keinesfalls will er in Peking bleiben, wo die Wände Ohren und die Straßenlaternen Augen haben.

Durch Zufall gerät ein Unbeteiligter in die Sache hinein: Philip Mangan, britischer Journalist. An seinem Beispiel zeigt Brookes, dass es, wenn man als “normaler Bürger” dem Geheimdienst helfen “darf”, keineswegs immer sicher und glamourös zugehen muss, so wie sich das der Einzelne vielleicht vorstellt.

Philip steht dem Geflohenen, von allen nur Peanut genannt, kritisch gegenüber und hält auch nicht viel vom Auslandsgeheimdienst seines Heimatstaates. Letztlich aber hat er das Herz am rechten Fleck und begibt sich auf eine gefährliche Reise während derer er nach und nach herausfindet, mit wem er da zusammenarbeitet und welches explosive Material er da so in seinen Händen hält.

Das Buch ist flott zu lesen, wenn man mit sich selbst nicht zu streng ist und die auftretenden chinesischen Begriffe und Phrasen nicht nach Aussprache googlet. Es gibt zwar einige recht plötzliche Schauplatzwechsel, da die Zahl der wichtigen Personen und der Handlungsstränge begrenzt ist, behält man dennoch gut die Übersicht.

Manche Nebenhandlungen werden nur kurz oder nur wenige Male erwähnt, sie laufen auch nicht immer auf etwas Bestimmtes hinaus hatte ich das Gefühl. Aber dem Gesamteindruck schadet das nicht - man muss nur definitiv “Geheimdienstkram” gerne lesen!

Veröffentlicht am 27.10.2019

Flott, angenehm und stimmig

Wisting und der Tag der Vermissten
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William Wisting, norwegischer Ermittler, schon aus einigen Bänden von Jørn Lier Horst bekannt, widmet sich hier seinem ersten Cold Case.

Mehr als zwei Jahrzehnte ist es nun her, dass Katharina Haugen ...

William Wisting, norwegischer Ermittler, schon aus einigen Bänden von Jørn Lier Horst bekannt, widmet sich hier seinem ersten Cold Case.

Mehr als zwei Jahrzehnte ist es nun her, dass Katharina Haugen verschwand. Wisting hat damals als junger Polizist nicht mitermittelt, hat sich aber nun schon länger in die alten Akten verbissen und kennt sie in- und auswendig. Es wurde nie eine Leiche gefunden, aber die Hinweise deuten für den erfahrenen Polizisten dennoch auf ein Verbrechen hin. Er ist sich sicher, dass jemand, der in den Akten erwähnt wird und damals befragt wurde, mehr weiß, als damals erzählt wurde.

Jedes Jahr am Tag des Verschwindens kramt Wisting die Akten wieder heraus. Das erklärt auch den Titel. Doch halt: Auch wenn es nicht der selbe Tag war, taucht noch eine weitere Vermisste auf, als Cold Case eines Osloer Ermittlers, der Wistings Abteilung gleich in die Ermittlungen einspannt, da diese andere junge Frau in einem Nachbarort wohnte.

Die Kapitel, der Schreibstil sind zügig, es halten sich hier Ermittlungsfortschritt und Privatleben der wichtigsten Figuren die Waage. Da man selbst einige parallele Handlungsstränge verfolgen kann und die Strategie der Polizei, die “Schlinge langsam enger zu ziehen”, funktioniert, ist man am Ende dann nicht mehr komplett erstaunt über die Lösung. Teile davon zeichnen sich schon ab, wie sich alles ineinander fügt, erfährt man auch noch.

Somit bleibt der große Knalleffekt aus, was aber am Aufbau der ganzen Geschichte liegt, der einfach bewusst anders gestaltet ist. Der Plot ist stimmig und wird ausreichend ausgeführt, lose Enden verknüpft.

Als jemand, der nicht weit davon entfernt wohnt, hat mich die Erwähnung von Katharinas Herkunft und Heimatort schmunzeln lassen. Sie spielt am Ende keine große Rolle, aber es ist dennoch ein nettes Detail.

Veröffentlicht am 25.10.2019

Ein streitbarer, aber sehr effektiver Charakter

Arrowood - Die Mördergrube
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Nach “In den Gassen von London” ist dies das erste Wiedersehen mit dem ebenso streitbaren wie schrulligen Privatdetektiv William Arrowood. Er sorgt sich um die Belange jener, denen es ebenso schlecht geht ...

Nach “In den Gassen von London” ist dies das erste Wiedersehen mit dem ebenso streitbaren wie schrulligen Privatdetektiv William Arrowood. Er sorgt sich um die Belange jener, denen es ebenso schlecht geht wie ihm selbst oder noch schlechter und das waren im viktorianischen London einige.

Er ist natürlich ebenso wie sein “Erzfeind” Sherlock Holmes, der allerdings wenig Notiz, in Arrowoods Augen aber viel zu viel Ruhm, von ihm nimmt, fiktiv. Aber es gibt noch eine Parallele zwischen den beiden brillanten Köpfen: auch Arrowood hat einen Assistenten - Norman Barnett. Allerdings stammt er aus einfacheren Verhältnissen und ist auch manchmal fürs Grobe zuständig. Aber erzählt die Abenteuer aus seiner Ego-Perspektive, wie Watson.

Und da Arrowood manchmal seine Emotionen und damit auch sein Mundwerk nicht kontrollieren kann, geraten er und Barnett öfter in prekäre Lagen als ihnen lieb ist. Für den Leser ist es aber ein gelungener Mix aus Action und Witz.

In diesem Band ist Arrowood im Auftrag eines Elternpaars unterwegs. Er soll die Tochter, die seit ihrer Hochzeit nicht mehr mit ihnen spricht, wieder nach Hause holen. Allerdings misstraut er den beiden. Die beiden Hauptdarsteller machen sich also auf die Suche. Dabei decken sie allerdings durch ihre Hartnäckigkeit, ihren Erfindungsreichtum und ein paar guter Kontakte eine wahre “Mördergrube” auf, im direkten und im übertragenen Sinn.

Veröffentlicht am 16.10.2019

Episoden voller Entbehrungen und Emotionen

Menschen neben dem Leben
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Der jung verstorbene Ulrich Alexander Boschwitz skizziert hier anhand mehrerer Charaktere das Bild bestimmter Bevölkerungsschichten aus dem Berlin der Zwischenkriegszeit. Sie alle stehen in gewisser Hinsicht ...

Der jung verstorbene Ulrich Alexander Boschwitz skizziert hier anhand mehrerer Charaktere das Bild bestimmter Bevölkerungsschichten aus dem Berlin der Zwischenkriegszeit. Sie alle stehen in gewisser Hinsicht “neben dem Leben” - neben dem der gut situierten oder der über alle Zweifel erhabenen.

In unterschiedlichen Szenen begegnet der Leser Emil Fundholz, der betteln geht um Nahrung und Unterkunft zu haben; Tönnchen, einem leicht zurückgebliebenen Mann, der Fundholz’ Begleiter und von ihm abhängig ist; Grissmann, der Einbrüche dem Betteln vorzieht; Frau Fliebusch, die sich in ihre eigene Welt zurückgezogen hat; Minchen, die zwar deutlich mehr Geld hat als die anderen, dieses aber in der Waagrechten verdient - und vielen mehr.

Es sind teils komische, dann wieder sehr ernste und auch gefährliche Episoden die wir mit den Protagonisten erleben und die zeigen wie viel sie entbehren mussten, mit wie wenig sie auskamen und dass manche für uns alltägliche Dinge damals einfach unerreichbar waren.

Auch wenn die Abschnitte grundsätzlich chronologisch verlaufen, auch innerhalb der einzelnen Handlungsstränge der Figuren, sind sie doch keine so komplett zusammenhängende Geschichte wie man vermuten könnte. Am Ende aber lässt Boschwitz einige Charaktere aufeinanderprallen und sein Finale explodiert förmlich in einem Strudel an Emotionen. Das war auch das Einzige, wovon die Leute damals (zu) viel hatten und das nichts kostete.

Wer eine stringente, noch stärker berührende Geschichte lesen will, die sich auf einen Hauptcharakter konzentriert, dem sei “Der Reisende” ans Herz gelegt.

Veröffentlicht am 10.10.2019

Hole, der Unverwüstliche?

Messer (Ein Harry-Hole-Krimi 12)
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Da ich als Krimi- und Thrillerfan (auch der skandinavischen) vieles “gewohnt” bin, konnte mich auch als Erstleser der Reihe um Harry Hole jener nicht sehr stark irritieren.

Hole ist so der klassische ...

Da ich als Krimi- und Thrillerfan (auch der skandinavischen) vieles “gewohnt” bin, konnte mich auch als Erstleser der Reihe um Harry Hole jener nicht sehr stark irritieren.

Hole ist so der klassische “brillianter-Ermittler-mit-dunkler-Seite”-Typ, seine Schwächen sind seine Ex-Frau und Alkohol. Er umgeht gerne ein paar Regeln wenn es seiner Sicht der Gerechtigkeit dient und kommt mir sehr vielem davon und durch. Der Erfolg gibt im Recht.

Nicht alles in diesem norwegischen Thriller ist immer zu 100% wahrscheinlich oder realistisch. Im Gesamtpaket sind aber auch die zweifelhaften Szenen stimmig und gerechtfertigt. Nesbø hält, was Hole verspricht: Action, Drama, Blut, Mord, Mystery und Grausamkeiten bestimmen Holes Leben und die Handlung.

Die Reihe ist ja schon sehr bekannt, aber die Bände lassen sich (wenn man nicht satte elf Bücher vor diesem hier lesen will) auch einzeln gut verstehen und lesen. Wenn man eben so Charaktere wie Hole gut akzeptieren kann. Nordische Thriller sind selten was für schwache Nerven, auch hier daher eine kleine Warnung in dieser Hinsicht.

Wen das nicht stört, der bekommt sehr solide bis sehr gute Krimi-Kost mit allem was dazugehört. Die Auflösung kann überraschen und bringt auch eine gewisse Genugtuung mit sich.