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Veröffentlicht am 12.09.2019

Über die wirklich wichtigen Dinge reden

Die einzige Zeugin
2

Dieser Krimi ist ungewöhnlich, er weicht vom “gewohnten” Format Mord - Polizeiermittlungen - langes Miträtseln - Lösung schon teilweise stark ab. Das mag zum einen daran liegen, dass die Autorin Tove Alsterdal ...

Dieser Krimi ist ungewöhnlich, er weicht vom “gewohnten” Format Mord - Polizeiermittlungen - langes Miträtseln - Lösung schon teilweise stark ab. Das mag zum einen daran liegen, dass die Autorin Tove Alsterdal ihre erzählerischen Stärken einbringen wollte, aber auch, dass ihr gesellschaftliche Themen am Herzen liegen und sie dazu auch ausführlich recherchiert.

Die Schwedin verknüpft einen fiktiven Mord mit Stockholmer Vergangenheit (vieles rund um den Stadtteil und die Anstalt Beckomberga gibt es wirklich und geschah vor wenigen Jahrzehnten tatsächlich so) und den Lebensbedingungen von Rumänen, die nach Schweden betteln.

Da die Ex-Frau des Opfers, Eva, beschuldigt wird, den Mord begangen zu haben, macht sie sich daran, das Rätsel selbst zu lösen. Der Leser erfährt viel von ihrer inneren Zerrissenheit und den Problemen, die sie aktuell belasten, aber auch welche sie früher hatte. Ihr Verhalten nach der Scheidung und die schwierige Beziehung zu ihrem Sohn macht es für sie nicht leichter und sie selbst erst recht verdächtig.

Dass Eva auch noch zufällig am Tatort war, glaubt ihr dann natürlich niemand mehr. Aber sie ist entschlossen, die einzige mögliche Zeugin der Tat zu finden und nutzt das, um ihren erwachsenen Sohn Filip besser kennenzulernen. Der Krimi wandelt sich zu einem Roadtrip durch halb Europa, immer begleitet von Evas Gefühlschaos.

Parallel passieren in Beckomberga noch einige andere Dinge und die Angst vor einem Serienmörder geht um. Auch dieser Erzählstrang bleibt trotz einer gewissen Spannung erzählerisch, schafft es nicht zu einem thrillerartigen Element zu werden.

Am Ende ist dieses Buch ein Kriminalroman, bei der die Betonung auf der zweiten Worthälfte liegt. Statt Polizei und Befragungen stehen zwischenmenschliche Spannungen, Gesellschaftskritik und die leise Moral, mehr miteinander über wirklich Wichtiges zu reden, im Vordergrund. Nebenbei erfährt man einiges über Stockholms Bettlerszene und auch die Zustände in Rumänien.

Wer sich darauf einlassen kann und keinen “klassischen” Schweden-Krimi erwartet, kann mit diesem Buch seine Freude haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 25.08.2019

Historien-SciFi-Krimi auf britische Art

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Man wird hier von Stuart Turton auf skurrile Art auf einen britischen Landsitz versetzt, der langsam verfällt. Die Familie kehrt nicht oft zurück, da in der Vergangenheit ein tragisches Unglück an diesem ...

Man wird hier von Stuart Turton auf skurrile Art auf einen britischen Landsitz versetzt, der langsam verfällt. Die Familie kehrt nicht oft zurück, da in der Vergangenheit ein tragisches Unglück an diesem Ort geschah.

Doch dann, zu dessen Jahrestag werden Dutzende Personen (die wichtigsten lernt man kennen und die Namen sind auch im Umschlag und vorne im Buch zu finden), viele aus der oberen Gesellschaftsschicht, eingeladen um ein rauschendes Fest zu feiern.

Zudem gibt es die Klassiker des Großbritannien von vor dem Krieg: (oberflächlicher) Prunk, Alkohol in Kristallgläsern, eine Jagd, Pferdekutschen, einen “Pestdoktor” und natürlich kein Telefon. Dieses Setting schreit geradezu nach einer ungewöhnlichen Handlung, um keine blasierte Langeweile aufkommen zu lassen. “Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle” bietet sie.

Wunderbar erzählt aus der Ego-Perspektive eines auf Blackheath - so der Name des Landsitzes - gestrandeten Mannes, dazu noch im Präsens gehalten, kann man über die mehr als 600 Seiten mit ihm mitwandern, durch Räume streifen, durch den Wald hetzen und neben wichtigen Personen entlangschlendern.

Wichtig deshalb, weil sie im Gespräch wesentliche Fakten verraten könnten, denn der gestrandete Mann muss ein Rätsel lösen, um dem mysteriösen Haus entkommen zu können. Wer ist der Mörder? “Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle” ist ein britisches “whodunnit”, das amateurhafte Ermittlungsarbeit und Gehirnjogging für den Leser (sich alle Details zu merken, ist fast unmöglich) mit einer Prise Science Fiction aus unserer Gegenwart in die Vergangenheit transportiert. Eine ungewöhnliche, aber durchaus packende Idee.

Veröffentlicht am 21.08.2019

Kummer, Kitsch und Küsse

Im Freibad
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“Im Freibad” ist ein Roman darüber, was eine Gruppe engagierter Menschen mit Unterstützung der Öffentlichkeit alles leisten kann, trotz großer Konzerne, mächtiger Leute und dem Geld, das die Welt regiert. ...

“Im Freibad” ist ein Roman darüber, was eine Gruppe engagierter Menschen mit Unterstützung der Öffentlichkeit alles leisten kann, trotz großer Konzerne, mächtiger Leute und dem Geld, das die Welt regiert. Diese Utopie dreht sich hier um das titelgebende Freibad in einem Londoner Stadtteil.

Wie überall wird auch dort gespart und so kommt es zu Schließungen von Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Der ganze Stadtteil trauert und nimmt es hin. Der ganze Stadtteil? Nein! Eine Gruppe unbeugsamer Schwimmer überzeugt eine junge Journalistin, um ihre Freizeiteinrichtung zu kämpfen.

Die Idee ist okay, die Charaktere großteils auch, zwischendrin gab es für mein Empfinden ein paar zu viele Klischees, die unbedingt bedient werden mussten. Kate und Rosemary, die beiden Hauptfiguren, werden ausgiebig beleuchtet (werden mir zu sehr durch ihre Probleme, ihren Kummer definiert), wodurch für manch andere Personen wenig Raum bleibt.

Der einfache Schreibstil (oder die Übersetzung?) ist relativ Metaphern-lastig, wovon einige neu sind oder in gewissen Szenen durchaus überraschen können, aber durch die Häufigkeit verlierst sich dieser Effekt bald.

Generell ist wenig Überraschung möglich, der Verlauf erwartbar sogar mit der einen oder anderen Wendung. Gute Momente, wo ein bisschen gegen das Klischee gekämpft wird (Teenager krempelt sein Leben um und kommt von der “schiefen Bahn” noch weg) werden leider oft mit kitschigen Dialogen oder offensichtlichen Entwicklungen (warum braucht es noch die Lovestory?) plattgewalzt.

Alles in allem ein netter Sommerroman, der gerne etwas Tiefe hätte, aber meiner Meinung nach im seichten Nichtschwimmerbereich stehen bleibt.

Veröffentlicht am 17.08.2019

Sommerlich-flockiges Cosy-Crime-Lesevergnügen

Seefimmel
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Die Konstanzer Hobbyermittlerin Ines Fox ist wieder auf großer Fahrt, diesmal gleich mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Dabei steht auch das Wasser - See, Meer - hoch im Kurs, allen voran der Bodensee. ...

Die Konstanzer Hobbyermittlerin Ines Fox ist wieder auf großer Fahrt, diesmal gleich mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Dabei steht auch das Wasser - See, Meer - hoch im Kurs, allen voran der Bodensee. Hier, wo für Ines eigentlich immer alles seinen Ausgang nimmt, gibts einen Unfall und auch eine Leiche.

Damit nicht genug, verschwinden diverse Personen aus Ines’ Leben spurlos und obwohl sie nicht alle gerne wiederhaben will, macht sie sich gemeinsam mit Freund und Rechtsmediziner Marc Frieder auf die Suche. Weil doch heutzutage “jeder eine Pistole hat” (Zitat Ines) wird das aber nicht nur lustig, sondern mitunter auch gefährlich und höchstgradig kriminell.

Wer mehr Details zu den diversen Charakteren haben möchte, sollte hier auf jeden Fall “Seekoller” vorher lesen, den dritten Band der Reihe um die unerschütterliche wie herzensgute Ines Fox, im Nebenberuf Inhaberin einer Internetagentur.

Wenn nicht, kann man sich auch mit den Erklärungen in “Seefimmel” zufriedengeben, für ein sommerlich-flockiges Cosy-Crime-Lesevergnügen allemal ausreichend.

Christiane Kördel hat sich über die bisher vier Bücher in ihren vier Jahren vollends auf Ines “eingegroovt”, parallel zur Beziehung zwischen Doktor Frieder und Frau Fox.

Beide Verbindungen haben sich, soweit sich das gewissermaßen aus der Ferne beurteilen lässt, positiv entwickelt. Somit stehen uns hoffentlich noch einige “Ines-Jahre” bevor - denn man mal sich mal mit der Dame und ihren Eigenheiten angefreundet hat, möchte man sie nicht mehr missen.

Veröffentlicht am 28.07.2019

Blut, Gewalt und eine Geschichte voller Wendungen

Opfer
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Debüt-Schweden-Thriller sind meist etwas sehr Spannendes für die Fans skandinavischer Krimis und Thriller. Dazu zählt auch “Opfer”. Der Titel passt zwar sehr gut, allerdings hätte sich dieser Thriller ...

Debüt-Schweden-Thriller sind meist etwas sehr Spannendes für die Fans skandinavischer Krimis und Thriller. Dazu zählt auch “Opfer”. Der Titel passt zwar sehr gut, allerdings hätte sich dieser Thriller von Bo Svernström einen etwas unverwechselbareren Namen verdient.

Auch wenn der Leser zwischendurch etwas mehr erfährt als Ermittler Carl Edson und sein Team, weiß die Geschichte dennoch an mehreren Ecken zu überraschen. Man hat genug Zeit, eigene Schlüsse zu ziehen und sich dann überraschen zu lassen, was davon stimmt.

Svernström hat mit seinen Hauptfiguren abwechslungs- und facettenreiche Charaktere geschaffen, denen man ihre Geschichten und Einstellungen durchaus abnimmt. Schon aus diesem Grund, aber auch aufgrund des letzten großen Paukenschlags in “Opfer” wäre ich sehr gespannt auf eine Fortsetzung.

Noch kurz zur Handlung: In und um Stockholm findet die Polizei alle paar Tage eine männliche Leiche. Sie wurden jeweils grausam gefoltert (tolle grausige Tatortbegehungen!) und scheine alle keine Engel gewesen zu sein. Hat ihr Tod also etwas damit zu tun, dass sie nicht nur “Opfer” sind?