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Veröffentlicht am 03.02.2019

Buddhismus und Katze: Was wir von beidem lernen können

Die Katze des Dalai Lama
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Der Titel ist Programm: Hauptperson und Mittelpunkt allen Seins ist die die Katze, die beim bekannten Dalai Lama lebt. Sie heißt natürlich nicht ganz profan Minka oder Miezi, sondern natürlich KSH - steht ...

Der Titel ist Programm: Hauptperson und Mittelpunkt allen Seins ist die die Katze, die beim bekannten Dalai Lama lebt. Sie heißt natürlich nicht ganz profan Minka oder Miezi, sondern natürlich KSH - steht für die "Katze Seiner Heiligkeit".

Dieser Roman ist ein sehr schönes Buch, nicht für Katzenliebhaber zu empfehlen, wenngleich sich das natürlich ein bisschen aufdrängt. Geschrieben ist das Buch aus der Ich-Perspekive der Katze, sie erzählt ihr Leben, wie sie als Katzenbaby vor dem sicheren Tod gerettet und dann zur wohl berühmten Katze Tibets wurde.

Neben interessanten Einblicken in den Buddhismus und einigen Lebensweisheiten gibt es auch immer wieder humorige Seitenblicke auf die Handlung, da eine Katze ja nicht alles verstehen kann, was Menschen so tun.

Zudem interessant: Der Leser lernt, die buddhistischen Ansichten besser einzuordnen. In westlichen Ländern ist der Buddhismus ja als eine der Weltreligionen bekannt, dennoch unterscheidet er sich stark von den anderen. Missionieren scheint dort fremd zu sein, es gibt auch keinen solche Gott-Bezug wie vielfach vorhanden. Zitat: "Im Buddhismus geht es nicht darum, andere Menschen zu bekehren. Es geht darum ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie ihr Glück mehren können."

"Die Katze des Dalai Lama" bringt auf jeden Fall gemütliche Lesestunden mit sich und zeigt uns, was wir von Katzen und dem Buddhismus vielleicht noch alles lernen können.

Veröffentlicht am 30.01.2019

Der Schmetterlingseffekt im Mikrokosmos

Der Nachbar
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Eigenwillig und besonders ist dieser vergleichsweise kurze Kriminalroman. Dennoch geht er möglicherweise sehr nahe, weil man durchaus mit der Hauptperson mitfühlen kann, erzählt der Mann, ein Biologielehrer ...

Eigenwillig und besonders ist dieser vergleichsweise kurze Kriminalroman. Dennoch geht er möglicherweise sehr nahe, weil man durchaus mit der Hauptperson mitfühlen kann, erzählt der Mann, ein Biologielehrer aus São Paulo, durchgehend aus seiner Perspektive. Somit ist auch der Titel gewissermaßen aus der Egoperspektive verfasst, denn trotz aller Alltagsprobleme in Beruf und Beziehung ist der größte Feind des Protagonisten derjenige, der über ihm wohnt.

Aus einem kleinen Ärgernis wird ein kleiner Streit und aus einem kleinen Streit ein großer und dann kommt eins zum anderen… wie eine private Version des Schmetterlingseffekts. Patrícia Melo lässt den Leser tief in die langsam anwachsende Verzweiflung des namenlosen Protagonisten. So wie seine Familie und später viele andere über ihn urteilen, kann sich auch der Leser eine Meinung bilden, eine bessere sogar, weil er vieles über ihn, den Lehrer, erfährt, das anderen Charakteren möglicherweise verborgen bleibt.

Das Ende erscheint ebenfalls etwas ungewöhnlich, fügt sich aber damit doch irgendwie in das Gesamtbild des Krimis. Interessantes Detail: Im Original bezieht sich der Titel des Buches sehr wohl auf die namenlose Hauptperson, im Deutschen jedoch, wie erwähnt, nicht.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Cross-kontinentale Agenten-Hatz am Puls der Zeit

Der Drahtzieher: Ein Gabriel-Allon-Thriller
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Der (Geheimdienst-)Thriller ist mit seinen klar mehr als 500 Seiten nicht gerade die schlankste Lektüre, aber jedes Kapitel wert. Ich kannte bisher den Namen des Autors, hatte aber noch nichts von ihm ...

Der (Geheimdienst-)Thriller ist mit seinen klar mehr als 500 Seiten nicht gerade die schlankste Lektüre, aber jedes Kapitel wert. Ich kannte bisher den Namen des Autors, hatte aber noch nichts von ihm gelesen. Somit kann ich auch sagen, dass ein Einstieg in zum Beispiel diese Reihe mit Gabriel Allon kein Problem darstellt.

Man kennt sich wunderbar aus und bekommt auch die Charaktere nahegebracht. Vergangene Unternehmen, Begebenheiten werden zwar angeschnitten, aber nie so, dass man das Gefühl hätte, sich nicht mehr zurechtzufinden. Die Geschichte hier, die sich unter anderem um einen französischen Geschäftsmann und Restaurantbesitzer und seine Nebengeschäfte dreht, ist gut verständlich und spannend aufbereitet.

Die Geheimdienstarbeit und deren genauere Schilderungen muss man eben mögen, dann ist dieser Thriller ein Genuss. Zudem ist die Handlung sehr aktuell und verbindet tatsächlich erfolgte Terroranschläge und reale Personen (teilweise andere Namen) mit der fiktiven Story, dass am Ende mehrere Staaten und ihre Agenten zusammenarbeiten, um einem “neuen Osama bin Laden” das Handwerk zu legen. So zumindest der Plan.

Veröffentlicht am 24.01.2019

Zwei, die sich einer gemeinsamen Vergangenheit stellen

Nadjas Katze
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Dieser Roman ist ein gründlich recherchiert und glaubwürdig aufgebauter “Geschichtskrimi”, in dem aber nicht wegen einer Leiche, sondern wegen eines Babys ermittelt wird.

Eine Stelle in einer Novelle ...

Dieser Roman ist ein gründlich recherchiert und glaubwürdig aufgebauter “Geschichtskrimi”, in dem aber nicht wegen einer Leiche, sondern wegen eines Babys ermittelt wird.

Eine Stelle in einer Novelle regt Nadja Schwertfeger dazu an, ihre eigene Geschichte zu hinterfragen. Die Geschichte eines adoptierten Babys, das seine leibliche Mutter, eine zu Kriegsende 1945 mittellose “Displaced Person”, die für ihr Kind nur das Beste wollte.

Sie gerät auf ihren Nachforschungen von Freiburg aus in diverse Städte und Dörfer Deutschlands (die meisten echt, das wichtigste fiktiv) und landet bei einem Ex-Polizisten (Hans Berndorf), der ihr bei den Recherchen und Befragungen von Zeitzeugen und deren Nachkommen behilflich ist.

Beide Protagonisten haben so ihre Eigenheiten, gepaart mit Ulrich Ritzels sehr eigenem, nicht immer einfachen, Schreibstil, kann der ansonsten berührende und spannende Roman etwas mühsam zu lesen sein.

Aber die daraus entstehende Erzählung ist es wert, sich auch manchmal durchzukämpfen. Wie auch in der Novelle mit der alles beginnt, fügen sich im Roman selbst Fakten und Fiktion so zusammen, dass die Summe eine durchaus mögliche, real passierte Geschichte ergibt.

Ein Roman, der von Selbstfindung und unangenehmen Wahrheiten berichtet und dabei ganz ohne Romantik oder Verklärung auskommt. Dafür jedoch präsentiert er ein teilweise offenes Ende, an dem der Leser selbst die endgültigen Schlüsse ziehen darf aus dem, was die beiden auf ihren Reisen herausfinden.

Veröffentlicht am 22.01.2019

Einer hat Blut geleckt

Mordsommer
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Dieser Thriller outet sich als echter Pageturner. Auch wenn das Konzept - eine Gruppe von Menschen sitzt an einem Ort fest und nach und nach sterben sie - nicht neu ist, wartet der Plot mit speziellen ...

Dieser Thriller outet sich als echter Pageturner. Auch wenn das Konzept - eine Gruppe von Menschen sitzt an einem Ort fest und nach und nach sterben sie - nicht neu ist, wartet der Plot mit speziellen Charakteren, gelungenen Rückblicken und der einen oder anderen Überraschung auf.

Die Protagonisten werden von Geheimnissen aus ihrer Jugendzeit eingeholt und es kommt wie es kommen musste: Schuldzuweisungen und Verdächtigungen untereinander sind unvermeidlich. Der Leser kann aufgrund der Rückblicke, den Abschnitten aus der Perspektive eines ehemaligen Mitschülers und kleinen Indizien in der Geschichte selbst rätseln.

Wer ist nun der Täter und warum hat er das alles inszeniert? Wer wird am Ende überleben? Nur eines ist sicher: Jemand wird dafür bezahlen…

Sidefact: Wer “Die Party” von Jonas Winner kennt und vorher gelesen hat, wird sich daran erinnert fühlen. Aber Achtung - “Mordsommer” ist ein paar Jahre älter. Funktioniert umgekehrt aber natürlich genau so.