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Veröffentlicht am 15.09.2016

Viel Spannung und einige entscheidende Fragen

Das Böse in euch
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Rhena Weiss wirft in diesem Thriller einige Fragen auf, die sich der Leser im Verlauf des Buches öfter selbst stellen muss. Wie sehr beeinflussen Kindheitserlebnisse das, was wir später tun? Wie gut kenne ...

Rhena Weiss wirft in diesem Thriller einige Fragen auf, die sich der Leser im Verlauf des Buches öfter selbst stellen muss. Wie sehr beeinflussen Kindheitserlebnisse das, was wir später tun? Wie gut kenne ich Menschen, denen ich täglich in der Freizeit oder im Beruf begegne, wirklich? Und wie gut kenne ich mich selbst? Käme ich damit zurecht, wenn sich grundlegende Parameter in meinem Leben von einem Tag auf den anderen ändern?
Genau damit muss Michaela Baltzer, Ermittlerin des Landeskriminalamts, neben ihrer ohnehin fordernden Arbeit fertigwerden, denn da ihr Bruder und seine Frau ein Jahr beruflich in Afrika verbringen, zieht ihre Nichte Valerie bei ihr ein. Doch weil sich der Teenager selbst eine Zukunft bei der Polizei vorstellen kann und seine Neugier nicht unter Kontrolle hat, sind nicht nur Alltagsstreitigkeiten vorprogrammiert. Und nebenbei soll Michaela gemeinsam mit zwei Kollegen eine Entführungsserie beenden. Mädchen verschwinden scheinbar ohne Zusammenhang und die, die wieder auftauchen, sind tot. Mehrfach sind die Ermittler gefordert, den Blickwinkel zu ändern, neue Spuren miteinzubeziehen und dabei werden sie selbst psychisch immer weiter in diese grausamen Verbrechen hineingezogen. Michaela fällt es, auch bedingt durch das Interesse ihrer Nichte an diesem Fall, zusehends schwerer, professionelle Distanz zu wahren. Und doch führt genau diese Eigenschaft, gepaart mit der Hartnäckigkeit der kämpferischen Polizistin, schließlich zur Lösung.
Mit den großteils sehr authentischen Hauptcharakteren und den Perspektivwechseln zwischen Ermittlern, Mädchen und Täter hält die Autorin die Freude am Lesen und die Spannung aufrecht. Mit der Stadt Wien hat sich der perfekte Ort für die Handlung gefunden, doch auch wer die österreichische Hauptstadt nicht kennt, kann den Geschehnissen ohne Probleme folgen. Ein paar Kleinigkeiten in Dialogen oder Reaktionen der Personen sowie bestimmte Ausdrücke fügen den richtigen Touch Lokalkolorit hinzu – auch wenn Wien eine Millionenstadt ist.
Dieses Buch ist eine runde Sache und wer es schafft, den Klappentext nicht (oder nicht allzu intensiv) zu lesen, kann seine eigenen Ermittlerinstinkte spielen lassen und wird den einen oder anderen Überraschungsmoment erleben.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Provinzkrimi mit kleiner Geschichtslehrstunde

Galgenmann
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Der Prolog steht lange für sich und man hat im Verlauf der Geschichte schon fast vergessen, was zu Beginn angedeutet wurde. So ist es dann eine nette Überraschung, als die Autorin dann diesen Prolog in ...

Der Prolog steht lange für sich und man hat im Verlauf der Geschichte schon fast vergessen, was zu Beginn angedeutet wurde. So ist es dann eine nette Überraschung, als die Autorin dann diesen Prolog in die aktuelle Handlung miteinfließen lässt und damit den Kreis schließt.
Ansonsten beginnt der Roman fast klassisch: Ein Polizist, Simon Dreemer, wird strafversetzt und landet in der Provinz, wo er sich erst behutsam an seine neuen Kollegen herantasten muss. Im Dorf Varange wird ein Mädchen ermordet in einer Felsspalte gefunden. Und während die Ermittler mühsam schweigsame Dorfbewohner befragen, passiert ein ähnliches Verbrechen. Zart spinnt die Autorin die Fäden zwischen den Polizisten, den Morden, den Zeugen und auch der Vergangenheit sowohl des Dorfes als auch einer der Polizistinnen, die aus eben jedem Dorf stammt und das am liebsten vergessen würde. Sollte sie nicht am ehesten in der Lage sein, Aussagen zu bekommen? Müssten ihr die Leute denn nicht freudig entgegenkommen?
Für den strafversetzten Polizisten kommt es dann zum doppelten Happy-End: Er löst den Fall, findet den Mörder und wird in seiner ehemaligen Dienststelle durch einen Zufall rehabilitiert. Wie es aussieht, wird es also keinen weiteren Krimi mit Dreemer in der Provinz geben.
Man merkt, dass die Autorin selbst aus einer solchen Gegend, einem ähnlichen Ort stammt wie dem fiktiven Varange. Auch wenn wenig Positives in der Schilderung im Roman steckt, skizziert sie dies dennoch verständlich und lässt die Straßen, Häuser und Personen real wirken und trotz der Bosheit und Bitterkeit blitzen immer wieder gute Eigenschaften durch und auch die Hilflosigkeit der Leute kann der Leser gut nachvollziehen. Auch wenn einiges schief läuft im Ort (und auch in der Vergangenheit schief lief), grundsätzlich böse und widerwärtig ist in dieser Geschichte eigentlich niemand. So wird sich jeder Leser wohl Personen finden, mit denen er sich in ähnlichen Situationen wie im Roman identifizieren könnte.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Krimi, gespickt mit vielen heiklen und traurigen Themen

Fuchskind
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Gesine Cordes, ehemalige Kripobeamtin und nun Friedhofsgärtnerin mit bewegter Vergangenheit, findet an ihrem Arbeitsplatz einen ausgesetzten Säugling. Sie kann das kranke Kind retten und erfährt noch später ...

Gesine Cordes, ehemalige Kripobeamtin und nun Friedhofsgärtnerin mit bewegter Vergangenheit, findet an ihrem Arbeitsplatz einen ausgesetzten Säugling. Sie kann das kranke Kind retten und erfährt noch später an diesem Tag, dass neben dem Kind und ihr noch jede Menge anderer Personen im und um den Friedhof anwesend waren. Eine Leiche wird gefunden und Gesines Exmann taucht auf.
Nun geht es nicht mehr nur um die Frage, wer das Kind ausgesetzt hat, sondern auch, ob und wie die anderen Umstände damit in Zusammenhang stehen.
Mit kurzen, fesselnden Abschnitten erzählt die Autorin einen Fall mit viele Fäden, losen Enden und einem dicken Ende der ganzen Geschichte. Zu Beginn naheliegende Vermutungen werden mehrmals über den Haufen geworfen und früher scheinbar unbeteiligte Personen geraten in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Wie Gesine und Marina Olbert, Leiterin der Mordkommission, darf und soll der Leser nebenbei seine eigenen Fäden durch die Ereignisse spinnen und versuchen, die verschiedenen Taten und Personen zu verbinden. Und ohne es zu wollen, scheint letztlich Gesines Exmann einen der entscheidenden Tipps zu geben.

Fast unmerklich verknüpft Annette Wieners hier, abgesehen von Mord, einige illegale beziehungsweise heikle und traurige Themen der Gesellschaft miteinander: Kinderhandel, Prostitution, Halbwaise, Kindstod, illegale Vereine, Depression, verschmähte Liebe, Spionage,… Doch durch das erwartbare gute Ende wirkt der Krimi dann doch nicht so düster, wie es jetzt klingen mag. Doch spannend ist er auf jeden Fall, was mich dazu animiert hat, mir noch das erste Buch mit Gesine zu besorgen, „Kaninchenherz“.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine Stimme für das Umfeld

Die Witwe
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Gänzlich unblutig und ohne „James-Bond-Action“ erzählt die Autorin hier ein packendes Psychodrama rund um ein Ehepaar, ein verschwundenes Kleinkind, die ermittelnden Polizisten und die neugierigen Journalisten. ...

Gänzlich unblutig und ohne „James-Bond-Action“ erzählt die Autorin hier ein packendes Psychodrama rund um ein Ehepaar, ein verschwundenes Kleinkind, die ermittelnden Polizisten und die neugierigen Journalisten. Die wechselnden Schilderungen der beteiligten Personen erzeugen beim Leser eine starke innere psychische Spannung und sowohl die Einblicke rund um die Zeit des Verbrechens und jene ein paar Jahre später sind sehr authentisch und brauchen daher auch keine zusätzliche Spannungselemente.
Ebenso gibt es wenig hollywoodreife Wendungen, wie oft in Thrillern verwendet. Hier kann der Leser mitermitteln und kommt wohl auch selbst auf einen Teil der Lösung, doch das tut der Geschichte keinen Abbruch, sondern unterstützt eher die Intention der Autorin: den Fokus nicht auf die Story selbst, sondern die Menschen zu legen, die damit zu tun haben. Was denkt der Ermittler nach einer Befragung? Wie geht es dem Beschuldigten in der Zelle, was sagt er am Besuchstag zu seiner Frau? Verbirgt auch diese etwas? Einzelschicksale bestimmen dieses Buch.
Auf den Part der Journalisten verwendet Fiona Barton viel Zeit, was auch nicht verwunderlich ist, schrieb sie doch selbst viele Jahre für Zeitungen.
Auch die wahre, mühsame Polizeiarbeit kommt nicht zu kurz. CSI ist nun einmal nicht die Realität, sondern schweigsame Befragte, unsichere Zeugen und vieles mehr machen die Ermittlungen und Gerichtsverhandlungen zwar spannend, aber auch manchmal wenig unterhaltsam. Thematisiert wird auch die Tatsache, dass sowohl Journalisten als auch Polizisten ihre Arbeit oftmals mit nach Hause nehmen, schwierige Fälle wie jener in diesem Krimi hängen allen Beteiligten über Jahre nach und alle sind unterschiedlich davon betroffen.
Fiona Barton lässt sie alle zu Wort kommen: Täter, Opfer, Beschuldigte, Geschädigte, Verrückte, Kranke, Außenstehende,… und gibt somit besonders dem Umfeld eines Verbrechens eine Stimme. Diese Perspektiven und dass sie sich nicht auf die Tat fokussiert, machen diesen Roman zu etwas Besonderem. Einzig am Ende hätte ich mir noch ein wenig mehr „Nachbetrachtung“ gewünscht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine verstrickte Familiengeschichte

Die Sommer mit Lulu
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Auf eine moralische Botschaft oder spektakuläre Morde kann Peter Nichols hier gut verzichten. Dennoch beginnt die Geschichte rund um Lulu, Gerald, Luc, Aegina und viele andere mit zwei Toten. Ausgangspunkt ...

Auf eine moralische Botschaft oder spektakuläre Morde kann Peter Nichols hier gut verzichten. Dennoch beginnt die Geschichte rund um Lulu, Gerald, Luc, Aegina und viele andere mit zwei Toten. Ausgangspunkt der Erzählung ist die Insel Mallorca, auf der sich Gerald und Lulu kennen- und lieben lernten und Lulu ein Hotel führt.
Abgesehen davon, warum es die Toten gibt, wird zu Beginn einiges aus der Vergangenheit der Hauptpersonen angedeutet, was doch neugierig macht und den Leser hoffen lässt, im Lauf der Geschichte mehr darüber zu erfahren. Vom aktuellen Unglück an rückwärts erzählt, für Nichols den Leser durch Geralds und Lulus Leben, das ihrer Kinder, die Kindheit dieser Kinder und ihrer beiden Anfänge auf Mallorca. In einer Welt voll unerfüllter Sehnsüchte und vieler sexueller Komponenten manövrieren sich die Hauptpersonen durch ein Leben auf Mallorca in den Achtziger Jahren, das so völlig anders scheint, als das, das wir heute führen.
Einige Fragen, die sich zu Beginn stellen, werden beantwortet: Sind Luc und Aegina Geschwister oder sonst irgendwie verwandt? Warum verhält Lulu sich Gerald gegenüber so seltsam? Was passierte auf ihrer Bootsfahrt und warum betritt Lulu seit dem kein Deck mehr?

Mit behutsamer, klarer Sprache beschreibt der Autor die Gefühlswelt der Personen zu all den verschiedenen Zeitpunkten. Und obwohl es von der Insel selbst nicht so sehr viel Umgebungsbeschreibungen gibt, fühlen sich Teile des Buches immer wieder nach Urlaub an. Doch nicht nur über die spanische Insel spannen sich die Fäden dieser verstrickten Familiengeschichte, auch weiter hinaus, nach Marokko, Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten gibt es Verbindungen. Auch wenn sich das nun sehr konstruiert liest, zu den Menschen im Buch passt das gut. Lulus Hotel auf Mallorca war seit jeher ein Umschlagplatz für Reisende von überall her, die oft nur den Sommer dort verbrachten und jedes Jahr wiederkommen, wenn sie nicht gleich dort geblieben sind.
Zwar bleiben am Ende auch Fragen offen, doch war über die vielen Seiten schön zu sehen ist, wie sich die Menschen über so viele Jahre teilweise verändert haben, im Kern aber einfach nicht aus ihrer Haut können. Sehr realitätsgetreu.