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Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein rasanter Thriller mit ambivalentem Hauptermittler

Sieben Gräber
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Nicolas Eichborn, Ermittler beim Bundeskriminalamt (und daher mit ein wenig mehr Befugnissen), will auch aus persönlichen Gründen der Russenmafia in Deutschland einen schweren Schlag versetzen. Unter Einsatz ...

Nicolas Eichborn, Ermittler beim Bundeskriminalamt (und daher mit ein wenig mehr Befugnissen), will auch aus persönlichen Gründen der Russenmafia in Deutschland einen schweren Schlag versetzen. Unter Einsatz seines Lebens und das seiner Kollegen, Freundin und Familie und mit Überdehnung der Gesetzeslage (Stichwort Geronimo) zimmern er und sein Team einen Plan zusammen, der „Ocean’s Eleven“ alle Ehre macht. Soll heißen: großteils ist es realistisch, was die Ermittler vorhaben und organisieren und auch die Reaktion der Mafia auf ihr Vorgehen. Ab und an gibt es Szenen, die ein bisschen zugunsten der Polizei geschönt sind, aber wie sollen sonst die Guten gewinnen? Der ein oder andere „Deal“, der auch mal ohne genaues Wissen der Chefs ausgehandelt wird, könnte in der Realität wohl scheitern, doch das darf in einem Buch schon mal sein.
Da die Ermittlerriege fast ausschließlich aus Männern besteht, liest sich der Thriller sprachlich ab und an etwas derb, was wohl durch gelegentlich witzige Passagen gemildert werden soll. Zu Beginn war etwas zu viel Witz für mich dabei, da (Kinder-)Prostitution ein sehr ernstes Thema ist. Das wurde nach und nach besser und man konnte sich voll auf das Tempo einlassen, mit dem der Autor den Leser an Nicolas‘ Seite quer durch Deutschland und auch nach Spanien, Marokko und Frankreich führt.
Streckenweise bleiben die Ermittler als Charaktere ein wenig farblos, weil dafür entweder zu wenig Zeit bleibt oder dieser Platz dann von der Charakterisierung der mächtigen Russen verwendet wurde. Man soll ja über seine Gegner Bescheid wissen.
Mehr Gefühl bekommt man schon für Eichborn selbst und der polarisiert. Als Ermittler und Teamleader hat er jede Menge drauf, da kann ihm niemand so schnell das Wasser reichen. Und in dieser Beziehung lässt er sich auch von den Kollegen Vorschläge machen, nimmt diese an und wirkt als Ganzes sehr reif und reflektiert. Stichwort Beziehungen: Genau da hapert es bei Nicolas. Er ist nicht beziehungsunfähig oder Ähnliches, doch ohne seine Kollegen benimmt er sich weniger souverän und die aktuellen Ereignisse kehren auch eine nicht so edle Seite aus ihm heraus, die ihn doch etwas aufs Geld fixiert erscheinen lässt. Da er das aber beruflich gar nicht ist, kommt nicht heraus, was der Autor damit bezwecken wollte.
Cover und Titel sind durchaus passend und ein Eyecatcher, wie auch Thriller-typisch.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Klebt an den Händen

Mit Zorn sie zu strafen
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Wer Tony Parsons ersten Band (Dein finsteres Herz) mit Max Wolfe gelesen hat, sollte auch dieses Buch möglichst bald lesen (verschlingen). Aber: auch jedem anderen Krimi- und Thrillerfan sei dieses Werk ...

Wer Tony Parsons ersten Band (Dein finsteres Herz) mit Max Wolfe gelesen hat, sollte auch dieses Buch möglichst bald lesen (verschlingen). Aber: auch jedem anderen Krimi- und Thrillerfan sei dieses Werk empfohlen. Gnadenlos wirft Parsons den Leser gleich zu Beginn in die Szenen der grausamen Tat, die Detective Wolfe, seine Chefs und Kollegen die nächsten Monate über beschäftigen wird.
Es scheint nichts zusammenzupassen: Eine Familie und ihr Hund werden getötet. Doch der jüngste Sohn, noch ein Kind, wird scheinbar entführt. Und die Morde waren gezielt, ausgeführt mit einer ungewöhnlichen Tatwaffe. Auch ein ähnlicher Fall von vor mehreren Jahrzehnten bringt nicht die erhofften Erkenntnisse.
Unter Einsatz seines Lebens ermittelt Max Wolfe zwischen einer Roma-Siedlung, seinem Sport-Center und den Angehörigen der Ermordeten. Er steht gleichermaßen vor verschlossen Türen wie Verdächtigen und hebt auf seiner verzweifelten Suche nach dem entführten Kind fast wie nebenbei noch einen Pädophilenring aus.
Doch dass Wolfe alles andere als ein Superman ist, zeigt Tony Parsons in den Szenen, in denen er mit seiner Tochter redet oder mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Um den Fall zu lösen, muss er auch tief in der Vergangenheit der Opfer und deren Angehörigen bohren und fördert Schreckliches zu Tage. Gekonnt flicht der Autor am Ende die Fäden ineinander und auch wenn ein paar Fragen offen bleiben, Details nicht geklärt wurden, hat dieses Buch das gewisse Extra, dass es geradezu an den Händen kleben lässt.
Mit seinen grundsätzlich nüchternen, aber nicht gefühllosen Schilderungen treibt Parsons den Leser an Wolfes Seite durch London und lässt ihn am Ende jedes Kapitels mit einem Gemisch aus unbändiger Neugier und der Hoffnung auf ein gutes Ende sofort die nächste Seite umblättern.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Nur eine Frage der Zeit?

Das letzte Nashorn
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So vieles ist besonders an diesem Buch, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Lodewijk van Oord lässt diese Geschichte abwechselnd von den drei wichtigsten Personen aus ihrer Perspektive erzählen: ...

So vieles ist besonders an diesem Buch, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Lodewijk van Oord lässt diese Geschichte abwechselnd von den drei wichtigsten Personen aus ihrer Perspektive erzählen: Edo Morell, Sariah Malan und Frank Rida. Teilweise überschneiden sich die Berichte und man bekommt manche Ereignisse aus verschiedenen Sichtweisen präsentiert, aber manches erfährt man auch speziell nur zu den einzelnen Protagonisten.
Edo ist der Direktor eines Amsterdamer Zoos und hat einen ehrgeizigen Plan: er will alles neu strukturieren, den Zoo wieder zu einem richtigen Publikumsmagnet machen und nebenbei auch noch die Nashörner vor dem Aussterben retten. Dabei helfen sollen ihm Frank, der Teil des Zoovorstandes und sein bester Freund ist, und Sariah, eine Südafrikanerin mit Wurzeln in den Niederlanden, die auch die Nashörner retten will, wenn auch mit anderen Mitteln.
Ebenso wie Edo ist wohl der Autor ein Visionär, feilt er doch daran, wie Edo seine Pläne erklärt und damit wohl jeden überzeugen könnte, mitzumachen. Doch er beherrscht es nicht nur, flammende Plädoyers für Nashörner und Umbauten zu halten, sondern lässt auch den Zooalltag realistisch einfließen und schafft es nebenbei noch, den Schicksalen der Protagonisten Platz und ihnen somit eine Tiefe zu geben.
Eine zu Beginn fast simple Rettungsgeschichte wird dadurch zu einem intensiven Geflecht aus Vertrauen, Liebe, Vergänglichkeit, Hoffnung und Verzweiflung. Die verbliebenen Nashörner gehen zwischen den gutgemeinten Ideen und dem notwendigen Kommerz ein wenig unter und der Leser fiebert mit dem stattlichen Albrecht (der seinen Namen wohl einem berühmten Maler verdankt) bis zum Schluss mit. Ist es nur eine Frage der Zeit – bis entweder alles wie geplant funktioniert oder die letzten Nashörner nicht mehr zu retten sind?
Ein wenig abrupt endet die Geschichte und einiges wird nur angedeutet – wohl, damit der Leser sich selbst noch länger mit der Thematik auseinandersetzen kann. Was hätten Sie getan, welche Entscheidungen hätten Sie getroffen?
Dafür klärt sich, warum das Nashorn auf dem Cover auf dem Kopf steht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Das „Kind im Manne“, das er nicht loswurde

Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte
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Dieser Roman macht Lust auf einen Urlaub in Südfrankreich. Auch wenn wir heute keine Vorteile mehr durch Geldwechsel genießen können, wie F. Scott und Zelda Fitzgerald in den 1920er Jahren und sich die ...

Dieser Roman macht Lust auf einen Urlaub in Südfrankreich. Auch wenn wir heute keine Vorteile mehr durch Geldwechsel genießen können, wie F. Scott und Zelda Fitzgerald in den 1920er Jahren und sich die meisten wohl keine Villa leisten können, nicht zu damaligen und ganz sicher nicht mehr zu aktuellen Preisen. Dennoch beschreibt die Autorin das Lebensgefühl, das die Amerikaner damals in Europa erfasst hat, sehr authentisch und braucht dafür nicht übertrieben viele Worte oder allzu blumige Beschreibungen. Man hat das Gefühl, der Erzähl- und Schreibstil orientiert sich auch ein wenig an den Launen des Herrn Fitzgerald. Ist er glücklich, liest sich der Text anders, als zu den Zeiten, wo er dem Alkohol zuspricht, nicht mehr an seinem Roman arbeitet und mit seiner Aufmerksamkeit heischenden Art sogar bei seinen engsten Freunden aneckt. Und obwohl der Roman, wie im Titel angedeutet, wirklich nur einen Sommer umschreibt und ein wenig Erklärungen zu den Jahren davor und danach, hat man das Gefühl, Scott und die anderen Hauptpersonen schon viel länger zu kennen.
Schonungslos erlebt der Leser, wie aus dem zufriedenen, selbstbewussten Schriftsteller ein unglückliches, verzogenes Kind wird, das, je älter es wird, umso streitbarer und für sein Umfeld unangenehmer wird. Scott kann sein „Kind im Manne“ nie ablegen und auch nicht mehr beherrschen. Emily Walton zeichnet ein eindringliches Psychogramm dieser speziellen Persönlichkeit, der letztlich auch daran zerbricht, als er wieder zurück in seine Heimat muss und dort aufgrund seiner Popularität nicht mehr ganz so unbehelligt tun und lassen kann, was er will.

Durch die umfangreiche Recherche und Beschäftigung mit den französischen Schauplätzen ist dieses Buch sowohl für diejenigen interessant, die Werke oder deren Verfilmungen von Fitzgerald kennen, aber auch für jene, die gerne einmal einen so ganz anderen Roman lesen und sich in die Zeit versetzen lassen möchten, als die Region um Cannes und Nizza noch relativ unbekannt war.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Zauberhafter Roman über Familie und andere Werte

Der Trick
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Dieser Roman ist ein Schmuckstück an Erzählkunst und der Kunst, Biografien und Personen zu erfinden und die dann so in reale Ereignisse einzubetten, dass jedes Wort darin wahr sein könnte. Hier stimmt ...

Dieser Roman ist ein Schmuckstück an Erzählkunst und der Kunst, Biografien und Personen zu erfinden und die dann so in reale Ereignisse einzubetten, dass jedes Wort darin wahr sein könnte. Hier stimmt dies alles zusammen und je länger man liest, desto mehr bekommt man das Gefühl, schon mal etwas vom Zauberer Zabbatini gehört oder gelesen zu haben. So genau lässt der Autor immer wieder Details zur Entwicklung der Zauberei und ihrer Illusionen einfließen.
Doch seine Geschichte existiert (leider) nur in diesem wundervollen Buch. Lange Zeit wird das Leben von Mosche und Max abwechselnd in kurzen Abschnitten erzählt und später, allmählich, behutsam miteinander verflochten und der Leser hat auch die Möglichkeit, das eine oder andere vorauszuahnen und sich zu freuen, wenn er richtig lag. Zwei Generationen sind die beiden Protagonisten auseinander und nicht nur deshalb verläuft ihre Kindheit ziemlich unterschiedlich. Mosche wird in Prag geboren, Max lebt in Los Angeles, doch es gibt einiges, was die beiden Juden verbindet, ohne dass sie es wissen. Und ohne den einen gäbe es den anderen wohl nicht…

Mit einer ganz eigenen Erzählsprache führt der Autor den Leser am Beispiel Mosches durch die Wirren Mitteleuropas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vergleichbar finde ich hier nur den Stil von Patrick Süßkind in „Das Parfum“. Wem das also gefallen hat, der wird auch mit diesem Roman seine Freude haben und viele berührende Momente erleben. Auf den knapp 400 Seiten lässt Bergmann nichts aus: Seine Figuren leiden, kämpfen mit sich, dem Leben und den Umständen und werden nicht von einschneidenden Veränderungen verschont. Aber sie finden zwischendrin auch ihr Glück und auch amüsante Augenblicke finden ihren Platz.
Auf der Buchrückseite steht ein Satz, der haargenau passt: „Eine bewegende und aberwitzige Geschichte, die Zeiten und Kontinente umspannt, ein Roman über die Zerbrechlichkeit des Lebens und den Willen, sich verzaubern zu lassen.“
Ich kann nur jedem raten, diesem Satz zu folgen, sich auf die Geschichte einzulassen – dann wird man ganz von selbst verzaubert. Und das ist dann keine Illusion.