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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.07.2022

Familientragödie auf Schwedisch

Das Haus der stummen Toten
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Camilla Sten hat mit “Das Haus der stummen Toten” wieder einen Pageturner geschaffen. Ihr erstes Buch, “Das Dorf der toten Seelen” war ebenso einer. Es liegt vor allem am Grundthema der Bücher und ihrem ...

Camilla Sten hat mit “Das Haus der stummen Toten” wieder einen Pageturner geschaffen. Ihr erstes Buch, “Das Dorf der toten Seelen” war ebenso einer. Es liegt vor allem am Grundthema der Bücher und ihrem Aufbau. Darin ähneln sich beide Thriller sehr. Abseits des grundlegenden Aufbaus und des Mechanismus sind die beiden Bücher komplett unabhängig voneinander. 

Sten schafft eine ausweglose, gefährliche Situation für ein paar Protagonisten und lässt merkwürdige Begebenheiten passieren. Der Leser rätselt mit, was passiert (sein könnte). Das Ganze wird zumeist aus der Egoperspektive eines Charakters erzählt. Doch diese Abschnitte werden von Rückblenden unterbrochen.

Diese helfen einerseits beim Verständnis, aber sind natürlich auch oft an spannenden Momenten gesetzt. Und auch die Handlung in der Vergangenheit wird umgekehrt durch die Gegenwart “unterbrochen”. 

Auch wenn manche Details natürlich für die Geschichte “passend” gemacht werden müssen, damit alles aufgeht, ist diese Art des Aufbaus natürlich ein perfekter Pageturner-Cocktail. Man kann die gut 400 Seiten an nur sehr wenigen Stellen aus der Hand legen, wenn man nicht muss.

Worum geht es? Eine junge, traumatisierte Frau (Eleanor) erbt von ihrer verstorbenen Großmutter. Diese besaß ein scheinbar geheim gehaltenes Anwesen und um einen Wert für einen Verkauf bestimmen zu können, wird Eleanor von einem Notar kontaktiert, der ein paar Tage mit den Erben dort wohnen und dabei eine Auflistung aller Güter erstellen soll. 

Neben dem unerwarteten Erbe entdeckt Eleanor schließlich so einige weitere Geheimnisse, das ihre Familie und vor allem die Großmutter jahrzehntelang belastet haben.

Veröffentlicht am 30.06.2022

Nichts ist wie es scheint?

Faust
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Gustaf Skördemans Stockholm-Thriller mit Kommissarin Sara Nowak sind phasenweise nichts für schwache Nerven. Wenn es zur Sache geht, dann richtig. Allerdings gibt es auch lange Phasen, wo die Intensität ...

Gustaf Skördemans Stockholm-Thriller mit Kommissarin Sara Nowak sind phasenweise nichts für schwache Nerven. Wenn es zur Sache geht, dann richtig. Allerdings gibt es auch lange Phasen, wo die Intensität nicht so hoch gehalten wird. Als Verschnaufpause genau richtig.

Wie beim Vorgänger “Geiger” steht auch hier eine Agentenstory im Mittelpunkt, die Handlung fließt von Teil 1 sehr stark in diesen über. Natürlich wird einiges angesprochen und erklärt, allerdings ist bis zum Start von “Faust” so viel passiert, dass es hier wirklich empfehlenswert ist, die Bücher wenn möglich beide und chronologisch zu lesen.

Sara Nowak ist Ex-Model, zweifache Mutter und Frau von Martin, einem erfolgreichen Musikmanager. Als Ermittlerin hat sie meist recht und macht ihren Job (gegen die Regeln) auch gut, generell aber ist sie eine unsichere Person, die sich und ihre Beziehungen öfter hinterfragt. Keine Superwoman/Karrierefrau, der alles zufliegt.

Im Versuch, seine Protagonistin verletzlich und “ganz normal” zu machen, trotz des abgesicherten Lebens das sie abseits des Jobs führt (und sie müsste auch gar nicht arbeiten), trägt Skördeman in manchen Punkten auch mal etwas zu dick auf. Aber das mag man als weiblicher Leser anders empfinden als als männlicher.

Sara arbeitet nun bei einer neuen Polizeistation mit und soll eigentlich im Fall von drei Toten ermitteln. Zwei Gangster wollten eine Leiche verschwinden lassen und wurden von Jägern dabei überrascht. Ein guter Einstieg in den Thriller.

Dennoch hat sie natürlich noch alte Kontakte und daher ergeben sich nebenbei noch spannendere Ermittlungen, die sie auf eine Faust angeht und die viel Platz einnehmen. Prostitution und Stasi-Schläferzellen spielen dabei eine Rolle.

“Faust” ist also definitiv ein Buch für Thrillerfans, die gerne skandinavische Autoren lesen und Spionage-Geschichten nicht abgeneigt sind. Auch mit kleinen Plot-Twists sollte man leben können, das ist etwas, das Skördeman auch nach “Geiger” hier wieder gerne benutzt.

Veröffentlicht am 11.06.2022

Grausige Krimis spielen nicht nur in Schweden

Blutland
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“Blutland” ist der dritte Teil einer dänischen Krimireihe um Signe Kristiansen und Martin Junckersen. Die beiden Kopenhagener Ermittler haben es zunächst mit einem “einfachen Mord” zu tun. Letztlich versinkt ...

“Blutland” ist der dritte Teil einer dänischen Krimireihe um Signe Kristiansen und Martin Junckersen. Die beiden Kopenhagener Ermittler haben es zunächst mit einem “einfachen Mord” zu tun. Letztlich versinkt Kopenhagen aber in einer Serie von Taten die die Bevölkerung stark verunsichert.

Aber nicht nur die. Im Buch beschreiben die Autoren sehr gut wie es der Polizei damit geht. Sie stehen im Fokus und sollen die Sache lösen, aber so einfach wie das von außen wirkt, ist es nicht. Hinzu kommen natürlich auch noch kleine und große persönliche Sachen, die die täglichen Ermittlungen beeinträchtigen.

Nach den ersten 100-200 Seiten nimmt die Geschichte Fahrt auf und “Blutland” zeigt sein wahres Gesicht. Relativ schonungslos werden Details an Tatorten und Gedankenwelten der Beteiligten geschildert. Für alle, die mit Nervenkitzel dieser Art gut klarkommen, ist die Reihe generell zu empfehlen.

Apropos: Wer möchte, kann sie natürlich chronologisch lesen, also zuerst noch Band 1 “Winterland” und Band 2 “Todland”. Ich selbst kannte nur den ersten und mir kam vor, dass von Band 2 nicht wirklich viel angesprochen wurde. Eine große “Lücke” gab es nicht. Für die privaten Aspekte in diesem Band ist es natürlich von Vorteil, den Serienstart zu kennen, weil da immer am meisten Informationen vorhanden sind, aber es klappt auf jeden Fall auch ohne.

Die Handlung ist spannend, packend, zeitweise schnell und auch mal humorvoll, generell direkt und gerne grausam. Leider gehen ab dem Moment, als alles schneller wird, auch ein paar wenige Handlungsstränge von Beginn des Krimis eher unter weil sie weniger wichtig sind (auch für die Polizei selbst), aber hier fehlte mir noch so eine kleine Zusammenfassung dieser Aspekte für das Ende.

Veröffentlicht am 04.06.2022

Moralische und rechtliche Grenzen ausgelotet

Die andere Schwester
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Auf dem Cover steht “Kriminalroman”, aber hier erwartet den Leser ein 370 Seiten starker Actionthriller in bester skandinavischer Tradition. Die Handlung rund um Ermittler John Adderley, der unter falscher ...

Auf dem Cover steht “Kriminalroman”, aber hier erwartet den Leser ein 370 Seiten starker Actionthriller in bester skandinavischer Tradition. Die Handlung rund um Ermittler John Adderley, der unter falscher Identität lebt, ist gespickt mit Verbrechern, Waffen, Tempo und einer wendungsreichen Geschichte rund um Schuld, Besessenheit und Verrat.

Johns Geschichte wird natürlich auch in “Die andere Schwester” angesprochen, wer aber zu seiner Person alles wissen will, sollte mit dem ersten Band “Der andere Sohn” beginnen.

Im aktuellen Buch muss John gleich an mehreren Fronten kämpfen: Er soll einen Mord aufklären, obwohl er eigentlich alle Hände voll zu tun hat, sich selbst vor einem rachsüchtigen Verbrecher zu retten.

Dieser erste Mord setzt dann auch noch eine Reihe von Ereignissen in Gang, die es John zunehmend unmöglich machen, korrekt zu ermitteln und vor allem so, dass er sich selbst nicht in Gefahr bringt. Er erfährt auf die harte Tour, dass letztlich jeder sich selbst der nächste ist und muss die Grenzen von Recht und Gesetz nicht nur einem so weit dehnen, dass sie kaum noch zu erkennen sind.

Dieser Thriller spaltet den Leser. Kennt man die Figur John Adderley etwas besser, fühlt man mit ihr mit und versteht sie auch. Andererseits sollte es in manchen Situationen moralisch eindeutig sein, was eigentlich zu tun wäre (und dass John hier falsch handelt).

Neben der spannenden Handlung wirft dieses Buch auch einen Blick auf die eigene Moral und zeigt dem Leser anhand von Johns Beispiel, dass es Dilemmata gibt, die sich nicht tatsächlich lösen lassen.

Veröffentlicht am 30.05.2022

Doppelte Unruhe an der schönen Nordsee

Nordwestnacht
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Es ist immer schön, zu dieser norddeutschen Krimireihe zurückzukehren, das kleine Team rund um Kommissarin Anna Wagner ist fast wie Familie. Auch wenn das Team natürlich zusammenwächst und andere private ...

Es ist immer schön, zu dieser norddeutschen Krimireihe zurückzukehren, das kleine Team rund um Kommissarin Anna Wagner ist fast wie Familie. Auch wenn das Team natürlich zusammenwächst und andere private Dinge eine Fortsetzung erfahren, sind die Fälle aber auch einzeln absolut verständlich und unterhaltsam.

Nach “Nordwesttod” und “Nordwestzorn” ist das beschauliche Küstenörtchen St. Peter-Ording erneut ein Verbrechensschauplatz. Gleichzeitig taucht der Leser auch in die TV-Branche ein, denn die tolle Kulisse des Ortes wird ebenso für den Dreh einer Folge von “Tödlicher Norden”, einer TV-Krimiserie, genutzt.

Somit gibt es gleich doppelte Unruhe im Revier von Anna Wagner und Dienststellenleiter Hendrik Norberg.

Der Krimi ist spannend, schnell gelesen und wunderbar in das Setting eingebettet. Die Ermittlungen könnten natürlich etwas straffer erzählt werden, aber letztlich läuft es in der Realität ja auch oft so, dass Kleinigkeiten ein großes Hindernis darstellen können und entscheidende Hinweise nicht an die richtige Person gelangen.

Eine gelungene Fortsetzung, ich hoffe auf noch viele weitere “Nordwest-X”.

Svea Jensen ist ein Pseudonym von Angelika Svensson.