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Veröffentlicht am 05.05.2021

Ein Feel-Good Buch

Soul Food
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Soul Food stand schon sehr lange auf meiner Leseliste, denn ich hatte ursprünglich geplant, das englische Original zu lesen. Mir sind allerdings so viele andere Bücher dazwischen gekommen, dass ich erst ...

Soul Food stand schon sehr lange auf meiner Leseliste, denn ich hatte ursprünglich geplant, das englische Original zu lesen. Mir sind allerdings so viele andere Bücher dazwischen gekommen, dass ich erst jetzt, nach Erscheinen der deutschen Übersetzung, dazu gekommen bin, es endlich zu lesen.

Im Buch wird die Geschichte von Emoni erzählt, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht und als Teenagerin Mutter einer kleinen Tochter geworden ist. Sie ist halb Puerto-Ricanerin und halb Afroamerikanerin und hegt eine Leidenschaft fürs Kochen. Sie wohnt bei ihrer Grossmutter, bei der sie auch aufgewachsen ist, da sich ihr Vater nach dem frühen Tod von Emonis Mutter nicht um seine Tochter kümmern konnte. Die Handlung bezieht sich auf Emonis Abschlussjahr, indem sie an neu an einem Kochkurs teilnehmen kann und es ihr ermöglicht, ihre kreative Kochkunst zum Ausdruck zu bringen.

Bei diesem Buch handelt es sich aus meiner Sicht um eine "Feel Good" Story, die nicht sonderlich in die Tiefe geht, aber für mich gerade zum richtigen Zeitpunkt kam. Immer wieder hat mir die Geschichte ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, und das, obwohl das Leben der Protagonistin alles andere als eitel Sonnenschein ist. Ich fand es jedoch schön zu mitzuerleben, wie sehr Emoni für ihre Träume kämpft und sie ihr Leben - trotz Kleinkind - unter einen Hut bringt.

Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, was dazu geführt hat, dass ich beim Lesen sprichwörtlich durch die Seiten geflogen bin und das Leseerlebnis insgesamt sehr kurzweilig war. Die Autorin hat es geschafft, dass ich für ein paar Stunden meinem stressigen Alltag entfliehen konnte und in eine kulinarische Reise eintauchen konnte, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Als kleiner Bonus sind sogar drei oder vier Rezepte enthalten, die man selbst ausprobieren kann.

Fazit:
Soul Food ist eine absolute Feel-Good-Geschichte, die einem den stressigen Alltag für einen Moment vergessen lässt. Die Handlung ist nicht sehr tiefgründig, dafür aber sehr kurzweilig und sie lädt zum Träumen ein. Diese kurze, kulinarische Reise hat mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert und ich kann das Buch als unterhaltsame Lektüre für zwischendurch empfehlen.

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Veröffentlicht am 18.04.2021

Leider nicht so quick & easy, wie erhofft

Vegan quick & easy
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Beim ersten Blick in das Buch sind mir auf der einen Seite die leckeren, ansprechenden Food-Fotos ins Auge gesprungen, sowie auch der Graffiti-Schriftstil der Rezeptüberschriften, der eher in erdigen, ...

Beim ersten Blick in das Buch sind mir auf der einen Seite die leckeren, ansprechenden Food-Fotos ins Auge gesprungen, sowie auch der Graffiti-Schriftstil der Rezeptüberschriften, der eher in erdigen, Grün- und Brauntönen gehalten wurde. Letzteres hat nicht unbedingt meinen persönlichen Geschmack getroffen, da die dicke, klobige Schriftart auf mich eher erschlagend gewirkt hat - aber das ist sicher Geschmackssache.

Die Rezepte sind in die Kategorien "Snack", "Salat", "Suppen", "Ofen", "Herd" und "Süss" unterteilt. Wie immer habe ich durch die verschiedenen Kapitel geblättert, um mir einige Rezepte zum Nachkochen rauszupicken, muss aber leider gestehen, dass ich dieses Mal mehrere Durchgänge gebraucht habe und ich erst nach längerem Suchen fündig geworden bin. Der Grund lag darin, dass viele der Rezepte eine überraschend lange Zutatenliste enthalten und in fast jedem Rezept mindestens eine Zutat vorhanden war, die eher ausgefallen ist und sich deshalb nicht in meinem standardmässigen Grundstock an Vorräten befindet. Gleichzeitig benötigt man von den meisten der angegebenen Zutaten nur so wenig, dass sich eine Anschaffung für mich nicht gelohnt hätte, ohne Foodwaste zu produzieren und das wollte ich beim Ausprobieren einzelner Rezepte vermeiden. Erschwerend kam zusätzlich dazu, dass viele der angegebenen Früchte- und Gemüsesorte aktuell nicht Saison haben, was das Nachkochen schwierig gemacht hat, wenn man gleichzeitig dem Thema Nachhaltigkeit Rechnung tragen wollte.

Irgendwann bin ich dann doch noch fündig geworden und habe schliesslich den "Makkaroni-Auflauf", die "Kartoffelpizza Elsässer Art" und den "Miss-Coco-Smoothie" nachgekocht bzw. ausprobiert. Die einzelnen Anleitungen der jeweiligen Rezepte waren klar und verständlich formuliert und einfach zu befolgen. Geschmacklich hat mich vor allem der Makkaroni-Auflauf überzeugt, den ich aber ehrlich gesagt mit nicht-veganem Parmesan überbacken habe. Und was schmeckt schon nicht geil, wenn es mit Käse überbacken wurde? :D Die Kartoffelpizza war dagegen eher eine Enttäuschung, weil sie einerseits auseinander gefallen ist, und andererseits geschmacklich eher fade geschmeckt hat. Der Smoothie war okay, auch wenn ich da auf das Traubenkern-Öl verzichtet habe und Ananas aus der Dose genommen habe.

Fazit:
"Vegan quick & easy" ist ein veganes Kochbuch, das schnelle und einfache Rezepte verspricht. Für mich waren die Rezepte aber eher aufwendig und haben eher "ausgefallene" Zutaten beinhaltet, die man oftmals (noch) nicht im Supermarkt findet und/oder von denen man für die angegebenen Mahlzeiten so wenig verwenden müsste, dass sich der Einkauf der Zutaten, fast nicht lohnt. Für mich ist es eher ein Kochbuch, mit dem man Gäste mit besonderen veganen Mahlzeiten überraschen kann. Für mich gibt es aber mittlerweile (auch dank der immer grösser werdenden Beliebtheit der veganen Ernährungsform) inzwischen so viele andere tolle vegane Kochbücher auf dem Markt, die Rezepte enthalten, die deutlich leichter und schneller nachzukochen sind und mit weniger "exotischen" Zutaten auskommen. Von mir gibt es deshalb 3.5 Sterne für dieses Kochbuch.

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Veröffentlicht am 14.04.2021

Enthält leider wenig neue Ideen

Meal Prep
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Da es an meinem Arbeitsort keine Kantine gibt und ich deshalb immer mein eigenes Essen mitbringen muss, kam mir dieses Kochbuch gerade recht. "Meal Prep" heisst nichts anderes als mehrere Portionen einer ...

Da es an meinem Arbeitsort keine Kantine gibt und ich deshalb immer mein eigenes Essen mitbringen muss, kam mir dieses Kochbuch gerade recht. "Meal Prep" heisst nichts anderes als mehrere Portionen einer Mahlzeit vorzubereiten, die sich gut dafür eignen, um sie für längere Zeit im Kühlschrank oder Tiefkühler aufzubewahren und bei Bedarf aufzuwärmen. Grundsätzlich eine tolle Idee, nur ist mein Tiefkühlfach leider so klein, dass es leider schnell voll ist. Nichtsdestotrotz wollte ich mich durch die Rezepte des Buches inspirieren lassen.

Die Rezepte sind in die selbsterklärenden Kategorien "Frühstück", "kalte Gerichte", "Warme Gerichte" und "Gesunde Snacks" unterteilt. Wie immer habe ich beim Durchklicken des (digitalen) Kochbuchs Ausschau nach Rezepten gehalten, die ich nachkochen möchte. Dieses Mal ist mir das aber gar nicht so leicht gefallen, denn ich versuche mehr oder weniger saisonal und regional zu kochen und viele der Rezepte enthalten Früchte oder Gemüse, die im Moment nicht Saison haben. Gerade die Frühstücksrezepte enthalten vor allem Beeren, die man hauptsächlich im Sommer kaufen sollte, was die Auswahl für mich erheblich eingeschränkt hat. (Natürlich könnte man TK-Beeren nehmen, aber die schmecken ehrlich gesagt nur halb so gut wie frische. Und Zutaten ersetzen wolle ich bei diesem ersten Selbstversuch auch nicht, denn das würde den Geschmackstest verfälschen.)

Letztendlich bin ich dann doch fündig geworden, ich musste dafür aber mein Vorhaben aufgeben, möglichst saisonal einzukaufen. Nachgekocht habe ich die "Pasta mit Linsenbolognese", die "Erdnuss-Kakao-Balls" und die "Zucchini-Schoko-Muffins". Was den Geschmack angeht, so konnte mich eigentlich nur die "Erdnuss-Kakao-Balls" richtig überzeugen. Ich habe das Rezept mit der Hälfte der angegebenen Zutaten zubereitet und die Bällchen innerhalb von zwei Tagen verdrückt, weil sie mich richtig süchtig gemacht haben. Die Linsenbolognese war okay (ich kenne aber ein Rezept, das besser schmeckt) und die Zucchini-Muffins haben leider sehr fade geschmeckt (vermutlich, weil das Rezept keinen Zucker enthält).

Insgesamt fand ich die Idee hinter dem Buch gut, die Umsetzung war jedoch nicht ganz überzeugend. Viele der Rezepte enthalten Früchte oder Gemüse, dass es nur in einer bestimmten Jahreszeit zu kaufen gibt, was die Auswahl - gerade jetzt am Winterende und Frühlingsanfang - sehr eingeschränkt hat, wenn man darauf achten will, saisonal zu kochen. Viele der Rezepte findet man zudem in zahlreichen anderen Kochbüchern wie etwa "Chili sin Carne", "Linsencurry", "Linsenbolognese", "Nudelsalat (im Glas) mit Tomaten, Rucola und Mozzarella" oder "Overnight-Bircher mit Chia-Samen und Früchten". Das Kochbuch hielt deshalb nicht so viele überraschend neue Rezepte für mich bereit, wie ich mir erhofft hätte, was mich leider etwas enttäuscht hat.

Fazit:
"Meal Prep" ist eine praktische Hilfe für all diejenigen, die mehrere Portionen einer Mahlzeit zubereiten wollen, um sie später mit auf die Arbeit zu nehmen. Trotz der ansprechenden Idee, konnten mich die Rezepte leider nicht vollends überzeugen. Viele Mahlzeiten daraus waren mir bereits bekannt und auch geschmacklich konnte mich nur eines von drei nachgekochten Mahlzeiten richtig vom Hocker hauen. Ein weiterer Minuspunkt war auch der Umstand, dass die Früchte und das Gemüse aus den meisten Rezepten erst im Sommer erntereif ist, was die Auswahl für mich sehr eingeschränkt hat. Für absolute Kochanfänger die erste Inspirationen für "Meal-Prep"-Mahlzeiten suchen, kann ich dieses Buch empfehlen. Für regelmässige Hobbyköche (wie mich), hält das Kochbuch leider wenig Neues bereit, deshalb gibt es von mir durchschnittliche 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 06.12.2020

Leckere und einfache Rezepte

Deliciously Ella – Quick & Easy
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Der Name "Deliciously Ella" ist mir bereits vor vielen Jahren im Internet begegnet, als der Kochblog der Autorin in aller Munde war und ihre Rezepte regelrecht gefeiert wurden. Rückblickend würde ich ...

Der Name "Deliciously Ella" ist mir bereits vor vielen Jahren im Internet begegnet, als der Kochblog der Autorin in aller Munde war und ihre Rezepte regelrecht gefeiert wurden. Rückblickend würde ich behaupten, dass sie bereits vor dieser grossen "veganen Welle" ihre Rezepte auf ihrem Blog veröffentlicht hat, als man (zumindest hier in der Schweiz) noch nicht in jedem handelsüblichen Supermarkt Regale voller vegetarischer und veganer Ersatzprodukte gefunden hat und dafür noch in Reformhäuser einkaufen musste. Damals war ich noch weit entfernt von einem gesunden oder nachhaltigen Ernährungsstil und ich konnte noch gar nichts mit veganen Rezepten anfangen. Das hat sich in all den Jahren inzwischen glücklicherweise geändert, mittlerweile bin ich selbst Vegetarierin und versuche mich auch immer wieder an veganen Rezepten, auch wenn ich nie vollständig auf eine vegane Lebensweise umsteigen könnte (dafür liebe ich Käse einfach zu sehr! ;)). Und genau deshalb kam ihr neues Kochbuch gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Ella beginnt ihr Buch mit ein paar hilfreichen Tipps zu veganen Produkten, für die ich sehr dankbar war. Oftmals schrecken mich bei veganen Kochbüchern die "exotischen" Zutaten ab, die man nur in kleinen Mengen benötigt und es (doch noch) nicht in meinem Supermarkt in der veganen Abteilung gibt. Das bedeutet dann meistens, dass ich vor der Entscheidung stehe, besagte Produkte einfach wegzulassen oder ich den Aufwand auf mich nehmen muss, mich in Reformhäusern auf die Suche nach den Zutaten zu machen, obwohl ich vielleicht nur einen halben Teelöffel davon benötige. Ella umgeht dieses Problem einfach, indem sie von Anfang an mitteilt, welche Produkte auch ganz einfach durch andere Produkte ersetzt werden können. Sie schreibt zum Beispiel beim "Kokosblütenzucker", dass dieser etwas teurer als normaler Zucker ist und auch nicht überall erhältlich ist und er deshalb auch ganz einfach durch braunen Zucker oder fein gemahlenen Rohrzucker ersetzt werden kann. Dafür hat die Autorin direkt zu Beginn schon einen grossen Pluspunkt bei mir für ihr Kochbuch eingeheimst, denn so etwas würde ich mir in anderen veganen Kochbüchern auch wünschen.

Nach einer persönlichen Einleitung von Ella zu ihrem Kochbuch und was sie mit dem Stichwort "Gesundheit" verbindet, folgen schliesslich die Kapitel mit den Rezepten, die wie folgt eingeteilt wurden: Zum Frühstück, Zum Anrichten (Dips & Dressings), Zum Lunch (10-15 Minuten und 20-30 Minuten), Auf Vorrat, Zum Dessert und Zum Wochenende. Die Kapitel werden jeweils mit längeren Vorworten der Autorin eingeleitet, die einerseits weitere Tipps zum Thema gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit enthalten, andererseits auch psychologisch-philosophische Themen aufgreifen, die leider nicht so meins waren. Für Fans der Autorin sind die Texte vielleicht sehr interessant, für mich gehören diese Selbsthilfe-Ratschläge leider nicht unbedingt in ein Kochbuch - aber das ist sicher Geschmackssache. Die Aufmachung des Kochbuchs hat mir dagegen wieder sehr gut gefallen. Das Design ist sehr schlicht, aber modern und übersichtlich gehalten und wird mit schönen Food-Fotos ergänzt.

Wie immer habe ich mir einige Rezepte zum Nachkochen rausgesucht und bin überraschend schnell fündig geworden, denn viele der Mahlzeiten klangen nicht nur sehr vielversprechend und lecker, sondern lassen sich auch mit Zutaten aus meinem Supermarkt nachkochen, da Ella direkt Ersatzprodukte nennt, mit denen man die etwas "ausgefalleneren" veganen Zutaten austauschen kann. Letztendlich habe ich die "Tomaten-Knoblauch-Pasta", die "Schoko-Nussmus-Cookies", die "Schoko-Bananen-Muffins" und den "Coscous-Mandel-Salat" ausprobiert.

Die Zubereitungsschritte waren alle sehr verständlich beschrieben und leicht zu befolgen. Schwierigkeiten hatte ich eigentlich nur bei den Muffins, die man laut Ella nach Belieben mit Walnüssen bestreuen soll und die Muffins dann ca. 25 Minuten backen soll. Das Problem war aber, dass die Nüsse beim Backen schwarz geworden sind und die Muffinböden nach 25 Minuten noch nicht ganz fest waren, so dass sie eigentlich noch länger im Backofen hätten bleiben müssen, ich sie aber trotzdem schon rausnehmen musste, wenn ich die Walnüsse nicht völlig verkohlen lassen wollte. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn insgesamt haben alle vier Rezepte einfach wahnsinnig gut geschmeckt und mich sprichwörtlich von den Socken gehauen. Ich hätte ehrlich nicht erwartet, dass die Rezepte dem Hype gerecht werden, aber das tun sie absolut!

Die Autorin hat einen sehr sympathischen Eindruck bei mir hinterlassen und es wird ganz bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich ein Rezept aus ihrem Kochbuch nachkochen werde. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass es sich sogar lohnen würde, das Kochbuch als Print zu kaufen.

Fazit:
"Deliciously Ella" hat sich schon vor Jahren einen Namen in der veganen Kochblog-Branche gemacht und war mir deshalb schon lange ein Begriff. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen eines ihrer berühmten veganen Kochbücher auszuprobieren und muss gestehen, dass die Rezepte in "Quick & Easy" dem Hype absolut gerecht werden. Die Rezepte sind nicht nur einfach nachzukochen, sondern schmecken unglaublich lecker. Von mir gibt es deshalb fünf Sterne und eine absolute Kaufempfehlung für dieses tolle Kochbuch. Es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Mahlzeiten aus diesem Buch nachgekocht habe.

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Veröffentlicht am 06.12.2020

Wichtige Fragen rund um das Tabuthema "Tod"

99 Fragen an den Tod
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Dieses Buch hatte ich durch Zufall entdeckt und als ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dass ich es lesen muss. Ausschlaggebend war der Umstand, dass ich selbst seit September mit Krebskranken ...

Dieses Buch hatte ich durch Zufall entdeckt und als ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dass ich es lesen muss. Ausschlaggebend war der Umstand, dass ich selbst seit September mit Krebskranken zusammenarbeite und auch auf einer Palliativstation tätig bin, auf der das Thema Tod allgegenwärtig ist. Besonders angesprochen hat mich, dass das Buch von zwei Fachpersonen geschrieben wurde, die selbst auf einer Palliativstation resp. in einem Hospiz tätig sind und sie aufgrund ihrer Erfahrungen wissen, wovon sie sprechen.

Das Buch ist in acht Teile untergliedert, die sich mit den folgenden Themen auseinandersetzen: (1) Aus dem Blickwinkel der Sterbenden: Der Umgang mit der endgültigen Nachricht, (2) Aus dem Blickwinkel der Angehörigen: Der Umgang mit dem Wissen um den nahen Tod, (3) Grundsätzliches zur guten Begleitung am Lebensende, (4) Die Krankheit schreitet voran, und das Sterben wird sichtbarer - was hilfreich ist, (5) Die Sterbephase: Was geschieht und was hilfreich ist (6) Der Tod: Die Abläufe und was mit Verstorbenen passiert, (7) Trauer, (8) Hilfreiche Adressen.
Wie man bereits auf den ersten Blick erkennen kann, hat das Autorenduo damit alle wichtigen Phasen im Zusammenhang mit einer nicht heilbaren Erkrankung und dem Sterbeprozess in ihr Buch integriert. Die jeweiligen Unterkapitel in den entsprechenden Abschnitten sind jeweils als Fragen formuliert (wie es der Buchtitel bereits vermuten lässt) und dieses Stilmittel ist aus meiner Sicht eine sehr gute Wahl, da meine bisherigen Erfahrungen im Bereich der Psychoonkologie zeigen, dass die Diagnose Krebs (und damit vermutlich auch andere Diagnosen von unheilbaren Erkrankungen) viele Unsicherheiten und Fragen auslösen können. Das Beantworten von Fragen ist ein Weg, den Betroffenen ihre Unsicherheiten ein Stück weit nehmen zu können, das das Aneignen von Wissen und Informationen einem das Gefühl von Kontrolle (und damit auch Sicherheit) geben kann, das im Umgang mit dem Ungewissen helfen kann.

Viele der im Buch beantworteten Fragen waren mir bereits bekannt, weil ich in letzter Zeit einige Bücher zum Thema Krebs bzw. Psychoonkologie gelesen habe und darin natürlich auch die Themen Tod und Sterben behandelt wurden. Das ist für mich aber als Pluspunkt zu werten, denn es hat mir gezeigt, dass das Autorenduo - wie erwartet - einen grossen Erfahrungsschatz mit sich bringt und auf sehr verständliche Art und Weise ihr Fachwissen an Betroffene und ihre Angehörigen weitergeben können, um ihnen so ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass keine Frage offen geblieben ist und die Autoren das Thema Tod sehr breit abgedeckt haben.

Weniger gut gefallen hat mir, dass ich mit zunehmender Seitenzahl den Eindruck gewonnen habe, dass nicht ganz klar wird, an wen sich das Buch als Adressat richtet. Während die ersten beiden Kapitel noch jeweils klar nach Betroffenen und Angehörigen gegliedert waren - was aus meiner Sicht absolut Sinn ergibt, da sich die Fragen sehr unterscheiden können - verliert sich dieses Schema im weiteren Verlauf leider etwas. Das fand ich etwas ungünstig, da ich das Gefühl hatte, es wurden plötzlich Fragen vermischt, die eher für Angehörige und andere, die eher für Betroffene gedacht waren. Ich hätte es rückblickend hilfreicher gefunden, wenn alle Fragen nach ihrer jeweiligen Zielgruppe geordnet worden wären.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft ein kleines Detail beim Beantworten der Fragen. Es kam leider sehr häufig vor, dass in einer Antwort ein wichtiges Thema angesprochen wurde, das für eine vollständige Erklärung notwendig gewesen wäre, es dann aber mit einem "darauf gehen wir genauer auf Frage XY ein" abgetan wurde. Das fand ich sehr ungünstig, denn wenn ich mitten im Absatz einer ausführlichen Antwort bin, blättere ich nicht einfach weiter, weil ich sonst komplett im Lesefluss gestört werde. Wenn so eine strikte Unterteilung nach Fragen gemacht wird, dann hätten die Autoren mindestens direkt in der nachfolgenden Frage darauf eingehen müssen. Das war aber leider nicht der Fall, so dass man vielleicht bei Frage 30 angekündigt bekommen hat, dass man in Frage 38 genauer auf ein Thema eingehen wird, dass auch für Frage 30 relevant gewesen wäre. Bis dahin hatte ich aber meistens schon wieder vergessen, was der Kern der Frage 30 gewesen ist. Die Reihenfolge der Fragen fand ich deshalb manchmal etwas ungünstig gewählt. Mich hätte es nicht gestört, wenn sich die Autoren hin und wieder wiederholt hätten und ihre Antworten teilweise redundant ausgefallen wären, denn es ist schliesslich nachvollziehbar, dass der Tod ein so komplexes Thema sein kann, dass es sich nicht mit einer simplen Antwort erklären lässt und viele Antworten ähnlich ausfallen können.

Fazit:
"99 Fragen an den Tod" beschäftigt sich genau mit dem, was der Titel ankündigt: Fragen, die sich rund um die Themen Tod und Sterben drehen. Das Buch dient als "Leitfaden für ein gutes Lebensende" und richtet sich sowohl an Betroffene, die die Diagnose einer unheilbaren Erkrankung erhalten haben, sowie auch deren Angehörige, die ihre:n Liebste:n vor und während dem Sterbeprozess begleiten. Das Buch wurde von zwei Fachpersonen geschrieben, die selbst in der Palliativmedizin und in einem Hospiz tätig sind und ihr Fachwissen und ihren Erfahrungsschatz auf sehr verständliche Weise weitergeben. Das Buch ist wirklich sehr gut recherchiert und deckt in meinen Augen die wichtigsten Bereiche rund um das Thema Tod ab. Schade fand ich nur, dass die Einteilung der Fragen etwas geschickter gewählt hätte werden können, denn leider wird nicht immer ganz klar, an wen sich die jeweiligen Fragen und Antworten nun richten sollen. Von mir gibt es deshalb 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Betroffene und Angehörige, die sich mit dem Tod auseinandersetzen wollen oder müssen.

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