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Veröffentlicht am 15.09.2025

Mythen, Meer & starke Frauen

Unbeugsam wie die See
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Nachdem mir „Die Unbändigen“ schon so gut gefallen hat, war klar: Auch Emilias Harts neues Buch musste ich lesen. Das wunderschöne Cover hat mein Interesse zusätzlich verstärkt. Erwartet habe ich eine ...

Nachdem mir „Die Unbändigen“ schon so gut gefallen hat, war klar: Auch Emilias Harts neues Buch musste ich lesen. Das wunderschöne Cover hat mein Interesse zusätzlich verstärkt. Erwartet habe ich eine atmosphärische Geschichte, die verschiedene Zeitebenen miteinander verwebt und starke Frauen in den Mittelpunkt stellt und genau das habe ich auch bekommen.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: 1800 begleiten wir zwei Schwestern auf einem Schiff Richtung Sträflingskolonie in Australien. 2019 flieht eine junge Frau nach einem Vorfall an der Uni zu ihrer älteren Schwester. Im Zentrum beider Zeitlinien steht der mysteriöse Ort Comber Bay, an dem immer wieder Männer spurlos verschwinden, dessen Verbindung zu beiden Geschwisterpaaren und einer seltsamen Wasserallergie.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir Eliza, eine der Schwestern aus dem Jahr 1800. Obwohl sie blind war, hat sie nie ihren Mut verloren und für mich war sie die gute Seele des Buches. Generell beweist Hart erneut ihr Talent, komplexe Frauenfiguren zu schreiben.

Der Schreibstil ist wie gewohnt atmosphärisch und zu Beginn ziemlich bedrückend. Gerade die 1800er-Passagen haben mich sehr in ihren Bann gezogen und kamen dafür meiner Meinung nach etwas zu kurz. Besonders hat mich das historische Setting begeistert, weil es einen Teil der Geschichte beleuchtet, der sonst oft in Vergessenheit gerät. Gleichzeitig fand ich die parallelen Zeitschienen gemischt mit einem Hauch Fanatsy wieder einmal sehr gelungen.

Weniger überzeugen konnte mich dagegen die Vorhersehbarkeit. Schon nach dem ersten Drittel war mir klar, worauf die Geschichte hinausläuft. Vielleicht aber auch nur, weil ich Harts Stil aus „Die Unbändigen“ schon kannte. Dadurch fehlte mir im letzten Drittel die Spannung, was das Leseerlebnis etwas geschwächt hat.



Fazit: „Unbeugsam wie die See“ ist atmosphärische, feministische, historische Fiktion mit spannenden Zeitschienen und starken Frauenfiguren. Empfehlenswert für alle, die genau das suchen. Wer allerdings „Die Unbändigen“ gelesen hat, wird die Story vermutlich schnell durchschauen.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Wenn die Vergangenheit zur Erblast wird...

Blinde Geister
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Lina Schwenks Blinde Geister ist ein zeitgeschichtlicher Familienroman, der die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs über Generationen hinweg beleuchtet. Im Zentrum steht Olivia, deren Leben von der verdrängten ...

Lina Schwenks Blinde Geister ist ein zeitgeschichtlicher Familienroman, der die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs über Generationen hinweg beleuchtet. Im Zentrum steht Olivia, deren Leben von der verdrängten Vergangenheit der Eltern und deren traumatischen Erfahrungen geprägt ist.

Schwenk erzählt nüchtern, mit Brüchen, Auslassungen und großen Zeitsprüngen. Diese Erzählweise erschwert den Lesefluss, wirkt aber zugleich wie ein literarisches Echo der Verdrängung, die das Buch thematisiert. Gerade darin liegt die Ambivalenz: Der Stil verdeutlicht das Schweigen, entfremdet aber zugleich die Lesenden.

Besonders eindrücklich ist der Epilog, in dem die Mutter erstmals zu Wort kommt und manche Brüche des Romans in ein neues Licht rückt. Eine Schlüsselszene bleibt das Krankenhausgespräch, in dem Olivia mit sechzig Jahren sagen muss: „Ich bin sechzig Jahre alt und eine kleine Tochter.“

Blinde Geister ist ein Werk für Leser:innen, die die fragmentarische Annäherung an Familiengeschichten und Kriegstraumata schätzen. Wer stringente, detaillierte Mehrgenerationenromane sucht, könnte hier enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Fascholand: unbequem, vollgestopft, wichtig

FASCHOLAND
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„Wir sind hier immer noch in Deutschland.“ – Mit diesem Satz steigt Canberk Köktürk tief in die Widersprüche, Absurditäten und Gefahren ein, die migrantische Menschen in diesem Land tagtäglich erleben.
Kernthese: ...

„Wir sind hier immer noch in Deutschland.“ – Mit diesem Satz steigt Canberk Köktürk tief in die Widersprüche, Absurditäten und Gefahren ein, die migrantische Menschen in diesem Land tagtäglich erleben.
Kernthese: Nicht Integration, sondern Assimilation wird eingefordert. Wer hier geboren ist aber "anders" aussieht, soll seine Existenz rechtfertigen und bitte auch beweisen, das er es verdient hier zu leben. Ein Hohn, der dazu führt, dass Menschen sich in ihrem eigenen Heimatland nicht sicher fühlen.

Das Hörbuch zeigt schonungslos, wie marginalisierte Gruppen aus Film, Fernsehen und Politik nahezu verschwinden; ökonomische Krisen immer wieder als Bühne für Sündenbock-Narrative dienen (Grundlage des Faschismus) und wie Parteien im Versuch, AfD-Wähler:innen zurückzugewinnen, selbst nach rechts rücken und so diskriminierende Sprache immer weiter normalisieren.

Besonders spannend: Köktürk bringt neben fundierter Analyse auch Humor ein. Gerade das rettet durch die teils sehr theoretischen Passagen, die mit vielen Fachbegriffen gespickt sind. (Ich musste mein Hörtempo auf 1,0 runterdrehen – was bei mir echt selten vorkommt).
Der Sprecher des Hörbuchs ist perfekt gewählt: Er transportiert die Mischung aus Ernst, Wut und Ironie so überzeugend, dass die Inhalte noch stärker wirken.

Am Ende bleibt klar:
Nicht nur Politik, auch die Wirtschaft trägt Verantwortung. Und der Preis, den marginalisierte Gruppen täglich zahlen, ist hoch. Stress, Energieverlust, eingeschränkte Möglichkeiten, sich ein gesundes Leben aufzubauen.

Fazit:
Fascholand ist unbequem, anstrengend, wichtig. Es fordert volle Aufmerksamkeit und genau das macht es meiner Meinung nach so stark. Köktürk legt den Finger in die Wunde einer Gesellschaft, die sich für modern hält, aber noch immer weiße, christliche, heteronormative Normen als Maßstab setzt.

Empfehlung für alle, die verstehen wollen, wie tief Faschismus und Diskriminierung in Deutschland verwurzelt sind und warum Wegsehen keine Option ist.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Spät am Tag – eine Liebesgeschichte in allen Facetten

Spät am Tag
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In Spät am Tag erzählt Kristin Vego eine Liebesgeschichte – aber nicht glatt oder romantisiert, sondern voller Brüche, Zwischentöne und Unsicherheiten.

Johanne, frisch geschieden, verlässt die Stadt und ...

In Spät am Tag erzählt Kristin Vego eine Liebesgeschichte – aber nicht glatt oder romantisiert, sondern voller Brüche, Zwischentöne und Unsicherheiten.

Johanne, frisch geschieden, verlässt die Stadt und zieht aufs Land. Sie mietet ein Zimmer in einem großen weißen Haus, das Mikael, der ebenfalls geschieden ist, mit seiner Tochter bewohnt. In unmittelbarer Nähe lebt auch seine Ex-Frau Sofia, die in der Scheune des Hauses als Künstlerin arbeitet (weshalb ich das Cover auch mehr als passend für den Roman finde). Allein diese Konstellation wirkt wie ein fragiles Patchwork-Geflecht, in dem Nähe und Distanz ständig neu verhandelt werden.

Vego erzählt in einer sehr fluiden, poetischen Sprache. Rückblenden tauchen unvermittelt auf, Erinnerungen überlagern die Gegenwart. Die Zeit scheint nie linear, sondern fließend. Dieses Changieren kann verwirrend sein, aber gerade darin liegt die Intensität des Textes. Man liest ihn weniger als Handlung, sondern eher wie ein inneres Echo der Hauptprotagonistin Johanne.

Die Figur der Sofia bleibt für mich bis zum Schluss schwer zu fassen: mal präsent, mal bedrohlich, mit Andeutungen, die das Beziehungsgeflecht noch komplexer machen. Klarheit gibt es nicht, stattdessen ein Schweben zwischen Vermutung, Gefühl und Erinnerung.

Dass all das auf nur knapp 150 Seiten Platz findet, ist beeindruckend! Vego gelingt es, die Höhen und Tiefen einer Liebe in verdichteter Form zu zeigen, mit all ihrer Schönheit, aber auch mit den Schatten.

Ein Buch für alle, die literarische, poetische Prosa mögen, sich gerne auf sprunghafte Erzählweisen einlassen und bereit sind, mehr Fragen als Antworten mitzunehmen.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Wieso wollen immer mehr Frauen den Trad-Wife-Lifestyle leben?

Heimat
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Wieso wollen immer mehr Frauen den Trad-Wife-Lifestyle leben?

Eine Erklärung dafür liefert Hannah Lühmann in ihrem neuesten Roman „Heimat“

In der Geschichte begeleiten wir die Jana - 2-fache Mutter ...

Wieso wollen immer mehr Frauen den Trad-Wife-Lifestyle leben?

Eine Erklärung dafür liefert Hannah Lühmann in ihrem neuesten Roman „Heimat“

In der Geschichte begeleiten wir die Jana - 2-fache Mutter und schwanger mit dem dritten Kind.
Jana ist vor kurzem mit ihrem Mann Noah in neu Neubaugebiet gezogen und hofft sich dort eine Heimat für ihre Familie aufbauaen zu können.
Dort lernt sie auch die 5-fache Mutter Karolin kennen, die schnell zu Janas Vorbild wird. Karolin meistert ihren Job als Full-Time Mum bravurös und das nicht zuletzt deswegen, weil sie eben keine Doppelbelastung mit Job und Familie allein auffangen muss, und weil ihr Mann - Clemens - das nötige Kleingeld nach Hause bringt. Nachteile? Gibt es nicht… Oder?

Janas komplette Weltsicht scheint sich im Laufe des Romans in diesem Mikrokosmos aus Neubausiedlung und Trad-Wifes komplett zu verändern.
Unter anderem auch durch den sozialen Druck, der von den anderen Müttern auf sie ausgeübt wird und ihr permanent suggeriert, dass ihr Umgang mit den Kindern eigentlich nur schädlich sei. Mum Guilt incoming…

Das Buch spricht auch darüber, wie schnell Menschen in gewisse Kreise hineingeraten können, bspw. durch die enge ideologische Verknüpfung des Trad-Wife-Daseins mit der rechten Szene. Allerdings steht das nicht im Vordergrund der Story.
Es zeigt außerdem, wie Menschen anfangen nur das zu sehen, was sie sehen wollen und dass sie, selbst wenn ihnen etwas seltsam vorkommt, eher geneigt sind wegzugucken um ihr eigenes Weltbild zu bestätigen.

Lühmanns Schreibstil würde ich als einfach und flüssig bezeichnen, was das Buch leicht zugänglich macht. Ich persönlich habe es an einem Tag gelesen und konnte es auch nicht aus der Hand legen.

Einziger Kritikpunkt für mich: Das Ende war mir persönlich zu abrupt. 100 Seiten mehr hätten der Geschichte meiner Meinung nach ganz gut getan. Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache und fällt für mich nicht allzu sehr ins Gewicht.

Insgesamt habe ich „Heimat“ sehr gerne gelesen und mich in die Welt der Trad-Wifes und der Mom-Guilt entführen lassen. Es war ein unangenehmer Spiegel, den sich unsere Gesellschaft öfter mal vor die Nase halten sollte!

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