Wir sind hier immer noch in Deutschland | Die gnadenlose Spurensuche eines migrantischen Autors in seiner Zwangsheimat
Raschid Daniel Sidgi (Sprecher)
In »Fascholand« begibt sich Canberk Köktürk auf eine autobiographisch-investigative Reise durch ein Deutschland, das nicht nur Menschen mit Migrationsgeschichte das Fürchten lehrt. Seine erzählerisch angelegte Ermittlungsakte untersucht subjektiv und temporeich die Lage der Nation. Hass und Hetze, Rechtsruck und Rassismus vergiften das Land und treiben es an den Abgrund.
Köktürk sammelt Indizien, spricht mit Betroffenen und trägt Wissen von Expert:innen zusammen. Sein launiger und mit beißendem Humor getränkter Ton helfen zu verstehen, wie gefährlich die Lage geworden ist: Unser Land inszeniert sich als wehrhafte Demokratie, setzt aber den strukturellen Problemen und der Radikalisierung im politischen Diskurs nichts entgegen. Ein rasanter und rasend wichtiger Text, der trotz der düsteren Diagnose Spaß zu lesen macht.
»Mit einer Mischung aus wunderschöner Sprache und perfider Vulgarität (die der guten Sorte) packt dich ›Fascholand‹ und nimmt dich mit auf eine entlarvende Reise – ganz große Literatur.«TAHSIM DURGUN
»Canberk Köktürk nimmt uns mit auf eine persönliche, investigative Spurensuche durch ein Land, das seine Probleme leugnet. Fascholand ist wütend, scharf und bitterkomisch – eine Warnung und ein Aufruf zugleich.« MADELEINE ALIZADEH aka DariaDaria
»Canbi fragt mich seit Wochen, ob ich was zu ›Fascholand‹ schreibe. Aber ich hab leider keine Zeit, weil ich Anti-AfD-Content machen muss. Vertraue ihm da aber, Antifaschismus kann er.« TÜLIN SEZGIN aka Conny from the Block
»Jeder Mensch in Deutschland mit Migrationsgeschichte kennt diesen Krimi bereits. Wir alle haben ermittelt – mal widerwillig, mal verzweifelt. Aber keiner so scharfzüngig und unterhaltsam wie Canberk.« TARKAN BAGCI
»Dies ist zum Glück keines dieser vor Betroffenheit und Selbstmitleid triefenden Bücher über Rassismus. Canberk schafft es, das, was wir alle eigentlich schon zu wissen glauben, so in Worte zu fassen, dass ich beim Lesen ausrief ›Ja, Mann, genau so!‹ Manchmal musste ich auch schlucken, laut und hart. Und genau das macht dieses Buch so wahnsinnig stark!« JASMINA KUHNKE
„Wir sind hier immer noch in Deutschland.“ – Mit diesem Satz steigt Canberk Köktürk tief in die Widersprüche, Absurditäten und Gefahren ein, die migrantische Menschen in diesem Land tagtäglich erleben.
Kernthese: ...
„Wir sind hier immer noch in Deutschland.“ – Mit diesem Satz steigt Canberk Köktürk tief in die Widersprüche, Absurditäten und Gefahren ein, die migrantische Menschen in diesem Land tagtäglich erleben.
Kernthese: Nicht Integration, sondern Assimilation wird eingefordert. Wer hier geboren ist aber "anders" aussieht, soll seine Existenz rechtfertigen und bitte auch beweisen, das er es verdient hier zu leben. Ein Hohn, der dazu führt, dass Menschen sich in ihrem eigenen Heimatland nicht sicher fühlen.
Das Hörbuch zeigt schonungslos, wie marginalisierte Gruppen aus Film, Fernsehen und Politik nahezu verschwinden; ökonomische Krisen immer wieder als Bühne für Sündenbock-Narrative dienen (Grundlage des Faschismus) und wie Parteien im Versuch, AfD-Wähler:innen zurückzugewinnen, selbst nach rechts rücken und so diskriminierende Sprache immer weiter normalisieren.
Besonders spannend: Köktürk bringt neben fundierter Analyse auch Humor ein. Gerade das rettet durch die teils sehr theoretischen Passagen, die mit vielen Fachbegriffen gespickt sind. (Ich musste mein Hörtempo auf 1,0 runterdrehen – was bei mir echt selten vorkommt).
Der Sprecher des Hörbuchs ist perfekt gewählt: Er transportiert die Mischung aus Ernst, Wut und Ironie so überzeugend, dass die Inhalte noch stärker wirken.
Am Ende bleibt klar: Nicht nur Politik, auch die Wirtschaft trägt Verantwortung. Und der Preis, den marginalisierte Gruppen täglich zahlen, ist hoch. Stress, Energieverlust, eingeschränkte Möglichkeiten, sich ein gesundes Leben aufzubauen.
Fazit: Fascholand ist unbequem, anstrengend, wichtig. Es fordert volle Aufmerksamkeit und genau das macht es meiner Meinung nach so stark. Köktürk legt den Finger in die Wunde einer Gesellschaft, die sich für modern hält, aber noch immer weiße, christliche, heteronormative Normen als Maßstab setzt.
Empfehlung für alle, die verstehen wollen, wie tief Faschismus und Diskriminierung in Deutschland verwurzelt sind und warum Wegsehen keine Option ist.
"Fascholand" von Canberk Köktürk, gesprochen von Raschid Daniel Sidgi, zeigt in knappen, scharfen Zügen auf, wie sehr Deutschland noch immer mit Rassismus, Rechtsruck und strukturellen Ausschlüssen ringt. ...
"Fascholand" von Canberk Köktürk, gesprochen von Raschid Daniel Sidgi, zeigt in knappen, scharfen Zügen auf, wie sehr Deutschland noch immer mit Rassismus, Rechtsruck und strukturellen Ausschlüssen ringt. Köktürk, 1990 im Ruhrgebiet als Kind einer türkischen Gastarbeiter:innenfamilie geboren, bringt aus eigener Erfahrung und mit journalistisch-investigativem Ansatz seine Analyse aufs Papier. Sidgi als Sprecher gibt der Mischung aus Ernst, Wut und Ironie eine beeindruckende Stimme.
Worum geht’s genau?
Köktürk begibt sich in Fascholand auf eine autobiographisch-investigative Spurensuche durch ein Deutschland, das Menschen mit Migrationsgeschichte zunehmend als Zwangsheimat erleben. Er verknüpft persönliche Erlebnisse mit Gesprächen mit Betroffenen, Expert:innen, mit Fakten und Zahlen, um aufzuzeigen, wie Hass und Hetze, Rechtsruck und Rassismus das Land vergiften. Ein Leitsatz zieht sich durch: „Wir sind hier immer noch in Deutschland.“ – basierend auf einem Erlebnis des Autors, ein Hinweis darauf, dass trotz aller Zugehörigkeit die Erfahrung von Ausgrenzung und Nicht-Ganzdaheimsein bestehen bleibt. Er macht deutlich: „Wo Träume wahr werden, werden auch die Albträume vieler, der ausgegrenzten, der Unterprivilegierten wahr.“ (Zitat aus dem Buch) Neben der Analyse von politischen und gesellschaftlichen Strukturen beleuchtet Köktürk die Rolle marginalisierter Gruppen, wie ökonomische Krisen als Bühne für Sündenbock-Narrative dienen, wie Sprache und Normalisierung diskriminierender Strukturen wirken, und warum der Diskurs links/mitte/rechts komplexer ist, als er oft dargestellt wird. Die Hörbuchfassung dauert ca. 7 Std 40 Min. (ungekürzte Ausgabe) und wird von Sidgi mit entsprechender Würde und Energie vorgetragen.
Meine Meinung
Ich wollte das Buch eigentlich nicht lesen (bzw. hören) – der Klappentext sprach mich iwie nicht ganz so an. Aber ich habe mich dann doch nicht zuletzt aufgrund der Empfehlung durch Julia (@chuliakaya) dazu hinreißen lassen … und zum Glück! Das Buch ist es nämlich echt wert. Es besticht vor allem durch die Herangehensweise, in der der Autor sowohl persönliche Erlebnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart, Gespräche mit Freundinnen und Expert:innen, aber auch Fakten und Zahlen miteinander in Verbindung bringt und so eben ein sehr versiertes und differenziertes Bild von Fascholand zeichnet.
Ich bin zwar aus Österreich, aber gerade in geschichtlicher Hinsicht unterscheiden sich D und AT nicht sehr oft; im Gegenteil: Österreich ist ja oft noch konservativer unterwegs, von daher kann man vieles auch hier übertragen. Besonders spannend war für mich die Diskussion rund um Links, Mitte, Rechts – die es so nicht gibt – und warum die AfD aktuell trotz allem immer noch als demokratische Partei angesehen werden kann.
Der Sprecher des Hörbuchs ist perfekt gewählt: Er transportiert die Mischung aus Ernst, Wut und Ironie so überzeugend, dass die Inhalte noch stärker wirken.
"Fascholand" ist unbequem, anstrengend, wichtig. Es fordert volle Aufmerksamkeit und genau das macht es meiner Meinung nach so stark. Köktürk legt den Finger in die Wunde einer Gesellschaft, die sich für modern hält, aber noch immer weiße, christliche, heteronormative Normen als Maßstab setzt. Besonders freue ich mich über die gendergerechte Sprache, ein Aspekt, der für mich heutzutage nicht mehr verzichtbar ist. Und: die Form als Klageschrift ist super gewählt. Vor Gericht steht? Deutschland als Land. "Ein Meister darin zu sein, sich selbst zu verlieren und dafür Komplimente bekommen?", lautet ein provokantes Zitat, das zeigt, wie Selbstaufgabe und Anpassung von marginalisierten Gruppen häufig als Leistung gefeiert werden und wie problematisch das ist. Köktürk erinnert uns daran: „4 Jahre nach Gründung des Bundesinnenministeriums waren 40 % der Mitarbeiter:innen Nazis.“ Ein Satz, der erschüttert und zugleich nicht einfach als historische Anekdote abgetan werden darf. Und er mahnt: „Wo Träume wahr werden, werden auch die Albträume vieler, der ausgegrenzten, der Unterprivilegierten wahr.“ Das trifft ins Mark. Allerdings und das ist mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist das Buch in der Sprache nicht immer niederschwellig. Wer sich nicht einigermaßen mit politischen Begriffen, Strukturen oder Diskursen auskennt, könnte sich stellenweise überfordert fühlen. Die Kombination aus lange Zeit erklärungsbedürftigen Begriffen, Divergenzen und persönlichen Erfahrungsberichten fordert.
Fazit
"Fascholand" ist eine kraftvolle und brennend relevante Hörbuch-Erfahrung, die wirksam aufrüttelt und zum Denken bringt. Ich empfehle es allen. Punkt. Denn die Themen Rassismus, Identität, gesellschaftlicher Normierung und Machtstrukturen gehen uns alle an, nicht nru diejenigen, die sich tagtäglich schon unfreiwillig damit auseinandersetzen müssen.
Ich danke herzlich Netgalley Deutschland und dem Hörbuch Hamburg Verlag für das Rezensionsexemplar.
"Fascholand" ist kein gewöhnliches Buch. Es legt den Finger in eine Wunde, die von vielen Menschen gar nicht als solche erkannt wird. Der Autor reist durch die Republik und spricht mit Menschen von denen ...
"Fascholand" ist kein gewöhnliches Buch. Es legt den Finger in eine Wunde, die von vielen Menschen gar nicht als solche erkannt wird. Der Autor reist durch die Republik und spricht mit Menschen von denen er sich mehr verspricht, als das Herunter leiern von Parolen. Zugleich berichtet er von alltäglichem Rassismus, dem er immer wieder ausgesetzt ist. Gerade weil er als Kind von Gastarbeitern noch immer als „Ausländer“ angesehen wird. Dabei waren es doch genau diese Menschen, die Deutschland nach diesem unsäglichen Krieg mit aufbauten und aus diesem Grund eingeladen wurden. Was wurde ihnen alles versprochen? Unglaublich, dass sie bis heute unter Ressentiments zu leiden haben.
Der Ich-Erzähler spricht häufig mit seiner Freundin Otto. Bei ihr kann er genau das sagen, was er empfindet. Er muss sich nicht verstellen und/oder befürchten, dass sein Gegenüber ihn nicht versteht oder gar verachtet. Aufgebaut ist das Buch wie eine Ermittlungsakte. Etliche Zeugen werden befragt und diese Befragungen genauestens protokolliert. Sehr direkt und ohne Umschweife. Das mag zuweilen erschreckend sein, aber es rüttelt auf. Und ja, er hat in so vielen Dingen recht.
Den Inhalt des Buches mochte ich und es gab für mich nichts zu bemängeln. Was mich störte, das war die „gendergerechte“ Sprache. Mich irritierte es sehr, wenn immer wieder dieses :innen Teil von Sätzen war. Aber das ist nur meine Meinung und hat nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun. Dieser ist sehr gut und Raschid Daniel Sidgi ist als Sprecher perfekt.
Im (Hör-) Buch "Fascholand" macht sich der Autor Canberk Köktürk auf, im Rahmen einer Ermittlungsakte die rechtsextremen und faschistischen Wurzeln in Deutschland offen zu legen, seine Thesen mit Quellenrecherche ...
Im (Hör-) Buch "Fascholand" macht sich der Autor Canberk Köktürk auf, im Rahmen einer Ermittlungsakte die rechtsextremen und faschistischen Wurzeln in Deutschland offen zu legen, seine Thesen mit Quellenrecherche und Interviews zu belegen und aufzuzeigen, was in diesem Land gerade alles schief läuft. Hierbei verwendet er einen autobiographischen Fokus und versucht eine intersektionale Perspektive einzunehmen, indem er verschiedenste Diskriminierungsformen (Herkunft, Geschlecht, Sexualität, Klasse und Religion) miteinander verknüpft und Wechselwirkungen offen legt. Schonungslos zeigt er auf, was diese, von ihm so erlebten, Diskriminierungen mit ihn machen und wie es für ihn als migrantisch gelesene Person, der sich eigentlich als Deutsch erlebt, schwer wird, sich in Deutschland heimisch zu fühlen. Dieses Ringen des Autors und seine Verzweiflung über die Zustände in Deutschland kommen gut rüber und wird im Hörbuch dadurch, dass der Autor es selber einspricht, sehr lebendig. Im Laufe des Buches wurde bei mir als Hörer*in das Unbehagen aber immer größer, da sich immer mehr ein "Ja, aber" einstellte. Das hängt damit zusammen, das mir persönlich Differenzierungen fehlten und ich Pauschalurteilen wie "Alles Nazis" irgendwann nicht mehr folgen konnte und wollte. Und es fiel mir auf, dass wichtige Punkte, die zu einem Verständnis, nicht einer Akzeptanz, der gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre führen könnten, in der Ermittlungsakte des Autors einfach fehlten. Ob nun die zunehmende Kriminalität auf den Straßen und die größere Unsicherheit vulnerabler Gruppen vor Gangs, ob nun die religiös verbrämten Terroranschläge unter bewusster Fehlinterpretation religiöser Schriften, ob nun Ereignissse wie zu Silvester in Köln und vieles mehr. All dies gehörte mit in eine Ermittlungsakte, die verstehen will, warum sich in Deutschland der Wind leider gedreht hat. Vom Ansinnen und gemeinsamen Ziel bin ich ganz beim Autor und ich wünsche mir ähnlich wie er ein Land, wo alle in Frieden leben können, mit diesem Hörbuch und den damit verbundenen Verallgemeinerungen ist der Autor aber meines Erachtens übers Ziel hinausgeschoßen und schadet seinem Ziel eher, als das es ihm nützt.