Cover-Bild Unbegründete Ängste
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 240
  • Ersterscheinung: 30.01.2026
  • ISBN: 9783827015310
Res Sigusch

Unbegründete Ängste

Roman | Eine einnehmende queere Geschichte aus der ostdeutschen Gegenwart

Christian Lotz (30) lebt als queerer Single in einer sächsischen Kleinstadt. Jeden Sonntag trifft er sich mit seinen Eltern zum Sektfrühstück, unter der Woche arbeitet er im Fitnessstudio. Muskulös und gutaussehend – seine Mutter schwärmt, er sehe aus wie David Beckham Anfang der 2000er –, ist er innerlich von Unsicherheit geplagt und sorgt sich im Grunde um alles: Wie wirkt er auf andere? Warum findet er nicht den richtigen Mann? Was bringt die Zukunft in Zeiten von Klimawandel, Rechtsextremismus und Pandemien? Und ist er nicht vielleicht längst unheilbar krank, wie ihm seine täglichen Internetrecherchen weismachen wollen? Seine Antwort ist stets die größtmögliche Katastrophe. So wächst in Christian eine existenzielle Angst, die bald keinen Anlass mehr kennt. Erst als seine Lage unübersehbar wird, öffnet er sich seinem Umfeld – und erfährt: Geteilte Angst ist halbe Angst. Und manchmal braucht es bloß einen Funken Mut.

»Res Siguschs Roman stellt die großen Fragen im Kleinen. Das ist queer und witzig, gegenwärtig und klug. Große Empfehlung!« Markus Thielemann

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2026

Die Fallstricke des Lebens

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Chris arbeitet als Fitnesstrainer und sehnt sich nach einem festen Partner. Er hat ein Auge auf Nicolas geworfen, ein Kunde des Gym. Nicolas sei Tierpfleger, erfuhr er in einem ihrer seltenen Austausche. ...

Chris arbeitet als Fitnesstrainer und sehnt sich nach einem festen Partner. Er hat ein Auge auf Nicolas geworfen, ein Kunde des Gym. Nicolas sei Tierpfleger, erfuhr er in einem ihrer seltenen Austausche. Deshalb lässt sich Chris jetzt von seinem neuen Patenhund, Bullterrier Lui, durch den Wald zerren. Gerade macht er Halt, um sich eine Zigarette anzuzünden, wohl wissend, dass der Boden unter ihm furztrocken ist, da nutzt Lui die Gunst der Stunde, reißt sich los und sprintet einen Hang hinab. Chris stolpert panisch hinterher und sieht Lui in einiger Entfernung im Müll wühlen. Von weitem nähert sich die Linie 270 rasant. Lui sieht den Bus ebenso und läuft in die Richtung. Bremsen quietschen, Chris schließt die Augen und als er sie wieder öffnet, liegt Lui auf dem Asphalt und rührt sich nicht. Die Busfahrerin steht in der geöffneten Tür und starrt Chris an.

Nachdem er stotternd seine Daten angegeben hat, geht Chris nach Hause. Während er darüber nachdenkt, wie er Nicolas das erklären könnte, hört er ein Martinshorn. Und dann sieht er sie, mehrere Feuerwehreinsatzfahrzeuge rasen an ihm vorbei in die Richtung, aus der er kommt. Chris Atem beschleunigt sich, ihm wird schlecht. Sollte jetzt auch noch der Wald wegen seiner Kippe brennen, wird er seines Lebens nicht mehr froh.

Chris trifft sich, wie jeden Samstag, mit seinen Eltern zum Sektfrühstück. Sie sitzen auf der Terrasse des Bistros, seine Mutter sieht ihn und winkt stürmisch. Kaum sitzt er, da fragt sie schon, wie es ihm geht: „Du siehst blass aus Chrissi.“ Und streicht ihm zärtlich über den Rücken. Er solle doch mal wieder in die Praxis zur Blutentnahme kommen, die letzte liege ja schon fast ein Jahr zurück. Obwohl er zuerst keinen wollte, kippt er seinen Prosecco in einem Haps runter.

Fazit: Res Sigusch (Wesentliche Bedürfnisse 2024) hat einen 30-jährigen Mann erschaffen, der schon seit seiner Jugend Bodybuilding affin ist und in einem Gym arbeitet. Er hat genug von den oberflächlichen Dates mit Männern und ist auf der Suche nach etwas Festem. Trotz der netten Kolleginnen und dem super Chef verläuft sein Leben ziemlich trist. Seine Mutter klammert an ihm und zeigt stark übergriffiges Verhalten, dem er sich kaum entziehen kann, zu groß ist seine Angst zu enttäuschen. Insgesamt ist der Protagonist ein introvertierter Typ, der allen gerecht werden will. Die AFD in Sachsen erstarkt und schwul zu sein, in dem Kaff, in dem Chris lebt, könnte künftig gefährlich sein. Im weiteren Verlauf der Geschichte rücken Bedrohungen näher und er entwickelt eine Angststörung, die ich ausnehmend gut gezeigt finde. Auch die klammernde Mutter, die ihren Sohn pausenlos belästigt, natürlich unter dem Deckmantel der Liebe, finde ich gut dargestellt. Am Ende naht Hilfe aus unerwarteten Ecken und das versöhnliche Ende tut der etwas deprimierenden Story gut. Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Roman, der mitten in die Fallstricke des Lebens greift und ein Thema verhandelt, das weit verbreitet ist. Für Leserinnen, die “ „Koller“ von Annika Büsing mögen.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Fast schon zu viele Ängste

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Der Roman "Unbegründete Ängste" von Res Sigusch erzählt mit viel Feingefühl, Humor und klarem Blick von einer Angst, die viele Menschen kennen – auch wenn sie oft unausgesprochen bleibt oder für einige ...

Der Roman "Unbegründete Ängste" von Res Sigusch erzählt mit viel Feingefühl, Humor und klarem Blick von einer Angst, die viele Menschen kennen – auch wenn sie oft unausgesprochen bleibt oder für einige unbegründet scheint. Im Mittelpunkt steht Christian Lotz, 30 Jahre alt, queer, Single und wohnhaft in einer sächsischen Kleinstadt. Nach außen wirkt sein Leben ziemlich geordnet: Er arbeitet im Fitnessstudio, ist sportlich, attraktiv und trifft sich jeden Sonntag mit seinen Eltern zum Sektfrühstück. Doch hinter dieser scheinbaren Normalität verbirgt sich ein Kopf, der kaum zur Ruhe kommt.

Christian denkt viel – vielleicht zu viel. Ständig kreisen seine Gedanken darum, wie er auf andere wirkt, warum er noch nicht den richtigen Partner gefunden hat oder was die Zukunft bringen wird. Klimawandel, politische Entwicklungen, Pandemien oder mögliche Krankheiten: Für Christian endet fast jeder Gedanke im schlimmsten denkbaren Szenario. Besonders seine exzessiven Internetrecherchen zu gesundheitlichen Symptomen verstärken diese Spirale aus Sorgen und Selbstzweifeln. Aus anfänglicher Unsicherheit wird mit der Zeit eine allgegenwärtige Angst, die keinen konkreten Auslöser mehr braucht.

Was „Unbegründete Ängste“ so besonders macht, ist die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. Res Sigusch gelingt es, ein schweres Thema wie Angststörungen mit einer überraschenden Portion Humor und Selbstironie zu erzählen. Christian ist eine Figur, in der man sich trotz – oder gerade wegen – seiner übertriebenen Sorgen schnell wiedererkennt. Seine Gedankenspiralen sind oft gleichzeitig tragisch und komisch, weil sie so nah an alltäglichen Unsicherheiten liegen.

Der Roman stellt große gesellschaftliche Fragen im Kleinen: Wie lebt man mit ständiger Unsicherheit in einer Welt, die ohnehin voller Krisen scheint? Wie sehr lassen wir uns von Ängsten leiten, die vielleicht gar keinen realen Ursprung haben? Und wie wichtig ist es, über diese Gefühle zu sprechen?

„Unbegründete Ängste“ ist ein kluger, zeitgeistiger und zugleich sehr menschlicher Roman, der zeigt, wie eng Humor und Verletzlichkeit manchmal beieinanderliegen.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Wichtiges Buch über psychische Erkrankungen

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INHALT
Ein junger Mann auf der Suche nach einem geordneten, normalen Leben. Christian, 30, zieht das Unglück scheinbar an. Sein Leben scheint das Chaos pur zu sein, wobei dies innerlich noch wilder scheint ...

INHALT
Ein junger Mann auf der Suche nach einem geordneten, normalen Leben. Christian, 30, zieht das Unglück scheinbar an. Sein Leben scheint das Chaos pur zu sein, wobei dies innerlich noch wilder scheint als nach außen. Es geht um Ängste und Zweifel, um Schlafprobleme und die Unfähigkeit zu arbeiten. Es geht um kleine und großen Katastrophen, um Freunde, die helfen wollen. Christian kann diese Hilfe kaum annehmen, zieht sich zurück und betäubt sich mit Medikamenten. Es geht um begründete und unbegründete Ängste, es geht um gesellschaftlich so relevante Themen. Ein Buch voller aktueller Themen, Tiefgang und Mut.

„Manchmal habe ich das Gefühl, nein, eigentlich meistens, dass ich irgendwas grundlegend falsch mache oder überhaupt schon alles falsch gemacht habe, dass ich quasi falsch lebe, wie ein Fluch. Mir passieren immer solche dummen Sachen, der Hund läuft mir vor dem Bus, ich lass die Zigarette fallen, der Wald brennt ab –(…) verliebe mich in falsche Leute, und dann mache ich mir ständig Sorgen, dass ich, wenn das so weitergeht, auch für immer alleine bleibe, alleine älter werde, wahrscheinlich sogar früh sterbe, weil ich’s nicht schaffe, mit dem Rauchen aufzuhören, dass ich irgendeine Krankheit habe oder bald bekomme und dann einsehen muss, dass ich einfach nicht genug getan habe, so generell, dafür, dass mein Leben und die Welt im Allgemeinen besser werden, weil ich so viel Schiss hatte.“ Seite 158

EINDRUCK UND FAZIT
Psychische Erkrankungen sind, wie den meisten bereits bekannt, genau mein Thema. Dieses Buch ist so wundervoll, voller Trauer und zugleich Mut und Hoffnung. Die Sprache ist leicht, man fliegt durch die Seiten. Ein Buch über die Wichtigkeit von Freundschaft und Zugehörigkeit, von Einsamkeit und Zweisamkeit. Es hat mich wirklich sehr beeindruckt, wie viele wichtige Themen man aufgreifen kann - und dennoch wirkt das Buch nicht überladen. Einziger kleiner Kritikpunkt: für mich etwas viel Wörtliche Rede, aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau und absolutes Geschmacksache.

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