Karrierefrau und Dorfleben- Passt das zusammen?
Hinter dem Pseudonym Anne Hertz stehen die beiden Schwestern Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz, die mich mit ihren romantisch interessanten und stets mit einer fast nie vorhersehbaren Wende in den ...
Hinter dem Pseudonym Anne Hertz stehen die beiden Schwestern Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz, die mich mit ihren romantisch interessanten und stets mit einer fast nie vorhersehbaren Wende in den Geschichten und damit verbundenen überraschenden Enden, die schon einen gewissen Aha-Effekt hatten, begeistern konnten. Ich habe alle Romane gelesen, die zwischen 2010 und 2015 erschienen. Dann war es ziemlich still um Anne Hertz. Umso mehr freute ich mich, als ich das Buch „Ein Morgen mit dir“ entdeckte. In dem Roman werden viele Themen „behandelt“, die sicherlich mit dem Einflechten romantischer Ausflüge, alltäglich Menschen treffen, sei es der Umgang mit Demenz, Karriere und Arbeit, Familienalltag, Leidenschaft, Gerüchten und Liebe. Lebensnah und realistisch, das sollte der Leser für sich selbst beantworten.
Saskia ist eine erfolgreiche Unternehmensberaterin in Hamburg. Nach dem Abitur und einer geplatzten Interrailreise mit ihrem damaligen Freund Alex, kehrt Saskia ihrer Heimat den Rücken zu und kommt weder zu Besuchen noch hat sie Ambitionen jemals ins Wendland zurückzukehren. Ihr Vater hat eine beginnende Demenz und wird von ihrer jüngeren Schwester ver- und umsorgt. Diese hat sich und ihrer Familie eine Auszeit in Amerika gegönnt und für sechs Wochen Saskia mit der Betreuung des Vaters beauftragt. Eigentlich passt das Sakia und auch deren Freund nicht so recht, aber dank ihres erfolgreichen Business, einer sehr engagierten Angestellten und ihrem Glauben, dass sie ja auch aus dem entlegenen Wendland arbeiten kann, übernimmt sie die Aufgabe. Leider scheitert so manche Euphorie an dem fehlenden Internet und schlechtem Handy-Empfang. Ihr Ex-Freund Alex aus Schulzeiten betreibt im Dorf ein Café und bietet ihr selbstverständlich die Nutzung des Internets im Café an. Und wie sollte es anders sein, Alex ist noch immer das Sahneschnittchen, stets hilfsbereit, selbstlos, lustig und humorvoll. Ganz im Gegensatz zu der mittlerweile recht steifen und nur professionell wirkenden Saskia, die überhaupt nicht locker ist. Alex und ihr Vater haben vor, einen genossenschaftlichen Laden im Dorf zu bauen, damit die Bauern ihre eigenen Erträge dort anbieten können. Hier steigt die gewiefte Saskia mit ins Geschehen ein, denn irgendwelche dubiosen Immobilienmanager drehen ein undurchschaubares Spiel mit den Anwohnern. Leider erfahren wir um viele Darsteller im Roman nur wenig, aber es ist ausreichend, um die Geschichte zu verfolgen. Der Vater bringt Saskia manchmal um ihren Verstand, sie macht sich große Sorgen, wenn er mal wieder verschwunden ist. Dank der Hilfe von Alex klärt sich aber immer alles auf und auch der Vater scheint nicht immer vergesslich zu sein. Da kommt auch immer mal etwas die humorvolle Seite der Protagonisten durch. Am Ende geht alles in Harmonie aus, Saskia hat neue Aufgaben für sich entdeckt und kehrt ins Wendland zurück.
Verwöhnt von den bisherigen Romanen und einer gewissen Leseerwartung, wurde ich doch ein wenig enttäuscht. Ich weiß nicht so recht, ob es an den Protagonisten lag oder ob mir ein wenig der rote Faden in der Geschichte fehlte. Irgendwie spülte immer wieder ein interessanter Ansatz in den Ablauf hinein, aber was da kommt, war zu offensichtlich. Mir fehlte etwas die Leichtigkeit im Schreibstil. Ein guter Sommer-Urlaubs-Roman, der sich schnell lesen lässt, mit leichtem Humor, nicht tiefgreifend aber unterhaltsam.