How to hide in plain sight
Achtung: Ich muss es gleich vorweg sagen, dies ist kein Wohlfühl-Sommerroman mit leichter Lovestory und einem schönen Wassercover. Wer Emma Noyes und vielleicht sogar ihren bewegenden Roman Guy´s Girl ...
Achtung: Ich muss es gleich vorweg sagen, dies ist kein Wohlfühl-Sommerroman mit leichter Lovestory und einem schönen Wassercover. Wer Emma Noyes und vielleicht sogar ihren bewegenden Roman Guy´s Girl kennt, erkennt schnell, dass sich hinter dem unbekümmert wirkenden Äußeren eine Geschichte voller Tiefgang verbirgt.
Genauso ist es mit Eliot. Von außen betrachtet ist sie die Jüngste einer Patchwork-Großfamilie, das Küken. Da wird gefrotzelt, gelacht und aktuell gemeinsam gefeiert.
Emma Noyes lässt uns aber in ihr Inneres blicken, und dieser Anblick ist beim Lesen manchmal kaum auszuhalten. Denn Eliot leidet unter einer Zwangsstörung. Nicht in der Art des ständigen Händewaschens. Nein, ihr Gehirn redet rund um die Uhr auf sie ein, redet ihr hässliche Dinge ein, lässt sie das Allerschlimmste von sich selbst glauben. Während Eliot nach außen still wirkt, tobt in ihrem Gehirn ein Shitstorm.
„Ich verband Glück nicht mit einem Gefühl der Fülle, sondern mit Leere. Mit Abwesenheit. Glück war für mich die Abwesenheit von Grübelei.“
Mir hat es beim Lesen mehr als einmal das Herz gebrochen, das Mädchen und später die junge Frau so an sich selbst leiden zu sehen. Ganz besonders, weil die Autorin offen damit umgeht, dass sie Ähnliches selbst erleidet und an einer solchen Zwangsstörung leidet. Ich war überwältigt von der Familienwucht, der Wucht von Eliots Grübelgedanken, und mehr als alles andere von der Hilflosigkeit und Ohnmacht. Es war eine sehr intensive, aufwühlende Lektüre, in der nur die eingeflochtene zarte Lovestory mit Manuel Stütze geboten hat. Manuel nimmt Eliot genau so an, wie sie eben ist, und das fühlte sich warm und tröstend an.
Mich hat dieser Roman gepackt, mir ins Herz gegriffen und mich zutiefst aufgewühlt, aber mir auch die Augen geöffnet. Große Leseempfehlung!