Eine schmerzhafte Familiengeschichte über Identitätsfindung und Aleviten in der Türkei
Neben der Verfolgungsgeschichte der Aleviten in der Türkei wie z.B. in Sivas und ihrem Schweigegelübde als Überlebensmodus geht es bei der Hauptperson Alev, 29, freie Journalistin, Deutsch-Türkin aus Köln, ...
Neben der Verfolgungsgeschichte der Aleviten in der Türkei wie z.B. in Sivas und ihrem Schweigegelübde als Überlebensmodus geht es bei der Hauptperson Alev, 29, freie Journalistin, Deutsch-Türkin aus Köln, um ihre persönliche Auseinandersetzung mit ihrer doppelten Nationalität. Sie möchte dieses Schweigen in ihrer großen, alevitischen Familie brechen und sammelt vor allem Onkel Cems Beiträge. Gleichzeitig wird das unruhige, gefährliche politische Klima in der Türkei ab 2016 mit Putschversuch, 2017 mit Verfassungsreferendum beleuchtet. Mit Alevs Ängsten und sprachlichen Unsicherheiten in ihrer Jugend verknüpft finden sich diverse Zeitebenen aus den 1970-er und 1980-er Jahren, beginnend mit der Immigration ihres Vaters nach Köln. Wie im Zeitraffer erblüht die türkische Wirtschaft, mit ihr das Imperium von Onkel Cem, mit ihm als wichtigstem Familienanker in Istanbul. Auch über seine Erzählungen nach dem Erwachen aus seinem Koma erfasst Alev die langjährigen Erfahrungen von Gewalt und Ausgrenzung dieser Religionsgemeinschaft zwischen Istanbul, Ankara, dem Dorf Hacıbektaş und Köln, auch sehr hilfreich zur eigenen Identitätsfindung.
Ein informativer Familienroman über historische, politische und ihre religiösen Repressalien in der Türkei. 3,5*