Düstere Hitze, Sektenkult und ein optisches Highlight
Das Buch 'Tokyo - Schwarzer Sommer' von Tokuro Nukui entführt uns in das Jahr 1991, mitten hinein in eine fast schon greifbare, drückende Sommerhitze der japanischen Metropole. Die ohnehin schon angespannte ...
Das Buch 'Tokyo - Schwarzer Sommer' von Tokuro Nukui entführt uns in das Jahr 1991, mitten hinein in eine fast schon greifbare, drückende Sommerhitze der japanischen Metropole. Die ohnehin schon angespannte Atmosphäre der Stadt schlägt schnell in blankes Entsetzen um, als innerhalb kürzester Zeit zwei kleine Mädchen spurlos verschwinden und kurz darauf eines der Kinder tot aufgefunden wird. Kommissar Saeki übernimmt die Ermittlungen und steht vor der quälenden Frage, ob er es mit einem Serientäter zu tun hat. Nukui verwebt die klassische Mördersuche geschickt mit den psychologischen Abgründen der Betroffenen. Wir erleben nicht nur die polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern blicken auch tief in die Seele eines traumatisierten Vaters, der in seiner grenzenlosen Trauer und Verzweiflung Halt in den düsteren Ritualen einer obskuren Glaubensgemeinschaft sucht. Als dann ein weiteres Kind verschwindet, beginnt ein packender Wettlauf gegen die Zeit.
Schon beim ersten Blick auf das Buch fällt die wunderschöne und extrem ästhetische Gestaltung auf. Das Cover ist ein absoluter Hingucker, und wenn man den Schutzumschlag abnimmt, kommt ein Design zum Vorschein, das an ein edles Coffee Table Book erinnert. Zusammen mit dem passenden Farbschnitt ist das Buch optisch ein echtes Highlight im Regal.
Inhaltlich hat mich der Thriller besonders durch seine dichte, bedrückende Atmosphäre in den Bann gezogen. Die drückende Hitze Tokios und die beklemmenden Einblicke in die Glaubensgemeinschaft sind faszinierend beschrieben und erzeugen eine durchgehende Grundspannung. Der solide und angenehm lesbare Schreibstil sorgt dafür, dass man gut in die Geschichte hineindetector, auch wenn man sich, wie es bei japanischen Kriminalromanen manchmal der Fall ist, ein wenig an die asiatischen Namen gewöhnen muss. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, was einen tiefen Einblick in die menschliche Verzweiflung erlaubt. Allerdings muss man auch erwähnen, dass die Ermittlungsschritte stellenweise sehr ausführlich und detailreich geschildert werden, was den Erzählfluss und den Spannungsbogen zwischendurch etwas ausbremst.
Alles in allem ist 'Tokyo' für mich aber ein wirklich gelungener und atmosphärisch starker Kriminalroman, dem ich sehr gerne vier von fünf Sternen gebe. Das Buch ist perfekt geeignet für alle Leser, die düstere, psychologische Kriminalgeschichten mögen und sich gerne auf das besondere, entschleunigte Flair japanischer Spannungsliteratur einlassen, bei der das Augenmerk ebenso sehr auf der gesellschaftlichen und psychologischen Tiefe wie auf der reinen Action liegt.