Cover-Bild Tokyo
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Lübbe
  • Themenbereich: Belletristik - Thriller / Spannung
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Seitenzahl: 500
  • Ersterscheinung: 01.06.2026
  • ISBN: 9783757702212
Tokuro Nukui

Tokyo

Schwarzer Sommer. Ein japanischer Bestseller von beklemmender Wucht: atmosphärisch, intensiv und absolut fesselnd!. Thriller
Heike Patzschke (Übersetzer)

Dieses Buch gibt es in zwei Versionen: mit und ohne Farbschnitt. Sobald die Farbschnitt-Ausgabe ausverkauft ist, liefern wir die Ausgabe ohne Farbschnitt aus.

Tokio, 1991. Die Stadt ächzt unter der Sommerhitze, als zwei kleine Mädchen kurz hintereinander spurlos verschwinden. Kurz darauf wird die eine von ihnen tot in einem nahegelegenen Fluss entdeckt. Während der trauernde Vater Zuflucht in den düsteren Ritualen einer obskuren Glaubensgemeinschaft sucht, steht Kommissar Saeki vor einem Rätsel: Sind die Fälle miteinander verbunden? Dann verschwindet ein weiteres Kind - und Saeki stößt auf eine Spur, die ihn tief in die Abgründe menschlicher Verzweiflung führt. Zu einem Täter, der bereits ein neues Opfer auserkoren hat ...

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2026

Ein japanischer Thriller

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Im Januar 1990 wird die Leiche eines kleinen Mädchens, das einigen Wochen vorher verschwunden war, gefunden. Der Fall ist nicht einfach zu lösen, die Ermittler geben alles, kommen aber kaum voran. Dann ...

Im Januar 1990 wird die Leiche eines kleinen Mädchens, das einigen Wochen vorher verschwunden war, gefunden. Der Fall ist nicht einfach zu lösen, die Ermittler geben alles, kommen aber kaum voran. Dann ist ein weiteres Kind verschwunden.

Ich lese sehr gerne Romane, die in für uns eher exotischen Ländern spielen, denn in der Regel erfährt man auch immer einiges über das Land an sich, seine Gesellschaft, seine Kultur, das ist auch hier der Fall. Dieser Roman ist im Original bereits 1993 erschienen und das Debüt des Autors.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, Hauptkommissar Saeki ist der Leiter des Dezernat I für Tötungsdelikte und schweren Raub, während Shigo Okamoto ein ihm unterstellter Kriminalanwärter ist. Während Saeki, dessen Vornamen man nicht erfährt, mehr für die Einsatzplanung zuständig ist, aber auch seinen Kopf hinhalten muss, wenn etwas schiefgeht, gehört Okamoto zur Fußtruppe, die zum Beispiel Befragungen macht.

Einen weiteren Erzählstrang nimmt Matsumoto ein, der kürzlich einen schweren Verlust erfahren hat, der ihm das Gefühl eines Loches in der Brust beschert, und der sein Glück in einer Religionsgemeinschaft sucht, von denen es in Japan unzählige gibt, die zum Teil sektenartig organisiert sind. Dieser Handlungsstrang löst sich mit dem der Ermittlungen abwechselnd ab.

Auf dem Cover wird ein Thriller versprochen, und auf gewisse Weise ist das der Roman auch, auch wenn er langsamer und mit weniger Spannung erzählt wird, als man es erwarten könnte. Dennoch, gerade der Matsumoto-Strang hat für mich schon etwas thrillerhaftes, er hat bei mir einige Emotionen ausgelöst. Zeitweise treten die Ermittlungen hinter seinen Erlebnissen sogar zurück. Ich glaube, man darf japanische Thriller nicht mit westlichen gleichsetzen, hier zumindest wird die Spannung subtiler erzeugt, mehr auf der psychologischen Ebene. Für mich war diese Form des Thrillers interessant zu lesen und mit einer eigenen Spannung behaftet. Ich konnte kaum aufhören zu lesen und habe viel spekuliert und gegoogelt.

Die Auflösung finde ich dennoch sehr überraschend, mir scheint aber alles logisch zu sein. Auch wenn ich mir vielleicht eine andere gewünscht hätte, gefällt mir diese Auflösung gut, auch, weil sie im Nachhinein passend ist und dem Roman einen interessanten Twist gibt.

Mich hat der Raman schnell packen können. Man muss sich auf ihn einlassen, weil er anders gestrickt ist, als man vielleicht erwartet, aber gerade das macht ihn für mich interessant. Ich war schnell emotional beteiligt und habe auch viel spekuliert. Gerne empfehle ich ihn allen, die nicht allzu fest an der westlichen Definition von Thriller hängen.

Veröffentlicht am 03.06.2026

Verschwundene Mädchen

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Die Polizei steht vor einem Rätsel: An einem Fluss wird die Leiche eines Kindes gefunden. Schnell wird eine Sonderkommission gegründet, denn der Verdacht liegt nahe, dass der Fall mit dem Verschwinden ...

Die Polizei steht vor einem Rätsel: An einem Fluss wird die Leiche eines Kindes gefunden. Schnell wird eine Sonderkommission gegründet, denn der Verdacht liegt nahe, dass der Fall mit dem Verschwinden eines weiteren Mädchens zusammenhängt. Trotz intensiver Ermittlungen tappt die Polizei lange im Dunkeln und findet kaum greifbare Hinweise.

Parallel begleitet man einen Vater, der nach dem Tod seiner Tochter innerlich zerbrochen ist. Die Leere in ihm versucht er durch verschiedene Religionen und Glaubensrichtungen zu füllen. Doch tief in seinem Inneren sucht er eigentlich nur nach einem Weg, seine Tochter zurückzubringen und den Verlust ungeschehen zu machen.



Das Buch ist keine leichte Lektüre. Die beiden Handlungsstränge wechseln sich kapitelweise ab und als Leser versucht man ständig, die Zusammenhänge zu erkennen. Doch egal welche Vermutungen man aufstellt, vieles scheint zeitlich nicht zusammenzupassen. Erst gegen Ende werden die Verbindungen und die tragische Wahrheit hinter allem deutlich.

Gerade diese Erzählweise macht das Buch besonders intensiv und beklemmend. Nach dem Ende hat mich die Geschichte nicht sofort losgelassen und das unangenehme Gefühl blieb noch lange bestehen.

Veröffentlicht am 01.06.2026

Das Ende kam überraschend

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Böse Zungen behaupten, dass Saeki nur durch seine Heirat mit der Tochter des Polizeipräsidenten so schnell befördert werden konnte. Jetzt leitet er sogar das Dezernat 1 in Hino Ost, dem Tokyoer Polizeipräsidium. ...

Böse Zungen behaupten, dass Saeki nur durch seine Heirat mit der Tochter des Polizeipräsidenten so schnell befördert werden konnte. Jetzt leitet er sogar das Dezernat 1 in Hino Ost, dem Tokyoer Polizeipräsidium. Der aktuelle Fall bereitet ihm und seinen Kollegen starke Kopfschmerzen. Denn es geht um kleine Kinder und das bewegt jeden Ermittler. Leider bleibt es nicht bei den zwei Vorfällen der letzten Monate. Die Zeit drängt, denn der Täter steht bereits in den Startlöchern…

Herr Saeki steht im Mittelpunkt der Geschichte und daneben ein Vater, der mit dem Verlust seines Kindes nicht klar kommt. Er flüchtet sich zu dubiosen Glaubensgemeinschaften, die ihm versprechen, dass sein Schmerz schnell geheilt wird. Auffallend für mich, dass das Buch zwar bereits im Jahr 1993 in Japan veröffentlicht wurde, die Geschichte aber aktueller denn je ist. Menschen in Ausnahmesituationen werden in eine religiöse Bewegung gedrängt, die zunächst durch Zuwendung und Verständnis vonseiten der Leiter ein Ideal suggeriert. Auffallend hier, dass es ähnlich wie damals bei Luther auch bei denen um Ablasshandel geht. Also, wer viel Geld investiert, hat sehr schnell einen hohen Rang in der Gemeinschaft. Das bedeutet gleichzeitig, dass er mit dem Gründer kommunizieren und schnell in die absolute Erkenntnis gelangt. Das wiederum soll ihn oder sie von dem seelischen Schmerz kurieren.

Romane aus Japan unterscheiden sich sehr von jenen aus Europa und USA. Das liegt wohl an dem völlig anderen Lebensstil der Japaner. Thriller triefen nicht vor Blut und auch die Sexszenen sind nicht so ausführlich dargestellt. Das finde ich angenehm. Bei diesem Buch war für mich bis zum Schluss nicht klar, wer als Täter überführt wurde. Das gefiel mir und daher gebe ich eine bedingte Leseempfehlung. Warum nur bedingt? Weil das Buch für mich zu viele Längen hatte.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Zwischen Schuld und Isolation – ein düsterer Gesellschaftsthriller aus Japan.

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Tokuro Nukui ist in seiner Heimat Japan ein gefeierter und vielfach ausgezeichneter Autor. Und endlich können wir, dreiunddreißig Jahre nach seinem Debüt, „Tokyo Schwarzer Sommer“ auch auf Deutsch lesen. ...

Tokuro Nukui ist in seiner Heimat Japan ein gefeierter und vielfach ausgezeichneter Autor. Und endlich können wir, dreiunddreißig Jahre nach seinem Debüt, „Tokyo Schwarzer Sommer“ auch auf Deutsch lesen.
Mich hat bereits das Cover angezogen: der prägnante Titel in klarer, markanter Typografie, die reduzierte Skyline und die düstere Farbwahl passen sehr gut zu einem Thriller.

Man sollte im Hinterkopf behalten, dass japanische Krimis und Thriller etwas anders aufgebaut sind als westliche. Daher kann es sein, dass sich der Anfang zunächst etwas schwieriger oder sperriger anfühlt und man etwas Zeit benötigt, um in die Geschichte hineinzufinden.
Auch Autor Nukui legt den Fokus auf gesellschaftskritische Themen, wie soziale Isolation, Leistungsdruck und innere Abgründe. Im Vordergrund stehen weniger Action, schnelle Winkelzüge und Verfolgungsjagden, sondern vielmehr eine unterschwellig beklemmende Atmosphäre und Themen moralischer Ambivalenz.

Das zeigt sich auch in der Handlung:
Im Jahr 1990 erschüttert eine Serie rätselhafter Kindesentführungen die Bewohner Tokios. Als die Leiche eines kleinen Mädchens aufgefunden wird, eskaliert die Lage zunehmend, und die Polizei gerät unter Druck – zwischen medialer Aufregung, den Forderungen der Eltern und den eigenen politischen Interessen.
In zwei Handlungssträngen entfaltet sich die Geschichte.
Im ersten begleiten wir einen zunächst namenlosen Mann, der durch die bedrückende Hitze Tokios wandert. Er ist von Schwermut, tiefer, unbestimmter Trauer und Hoffnungslosigkeit gezeichnet und des Lebens überdrüssig. Bei einer zufälligen Begegnung trifft er auf eine rätselhafte junge Frau, die für sein Glück betet. Zum ersten Mal glaubt er, einen Ausweg gefunden zu haben. So findet er Halt in einer neuartigen Religionsgemeinschaft. Aber ist diese Gemeinschaft das, was sie vorgibt zu sein?
Im zweiten Strang folgen wir dem Leiter des Dezernats für Tötungsdelikte, Saeki, und dem Kommissaranwärter Okamoto auf der Suche nach dem Täter. Dabei wird deutlich, wie sehr auch der Polizeiapparat von internen Machtgefällen, politischen Ränkespielen und persönlichen Abneigungen geprägt ist.

Meine Bewertung:
(4 von 5 Sternen)
Der Schreibstil ist nüchtern und schnörkellos, ohne dabei an Stimmung einzubüßen. Das Erzähltempo ist ruhig, die Spannung entfaltet sich zunehmend, je tiefer man in die Geschichte eintaucht.
Die Figuren wirken zunächst zurückhaltend und klassisch gezeichnet. Sie sind stark von gesellschaftlichen Normen und Konventionen geprägt. Dennoch entwickeln sie sich glaubwürdig weiter und tragen entscheidend zur beklemmenden Atmosphäre des Romans bei.
Ein Kritikpunkt meinerseits ist, dass sehr viele Figuren auftauchen und man schnell die Übersicht verlieren kann. Es hat mir sehr geholfen, Notizen zu machen, was allerdings meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen hat. Ein kurzes Glossar mit den wichtigsten handelnden Figuren und ihrer Funktion wäre hilfreich gewesen.

Sicherlich ist „Tokyo Schwarzer Sommer" nichts für jeden Krimi- und Thriller-Fan. Aber wer sich Zeit nimmt und das Buch auf sich wirken lassen kann, der wird einen ganz besonderen Thriller lesen, der gerade mit dem Ende zu überzeugen weiß.

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Veröffentlicht am 29.05.2026

Ein psychologischer Abstieg, der lange nachhallt

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Tokio. Sommerhitze. Flimmernder Asphalt. Neonlichter, die selbst nachts keine Ruhe zulassen. Und mittendrin ein Buch, das mich langsam, fast unmerklich in einen Abgrund gezogen hat: „Tokyo: Schwarzer Sommer“ ...

Tokio. Sommerhitze. Flimmernder Asphalt. Neonlichter, die selbst nachts keine Ruhe zulassen. Und mittendrin ein Buch, das mich langsam, fast unmerklich in einen Abgrund gezogen hat: „Tokyo: Schwarzer Sommer“ von Tokuro Nukui.

Ich sag’s euch direkt: Wer hier einen klassischen Hochgeschwindigkeits-Thriller erwartet, wird wahrscheinlich erstmal irritiert sein. Dieses Buch ist langsam. Schwer. Beklemmend. Eher ein psychologisches Drama als ein typischer Serienkiller-Krimi. Aber genau das macht es so gefährlich gut.

Die Geschichte beginnt mit verschwundenen Kindern im Tokio der frühen 90er. Keine Spuren. Keine Antworten. Nur wachsender Druck auf die Polizei und ein Kommissar namens Saeki, der zwischen Medienhysterie, internen Machtspielchen und einer völlig verkrusteten Hierarchie langsam zermahlen wird. Jeder versucht nur noch, seinen eigenen Kopf zu retten, während irgendwo ein Täter frei herumläuft. Und genau diese kalte, emotionslose Maschinerie der Polizei fand ich stellenweise fast verstörender als die eigentlichen Verbrechen.

Parallel dazu begleiten wir einen Mann, der nach einem schweren Verlust vollkommen orientierungslos durch Tokio irrt. Einsam. Leer. Kaputt. Und je tiefer er in die Arme einer religiösen Gemeinschaft gerät, desto unangenehmer wurde dieses Gefühl beim Lesen. Weil man spürt, dass dort etwas nicht stimmt. Dieses unterschwellige Grauen baut Nukui unglaublich stark auf - nicht mit Blut und Schockmomenten, sondern mit Atmosphäre. Mit dieser ständigen inneren Unruhe, als würde die Stadt selbst ihre Menschen langsam verschlucken.

Und genau darin liegt für mich die größte Stärke des Romans. Tokio ist hier nicht einfach nur Kulisse. Die Stadt lebt. Sie (unter)drückt. Sie isoliert. Sie macht Menschen einsam, obwohl Millionen um sie herum existieren. Dieses Gefühl von sozialer Kälte zieht sich durch jede Seite und hat mir einen fetten Kloß im Hals beschert.

Aber ich will auch ehrlich sein: Das Buch hat Längen. Die fast 500 Seiten ziehen sich zwischendurch spürbar, manche Passagen wirken extrem ruhig und gerade die kulturellen und hierarchischen Feinheiten der japanischen Polizeistrukturen waren für mich als westlicher Leser nicht immer leicht greifbar. Man braucht definitiv Geduld beim Lesen.

Trotzdem konnte ich das Buch irgendwann nicht mehr loslassen. Gerade weil es sich so real anfühlt. Weil die Gewalt hier nicht aus Blut und Splatter besteht, sondern aus purer Hoffnungslosigkeit. Und vielleicht hat mich genau deshalb manches so hart getroffen - besonders die Thematik rund um die entführten Kinder. Das geht voll unter die Haut und hinterlässt Spuren.

Das Ende ist stark, düster und genau die Art von Finale, die noch lange nachhallt. Es kriecht langsam unter die Haut, macht einen unruhig und hinterlässt dieses unangenehme Gefühl, dass Einsamkeit und Verzweiflung Menschen zu Dingen treiben können, die man lieber verdrängen würde.

Kein perfekter Thriller. Aber definitiv ein Roman, den ich nicht vergessen werde.

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