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Veröffentlicht am 25.03.2026

Zwei Fremde, ein leiser Weg nach Hause

Frankie – Unter Menschen
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Frankie ist ein Kater, der eigentlich alles hat; ein bequemes Zuhause, gutes Futter und seinen Menschenfreund Gold. Doch als dieser plötzlich verschwindet und Frankie nach einem nächtlichen Streifzug in ...

Frankie ist ein Kater, der eigentlich alles hat; ein bequemes Zuhause, gutes Futter und seinen Menschenfreund Gold. Doch als dieser plötzlich verschwindet und Frankie nach einem nächtlichen Streifzug in einem Müllauto landet, beginnt für ihn eine unfreiwillige Reise ins Ungewisse. Fern von allem Vertrauten kämpft er sich durch eine fremde Welt und trifft dabei auf Shattab, ein Mädchen, das selbst auf der Flucht ist. Gemeinsam schlagen sie sich durch ein raues, manchmal grausames Umfeld, begegnen skurrilen wie gefährlichen Gestalten und halten sich aneinander fest ... auf der Suche nach Zugehörigkeit, Sicherheit und vielleicht so etwas wie einem neuen Zuhause.

Die Geschichte entfaltet sich leise und eindringlich, mit einer ganz eigenen Mischung aus Lakonie, Wärme und trockenem Humor. Besonders gelungen ist die Perspektive aus Frankies Sicht: Sie wirkt nie künstlich vermenschlicht, sondern bleibt eigen, leicht schräg und dabei überraschend klar. Gerade diese Distanz macht viele Beobachtungen über Menschen umso treffender. Zwischen absurden Begegnungen und berührenden Momenten entsteht ein Roadtrip, der sich gleichzeitig leicht und schwer anfühlt.

Shattab bringt eine zweite emotionale Ebene in die Handlung. Ihre Geschichte ist rauer, direkter, manchmal kaum auszuhalten, ohne je ins Sentimentale abzurutschen. Die Dynamik zwischen ihr und Frankie wirkt dabei nie konstruiert, sondern entwickelt sich glaubwürdig und still. Es sind oft die kleinen Gesten, die diese Verbindung so stark machen.

Sprachlich überzeugt der Roman mit Klarheit und Rhythmus. Die Sätze sind oft knapp, fast beiläufig, tragen aber viel zwischen den Zeilen. Der Humor blitzt genau dann auf, wenn es fast zu schwer wird, und verhindert, dass die Geschichte kippt. Gleichzeitig scheut sich das Buch nicht, unangenehme Wahrheiten zu zeigen: über Einsamkeit, Ausgrenzung und das Gefühl, nirgends wirklich dazuzugehören.

Es ist kein lautes Buch, aber eines, das nachhallt. Es erzählt von Verlust und Freundschaft, von Orientierungslosigkeit und Hoffnung und davon, wie zwei sehr unterschiedliche Wesen einander Halt geben, ohne große Worte zu brauchen. Am Ende bleibt ein bittersüßer Eindruck, der lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Wenn Freundschaft Risse bekommt

Der Sommer, der uns blieb
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Schon zu Beginn wird deutlich, worum es in diesem Buch geht: Drei Freunde, ein einschneidender Sommer und die Frage, ob man sich Jahre später noch einmal wirklich begegnen kann. Britta, Pia und Martin ...

Schon zu Beginn wird deutlich, worum es in diesem Buch geht: Drei Freunde, ein einschneidender Sommer und die Frage, ob man sich Jahre später noch einmal wirklich begegnen kann. Britta, Pia und Martin wachsen in einer idyllischen Kleinstadt auf, verbringen unbeschwerte Tage zwischen Seen und Feldern, bis ein Ereignis ihre enge Verbindung zerreißt. Zwei Jahrzehnte später treffen sie wieder aufeinander, mit all den Erinnerungen, Gefühlen und einem Geheimnis, das nie ganz verschwunden ist.

Auch die Gestaltung des Buches ist etwas ganz Besonderes. Der „Schnitt“ durch den Titel ist nicht nur ein optischer Hingucker, sondern passt auch inhaltlich erstaunlich gut zur Geschichte und ihren Brüchen. Der bedruckte Buchschnitt und das Page Overlay sind wunderschön umgesetzt und machen das Buch zu einem echten Schmuckstück, das man gern in den Händen hält.

Die Autorin erzählt mit einer ruhigen, sehr einfühlsamen Stimme. Die Atmosphäre ist dicht und gleichzeitig angenehm leicht, fast wie ein warmer Sommertag, an den man sich lange erinnert. Besonders die Verbindung zwischen den drei Figuren wirkt authentisch. Diese Mischung aus Nähe, Vertrautheit und all den unausgesprochenen Dingen, die zwischen ihnen stehen.

Die Rückblicke sind dabei besonders treffend beschrieben. Die 90er Jahre sind so lebendig eingefangen, dass man sie förmlich spüren kann, mit all ihren kleinen Details, Stimmungen und diesem ganz eigenen Lebensgefühl. Gleichzeitig ist die Charakterzeichnung sehr gelungen: In der Vergangenheit wirken Britta, Pia und Martin noch kindlich und unbeschwert, während sie in der Gegenwart klar gereift sind und doch tragen sie noch immer denselben Kern in sich. Genau diese Kontinuität macht die Figuren so glaubwürdig und nahbar. Gerade dieses Wechselspiel macht die Geschichte so berührend. Es geht um Freundschaft, um Liebe, um Schuld und darum, was es bedeutet, sich selbst wirklich zu begegnen.

„Der Sommer, der uns blieb“ ist ein zarter und zugleich kraftvoller Roman, der lange nachklingt. Eine Geschichte, die nicht laut sein muss, um tief zu berühren und die zeigt, dass manche Verbindungen selbst die Zeit überdauern.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Wenn das Leben plötzlich kippt

Pina fällt aus
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Alles beginnt mit einem Moment, der alles verändert: Eine Mutter bricht zusammen und ihr Sohn, der auf ganz eigene Weise durch die Welt geht, bleibt plötzlich allein zurück. Was folgt, ist kein klassisches ...

Alles beginnt mit einem Moment, der alles verändert: Eine Mutter bricht zusammen und ihr Sohn, der auf ganz eigene Weise durch die Welt geht, bleibt plötzlich allein zurück. Was folgt, ist kein klassisches Drama, sondern eine leise, eindringliche Geschichte darüber, wie Menschen, die eigentlich nichts miteinander verbindet, gezwungen sind, Verantwortung zu übernehmen.

Genau hier entfaltet sich die besondere Stärke dieses Romans. Die Ausgangssituation ist intensiv, aber die Umsetzung bleibt bewusst ruhig und nahbar. Statt auf große Effekte zu setzen, begleitet man eine Gruppe von Nachbarn, die selbst genug mit ihrem eigenen Leben zu kämpfen haben und nun Schritt für Schritt über sich hinauswachsen müssen.

Was mich dabei besonders berührt hat, ist die Authentizität der Figuren. Jeder bringt seine eigene Schwere, seine Zweifel und seine Geschichte mit. Nichts wirkt überzeichnet oder konstruiert. Im Gegenteil: Die Charaktere sind so fein und glaubwürdig gezeichnet, dass man schnell das Gefühl bekommt, mitten unter ihnen zu sein. Die Entwicklung zwischen ihnen geschieht leise, fast vorsichtig. Es sind keine großen Gesten, sondern kleine Veränderungen, zaghaftes Annähern, Unsicherheiten und Momente des Scheiterns. Gerade diese Zwischentöne machen die Geschichte so echt und so nah.

Und dann sind da diese vielen Sätze, die einen innehalten lassen. Gedanken, die so wahr sind, dass sie fast wehtun. Über Verantwortung, Einsamkeit, das Gefühl, gebraucht zu werden, und darüber, wie sehr Menschen einander Halt geben können, selbst wenn sie es sich selbst nie zugetraut hätten.

Der Schreibstil unterstreicht all das auf eine wunderbare Weise: klar, unaufgeregt und doch voller Emotion. Kein Wort wirkt zu viel, nichts ist unnötig ausgeschmückt. Die Geschichte vertraut darauf, dass ihre Wirkung aus sich selbst heraus entsteht und genau das tut sie auch.

Für mich ist das ein Buch, das leise kommt und lange bleibt. Eines, das nicht laut beeindrucken will, sondern tief berührt. Ein echtes Highlight und ein weiterer Beweis dafür, wie kraftvoll Geschichten sein können, die ganz nah am Leben sind.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Minimalistisch erzählt, maximal eindrucksvoll (Hörbuch)

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Dieses Hörbuch hat mich auf eine stille, eindringliche Weise komplett überrascht. „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman wirkt zunächst wie eine klassische dystopische Geschichte, entwickelt ...

Dieses Hörbuch hat mich auf eine stille, eindringliche Weise komplett überrascht. „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman wirkt zunächst wie eine klassische dystopische Geschichte, entwickelt sich aber schnell zu etwas viel Größerem: einer ruhigen, fast philosophischen Erkundung dessen, was Menschsein eigentlich bedeutet.

Die Ausgangssituation ist beklemmend: Vierzig Frauen leben eingesperrt in einem unterirdischen Käfig, bewacht von schweigsamen Männern. Niemand weiß, warum sie dort sind, wie lange schon oder was aus der Welt geworden ist. Besonders faszinierend ist die Perspektive der Erzählerin – sie ist die Jüngste und die Einzige, die sich an kein Leben vor der Gefangenschaft erinnern kann. Dadurch wirkt ihr Blick auf alles gleichzeitig naiv, neugierig und unglaublich klar.

Als eines Tages plötzlich die Tür offensteht, beginnt der eigentliche Kern der Geschichte. Was folgt, ist keine klassische Abenteuerreise, sondern eher eine nachdenkliche Erkundung einer fremd gewordenen Welt. Die Frauen versuchen zu verstehen, was um sie herum passiert und gleichzeitig auch sich selbst. Gerade diese ruhige, reflektierende Art hat mich beim Hören sehr gefesselt. Das Hörbuch setzt nicht auf Tempo oder Action, sondern auf Atmosphäre, Gedanken und stille Beobachtungen.
Besonders stark fand ich, wie die Geschichte existenzielle Fragen stellt, ohne jemals belehrend zu wirken. Es geht um Erinnerung, Identität, Gemeinschaft, Einsamkeit und auch um das Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Trotzdem bleibt alles offen genug, damit man als Hörerin oder Hörer selbst weiterdenken kann. Einige Szenen hallen noch lange nach, gerade weil sie so schlicht erzählt sind.

Auch als Hörbuch funktioniert die Geschichte hervorragend. Die ruhige, klare Erzählweise passt perfekt zu dieser fast zeitlosen Atmosphäre. Man hat beim Zuhören das Gefühl, in eine fremde Welt einzutauchen, die gleichzeitig minimalistisch und unglaublich tiefgründig ist.
Für mich ist dieses Buch ein echtes Gedankenexperiment, das sich langsam entfaltet und dabei immer intensiver wird. Es ist düster, berührend und gleichzeitig erstaunlich hoffnungsvoll. Wer Geschichten liebt, die noch lange nach dem Ende im Kopf weiterarbeiten, sollte dieses (Hör)buch unbedingt hören/lesen!

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Endlich Vorschulkind!

Hallo, jetzt bin ich Vorschulkind!
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Der Moment, in dem ein Kind zum Vorschulkind wird, ist etwas Besonderes und genau dieses Gefühl fängt dieses Kinderbuch wunderbar ein. Die Geschichte begleitet Anna, die sich riesig freut, endlich zu den ...

Der Moment, in dem ein Kind zum Vorschulkind wird, ist etwas Besonderes und genau dieses Gefühl fängt dieses Kinderbuch wunderbar ein. Die Geschichte begleitet Anna, die sich riesig freut, endlich zu den „Großen“ im Kindergarten zu gehören. Gleichzeitig stellt sie sich eine Frage, die viele Kinder kennen: Bleibt jetzt überhaupt noch genug Zeit zum Spielen?

Gemeinsam mit ihrem Freund Ben entdeckt Anna nach und nach, was Vorschule eigentlich bedeutet. Dabei geht es nicht nur um Buchstaben, Zahlen oder Formen, sondern auch um Dinge aus dem Alltag, etwa den Straßenverkehr oder die Elemente. Das Buch schafft es, diese Lerninhalte spielerisch in die Geschichte einzubauen, ohne belehrend zu wirken. Statt klassischem „Lernen“ steht die Neugier im Mittelpunkt. Kinder dürfen miträtseln, mitentdecken und sich ein bisschen wie Anna fühlen.

Besonders schön ist, dass die Geschichte die typische Mischung aus Aufregung und Vorfreude aufgreift, die viele Kinder in dieser Phase erleben. Der Übergang vom Kindergarten zur Schule wird hier leicht, positiv und motivierend dargestellt. Anna merkt schnell: Vorschule bedeutet nicht nur neue Aufgaben, sondern auch viele spannende Entdeckungen und natürlich bleibt genug Raum zum Spielen.

Der Ton ist kindgerecht, locker und verständlich, sodass sich Kinder gut in die Figuren hineinversetzen können. Gleichzeitig vermittelt das Buch ganz nebenbei Selbstvertrauen und Lust aufs Lernen. Dadurch eignet es sich ideal zum gemeinsamen Lesen zu Hause oder als kleine Vorbereitung auf den nächsten großen Schritt.

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