Zwei Fremde, ein leiser Weg nach Hause
Frankie – Unter MenschenFrankie ist ein Kater, der eigentlich alles hat; ein bequemes Zuhause, gutes Futter und seinen Menschenfreund Gold. Doch als dieser plötzlich verschwindet und Frankie nach einem nächtlichen Streifzug in ...
Frankie ist ein Kater, der eigentlich alles hat; ein bequemes Zuhause, gutes Futter und seinen Menschenfreund Gold. Doch als dieser plötzlich verschwindet und Frankie nach einem nächtlichen Streifzug in einem Müllauto landet, beginnt für ihn eine unfreiwillige Reise ins Ungewisse. Fern von allem Vertrauten kämpft er sich durch eine fremde Welt und trifft dabei auf Shattab, ein Mädchen, das selbst auf der Flucht ist. Gemeinsam schlagen sie sich durch ein raues, manchmal grausames Umfeld, begegnen skurrilen wie gefährlichen Gestalten und halten sich aneinander fest ... auf der Suche nach Zugehörigkeit, Sicherheit und vielleicht so etwas wie einem neuen Zuhause.
Die Geschichte entfaltet sich leise und eindringlich, mit einer ganz eigenen Mischung aus Lakonie, Wärme und trockenem Humor. Besonders gelungen ist die Perspektive aus Frankies Sicht: Sie wirkt nie künstlich vermenschlicht, sondern bleibt eigen, leicht schräg und dabei überraschend klar. Gerade diese Distanz macht viele Beobachtungen über Menschen umso treffender. Zwischen absurden Begegnungen und berührenden Momenten entsteht ein Roadtrip, der sich gleichzeitig leicht und schwer anfühlt.
Shattab bringt eine zweite emotionale Ebene in die Handlung. Ihre Geschichte ist rauer, direkter, manchmal kaum auszuhalten, ohne je ins Sentimentale abzurutschen. Die Dynamik zwischen ihr und Frankie wirkt dabei nie konstruiert, sondern entwickelt sich glaubwürdig und still. Es sind oft die kleinen Gesten, die diese Verbindung so stark machen.
Sprachlich überzeugt der Roman mit Klarheit und Rhythmus. Die Sätze sind oft knapp, fast beiläufig, tragen aber viel zwischen den Zeilen. Der Humor blitzt genau dann auf, wenn es fast zu schwer wird, und verhindert, dass die Geschichte kippt. Gleichzeitig scheut sich das Buch nicht, unangenehme Wahrheiten zu zeigen: über Einsamkeit, Ausgrenzung und das Gefühl, nirgends wirklich dazuzugehören.
Es ist kein lautes Buch, aber eines, das nachhallt. Es erzählt von Verlust und Freundschaft, von Orientierungslosigkeit und Hoffnung und davon, wie zwei sehr unterschiedliche Wesen einander Halt geben, ohne große Worte zu brauchen. Am Ende bleibt ein bittersüßer Eindruck, der lange nachwirkt.