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Veröffentlicht am 05.06.2026

Wer lügt hier eigentlich?

Weil sie lügt
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'Weil sie lügt' von Caroline Seibt hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Geschichte dreht sich um Anna, deren ältere Schwester Juli spurlos verschwunden ist. Die Polizei ...

'Weil sie lügt' von Caroline Seibt hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Geschichte dreht sich um Anna, deren ältere Schwester Juli spurlos verschwunden ist. Die Polizei geht von einem Mord aus, und der Hauptverdächtige ist ausgerechnet der eigene Vater. Was die Autorin hier zeigt, ist nicht nur ein Kriminalfall, sondern vor allem, was so ein Albtraum mit einer Familie macht. Die Mutter bricht unter der Trauer zusammen, der kleine Bruder versteht die Welt nicht mehr, und Anna versucht irgendwie, für alle stark zu sein, obwohl sie selbst am Limit ist. Parallel dazu begleiten wir Kommissarin Katharina, die den Fall vorantreibt, während die Ermittlungen immer wieder ins Stocken geraten. Dieser Wechsel zwischen den beiden Perspektiven funktioniert richtig gut, weil man so beide Seiten hautnah miterlebt, die emotionale und die ermittlungstechnische.

Anna hat mir richtig gut gefallen. Sie ist mutig, verantwortungsbewusst und trotzdem so menschlich zerbrechlich, dass man an bestimmten Stellen wirklich einen Kloß im Hals hat, besonders wenn man sieht, wie liebevoll sie sich um ihren kleinen Bruder kümmert. Die Atmosphäre des Buches ist durchgehend beklemmend und angespannt, aber nie reißerisch oder blutig. Caroline Seibt schafft es, Spannung eher durch Emotionen und Unsicherheit aufzubauen als durch Action. Die kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man ständig weiterliest, immer in der Hoffnung, endlich etwas herauszufinden, nur um dann wieder auf eine falsche Fährte gelockt zu werden. Genau das macht das Buch so unterhaltsam. Man glaubt, die Lösung zu kennen, und dann zieht die Autorin einem wieder den Boden unter den Füßen weg. Bis zum Ende hin steigert sich die Spannung nochmal deutlich, und der finale Twist hat mich wirklich überrascht.

Auch das Cover darf man nicht vergessen, die aufgesetzten Regentropfen und die dunkle Farbgestaltung machen schon beim ersten Blick neugierig und passen wunderbar zur Stimmung des Buches.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es aber doch: in der Mitte des Buches gibt es eine kurze Phase, in der die Geschichte ein bisschen an Fahrt verliert, bevor es dann wieder so richtig anzieht.

Insgesamt ist 'Weil sie lügt' aber ein starker, emotionaler Thriller, der unter die Haut geht und vor allem für Leserinnen und Leser geeignet ist, die keine reißerischen Splatter-Geschichten mögen, sondern lieber atmosphärische, charaktergetriebene Spannung. Wer Freude daran hat, mitzurätseln und sich auf falsche Fährten locken zu lassen, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Schön chaotisch, aber nicht immer auf die gute Art

Chaos
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Hedda steckt tief in der Krise. Die Masterarbeit zieht sich ewig hin, die Beziehung zu ihrem Freund gerät ins Wanken, und dann taucht auch noch ihr Vater wieder auf, ein Ex-Dotcom-Milliardär mit einem ...

Hedda steckt tief in der Krise. Die Masterarbeit zieht sich ewig hin, die Beziehung zu ihrem Freund gerät ins Wanken, und dann taucht auch noch ihr Vater wieder auf, ein Ex-Dotcom-Milliardär mit einem Hang zum Größenwahn und einer losen Beziehung zur Legalität. Was das Buch dabei von Anfang an klar macht: Hedda ist nicht einfach in eine Krise hineingestolpert, sie wurde von klein auf in ein dysfunktionales Umfeld hineingeboren, das ihr nie wirklich gezeigt hat, wie ein stabiles Leben aussehen kann. Und so trägt sie dieses Erbe mit sich, trifft eine schlechte Entscheidung nach der nächsten, und man beobachtet das als Leserin mit einer Mischung aus Mitgefühl und leichter Verzweiflung.

Das Buch stellt sich selbst keine einfachen Fragen. Es geht um Themen wie generationelle Prägungen, psychische Belastungen und die Frage, wie sehr uns unsere Kindheit als Erwachsene noch im Griff hat, und das alles ohne erhobenen Zeigefinger. Heddas Figur ist dabei komplex und widersprüchlich, sie ist sarkastisch, intelligent, manchmal unangenehm, aber irgendwie auch nachvollziehbar. Auch das Cover hat mich direkt angesprochen, die erschöpfte Frau mit dem Kopf auf dem Tisch trifft die Stimmung des Buches ziemlich genau. Und der Schreibstil selbst ist modern und bildhaft, man liest sich gut durch die Seiten.

Die Erzählstruktur ist bewusst chaotisch gehalten, Rückblenden und Gegenwart wechseln ohne klare Ankündigung, und das hat mich gerade zu Beginn mehr verwirrt als fasziniert. Es braucht eine Weile, bis man den Dreh raus hat, und nicht jede Verwirrung fühlte sich dabei wie ein bewusstes Stilmittel an, sondern manchmal einfach wie Orientierungslosigkeit. Dazu kommt, dass Hedda über das gesamte Buch hinweg kaum eine echte Entwicklung durchmacht. Sie bleibt sich selbst treu, was einerseits realistisch ist, andererseits aber auch frustrierend, weil man als Leserin irgendwann auf irgendeinen Moment der Erkenntnis hofft, der dann so nicht kommt. Auch das Ende wirkte auf mich etwas unfertig, als wären noch Seiten übrig gewesen, die nie geschrieben wurden.

Fazit: 'Chaos' ist kein Buch für zwischendurch, und das ist sowohl Stärke als auch Schwäche. Wer experimentelle Strukturen mag, sich gerne auf schwierige Figuren einlässt und kein sauberes Happy End braucht, wird hier durchaus etwas finden. Wer aber eine greifbare Entwicklung oder klare Emotionen erwartet, könnte sich ähnlich fühlen wie Hedda selbst: irgendwie taub. Drei Sterne von mir, denn die Ansätze sind interessant, aber die Umsetzung hat mich nicht vollständig erreicht.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Düstere Hitze, Sektenkult und ein optisches Highlight

Tokyo
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Das Buch 'Tokyo - Schwarzer Sommer' von Tokuro Nukui entführt uns in das Jahr 1991, mitten hinein in eine fast schon greifbare, drückende Sommerhitze der japanischen Metropole. Die ohnehin schon angespannte ...

Das Buch 'Tokyo - Schwarzer Sommer' von Tokuro Nukui entführt uns in das Jahr 1991, mitten hinein in eine fast schon greifbare, drückende Sommerhitze der japanischen Metropole. Die ohnehin schon angespannte Atmosphäre der Stadt schlägt schnell in blankes Entsetzen um, als innerhalb kürzester Zeit zwei kleine Mädchen spurlos verschwinden und kurz darauf eines der Kinder tot aufgefunden wird. Kommissar Saeki übernimmt die Ermittlungen und steht vor der quälenden Frage, ob er es mit einem Serientäter zu tun hat. Nukui verwebt die klassische Mördersuche geschickt mit den psychologischen Abgründen der Betroffenen. Wir erleben nicht nur die polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern blicken auch tief in die Seele eines traumatisierten Vaters, der in seiner grenzenlosen Trauer und Verzweiflung Halt in den düsteren Ritualen einer obskuren Glaubensgemeinschaft sucht. Als dann ein weiteres Kind verschwindet, beginnt ein packender Wettlauf gegen die Zeit.

Schon beim ersten Blick auf das Buch fällt die wunderschöne und extrem ästhetische Gestaltung auf. Das Cover ist ein absoluter Hingucker, und wenn man den Schutzumschlag abnimmt, kommt ein Design zum Vorschein, das an ein edles Coffee Table Book erinnert. Zusammen mit dem passenden Farbschnitt ist das Buch optisch ein echtes Highlight im Regal.

Inhaltlich hat mich der Thriller besonders durch seine dichte, bedrückende Atmosphäre in den Bann gezogen. Die drückende Hitze Tokios und die beklemmenden Einblicke in die Glaubensgemeinschaft sind faszinierend beschrieben und erzeugen eine durchgehende Grundspannung. Der solide und angenehm lesbare Schreibstil sorgt dafür, dass man gut in die Geschichte hineindetector, auch wenn man sich, wie es bei japanischen Kriminalromanen manchmal der Fall ist, ein wenig an die asiatischen Namen gewöhnen muss. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, was einen tiefen Einblick in die menschliche Verzweiflung erlaubt. Allerdings muss man auch erwähnen, dass die Ermittlungsschritte stellenweise sehr ausführlich und detailreich geschildert werden, was den Erzählfluss und den Spannungsbogen zwischendurch etwas ausbremst.

Alles in allem ist 'Tokyo' für mich aber ein wirklich gelungener und atmosphärisch starker Kriminalroman, dem ich sehr gerne vier von fünf Sternen gebe. Das Buch ist perfekt geeignet für alle Leser, die düstere, psychologische Kriminalgeschichten mögen und sich gerne auf das besondere, entschleunigte Flair japanischer Spannungsliteratur einlassen, bei der das Augenmerk ebenso sehr auf der gesellschaftlichen und psychologischen Tiefe wie auf der reinen Action liegt.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Ich wusste, dass es wehtut, und hab es trotzdem nochmal gelesen 😭

Wie die Ruhe vor dem Sturm
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Ich habe 'Wie die Ruhe vor dem Sturm' von Brittainy C. Cherry letzte Nacht nochmal rereadet, nachdem ich vorher nur Thriller gelesen habe, und ich wusste eigentlich schon, worauf ich mich einlasse. Ich ...

Ich habe 'Wie die Ruhe vor dem Sturm' von Brittainy C. Cherry letzte Nacht nochmal rereadet, nachdem ich vorher nur Thriller gelesen habe, und ich wusste eigentlich schon, worauf ich mich einlasse. Ich brauchte einfach genau dieses Gefühl…und ja, es wurde wieder ein kompletter Ugly Cry.

Die Geschichte begleitet Ellie und Grey in zwei Phasen ihres Lebens. Am Anfang lernt man sie als Jugendliche kennen, beide mit ziemlich schweren familiären Themen im Hintergrund, und man merkt schnell, wie sehr sie sich gegenseitig Halt geben. Jahre später treffen sie wieder aufeinander, aber alles ist anders. Grey ist nicht mehr der Junge von früher, sondern total verschlossen und von seiner Vergangenheit geprägt. Ellie arbeitet dann ausgerechnet in seinem Haushalt, kümmert sich um seine Kinder, und zwischen ihnen steht einfach unglaublich viel Ungesagtes. Es geht viel um Verlust, Trauer und darum, ob man überhaupt wieder zueinanderfinden kann, wenn so viel passiert ist.

Was mich beim Lesen wieder richtig getroffen hat, war diese Intensität. Dieses Buch ist nicht einfach nur traurig, es zieht sich wirklich durch jede Seite so eine Schwere, aber gleichzeitig auch etwas Hoffnungsvolles. Vor allem die Kapitel aus der Jugend haben mich komplett bekommen. Diese Verbindung zwischen Ellie und Grey fühlt sich da so ehrlich und zerbrechlich an, dass man eigentlich schon weiß, dass es später nur wehtun kann.

Ellie mochte ich total gern, weil sie eher leise ist, aber trotzdem stark auf ihre eigene Art. Grey…puuh. Ich verstehe total, warum er so ist, wie er ist, aber manchmal war er wirklich schwer auszuhalten. Diese emotionale Distanz und wie er mit allem umgeht, hat mich stellenweise echt frustriert. Gleichzeitig macht genau das die Geschichte aber auch glaubwürdig. Ich war die ganze Zeit so zwischen 'ich verstehe dich' und 'bitte reiß dich zusammen'.

Der Schreibstil ist typisch für die Autorin, sehr gefühlvoll, fast schon poetisch. In manchen Momenten genau das, was die Geschichte braucht, in anderen war es mir ehrlich gesagt ein bisschen zu viel Drama. Aber gerade beim Reread hat es mich wieder voll abgeholt, weil ich wusste, worauf ich mich einlasse.

Das Cover finde ich immer noch richtig schön und passend. Diese ruhigen, leicht düsteren Farben haben für mich genau dieses Gefühl von 'kurz vor dem Sturm', man weiß, da kommt noch etwas, und genau so fühlt sich das Buch auch an.

Ich glaube, man muss solche Geschichten einfach mögen. Es ist definitiv nicht subtil, es ist emotional, dramatisch und teilweise auch vorhersehbar. Aber wenn man genau das sucht, dieses komplette Eintauchen und Mitfühlen bis es weh tut, dann funktioniert es einfach. Für mich war es wieder genau das richtige Buch zum falschen (oder vielleicht perfekten) Zeitpunkt. Ich wusste, dass es mich zerstören wird, und habe es trotzdem gebraucht.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Zwischen Urlaubsidylle und unterschwelliger Bedrohung.

Meeresdunkel
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'Meeresdunkel' von Till Raether beginnt für mich erstmal wie eine etwas unangenehme Urlaubssituation. Zwei Familien treffen aufeinander, weil sie dasselbe Haus gebucht haben, und müssen sich irgendwie ...

'Meeresdunkel' von Till Raether beginnt für mich erstmal wie eine etwas unangenehme Urlaubssituation. Zwei Familien treffen aufeinander, weil sie dasselbe Haus gebucht haben, und müssen sich irgendwie arrangieren. Was zunächst wie eine unangenehme, aber lösbare Situation wirkt, kippt langsam. Die Atmosphäre wird zunehmend bedrückend, alte Spannungen und unterschwellige Konflikte treten hervor, und schließlich passiert etwas, das alles verändert, ohne dass man sofort versteht, warum diese Menschen überhaupt zusammengeführt wurden. Entscheidend ist weniger das 'Was passiert?', sondern das 'Warum sind sie hier?' und 'Was verbindet sie wirklich?'. Genau dieses langsame Aufziehen der Bedrohung ist der eigentliche Motor der Handlung.

Ich muss sagen, die ersten etwa 80 Seiten fand ich ehrlich gesagt schwierig. Ich musste mich erstmal an den Schreibstil gewöhnen, weil man sehr stark in den Gedanken der Figuren ist und das Ganze teilweise fast protokollartig wirkt. Das hat es für mich am Anfang etwas distanziert gemacht, weil ich nicht sofort emotional drin war. Gleichzeitig passt genau das aber auch irgendwie zur Stimmung des Buches dieses leicht Kühle, Beobachtende.

Am spannendsten fand ich von Anfang an Juri. Er hat seine Puppe Hedwig dabei und geht mit ihr auf eine Art um, die sofort irritierend ist. Er vermenschlicht sie total, projiziert seine eigenen Bedürfnisse auf sie und lässt sie quasi für sich sprechen. Das war für mich direkt so ein unterschwelliges Unbehagen, das sich durchzieht, nicht laut oder schockierend, sondern eher dieses leise 'da stimmt etwas nicht'. Gerade solche Details machen für mich die Stärke des Buches aus, weil sie ohne große Effekte funktionieren.

Was mir insgesamt gut gefallen hat, ist diese langsame, sich aufbauende Spannung. Es passiert lange nichts Spektakuläres, aber man merkt, wie sich alles zuspitzt. Die Figuren wirken dabei nicht wie typische Thriller-Charaktere, sondern eher wie echte Menschen mit eigenen Problemen, was die Situation noch unangenehmer macht. Die Atmosphäre in diesem abgelegenen Haus, das eigentlich nach Urlaub klingt, aber sich zunehmend bedrückend anfühlt, fand ich sehr gelungen.

Was ich etwas schwierig fand, war eben genau dieses langsame Tempo am Anfang und stellenweise auch zwischendurch. Man braucht Geduld, und ich kann verstehen, wenn man da nicht direkt reinkommt. Außerdem sorgt der sehr kopflastige Stil dafür, dass man manchmal eher beobachtet als wirklich mitfühlt.

Das Cover passt für mich ziemlich gut. Es wirkt erstmal ruhig und fast schön, aber gleichzeitig schwingt etwas Düsteres mit, genau wie die Geschichte selbst, die unter der Oberfläche immer unangenehmer wird.

Insgesamt fand ich 'Meeresdunkel' eher einen leisen, psychologischen Thriller als einen klassischen Spannungsroman. Kein Buch für zwischendurch, sondern eher eines, bei dem man sich auf die Stimmung und die Figuren einlassen muss. Ich würde es vor allem Leuten empfehlen, die genau sowas mögen. Langsame Spannung, viel Innenleben und dieses konstante Gefühl, dass etwas nicht ganz greifbar ist, aber definitiv falsch läuft.

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