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Veröffentlicht am 07.07.2026

Alles Liebe oder alles Lüge?

Alles Liebe
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Das auffällige, knallige Cover von Ronja von Rönnes Roman mit dem von Bändern schmerzhaft zusammengequetschten Herzen fängt den Kern des Buches perfekt ein, denn der Titel 'Alles Liebe' führt uns ganz ...

Das auffällige, knallige Cover von Ronja von Rönnes Roman mit dem von Bändern schmerzhaft zusammengequetschten Herzen fängt den Kern des Buches perfekt ein, denn der Titel 'Alles Liebe' führt uns ganz bewusst in die Irre. In diesem Episodenroman begegnen wir fünf verschiedenen Menschen, den drei Frauen Laura, Barbara und Heike sowie den beiden Männern Fedor und Mattis, die auf den ersten Blick völlig getrennte Leben führen, sich im Laufe der Handlung aber durch raffinierte, lose Fäden und Überschneidungen zu einem überraschenden Gesamtbild verknüpfen. Es geht um Laura, die die Krebserkrankung ihrer besten Freundin Miriams als Währung für die eigene Beliebtheit nutzt, um Barbara, die den Verlust ihrer Tochter mit einer Scheinwelt aus Versandhauskatalogen und einer erfundenen Beziehung kompensiert, und um Heike, die seit drei Jahrzehnten im Haus ihrer Schwiegermutter festsitzt und von unerreichten Träumen lebt. Gleichzeitig erleben wir Fedor, dessen intensive Gefühle für die Künstlerin Christina eine schmerzhafte Eifersucht berühren, und den Lokaljournalisten Mattis, der von einer unerbittlichen Kollegin im Beruf verdrängt wird.

Ronja von Rönne gelingt es hier meisterhaft, eine Brücke zwischen trockenem, oft absurd-ironischem Alltagshumor und einer tiefen, fast schon erbarmungslosen Melancholie zu schlagen. Der Schreibstil ist ungeheuer flüssig und klar, sodass man die Seiten regelrecht verschlingt, während unter der Oberfläche eine enorme emotionale Wucht spürbar wird. Was mich an diesem Buch besonders fasziniert hat, ist die schonungslose Ehrlichkeit, mit der die Abgründe menschlicher Beziehungen ausgeleuchtet werden. Die Figuren sind meilenweit davon entfernt, makellose Helden zu sein, sie handeln aus Einsamkeit, verstricken sich tief in eigenen Lebenslügen und tun oft moralisch verwerfliche Dinge, um irgendwie gesehen zu werden. Dieses ungeschönte Innenleben macht sie aber extrem nahbar, auch wenn man als Leser angesichts ihrer Fehlentscheidungen manchmal wütend den Kopf schütteln möchte oder ein echtes Gefühl der Beklemmung spürt.

Ein kleinerer Schwachpunkt liegt für mich im Mittelteil, wo sich manche Passagen durch die bewusste Distanz der Charaktere ein wenig ziehen und einige der Episoden für meinen Geschmack etwas zu offen enden, wodurch manch brennende Frage unbeantwortet bleibt.

Mein Fazit zu diesem Werk fällt insgesamt sehr positiv aus, denn es ist ein kluges, unbequemes und zutiefst nachdenkliches Buch über die Sehnsucht nach Verbundenheit und die gefährlichen Facetten dessen, was wir für Liebe halten. Es eignet sich hervorragend für Leser, die anspruchsvolle, psychologisch dichte Episodenromane mit einer Prise bitterbösem Humor mögen.

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Veröffentlicht am 06.07.2026

Atmosphärisch, beklemmend und voller Geheimnisse

Home Story
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Mit „Home Story“ entwirft Cleo Konrad ein ländliches Psychospiel, das uns auf den abgeschiedenen Steingruberhof entführt. Diese ökologische Hofgemeinschaft dient einer bunten Truppe von Aussteigern als ...

Mit „Home Story“ entwirft Cleo Konrad ein ländliches Psychospiel, das uns auf den abgeschiedenen Steingruberhof entführt. Diese ökologische Hofgemeinschaft dient einer bunten Truppe von Aussteigern als Zuflucht, doch die vermeintliche Idylle zerbricht, als mitten in einem heißen Rekordsommer eine investigative Journalistin ermordet auf dem Gelände aufgefunden wird. Da der Verdacht sofort auf die eigenwilligen Bewohner fällt, holt die Gemeinschaft Eva zur Hilfe, eine erfolgreiche Münchner Anwältin, die selbst auf dem Hof aufgewachsen ist, diesen aber vor 13 Jahren im Streit verlassen hat. Bei ihrer Rückkehr stößt sie auf eine eiserne Mauer des Schweigens. Jeder auf dem Hof scheint Dreck am Stecken zu haben, und die polizeilichen Ermittlungen heizen die paranoide Stimmung unter den Bewohnern nur noch weiter an. Eva muss sich jedoch nicht nur den mörderischen Geheimnissen stellen, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit.

Besonders gut gefallen hat mir die Atmosphäre des Romans. Der Steingruberhof wirkt fast wie eine eigene Figur, und die drückende Sommerhitze, die Abgeschiedenheit und das Misstrauen innerhalb der Gemeinschaft sorgen für eine dauerhaft beklemmende Stimmung. Statt auf blutige Szenen oder permanente Action setzt die Autorin auf psychologische Spannung und lässt viele Fragen lange offen. Dadurch entsteht eine unterschwellige Unruhe, die einen immer wieder weiterlesen lässt. Auch die Figuren wirken vielschichtig und glaubwürdig. Niemand ist einfach nur gut oder böse, sondern jeder scheint seine eigenen Beweggründe und Geheimnisse mit sich herumzutragen. Die verschiedenen Perspektiven tragen zusätzlich dazu bei, dass man lange rätselt, wem man eigentlich vertrauen kann. Um bei dem recht großen Figurenkarussell nicht den Faden zu verlieren, gibt es ein Personenverzeichnis und eine detaillierte Hofkarte. Das letzte Drittel des Romans hat mich absolut begeistert. Cleo Konrad zieht das Tempo hier massiv an und liefert ein hochspannendes Finale ab, bei dem alle Fäden raffiniert zusammenlaufen.

Allerdings braucht die Geschichte einiges an Geduld. Die ersten 150 Seiten ziehen sich wie Kaugummi. Durch die vielen verschiedenen Perspektiven und die detaillierte Vorstellung jedes einzelnen Bewohners ist der Einstieg extrem zäh und trocken geraten. Zudem fühlt sich der Aufbau phasenweise sehr statisch an, die ständigen Perspektivenwechsel wirken so, als würde die Autorin dem Leser absichtlich Puzzleteile vorenthalten, was den Spannungsfluss im Mittelteil immer wieder künstlich ausbremst. Bei einer stattlichen Länge von über 500 Seiten hätte dem Buch eine Straffung wirklich gutgetan, um Längen zu vermeiden.

Insgesamt ist 'Home Story' für mich ein atmosphärischer Psychothriller, der seine größte Stärke nicht in rasanter Action, sondern in seiner dichten Stimmung, den vielschichtigen Figuren und der psychologischen Spannung hat. Wer bereit ist, sich auf den langsamen Aufbau einzulassen, wird mit einer fesselnden Geschichte und einem starken Schluss belohnt. Besonders empfehlenswert ist das Buch für Leserinnen und Leser, die ruhige, charaktergetriebene Thriller mögen und Wert auf Atmosphäre legen. Wer dagegen von der ersten Seite an ein hohes Tempo und ständig neue Wendungen erwartet, sollte wissen, dass sich die Geschichte bewusst Zeit nimmt, bevor sie ihre ganze Wirkung entfaltet.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Wer lügt hier eigentlich?

Weil sie lügt
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'Weil sie lügt' von Caroline Seibt hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Geschichte dreht sich um Anna, deren ältere Schwester Juli spurlos verschwunden ist. Die Polizei ...

'Weil sie lügt' von Caroline Seibt hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Geschichte dreht sich um Anna, deren ältere Schwester Juli spurlos verschwunden ist. Die Polizei geht von einem Mord aus, und der Hauptverdächtige ist ausgerechnet der eigene Vater. Was die Autorin hier zeigt, ist nicht nur ein Kriminalfall, sondern vor allem, was so ein Albtraum mit einer Familie macht. Die Mutter bricht unter der Trauer zusammen, der kleine Bruder versteht die Welt nicht mehr, und Anna versucht irgendwie, für alle stark zu sein, obwohl sie selbst am Limit ist. Parallel dazu begleiten wir Kommissarin Katharina, die den Fall vorantreibt, während die Ermittlungen immer wieder ins Stocken geraten. Dieser Wechsel zwischen den beiden Perspektiven funktioniert richtig gut, weil man so beide Seiten hautnah miterlebt, die emotionale und die ermittlungstechnische.

Anna hat mir richtig gut gefallen. Sie ist mutig, verantwortungsbewusst und trotzdem so menschlich zerbrechlich, dass man an bestimmten Stellen wirklich einen Kloß im Hals hat, besonders wenn man sieht, wie liebevoll sie sich um ihren kleinen Bruder kümmert. Die Atmosphäre des Buches ist durchgehend beklemmend und angespannt, aber nie reißerisch oder blutig. Caroline Seibt schafft es, Spannung eher durch Emotionen und Unsicherheit aufzubauen als durch Action. Die kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man ständig weiterliest, immer in der Hoffnung, endlich etwas herauszufinden, nur um dann wieder auf eine falsche Fährte gelockt zu werden. Genau das macht das Buch so unterhaltsam. Man glaubt, die Lösung zu kennen, und dann zieht die Autorin einem wieder den Boden unter den Füßen weg. Bis zum Ende hin steigert sich die Spannung nochmal deutlich, und der finale Twist hat mich wirklich überrascht.

Auch das Cover darf man nicht vergessen, die aufgesetzten Regentropfen und die dunkle Farbgestaltung machen schon beim ersten Blick neugierig und passen wunderbar zur Stimmung des Buches.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es aber doch: in der Mitte des Buches gibt es eine kurze Phase, in der die Geschichte ein bisschen an Fahrt verliert, bevor es dann wieder so richtig anzieht.

Insgesamt ist 'Weil sie lügt' aber ein starker, emotionaler Thriller, der unter die Haut geht und vor allem für Leserinnen und Leser geeignet ist, die keine reißerischen Splatter-Geschichten mögen, sondern lieber atmosphärische, charaktergetriebene Spannung. Wer Freude daran hat, mitzurätseln und sich auf falsche Fährten locken zu lassen, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Schön chaotisch, aber nicht immer auf die gute Art

Chaos
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Hedda steckt tief in der Krise. Die Masterarbeit zieht sich ewig hin, die Beziehung zu ihrem Freund gerät ins Wanken, und dann taucht auch noch ihr Vater wieder auf, ein Ex-Dotcom-Milliardär mit einem ...

Hedda steckt tief in der Krise. Die Masterarbeit zieht sich ewig hin, die Beziehung zu ihrem Freund gerät ins Wanken, und dann taucht auch noch ihr Vater wieder auf, ein Ex-Dotcom-Milliardär mit einem Hang zum Größenwahn und einer losen Beziehung zur Legalität. Was das Buch dabei von Anfang an klar macht: Hedda ist nicht einfach in eine Krise hineingestolpert, sie wurde von klein auf in ein dysfunktionales Umfeld hineingeboren, das ihr nie wirklich gezeigt hat, wie ein stabiles Leben aussehen kann. Und so trägt sie dieses Erbe mit sich, trifft eine schlechte Entscheidung nach der nächsten, und man beobachtet das als Leserin mit einer Mischung aus Mitgefühl und leichter Verzweiflung.

Das Buch stellt sich selbst keine einfachen Fragen. Es geht um Themen wie generationelle Prägungen, psychische Belastungen und die Frage, wie sehr uns unsere Kindheit als Erwachsene noch im Griff hat, und das alles ohne erhobenen Zeigefinger. Heddas Figur ist dabei komplex und widersprüchlich, sie ist sarkastisch, intelligent, manchmal unangenehm, aber irgendwie auch nachvollziehbar. Auch das Cover hat mich direkt angesprochen, die erschöpfte Frau mit dem Kopf auf dem Tisch trifft die Stimmung des Buches ziemlich genau. Und der Schreibstil selbst ist modern und bildhaft, man liest sich gut durch die Seiten.

Die Erzählstruktur ist bewusst chaotisch gehalten, Rückblenden und Gegenwart wechseln ohne klare Ankündigung, und das hat mich gerade zu Beginn mehr verwirrt als fasziniert. Es braucht eine Weile, bis man den Dreh raus hat, und nicht jede Verwirrung fühlte sich dabei wie ein bewusstes Stilmittel an, sondern manchmal einfach wie Orientierungslosigkeit. Dazu kommt, dass Hedda über das gesamte Buch hinweg kaum eine echte Entwicklung durchmacht. Sie bleibt sich selbst treu, was einerseits realistisch ist, andererseits aber auch frustrierend, weil man als Leserin irgendwann auf irgendeinen Moment der Erkenntnis hofft, der dann so nicht kommt. Auch das Ende wirkte auf mich etwas unfertig, als wären noch Seiten übrig gewesen, die nie geschrieben wurden.

Fazit: 'Chaos' ist kein Buch für zwischendurch, und das ist sowohl Stärke als auch Schwäche. Wer experimentelle Strukturen mag, sich gerne auf schwierige Figuren einlässt und kein sauberes Happy End braucht, wird hier durchaus etwas finden. Wer aber eine greifbare Entwicklung oder klare Emotionen erwartet, könnte sich ähnlich fühlen wie Hedda selbst: irgendwie taub. Drei Sterne von mir, denn die Ansätze sind interessant, aber die Umsetzung hat mich nicht vollständig erreicht.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Düstere Hitze, Sektenkult und ein optisches Highlight

Tokyo
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Das Buch 'Tokyo - Schwarzer Sommer' von Tokuro Nukui entführt uns in das Jahr 1991, mitten hinein in eine fast schon greifbare, drückende Sommerhitze der japanischen Metropole. Die ohnehin schon angespannte ...

Das Buch 'Tokyo - Schwarzer Sommer' von Tokuro Nukui entführt uns in das Jahr 1991, mitten hinein in eine fast schon greifbare, drückende Sommerhitze der japanischen Metropole. Die ohnehin schon angespannte Atmosphäre der Stadt schlägt schnell in blankes Entsetzen um, als innerhalb kürzester Zeit zwei kleine Mädchen spurlos verschwinden und kurz darauf eines der Kinder tot aufgefunden wird. Kommissar Saeki übernimmt die Ermittlungen und steht vor der quälenden Frage, ob er es mit einem Serientäter zu tun hat. Nukui verwebt die klassische Mördersuche geschickt mit den psychologischen Abgründen der Betroffenen. Wir erleben nicht nur die polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern blicken auch tief in die Seele eines traumatisierten Vaters, der in seiner grenzenlosen Trauer und Verzweiflung Halt in den düsteren Ritualen einer obskuren Glaubensgemeinschaft sucht. Als dann ein weiteres Kind verschwindet, beginnt ein packender Wettlauf gegen die Zeit.

Schon beim ersten Blick auf das Buch fällt die wunderschöne und extrem ästhetische Gestaltung auf. Das Cover ist ein absoluter Hingucker, und wenn man den Schutzumschlag abnimmt, kommt ein Design zum Vorschein, das an ein edles Coffee Table Book erinnert. Zusammen mit dem passenden Farbschnitt ist das Buch optisch ein echtes Highlight im Regal.

Inhaltlich hat mich der Thriller besonders durch seine dichte, bedrückende Atmosphäre in den Bann gezogen. Die drückende Hitze Tokios und die beklemmenden Einblicke in die Glaubensgemeinschaft sind faszinierend beschrieben und erzeugen eine durchgehende Grundspannung. Der solide und angenehm lesbare Schreibstil sorgt dafür, dass man gut in die Geschichte hineindetector, auch wenn man sich, wie es bei japanischen Kriminalromanen manchmal der Fall ist, ein wenig an die asiatischen Namen gewöhnen muss. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, was einen tiefen Einblick in die menschliche Verzweiflung erlaubt. Allerdings muss man auch erwähnen, dass die Ermittlungsschritte stellenweise sehr ausführlich und detailreich geschildert werden, was den Erzählfluss und den Spannungsbogen zwischendurch etwas ausbremst.

Alles in allem ist 'Tokyo' für mich aber ein wirklich gelungener und atmosphärisch starker Kriminalroman, dem ich sehr gerne vier von fünf Sternen gebe. Das Buch ist perfekt geeignet für alle Leser, die düstere, psychologische Kriminalgeschichten mögen und sich gerne auf das besondere, entschleunigte Flair japanischer Spannungsliteratur einlassen, bei der das Augenmerk ebenso sehr auf der gesellschaftlichen und psychologischen Tiefe wie auf der reinen Action liegt.

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