Anspruchsvoller Klassiker
1344 Seiten in 5 Teilen machen es gar nicht so einfach, den Inhalt aussagekräftig zusammenzufassen. Der Fokus liegt auf Jean Valjean, der nach 19 Jahren Haft nach Frankreich zurückkehrt, um unter einer ...
1344 Seiten in 5 Teilen machen es gar nicht so einfach, den Inhalt aussagekräftig zusammenzufassen. Der Fokus liegt auf Jean Valjean, der nach 19 Jahren Haft nach Frankreich zurückkehrt, um unter einer neuen Identität sein Unrecht wieder gut zu machen. Besonders die kranke Fantine und deren kleine Tochter Cosette liegen ihm am Herzen, sodass er alles daran setzt, deren Leben zu retten. Die Kapitel um Fantine haben mich besonders getroffen. Um Geld zu verdienen, gibt sie ihr Kind in die Obhut von Menschen, die die monatlichen Zahlungen selbst verprassen, das Kind m1sshandeln und Fantine in den Ruin treiben, immer mehr verlangen, bis sie ihre Haare verkauft, als Pr0stituierte auf der Straße landet, jede Münze für ihre geliebte Tochter zweimal umdreht und letztlich daran zugrunde geht.
Wie Jean dann nach dem Mädchen sucht, es befreit und alles für ihre Zukunft gibt, zwar sie retten kann, aber nicht sich selbst, ist unfassbar tragisch.
Die Verfilmungen sind hierbei mMn auch wahnsinnig gut gelungen, auch die neuste mit Anne Hathaway. Man verdrückt so viele Tränen um die drei.
Das Original stammt von 1862 und entsprechend anspruchsvoll liest es sich auch. Der Stil ist stellenweise schon schwieriger, d.h. man muss konzentriert lesen und der Text lädt ein, über die einzelnen Abschnitte nachzudenken.
Auf der anderen Seite gibt es recht viele gedankliche Ausschweifungen, wodurch ich immer mal wieder den roten Faden verloren habe.
Politisch-historisch spannend fand ich die Themen rund um Napoleon, den Rückblick zu 1815 zur Schlacht bei Waterloo, und dann 1832 den Pariser Juniaufstand, wo Arbeitende und Studierende um ihre Rechte kämpfen, Barrikaden bauten, aber vom restlichen Volk nicht unterstützt wurden, sodass es nach nur einem Tag 800 T0te gab. Sprich, der Roman endet mit dem Erhalt der sozialen Ungerechtigkeiten, was jede einzelne der Figuren wahnsinnig gut ausgearbeitet widerspiegelt.
Es ist ein historischer Roman, in dem man wirklich etwas lernen kann, gebettet in ein Drama, das mir wieder und wieder das Herz gebrochen hat. Es ist auf jeden Fall ein anspruchsvoller Klassiker, aber ich finde es einfach so beeindruckend, im 19. Jhdt einen derart detaillierten, authentischen Roman von weit über 1000 Seiten zu verfassen.